Die zweite Staffel von “Discovery” startet mit der Folge „Brother“, in offensichtlicher Anspielung auf das Verhältnis von Spock und Burnham. Lesen Sie hier unsere Zweit-Rezension.

Achtung! Es wird in dieser Rezension Spoiler geben, die für die Besprechung teils unerlässlich sind.

Bei Design und Setting bleibt sich die Serie treu und die Handlung geht nahtlos dort weiter, wo sie in Staffel 1 aufgehört hat.

Zunächst sehen wir jedoch einen kleinen Rückblick zu Spock und Burnham und ihre Einführung in die Familie. Diese Rückblenden wird es wohl im Laufe der Staffel noch öfter geben und sie zeigen gut auf, warum Spock und Burnham nicht gut miteinander können. Vor allem die zweite Rückblende, verdeutlicht diesen Bruch sehr schön. Während Amanda mit Burnham kuschelt, steht Spock eifersüchtig daneben, da er als Vulkanier sich nicht so verhalten soll. Gegen Ende der Folge erklärt Sarek, er habe gewollte, dass Spock Empathie lernt. Dies wirkt  schon fast wie blanker Hohn, etwas, das auch Burnham mitbekommt.

Doch zurück zur Hauptgeschichte: Die Enterprise ist längsseits der Discovery gegangen. Wer aber jetzt denkt, man bekommt von dem Schiff mehr als ein paar Außenansichten spendiert, der irrt sich. Außer Spocks Quartier am Schluss (mit schönen Referenzen zu den anderen Serien) sieht man vom dem Schiff nämlich nichts.

Auch von Nummer Eins und Spock selbst fehlt jede Spur. Auch das hebt man sich offensichtlich für später in der Staffel auf – ein Überraschungseffekt, der aber durchaus funktioniert. Findige Zuschauer, die die Infos und Interviews zur zweiten Staffel gesehen haben, werden dies aber schon geahnt haben. Immerhin sagte selbst Spack-Darsteller Ethan Peck, dass der erste Auftritt von Spock die Zuschauererwartungen unterlaufen wird. So oder so, man darf gespannt sein.

Pike & Burnham (Photo: Jan Thijs/CBS Television Studios)

Pike & Burnham (Photo: Jan Thijs/CBS Television Studios)

Pike selbst kommt auf die Discovery und übernimmt das Kommando. Die Enterprise ist schwer beschädigt und muss für längere Zeit ins Raumdock (verwunderlich nur, das man von diesen Beschädigungen in den paar Außenansichten des Schiffes nur wenig sieht). Dabei lässt er es sich nicht nehmen, eine Bemerkung zu den neuen Uniformen zu machen. Diese wirken tatsächlich eher wie im Design der “Original Series”.

Dass sie, wie die ganze Serie, etwas modernisiert wurden, ist dem Zeitgeist geschuldet und wurde bereits bei den Kelvin-Filmen nicht weiter thematisiert. Überhaupt werden Fans auch hier ein neues Design und die Darsteller akzeptieren müssen. Mit 80-jährigen (oder gar toten) lässt sich eben keine neue Folge drehen. Auch hier: Go with it – geschenkt!

Eines muss man Anson Mount lassen: Sein Pike ist charismatisch. Auch wenn er, wie viele der Enterprise-Besatzungsmitglieder, anfangs etwas überheblich wirkt. Das gibt sich aber im Laufe der Folge – nämlich dann, als er sich auf der Brücke vorstellt.

Hier wird spielerisch auch jenen Fans der Wind aus den Segeln genommen, die in der letzten Staffel noch bemängelten, dass man von der Brückenbesatzung nichts zu sehen bekäme und kaum ihre Namen kenne. Dies liegt unter anderem daran, dass die Serie konzeptionell auf Burnham und nicht die Brückencrew angelegt ist. Jedoch dürfen sich diesmal alle mit Namen bei Pike vorstellen. Damit nicht genug, bekommen einige dieser Charaktere im späteren Verlauf auch durchaus die ein oder andere Szene zugeschoben.

Man muss an dieser Stelle aber auch eingestehen, dass man die Namen kurz darauf bereits wieder vergessen hat. Dennoch ist es ein Schritt in die richtige Richtung. Bleibt also zu hoffen, dass unsere Brückenoffiziere auch künftig mal etwas glänzen dürfen, selbst wenn sie nicht im Mittelpunkt stehen.

Captain Christopher Pike (Photo: Jan Thijs/CBS Television Studios)

Captain Christopher Pike (Photo: Jan Thijs/CBS Television Studios)

Glänzen darf indes auch Pike. War “Discovery” seit der ersten Staffel bis hin zu Sets und Uniformen eher düster ausgelegt, so bringt Pike jetzt quasi die Farbe ins Spiel. Die Crew wandelte in der ersten Staffel auf dunklen Pfaden und stand teilweise vor moralisch fragwürdigen Entscheidungen. Doch jetzt kommt Pike mit seiner knallgelben Uniform und steht quasi wie ein Licht in der Dunkelheit in der Mitte der Brücke. Gut und subtil umgesetzt und von der Symbolik her sicher nicht zu verachten. Wenn weitere Enterprise-Crewmitglieder im Laufe der Staffel eintreffen, wird so das dunkle Setting langsam und schrittweise in Richtung der „helleren und bunten“ Welt von “The Original Series” angeglichen. Auch das ist durchweg als gelungen zu betrachten.

Apropos Design: Auch hier kann man wieder über Kanonbrüche diskutieren. Allen voran gibt es erneut einen ganzen Raum mit Hologrammen (in dem Fall Kerzen). Selbst das Holodeck, das erst 100 Jahre später erfunden wird, würde das nicht besser hinbringen. Sicher ist auch das der voranschreitenden Effekttechnik geschuldet, aber wie bereits in der ersten Staffel hätte man es hier vielleicht anders lösen können. Auch die neuen Raumanzüge wirken von der Funktion her moderner: Sie sind automatisiert und ja, das Aussehen ist an die “Original Series” angelehnt, allerdings stellt sich natürlich auch hier die Frage, warum zeitlich später einige Sachen nicht ganz so modern waren. Aber drüber müssen Fans einfach hinwegsehen, wollen sie sich davon nicht den Genuss der Folge verderben lassen. Im Übrigen gibt es auch keine Klingonen zu sehen. Sie werden zwar kurz erwähnt, aber das war es auch schon.

Mit Pikes Kommandoübernahme beginnt der Haupthandlungsbogen der Staffel: Sieben seltsame Signale wurden entdeckt und diese gilt es zu erforschen. Klar, dass die Discovery gleich zum ersten Signal hin aufbricht – übrigens ohne den Sporenantrieb, denn der ist konsequenterweise nicht mehr funktional. Man hat an der Stelle durchaus auf Einigkeit mit dem Kanon geachtet (außer natürlich, er wird später wieder aktiviert).

Auf dem Weg dorthin darf die neue Crew gleich noch etwas besser mit Pike zusammenwachsen, auch wenn Connollys Schicksal in dem Moment besiegelt ist, als er meint, er weiß es besser als Burnham. Das ist an dieser Stelle ein unnötiges Opfer, aber die Enterprise war ja schon immer für ihre Redshirt-Verluste bekannt (auch wenn es genau genommen in dem Fall ein blaues war). Und schließlich hat der Wissenschaftsoffizier mit seiner Art auch keine Pluspunkte gesammelt. Die neue Ingenieurin, auf die man trifft, weiß indes mit ihrer etwas schrulligen Art zu gefallen. Wer von den Charakteren die Staffel überdauern wird und wer letztlich noch zu den Neuzugängen zählt, wird man sehen müssen.

Der neue “Gegenspieler”, der rote Engel, taucht nur ganz kurz auf und man erfährt noch nichts über ihn. Böse Zungen mögen fragen, ob Burnham etwa schon wieder ein apokalyptisches Ereignis ausgelöst hat. Kleiner Fakt am Rande: In “The Original Series” gab es schon Antigraveinheiten, hier werden Krankenbetten noch altmodisch auf Rädern geschoben (inklusive Rad-Großaufnahme). Zumindest dort gibt es also eine Weiterentwicklung.

Linus und Kollegen (Photo: Jan Thijs/CBS Television Studios)

Linus und Kollegen (Photo: Jan Thijs/CBS Television Studios)

Auch ein „Liftboy“ (Linus) darf nicht fehlen. Der nette Saurianer im Aufzug, der für allerlei Comedy-Einlagen sorgen und quasi der „Morn“ von Discovery werden soll, wird hier sogar recht witzig eingeführt. Geplant sind noch weitere Auftritte und man darf sich getrost fragen: hat “The Orville” hier von “Discovery” kopiert oder umgekehrt?

Zu guter Letzt gibt es noch eine weitere Charakterstudie von Pike. Die Enterprise war durch ihre Fünf-Jahres-Mission zu weit vom Kriegsgeschehen entfernt und konnte daher nicht daran teilnehmen. Dies belastet Pike und seine Besatzung noch sichtlich. Ob man die Enterprise wirklich so aus dem Krieg hätte schreiben sollen, bleibt fraglich, auch wenn es als Storykniff funktioniert. Wie Burnham richtig sagt, wäre die Enterprise im schlimmsten Falle zu Nichts zurückgekehrt.

Man sieht also schon, dass eindeutig Pike und Burnham im Vordergrund stehen. Aber wie sieht es um die alte Riege der Discovery aus? Zumindest Tilly und Stamets bekommen auch ein paar schöne Szenen spendiert. Während Stamets sich verabschieden will, sieht man deutlich die Dynamik, die sich zwischen den beiden etabliert hat. Auf der einen Seite plappert sie immer noch drauflos, aber sie kann auch ernst, wenn es drauf ankommt. Tilly war zurecht eines der kleinen Highlights der letzten Staffel und es ist schön zu sehen, dass die Figur hier konsequent weiterentwickelt wird.

Stamets und Tilly (Photo: Jan Thijs/CBS Television Studios)

Stamets und Tilly (Photo: Jan Thijs/CBS Television Studios)

Auch der Humor kommt nicht zu kurz, und vor allem der ernste Saru darf hier in einer Szene glänzen. Und da die Produzenten versprochen haben, dass auch Dr. Culber noch dabei sein wird, darf man ihn hier auch sehen, wenn auch „nur“ in einem Videorückblick (und mit neuem Synchronsprecher, wenn ich richtig gehört habe). Bleibt zu hoffen, dass man hier nicht ebenso nur auf Rückblenden setzt.  Stamets Trauer ist durchaus nachvollziehbar, und auch, dass er am Ende etwas ins Zweifeln ob seiner Entscheidung gerät, als man die Gesteinsprobe an Bord nimmt. Im Gegensatz zu den Spock-Rückblenden wirkte das aber ein klein wenig zu aufgesetzt.

Die Folge ist übrigens von Alex Kurtzman, dem neuen „Chef“ des Franchises, inszeniert und ist mit 60 Minuten deutlich länger als eine Standardfolge. Bleibt zu hoffen, dass man den Wechsel des Autorenteams im Laufe der Staffel nicht zu spüren bekommen wird. Aber zum jetzigen Zeitpunkt muss man abwarten, wohin die Entwicklung geht.

Fazit

Die Folge erfüllt nicht jede geweckte Erwartung, die der Hype vielleicht aufgebaut hat. Burnham und Pike stehen im Mittelpunkt und bekommen sehr viel Spielraum, was aber nicht stört, da beide Schauspieler ihre Sache sehr gut machen. Auch die alte Riege der Discovery darf in einigen Szenen glänzen und sich weiterentwickeln. Man darf also gespannt sein, wohin die weitere Reise geht.

4 out of 5 stars (4 / 5)

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