CBS All Access und Netflix haben Grund zur Freude. Die Premiere der zweiten Staffel von “Star Trek: Discovery” scheint wirtschaftlich und bei der Kritik erfolgreich.

Seit dem Ende der ersten Staffel gab es immer wieder Spekulationen darüber, ob CBS’ Rechnung für “Star Trek: Discovery” aufgehen würde. Mit 8-8,5 Mio. US-Dollar Budget pro Folge gehört “Discovery” zu den teuersten TV-Produktionen der Gegenwart, zu vergleichen mit “The Crown”, “Stranger Things” und “Westworld”. “Game of Thrones” ist mit 15 Mio. $ pro Folge indes anderthalb bis doppelt so teuer und spielt konkurrenzlos in seiner ganz eigenen Liga.

Reicht das?

Wesentliche Motivation hinter “Discovery” ist CBS’ agressiver Ausbau der eigenen Streaming-Plattform CBS All Access (CBSAA), die langfristig den Platzhirschen Netflix und Amazon Prime Marktanteile abjagen und die Existenz des Senders in einer Zukunft ohne linearem Fernsehen sichern soll. Daher ist “Star Trek: Discovery” innerhalb der USA auch nicht auf Netflix, sondern exklusiv nur bei CBSAA zu sehen.

CBS All Access (Symbolbild)

CBS All Access (Symbolbild)

Das Kalkül: Die starke Marke “Star Trek” gibt Grund, einen Bezahldienst zu abonnieren, auch wenn man bereits Netflix- oder Prime-Kunde ist. Nach der teilweise sehr kritischen Rezeption der ersten Staffel und CBS’ Zurückhaltung bei der Nennung von Abonnentenzahlen wurde fleißig spekuliert, ob “Discovery” die wirtschaftlichen Ziele für CBSAA erreichen kann.

Ein weiteres schlechtes Omen war zunächst die Stellungnahme von Netflix Ende 2018, die “Short Treks” nicht ins Programm aufzunehmen, obwohl der Streamingriese außerhalb der USA Vorkaufsrechte hatte. Bis jetzt ist nicht ganz klar, warum Netflix auf die Kurzfilme zunächst verzichtete und dann plötzlich letzte Woche (schlecht auffindbar) doch in den Katalog holte.

Anhaltspunkte für den Erfolg

Da es im Gegensatz zum traditionellen Fernsehen kein etabliertes Quotensystem gibt, und weder CBSAA noch Netflix bereitwillig Zuschauerzahlen nennen, ist es schwierig, den Erfolg von “Star Trek: Discovery” objektiv einzuschätzen. Die Marktforscher von Parrot Analytics versuchen, die Nachfrage nach einzelnen Serien anhand von Trends in sozialen Medien und Suchmaschinen zu quantifizieren.

In der Premierenwoche von “Brother” (17.01.2019) vom 13.-19.01.2019, lag “Discovery” in den USA auf Platz fünf der am stärksten nachgefragten “digitalen Originale”. Darunter versteht Parrot Serien, die für die Erstveröffentlichung auf Streamingdiensten produziert werden.

TOP 10 Digital Originals 2019-01-21 (Parrot Analytics)

TOP 10 Digital Originals 2019-01-21 (Parrot Analytics)

Die Auswertung ist nicht transparent, da der verwendete Berechnungs-Algorithmus Geschäftsgeheimnis von Parrot ist und nicht alle zu Grunde liegenden Rohdaten öffentlich zugänglich sind. Ebenfalls kann man aus der Nachfrage nicht auf die Zahl tatsächlicher Zuschauer schließen. Die Schwelle, eine Serie tatsächlich zu sehen, ist ungleich höher, wenn sie nur auf einem Streamingdienst verfügbar ist, den man neu abonnieren muss im Gegensatz zu einem, Dienst, den man ohnehin bereits abonniert.

Dennoch zeigt die Auswertung sehr deutlich, welchen enormen Stellenwert “Discovery” für CBS (und vermutlich auch für Netflix) hat. In einem stark von Netflix dominierten Markt haben es andere Anbieter sichtlich schwer, die Aufmerksamkeit des potentiellen Publikums zu gewinnen. Und ganz ähnlich zu CBS versucht auch Warner mit dem “DC Universe”, seine bekannten Franchises (jedenfalls in den USA) der Konkurrenz vorzuenthalten und damit im Eigenvertrieb Geld zu verdienen.

Ein weiterer Fakt spricht für den Erfolg von “Discovery”: Der bereits angekündigte, massive Ausbau des gesamten TV-Franchises. In den nächsten zwei Jahren werden mindestens drei neue Serien für CBSAA entwickelt. Dieses Investment würde CBS nicht fahren, wenn es  basierend auf der Erfahrung mit der ersten Staffel von “Star Trek: Discovery” nicht an den Erfolg dieses teuren Unterfangens glauben würde.

(Fast) Universelles Lob der Kritik

Aber nicht nur die wirtschaftliche Seite, die vor Allem auf dem hohen Publikumszuspruch gründet, ist Anlass zur Freude bei CBS. Nach einer eher durchwachsenen ersten Staffel sind die Kritiken zu “Brother” fast ausnahmslos positiv. Mit 97% positiver Kritiken auf Rotten Tomatoes und 73 Punkten zur zweiten Staffel auf metacritic legt die zweite Staffel einen starken Start hin.

Allerdings, und auch das gehört zum Gesamtbild, gibt es immer noch starke Abweichungen zu  den Publikumsbewertungen auf beiden Portalen. Hier sind auch einige sehr provokante “Voting Bombs” zu finden.

Es ist nicht echtes Star Trek… Glaubt keinen bezahlten Rezensionen… Guckt euch lieber “The Orville” an, das ist mehr “Star Trek” als “STD”. Denkt daran, Kinder, ihr wollt euch keine STD fangen.

Nutzer “TrueJustice” auf metacritic.com

[Anmerkung der Redaktion:”STD” ist im Englischen auch die Abkürzung für ansteckende Geschlechtskrankheiten]

Davon zu trennen sind ehrliche Enttäuschung über Kanonverletzungen und schlechte Charakterzeichnung, die sich ebenfalls mit zahlreichen 0- oder 1-Punkte-Bewertungen finden.

Im Gegensatz zu öffentlichen Bewertungsportalen scheint die Zustimmung bei semi-professionellen Reviewern aus dem Fan-Umfeld überwiegend positiv zu sein. Dazu zählen z.B. Rezensionen auf TrekMovie.com, TrekCore.com, Ex-Astris Scientia.com und auch unsere eigenen beiden Rezensionen. Dabei ist zu beobachten, dass die Deutschen Kommentatoren ein wenig zurückhaltender waren als ihre angelsächsischen Kollegen.

Insgesamt geht “Star Trek: Discovery” also nach der Staffelpremiere gestärkt in die zweite Runde. Bleibt nur zu hoffen, dass die Serie über die nächsten 13 Folgen ihre neue, gute Form halten kann. In wenigen Stunden darf “New Eden” dies unter Beweis stellen.


3 Kommentare

Dr. Zoidberg · 25. Januar 2019 um 17:45

Bei mir war es genau umgekehrt: Ich fand die 1. Staffel sehr gut, bin aber von Brother ein wenig enttäuscht.

SemperME · 29. Januar 2019 um 1:46

Laut Youtuber Nerdrotic, der von verschiedenen Insidern mit Infos versorgt wird, ist STD mit hoher Wahrscheinlichkeit nach der zweiten Staffel Geschichte.

    Christopher Kurtz · 29. Januar 2019 um 10:55

    Das ist durchaus möglich, allerdings nach allen öffentlich verfüg- und überprüfbaren Informationen eher unwahrscheinlich. Wichtig dabei ist, als Zuschauer/Zuhörer die Quellen und die Haltung der Berichterstattung zu prüfen (wie bei jeder Rezeption). Ich möchte direkt voranstellen, dass ich nur kurz in zwei Videos von Nerdrotic reingezappt habe, und mir deswegen im konkreten Fall kein abschließendes Urteil anmaße. Allerdings möchte ich den Kommentar kurz zum Anlass nehmen, um zu erklären, warum wir solche Berichte nicht weiter verbreiten.

    Aktuell gibt es viele YouTuber und Podcaster, die sich einerseits auf nicht überprüfbare Insiderinformationen berufen und andererseits aus einer Haltung der Enttäuschung/Entrüstung wegen Kanonverletzungen über “Star Trek: Discovery” berichten. So eine Konstellation halte ich journalistisch für problematisch, da es schnell darum gehen kann, selektiv Informationen so aufzubereiten, dass sie die eigene Sicht untermauern. Sprich: “Discovery” kleinzureden/wegzuschreiben. Ein Kanal, der darin handwerklich sehr geschickt ist, wiederholt Fake News in vermeintlich seriöse Beiträge einzuschleusen ist “Midnight’s Edge”. So behaupted z.B. ein Video mit über 300.000 Zuschauern, dass CBS versucht habe, die “Short Treks”-Rechte für 40 Mio USD an Netflix zu verkaufen. Hierfür konnten wir nirgends Belege finden, und die Zahl erscheint mit Blick auf ein Budget von großzügig geschätzten 10 Mio USD auch absurd hoch. Der Beitrag kam zu dem Schluss, dass nach dem Weggang von Les Moonves “Star Trek” bei CBS harte Zeiten bevorstünden. Kurz darauf gab das Management grünes Licht für mehrere weitere “Star Trek”-Serien.

    Ähnlich wie bei der Diskussion um “Star Wars: The Last Jedi”, der neuen Staffel “Doctor Who” oder auch gesellschaftspolitischen Themen treiben polarisierende Beiträge bekanntlich die Quote. Endgültig sollten beim Leser/Zuschauer die Alarmglocken dann läuten, wenn man spalterische Beiträge der Art “‘The Orville’ ist das wahre ‘Star Trek’, nicht ‘Discovery'” in der Berichterstattung findet. Dann geht es nur noch darum, das Publikum in Lager zu treiben, mit Emotionen zu versorgen und nicht mehr um Journalismus oder Wahrheitsfindung, auch wenn es äußerlich so verpackt sein mag.

    Dass das Thema Interesse treibt, haben wir übrigens auch bei den Klickzahlen nachvollziehen können. Der Artikel hatte spürbar mehr Zulauf als andere “Discovery”-News.

    Bei allen Prognosen gilt jedoch: Sie sind besonders schwierig, wenn sie die Zukunft betreffen.

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