In “Donnergrollen”/”The Sounds of Thunder” setzt “Discovery” die Suche nach dem Roten Engel und andere Handlungsstränge fort. Leider wird der Ausflug nach Kaminar ein großer Reinfall, wie unsere spoilerfreie Rezension erklärt.

Story

Das Duo Bo Yeon Kim und Erika Lippoldt spinnt mit “The Sounds of Thunder” die Handlungen aus “An Obol For Charon” und der “Short Trek”-Episode “The Brightest Star” weiter. Ein Rotes Signal erscheint über Sarus Heimatwelt Kaminar, was im Lichte der jüngsten Enthüllungen über die “Große Ballance” und Sarus Transformation für reichlich Konfliktstoff sorgt. Gefahr von Außen droht durch die Ba’ul, die alles andere als glücklich über den Besuch der Sternenflotte sind.

Saru, Burnham, Pike und Tyler in "The Sounds of Thunder" (Photo: Michael Gibson/CBS)

Saru, Burnham, Pike und Tyler in “The Sounds of Thunder” (Photo: Michael Gibson/CBS)

Trotz vieler großartiger Zutaten für eine tolle Stunde “Star Trek” entgleist die Geschichte nach einer Viertelstunde und dem Zuschauer bleibt nur ungläubiges Staunen darüber, was Sternenflottenoffiziere in “Discovery” für ungeheuerlich kurzsichtige Entscheidungen treffen können. Was uns das Drehbuch diese Woche präsentiert, grenzt an die Unreflektiertheit der letzten beiden Folgen der ersten Staffel.

Billige Effekthascherei und furchtbar einfältige Klischees, die schon “The Brightest Star” zur schlechtesten aller “Short Treks” gemacht haben, sind leider der Kern dieser Folge, die größtmögliches Potential leichtfertig verspielt.

Dialoge und Figuren

Wie schon “An Obol for Charon” tut sich “The Sounds of Thunder” schwer damit, die unbeschwerte Stimmungslage des Rests der Staffel zu halten. Zwischen unseren Hauptcharakteren kriselt es gewaltig und über der ganzen Folge liegt eine fast drückende Ernsthaftigkeit, ohne dabei aber an der emotionalen Tiefe der letzten beiden Episoden zu kratzen. Saru kämpft mit seinem Gewissen, die Zwangsheirat zwischen Tyler und Pike produziert Spannungen, und natürlich gestaltet sich auch die Rückkehr von Hugh Culber alles anderes als einfach. Passenderweise ist Tig Notaros Commander Reno nirgends zu sehen. Wie gesagt, eine ziemlich deprimierende Angelegenheit.

Sonst gibt es leider nur wenig Relevantes sagen. Alle Mimen spielen ihre Rollen routiniert und solide, werden von der Geschichte aber auch nicht sonderlich gefordert. Einzig der im Mittelpunkt der Handlung stehende Saru darf ungewohnte Facetten seines neuen, angstfreien Selbst erforschen, wobei Darsteller Doug Jones im Vergleich zu Folgen wie “Si Vis Pacem, Para Bellum” keinen wirklich neuen oder interessanteren Saru zeigen kann.

Airiam in "The Sounds of Thunder" (Photo: Michael Gibson/CBS)

Airiam in “The Sounds of Thunder” (Photo: Michael Gibson/CBS)

Der Rest der Besatzung bekommt diesmal ein wenig mehr zu tun als letzte Woche, insbesondere Airiam, Owosekun und Doktor Pollard sind diesmal ordentlich eingebunden. Es stellt sich weiterhin die Frage, wer oder was Airiam genau ist, wenn keine Androidin. Aber das ist wohl eine Geschichte für ein Andermal.

Inszenierung

“The Sounds of Thunder” setzt nicht nur bei seinen Figuren auf eine ungewohnt andere Stimmung. Doug Aarniokoski filmt die Episode mit einer härteren und kontrastreicheren Beleuchtung. Zur Seite stehen Aarniokoski die gewohnt fabelhaften Spezialeffekte. Hier beginnen die ersten Probleme, weil das, was wir sehen, wieder einmal nicht mit dem vereinbar scheint, was uns die Episode auf der Tonspur erzählt. Darstellung der Ba’ul-Technologie und ihre Geschichte passen nicht zueinander. Und das zwar technisch großartige aber letztlich karrikaturhafte Design der Ba’ul selbst raubt der Geschichte auch noch das letzte Bisschen Gravitas.

Auch das Sounddesign sollte eigentlich die Dramatik der Episode unterstützen, schießt aber ebenfalls über das Ziel hinaus. Die Stimmen der Ba’ul sind (im Originalton) derartig verzerrt, dass das Zuhören zu einer echten Anstrengung und Herausforderung wird.

Rahmenhandlung

Nachdem die Suche nach den Roten Signalen seit Wochen pausierte, geht es nun endlich weiter, und macht auch einige kleine Fortschritte. Nach viel metaphysischen Mumbo-Jumbo legt die Folge nun wieder nahe, dass die Natur des Roten Engels durchaus rational erklärbar sein könnte. Schwer einzuschätzen bleibt jedoch, welchen Gesetzmäßigkeiten der Rote Engel eigentlich unterliegt. In dieser Episode scheinen andere “Regeln” zu gelten, als z.B. während des Zwischenfalls auf “New Eden”.

Andere, teils unerwartete Handlungsstränge werden ebenfalls fortgeführt. Wir erfahren mehr über Sarus Heimat Kaminar und die Veränderungen, die Saru durch “An Obol For Charon” durchgemacht hat. Aber auch das Alien-Archiv eben dieser Folge ist nicht in Vergessenheit geraten. Culber und Stamets haben diese Episode nur eine kurze (schöne) Szene, müssen aber das Auferstehungstrauma zu einer anderen Gelegenheit aufarbeiten.

Burnham, Saru und Siranna in "The Sounds of Thunder" (Photo: Michael Gibson/CBS)

Burnham, Saru und Siranna in “The Sounds of Thunder” (Photo: Michael Gibson/CBS)

Mit Blick auf den übrigen “Star Trek”-Kanon bekommt der Rezensent jedoch Tobsuchtsanfälle. Was “The Sounds of Thunder” an Porzellan zerschlägt, ist wieder einmal atemberaubend. Entweder haben ich oder das Autorenteam ein gewaltiges Verständnisproblem, was uns die Oberste Direktive sagen möchte, und welchen Stellenwert sie für die moralische Integrität nicht nur der fiktiven Sternenflotte, sondern auch das real existierende Ethos der Serie hat. Ich dachte, “New Eden” sei diesbezüglich schon grenzwertig gewesen, war aber ein Kindergeburtstag zu dem, was diese Folge abzieht. Pike, Saru und Burnham prügeln “General Order One” in dieser Folge so windelweich, dass man das gute Stück auch gleich vom Myzelnetzwerk recyceln lassen kann.

Beobachtungen

  • Tolle Einstellung für den Warp-Effekt
  • Habt ihr in der Akademie nicht gelernt, dass man im Sonnensystem mit Impuls unterwegs ist? #Verkehrsraudis
  • Die Idee, sein äußeres Erscheinungsbild zu ändern, um einer Prä-Warp-Kultur nicht als “Alien” aufzufallen, scheint kurzzeitig außer Mode gekommen zu sein
  • Für ein Volk, das erst seit 20 Jahren den Warp-Antrieb besitzt, haben die Ba’ul schon eine echt ansehnliche Flotte
  • You keep saying “Prime Directive”, I do not think it means what you think it means
  • Die Effekte für die Auftauchsequenz … Wow!

Fazit

“Unterdrückung: böse. Rest: egal”, lautet das aufgeklärte Motto dieser deprimierenden Episode “Star Trek”. Mit Abstand die schwächste Folge der zweiten Staffel auf dem Niveau des letzten Staffelfinales. Sehenswert nur wegen der über jeden Zweifel erhabenen Besetzung und kompetent produzierten Schauwerte.

Das sind unsere ersten Eindrücke. Es folgt wie gewohnt unsere ausführliche Rezension.

Bewertung

Handlung der Einzelepisode 2 out of 6 stars (2 / 6)
Stringenz des staffelübergreifenden Handlungsstrangs 4 out of 6 stars (4 / 6)
Stringenz des bekannten Kanons 2 out of 6 stars (2 / 6)
Charakterentwicklung 4 out of 6 stars (4 / 6)
Spannung 3 out of 6 stars (3 / 6)
Action 4 out of 6 stars (4 / 6)
Humor 1 out of 6 stars (1 / 6)
Intellektueller Anspruch 2 out of 6 stars (2 / 6)
Gesamt 2 out of 6 stars (2 / 6)

Mit Rücksicht auf andere Leser, die die Folge noch nicht gesehen haben, bitten wir, in den Kommentaren zu diesem Artikel auf Spoiler zu verzichten. Danke!


1 Kommentar

JungHans · 22. Februar 2019 um 19:44

So, ja ich muß schon sagen euphorisch, ich nach dem Betrachten des Trailers war,
so ernüchternd ist die gesamte Folge.
Leider wird das vorhandene Potenzial in keiner Weise ausgeschöpft. Schade.

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