Die vierte Doctor Who-Folge der neuen Staffel bietet uns viele kleine Krabbelviecher. Ob diese Episode nicht nur Hausfrauen zum Schreien bringt, klärt unsere Review.

Achtung, Spoiler!

Es rappelt im Karton – charakterlich top

Nach dem Ausflug in die Vergangenheit schafft es der Doctor in dieser Folge, ihre menschlichen Begleiter nach Hause zu bringen. Dieses Mal also mit punktgenauer Landung. Man merkt gleich, dass die Begleiter eigentlich nicht gehen wollen. Auch der Doctor ist nicht gerne alleine, was man beiden Parteien in dieser Szenen auch ansieht. Und so steht ein Besuch bei Yasmins Eltern an, was wiederum Raum gibt, ihren Hintergrund zu erforschen.

Dies führt in der Folge zu einigen sehr schönen Charakterszenen. Wobei vor allem auch der muslimische Hintergrund der Familie als Standard wahrgenommen wird, ohne an die große Glocke gehängt zu werden. Die Botschaft an dieser Stelle ist klar: Nicht alle, die einen anderen Glauben haben, sind böse. Das hier sind integrierte Menschen wie du und ich. Dass der Vater etwas schrullig ist, läuft an dieser Stelle auch unter normal. Und auch Yasmins Mutter darf später bei den Actionszenen glänzen. Wobei übrigens eine kleine Szene impliziert, dass sie auch kein Problem damit hätte, wenn ihre Tochter homosexuell wäre.

Gerade diese kleinen Untertöne sorgen schon einmal für eine gute Atmosphäre. Wurde zu Anfang auch nicht groß darauf herumgeritten, dass der Doctor nun eine Frau ist, so wird es eben auch an dieser Stelle nicht groß thematisiert. Sehr schön umgesetzt (man könnte fast in bester “Star Trek”-Manier sagen).

Doctor Who 11x04 Arachnids in The UK (Photo: BBC)

Doctor Who 11×04 Arachnids in The UK (Photo: BBC)

Auch Graham muss sich den Geistern der Vergangenheit beziehungsweise seiner Trauer um seine Frau stellen. Dass Ryan in dieser Folge etwas weniger Spielraum bekommt, schadet an dieser Stelle allerdings nicht, denn die Szenen um Graham entschädigen voll und ganz dafür.

Damit nicht genug, ist auch das Gespräch mit den Companions am Ende ein schönes Sahnehäubchen. Denn beide Seiten gestehen sich ein, dass sie gerne noch weiter miteinander reisen würden. Hier haben die Autoren dazugelernt, denn der Doctor gibt ihnen offen und ehrlich zu verstehen, dass er nicht garantieren kann, dass alle auch lebend nach Hause zurückkommen. Hut ab an dieser Stelle! Eine derartige Szene war schon längst überfällig und ist sowohl eine Verbeugung vor den alten Companions als auch vor den vorherigen Doctoren.

Dass diese Szene die Charakterentwicklung auf beiden Seiten unterstreicht (die Begleiter nehmen dies hin), muss an dieser Stelle sicherlich nicht noch einmal extra betont werden. Hier merkt man deutlich, dass – obwohl es bisher erst vier Folgen sind – die neue Besetzung bereits hervorragend zusammengewachsen ist.

Nicht nur, dass dieser Aspekt der Charakterentwicklung sehr gut umgesetzt worden ist; es kommt sogar noch besser.

Es rappelt im Karton – diesmal wirklich mit Spinnenbeinen

Denn der “Big Bad” der Folge ist noch gar nicht aufgetreten. Schnell wird klar, dass überall in Sheffield Spinnennetze herumhängen und allein vom Titel her ahnt man schon, dass sich in dieser Folge alles um Spinnen drehen muss. Handwerklich sind diese auch recht gut umgesetzt. Klar, es sind Spinnen aus der CGI-Fabrik. Dies sieht man ihnen aber meist nicht an. Wenn doch, dann nur bei den Nahaufnahmen oder bei den allzu großen Exemplaren ihrer Gattung. Hier hat sich die Technik im Vergleich zum alten “Doctor Who” eben weiter entwickelt. Wer also keine Spinnen sehen kann, sollte bei diesen Szenen sein Essen besser aus der Hand legen.

Aber eigentlich sind die Spinnen gar nicht der Feind, denn einen echten Widersacher gibt es in dieser Folge letztlich gar nicht. Klar, es gibt einen schleimigen Hotel-Typen, der der nächste Donald Trump werden will und demnach noch am ehesten als Bösewicht durchgeht. Wobei man aber genau genommen sagen muss, dass er vielmehr der “Unsympath der Woche” ist. Dieser Eindruck klärt sich auch bis zum Ende nicht auf. Es bleibt schlicht die Erkenntnis, dass manche Typen eben einfach unbelehrbar sind. Dass er beim Doctor aneckt, ist demnach fast schon vorprogrammiert. Vor allem die Waffensequenz ist hier zu nennen, die den Bogen zu vergangenen Folgen (und Ären) schlägt.

Ja sicher, die Idee, dass die Spinnen aufgrund menschlichen Abfalls mutieren und daraufhin Leute angreifen, ist nicht unbedingt neu. In den 80ern gab es solche Geschichten zuhauf und auch schon früher gab es einige prominente Vertreter, die handlungstechnisch in die gleiche Richtung gegangen sind (Hallo, Godzilla!). Auch bei “Doctor Who” gab es Ähnliches schon einmal. Dem Titel nach (im englischen Original “Arachnids in the UK”) erwartet man an dieser Stelle auch einfach die “Monsterbekämpfung der Woche”, ist dann aber umso positiver überrascht, dass auch noch andere Aspekte hervorstechen, etwa hinsichtlich der Charakterentwicklung und der gesellschaftskritischen Botschaft.

Denn das Hotel, das als Brutstätte der Spinnen gilt, ist in rücksichtsloser Weise einfach auf einer alten Mülldeponie erbaut worden. Auch wenn da noch einiges zusammenkommt – zum Beispiel ein Kohlebergwerk, dessen Dämpfe das Wachstum nochmal beschleunigen und das es in dieser Konstellation nur dort gibt – wird auch hier eine Botschaft transportiert: Der Mensch sollte vielleicht endlich mal ernsthaft darüber nachdenken, welchen Schaden er mit seiner gedankenlosen Vermüllung in der Welt anrichtet. Und als wäre das noch nicht genug, wird auch noch dargestellt, dass die Spinnen eigentlich nur gemäß ihrer Natur handeln.

Denn eigentlich haben sie mehr Angst vor den Menschen als die vor ihnen und wollen einfach nur überleben. Und zu diesem Zweck wollen sie sich eben eine neue Höhle schaffen. Umso bitterer wirkt natürlich, dass unser erwähnter Unsympath die Mutterspinne einfach abknallt. Wenn man jemals Trauer für eine CGI-Kreatur empfunden hat, dann hier!

Wermutstropfen? Klein und fein

Aber hat diese Folge auch einige Ecken und Kanten, über die es zu berichten gilt? Sicherlich, aber nur einige wenige.

So wäre es doch ein Highlight gewesen, wenn der Doctor Metebelis III erwähnt hatte. Denn dort hatte er damals mit seiner dritten Inkarnation unter Riesenspinnen sein Ende gefunden. Ein Sahnehäubchen, das leider gänzlich unter den Tisch fällt. Ja, das ist Meckern auf hohem Niveau, wäre es doch in erster Linie ein Fanservice gewesen.

Des Weiteren ist es schade, dass die Konsequenzen für den Hotelchef recht milde ausfallen beziehungsweise es gar keine wirklichen gibt. Hier hätte man dem “lieben Kerl” durchaus noch eine Lektion verpassen können. Man denke hier nur an David Tenannts Doctor, der ja Harriett Jones aus ähnlichen Gründen ruiniert (“Ich kann sie mit vier Worten ruinieren.” , siehe “Doctor Who” Folge 2×00, “Die Weihnachtsinvasion”). Das hätte den Bogen zu früheren Inkarnationen geschlagen und wäre auch hier das Tüpfelchen auf dem I gewesen.

Überhaupt bleibt vieles unaufgelöst stehen. Die Bedrohung ist neutralisiert und die Spinnen werden irgendwo sicher untergebracht. Bleibt nur die Frage: wo und wie? Auch hier hätte sich wieder Metebelis III angeboten. Etwas schade, dass alle diese Punkte am Ende der Folge übergangen werden, auch wenn dies das Gesamtbild nicht trübt.

Fazit

Gute Charakterszenen paaren sich mit mehreren Botschaften darüber, dass Andersartigkeit nicht immer schlecht ist und dass man sorgsamer mit seinen Müllproblemen umgehen sollte. Ein paar kleinere Schnitzer trüben das Gesamtbild nicht. Damit steht diese Folge einer guten Star Trek-Folge in nichts nach.

Bewertung

Handlung der Einzelepisode 5 out of 6 stars (5 / 6)
Stringenz des staffel- und serienübergreifenden Handlungsstrangs 1 out of 6 stars (1 / 6)
Charakterentwicklung 5 out of 6 stars (5 / 6)
Spannung 4 out of 6 stars (4 / 6)
Action/Effekte 5 out of 6 stars (5 / 6)
Humor 4 out of 6 stars (4 / 6)
Intellektueller Anspruch 5 out of 6 stars (5 / 6)
Gesamt 5 out of 6 stars (5 / 6)

 


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