Mit einer Weltraumfolge meldet sich Doctor Who zurück. Was da sonst noch herumtreibt, klärt unsere Review.

Achtung Spoiler!

Zurück im All

Nach dem Ausflug der letzten Folge, geht es nun zurück ins All. Auf einem Müllplaneten werden der Doctor und seine Begleiter ausgeschaltet und finden sich wenig später auf der Tsuranga wieder, einem Lazarettschiff, das sich auf dem Nachhauseweg befindet. Gleich hier ist zu bemerken, dass die Verletzungen nicht gleich abgeschüttelt werden, sondern vor allem der Doctor eine ganze Zeit lang angeschlagen herum humpelt. Das ist sehr konsequent und führt auch dazu, dass die Explosion am Anfang eben nicht nur Selbstzweck ist, um den Doctor auf das Schiff zu bringen (okay, genau genommen ist es das, aber so wird es eben gut kaschiert).
Auf so einem kleinen Schiff eingesperrt, stehen allerdings nicht die Companions oder der Doctor im Mittelpunkt, sondern es wird das Hauptaugenmerk auf die Patienten des Schiffes gelegt. Da wären die Pilotin Eve, samt Anhängsel, und ein schwangerer Mann zu nennen (ja, wirklich!). Man könnte an der Stelle argumentieren, dass die für ein Lazarettschiff dieser Größe etwas wenig sind, dafür erhalten alle Charaktere aber genug Entfaltungsspielraum.

Während unser lieber Schwangerer eher für die lustigen Szenen zuständig ist (und damit als klassischer Comic-Relief durchgeht), dürfen hier vor allem Eve, ihr Bruder und ihr Androidenbegleiter glänzen. Hier kann man von Anfang bis zum Ende eine Entwicklung sehen, die in einer schön emotionalen Beerdigungsszene endet. Dadurch, dass sich die Geschichte eben auf die neuen Charaktere konzentriert und diese langsam aufgebaut werden, liegt dieser am Ende durchaus emotionales Gewicht inne.

Gut gemacht, liebe Autoren. Auch der ursprüngliche Doctor, der kurz darauf das zeitliche segnet, vermag in seinen wenigen Szenen zu gefallen und fast hat man das Gefühl, er wird in dieser Episode ein würdiger Helfer. Auch wenn man es stellenweise ahnt, kommt sein Tod für die letzte Krankenschwester natürlich überraschend, aber so erhält auch sie Gelegenheit, in Folge zu zeigen, was so in ihr steckt.

Der ist aber süß!

Das wahre Highlight sind aber nicht die Charaktere der Folge, sondern das Monster. Zugegeben, die ganze Folge ist eine klassische “Monster in Space”-Folge, wie man sie schon zuhauf, auch bei Doctor Who, gesehen hat, sie vermag aber durchaus zu gefallen. Einen großen Anteil daran hat auch das Monster, der Pting. In der Folge davor war noch die Leistung der Special Effects-Leute gewürdigt worden, sah man den Spinnen doch kaum ihre CGI-Herkunft an. Auch hier schöpfen sie aus dem Vollen, denn der Pting wirkt durchaus plastisch und echt – und vor allem richtig putzig. Für eine Figur aus dem Computer ist das eine reife Leistung.

Spotting Pting

Der Doctor und seine Begleiter sehen den Pting – den wir hier mal nicht spoilern wollen (BBC)

So süß, wie er aussieht, ist das Wesen allerdings nicht, denn es ernährt sich von anorganischer Materie, oder anders ausgedrückt: dem Schiff. Und so gilt es, ihn aufzuhalten, bevor wichtige Teile gefressen werden – oder die Leitstelle zu dem Schluss kommt, an Bord sei eine Epidemie ausgebrochen und das Schiff kurzerhand sprengt. Eine zugegeben vielleicht nachvollziehbare, trotzdem etwas fragwürdige Herangehensweise. Aber die Bombe wird später noch wichtig.

Schön ist aber auch, das man den Pting als nicht böse darstellt. Ähnlich wie die Spinnen ist auch er nur ein Lebewesen, das gemäß seiner Natur handelt und eigentlich nichts Böses will. Zur Sicherheit aller muss man ihn aber aufhalten, wobei man von einer Kreatur, die im All lebt, nicht von Töten sprechen kann, wenn man es Alien-like dorthin zurückbefördert. Zwischendrin gibt es noch eine Geburt und auch die Pilotin samt ihrer Begleiterin wird wichtig, als sie das beschädigte Schiff steuern muss.

An dieser Stelle transportiert die Folge, neben der Charakterentwicklung, auch noch eine Botschaft zum Thema Adoption. Da das Thema gerade wieder aktuell ist, könnte man sagen Doctor Who ist hier am “Zahn der Zeit.”

Und die TARDIS ganz zum Schluss

Die Folge bietet insgesamt also nette, kurzweilige Unterhaltung, wenn auch nicht ganz den Tiefgang des Vorgängers. Ob die Rückreise zur TARDIS in der nächsten Folge thematisiert wird, ist eine andere Frage. Schön wäre es schon, oder auch witzig, immerhin hat der Doctor erwähnt, er habe sie gerade erst wiedergefunden. Andererseits hat man hier dann erneut eine Lücke für Romane und Comics geschaffen – lassen wir uns an der Stelle also einfach überraschen.

Fazit

Eine kurzweilig unterhaltsame Folge, die das Rad nicht neu erfindet und nach dem gelungeneren Vorgänger eher etwas ruhiger vor sich hin dümpelt, die aber aufgrund durchaus gelungener Charakterszenen und einer ebenso gelungenen CGI-Kreatur erneut punkten kann. Kurzum: Solide wenn auch kein Überflieger.

Bewertung

Handlung der Einzelepisode 4 out of 6 stars (4 / 6)
Stringenz des staffel- und serienübergreifenden Handlungsstrangs 2 out of 6 stars (2 / 6)
Charakterentwicklung 4 out of 6 stars (4 / 6)
Spannung 4 out of 6 stars (4 / 6)
Action & Effekte 4 out of 6 stars (4 / 6)
Humor 3 out of 6 stars (3 / 6)
Intellektueller Anspruch 4 out of 6 stars (4 / 6)
Gesamt 4 out of 6 stars (4 / 6)

Episoden-Infos

Episodennummer 280 (Staffel 11, Episode 5)
Originaltitel The Tsuranga Conundrum
Deutscher Titel Das Tsuranga-Rätsel
Erstausstrahlung UK Sonntag, 4. November 2018
Erstausstrahlung Deutschland Donnerstag, 28. Februar 2019, FOX-Channel
Drehbuch Chris Chibnall
Regie Jennifer Perrott
Laufzeit 50 Minuten
Einschaltquoten (England) 7,5 Millionen

 


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