In unserer Review zur inzwischen neunten Discovery-Folge sehen wir uns an, ob die Konfrontation mit einem alten Bekannten wirklich Tiefgang hat.

Achtung Spoiler!

Sein oder Nichtsein

Die große Frage, ob die zweite Staffel von “Discovery” endlich ein Niveau gefunden hat, auf dem es sich einpendelt, kann – zumindest nach dieser Folge – wieder mit einem “Ja” beantwortet werden. Nach der gefühlt ewigen Suche nach Spock hatte man schon letzte Woche ein Werk abgeliefert, das nicht nur Fan-Herzen höher schlagen ließ. Und auch diese Woche kann man die gute Erzählweise beibehalten. Ob dies am Weggang des Showrunner-Duos Berg & Harberts liegt? Ein Schelm, der Böses dabei denkt.

So oder so werden in dieser Folge einige gute Charakterszenen abgeliefert und die Story in großen Schritten vorangetrieben. Doch beginnen wir mit dem Anfang.

Admiral an Bord

Denn das befürchtete Geächtet-Sein der Discovery bleibt im großen Stile aus. Es wäre auch zu klischeehaft gewesen, nach der ersten Staffel und der dortigen Meuterei nun eine Raumschiff-Verfolgungsjagd zu inszenieren, bei der die Discovery einfach versucht, der Sternenflotte davon zu fliegen (zumindest so lange, bis ihnen der Treibstoff ausgeht, *hüstel* „Die letzten Jedi“ *hüstel*). Daher ist es an der Stelle mehr als positiv zu erwähnen, dass Admiral Cornwell an Bord kommt und vor allem an die Unschuld Spocks und der Discovery-Crew glaubt. Hatte man bei “The Original Series” noch reihenweise Admirale gezeigt, die stur der Linie folgen, ist es schön, dass “Discovery” mit der Tradition bricht und zeigt, dass auch “gescheites” Führungspersonal oben in der Flottenspitze sitzt.

Cornwell und Pike in "Project Daedalus" (Szenenbild: "Discovery" 2x09, CBS)

Cornwell und Pike in “Project Daedalus” (Szenenbild: “Discovery” 2×09, CBS)

Aber nicht nur das, denn als sich später herausstellt, dass die anderen Admirale, mit denen man geredet hat, nur Hologramme gewesen sind, bekommt deren Auftreten von letzter Woche eine nachträgliche Erklärung präsentiert (und vermutlich auch deswegen dachte Cornwell, Patar wäre eine Extremistin). Sehr schön gemacht.

Doch auch sonst vermag die Interaktion von Cornwell und Pike zu gefallen. Hier wird ein sich schnell aufbauendes Vertrauensverhältnis gezeigt. Und spätestens wenn Cornwall gesteht, dass sie die Enterprise aus dem Krieg herausgehalten hat, damit das Beste der Sternenflotte überlebt, dürfte sie nicht nur das Herz der Crew erobert haben. Pike bekommt hier seine nachträgliche “Absolution” erteilt. Leicht ironisch denken wir allerdings an die letzte Folge der ersten Staffel zurück, in welcher ausgerechnet Burnham der lieben Admiralin die Werte der Föderation erklären musste. Gut zu sehen, dass sich eben auch die Föderation langsam zu der Organisation entwickelt, die man aus späteren Serien kennt.

Charakterarbeit

Auch sonst dürfen die Charaktere glänzen. Da ist die Interaktion zwischen Spock und Michael hervorzuheben, die diesmal vor einem 3D-Schachbrett (das endlich durchsichtig ist – für Schachspieler ist das wichtig!) stattfindet. Hier wird nicht nur deutlich, dass die beiden noch einiges aufzuarbeiten haben. Und dass es mit der Entschuldigung auf Talos IV (letzte Folge) keinesfalls getan ist, sondern eben auch, dass Spock noch nicht derjenige ist, wie wir ihn später kennen. Hier hängt er nämlich noch seiner menschlichen Seite nach und zeigt Emotionen. Hat eigentlich schon jemand Spocks Eltern Bescheid gesagt, dass er wieder der Alte ist?

Aber davon abgesehen gibt es auch noch eine Szene zwischen ihm und Stamets, die zu gefallen weiß und bei der sich Spock als Seelenklempner herausstellt. Nicht nur ist die Interaktion der beiden gelungen (“Ich habe viele Talente” erinnert sicher nicht von ungefähr an Datas Bemerkung zu Tasha in TNG 1×03, “Gedankengift”), sondern eben auch, dass Spock Stamets bezüglich Culber die Augen öffnet. Statt also auf die Beziehungsdrüse zwischen Hugh und Paul direkt zu drücken, wird es so indirekt umgesetzt und wirkt gerade deswegen überzeugend.

Und dann ist da natürlich noch der Hauptcharakter dieser Folge schlechthin: Airiam. Obwohl man sie noch nicht in vielen Folgen so richtig in Action gesehen hat, wird hier quasi gleich von Beginn an bis hin zum Ende ihr ganzes Leben abgespult. Wir erfahren von ihrer Vergangenheit, dass sie mit kybernetischen Teilen geheilt wurde, dass sie ihre Erinnerungen downloaden und löschen kann (für immer) und dass sie vor allem mit Tilly und Detmer eine tiefe Freundschaft verbindet.

Ja gut, man hat von besagter Freundschaft bislang noch nicht viel gesehen, durch die Einbeziehung der Erinnerungen, in denen auch Detmer wieder glänzen darf, wird man aber schnell mit dem Charakter warm. Man sympathisiert sogar soweit mit ihr, dass ihr späteres Ende durchaus emotional mitreißend geworden ist. Doch dazu später noch mehr.

Tilly und Airiam in "Project Daedalus" (Photo: "Discovery" 2x09, CBS)

Tilly und Airiam in “Project Daedalus” (Photo: “Discovery” 2×09, CBS)

Angriff auf “Control”

Denn über die eigentliche Handlung der Episode ist bisher noch gar kein Wort verloren worden. Hier geht es gegen “Control” selbst, welche scheinbar hinter allem steckt. Die künstliche Intelligenz ist kompromittiert und muss resettet werden. Übrigens ergibt das ein Paradoxon par excellence: Kam “Control” selber auf die Idee, sich weiter verbessern zu wollen oder wurde das durch die kompromittierte Airiam ausgelöst? Falls letzteres zutrifft, hätte “Control” sich quasi selbst aus der Zukunft eine Nachricht geschickt, sich selbst kompromittiert und sein verbessertes Selbst geschaffen, um später die Galaxis auszulöschen. Denn dass die Sonden einmal von einer weiterentwickelten “Control” ausgeht, scheint an dieser Stelle (bzw. den Dialogen in der Folge) offensichtlich.

Übrigens besteht Burnham anfangs noch darauf, Tylers Unschuld beweisen zu wollen. Zwar wissen wir als Zuschauer schon längst, dass in Wahrheit Airiam dahintersteckt, aber Pike hatte ja bei der Sabotage in der letzten Folge schon erwähnt, dass es Tyler eigentlich nicht sein kann, da dieser zu diesem Zeitpunkt bereits eingesperrt war. Daher wirkt das etwas merkwürdig. Dasselbe gilt im Übrigen auch für die Verifizierung von Spocks Aussage durch einen Lügendetektor. Scheinbar hat noch niemand gehört, dass man diesen überlisten kann. Aber sei es drum.

Spock und Cornwell in "Project Daedalus" (Photo: "Discovery" 2x09, CBS)

Spock und Cornwell in “Project Daedalus” (Photo: “Discovery” 2×09, CBS)

Der Anflug auf die Station von “Control” wirkt im Übrigen auch ein klein wenig wie “Star Wars”. Denn da werden uns Sägeminen (!) präsentiert, wenn auch nur kurz, denn jede andere Mine im Anschluss explodiert ganz normal an der Hülle. Und auch wenn die Durchflugsequenz visuell ein kleines Highlight ist, so fallen in den Brückenszenen bei dieser dieses Mal die unsäglichen Lens Flare-Effekte teils etwas störend auf. Und auch die Bemerkung, dass die Sternenflotte keine Minen einsetzt (und diese von den Klingonen stammen), ist wohl sicher nicht der Weisheit letzter Schluss. Positiv ist aber, dass man zwar den Einsatz des Sporenantriebs erwägt, dann aber doch bei den konventionellen Mitteln bleibt.

Auf der Station angekommen, findet man also die Admirale tot vor. Saru kann nachweisen, dass der Beweis gegen Spock mittels eines Hologramms gefälscht worden ist. Die Zuschauer hatten daran natürlich keinen Zweifel und es ist schön zu sehen, dass die Discovery nach dieser Folge quasi wieder reingewaschen ist. Die Szene hat aber auch einen Haken, denn sie stimmt so gar nicht mit dem überein, was man in Spocks Geist gesehen hat. Das ist insofern noch in Ordnung, es hakt allerdings an der Ausführung. Spock hat die Leute ja betäubt, das Hologramm hätte also reingehen und die Betäubten einfach töten können. Das hätte man dann nach Spocks Betäubungsaktion einfach dran gehängt und fertig wäre der ‘Beweis’. Hier aber verdrischt das Hologramm die Leute, die dann noch wimmernd am Boden liegen, ehe es dann einen Phaser nimmt und alle drei tötet. Was hat Sektion 31 seinen Leuten gesagt? Geht nochmal in die Kammer und lasst euch von einem Hologramm verprügeln, wir brauchen einen Fake-Beweis? Freiwillig in den Tod gegangen wird wohl keiner sein und das soll nicht verdächtig sein? Überdies sind Hologramme in dieser Zeitperiode genau genommen noch nicht derart hoch entwickelt, dass sie etwas derartiges können.

Zugegeben, das ist Meckern auf hohem Niveau für eine nur wenige Sekunden lange Sequenz. Dem Fan-Herz fällt sowas aber eben auf. Auch Leland und Georgiou tauchen nicht auf, obwohl sie eigentlich aufgrund der Episodenhandlung dafür prädestiniert gewesen wären. Aber vielleicht sehen wir das ja nächste Woche. Auf jeden Fall wird der kommende “Abstieg” von Sektion 31 durch diese Folge im Vergleich zu späteren Serien wieder einmal deutlich.

Nhan, Burnham und Airiam in "Project Daedalus" (Photo: "Discovery" 2x09, CBS)

Nhan, Burnham und Airiam in “Project Daedalus” (Photo: “Discovery” 2×09, CBS)

Zurück auf der Station kommt es zum Endkampf mit Airiam, der gut in Szene gesetzt ist und bei der auch Nhan glänzen darf. Apropos Nhan: So schön es ist, die Sicherheitschefin endlich in Aktion zu sehen, so muss man sich doch fragen, warum sie nicht schon früher etwas gesagt hat. Immerhin fällt ihr Airiams merkwürdiges Verhalten schon vorher auf und sie beobachtet über den ganzen Lauf der Folge die Offizierin. Aber sonst? Fehlanzeige.
Gut ist aber immerhin, dass man im Kampf auch mal auf ihr Atemgerät Bezug nimmt. Dieses ist schlussendlich auch ihr Schwachpunkt, der es Airiam ermöglicht,  Nhan recht einfach auszuschalten. Wobei man sich an der Stelle fragen muss, warum weder Burnham noch die Discovery auf Nhan reagiert, nachdem Airiam weggesperrt ist.

Die Discovery selbst hatte eigentlich gerade nichts zu tun und hätte Nhan einfach herausbeamen können. Und auch Michael hätte zumindest kurz nach ihr rufen können. Klar, man braucht sie gleich noch als Plotdevice, trotzdem fällt das auf. Ansonsten ist der Abschied von Airiam überaus gelungen. Denn nicht nur Tilly, sondern auch die anderen merken alsbald, dass sie ihre Kameradin töten müssen. Und trotz Befehls ist es nicht Burnham, die den Schalter umlegt, sondern eben Nhan. Und während Airiam davon treibt, sieht sie nochmal ihre liebste Erinnerung, die ihr Tilly noch zugeschanzt hat, bevor sich ihre Systeme deaktivieren. Der Abspann erfolgt dann klassischerweise ohne Ton und wirkt daher noch intensiver. Das ist einfach klasse gemacht!

Bleibt am Ende eigentlich nur noch übrig zu hoffen, dass es nächste Woche an dieser Stelle weitergeht. Oder dass wir zumindest erfahren, ob das Reset von “Control” geklappt hat. Und die Erwähnung des titelgebenden “Projekt Deadalus” fällt auch erst in der letzten Minute. So baut man Spannung auf.

Fazit

Routinier Jonathan Frakes liefert erneut eine starke Episode ab. Auch wenn es ein paar Kanten an der B-Story gibt, kann man hier nicht meckern. Charakterarbeit und Action halten sich hier sehr gut die Waage. Auf diesem Niveau kann es gerne weitergehen.

Bewertung

Handlung der Einzelepisode 5 out of 6 stars (5 / 6)
Stringenz des staffel- und serienübergreifenden Handlungsstrangs 5 out of 6 stars (5 / 6)
Stringenz des bekannten Kanons 3 out of 6 stars (3 / 6)
Charakterentwicklung 5 out of 6 stars (5 / 6)
Spannung 4 out of 6 stars (4 / 6)
Action & Effekte 5 out of 6 stars (5 / 6)
Humor 4 out of 6 stars (4 / 6)
Intellektueller Anspruch 4 out of 6 stars (4 / 6)
Gesamt          5 out of 6 stars (5 / 6)

Episoden-Infos

Episodennummer 24 (Staffel 2, Episode 9)
Originaltitel Project Daedalus
Deutscher Titel Projekt Daedalus
Erstausstrahlung USA Donnerstag, 14. März 2019
Erstausstrahlung Deutschland Freitag, 14. März 2019
Drehbuch Michelle Paradise
Regie Jonathan Frakes
Laufzeit 52 Minuten

 


1 Kommentar

MrAnderson · 17. März 2019 um 16:24

Der Abspann ist nur kurz ohne Ton, dann hört man das Rauschen der Wellen aus ihrer ersten Erinnerung am Anfang der Episode.

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