In “Der rote Engel” fällt “Star Trek: Discovery” leider wieder in alte Muster zurück. Obwohl die zehnte Folge der zweiten Staffel durchaus kurzweilig und spannend ist, trüben diverse Ungereimtheiten im Drehbuch den Gesamteindruck. Auch die Enthüllung des Roten Engels fällt letztendlich weniger spektakulär aus als erhofft. Unser ausführliches Review.

Vorsicht Spoiler!

Die Handlung

Airiam ist tot und die Besatzung der Discovery trauert um ihre lebensfrohe, loyale und aufopferungsvolle Kameradin. Die in Airiams Gehirn eingenistete Super-KI aus der Zukunft wurde derweil gelöscht und auch die infizierte KI der Sektion 31, Control, wurde mitsamt der Raumstation vernichtet. Zudem wurden alle Schiffe der Sektion angewiesen, ihre Computerkerne einer umfassenden Diagnose zu unterziehen. Doch alle Befunde waren negativ. Problem gelöst?

Briefing in "The Red Angel" (Photo: "Discovery" 2x10, CBS)

Briefing in “The Red Angel” (Photo: “Discovery” 2×10, CBS)

Mitnichten, glauben Pike und seine Leute. Die KI könnte sich womöglich rechtzeitig von der Station entfernt haben und jeder Zeit andernorts wieder auftauchen, so die Befürchtung. Und so rückt das mysteriöse ‚Projekt Daedalus‘ in den Fokus der Crew, denn Tilly hat diese Datei ausfindig gemacht und herausgefunden, dass der Rote Engel Michaels bio-neurale Signatur trägt.

Wenig später taucht die NCIA-93, Leland und Georgious Schiff, wieder auf und die beiden Agenten kommen an Bord der Discovery. Im Gepäck haben sie einen Plan, mit dessen Hilfe der Rote Engel gefangengenommen werden kann. Dieser sei nämlich eine latente Bedrohung, so Saru in einem Briefing, weil er bei jeder Zeitreise ein Mikrowurmloch öffne, durch welches eine Super-KI aus der Zukunft in die Gegenwart gelangen und die Föderation bedrohen könne. Dies müsse unter allen Umständen verhindert werden, ist man sich dann auch schnell einig.

Im weiteren Verlauf des Briefings offenbart Leland, dass der Rote Engel gar nicht aus der Zukunft kommt, sondern in Wahrheit das Produkt von Sektion 31 ist. Vor 20 Jahren hätten die Klingonen mit temporaler Technik experimentiert, sodass die Sternenflotte einen temporalen Krieg befürchtete. Als Antwort auf diese Bedrohung habe die Sektion ‘Projekt Daedalus‘ entwickelt, einen Raumanzug, mit dessen Hilfe man Zeitreisen unternehmen kann. Doch bevor die Testphase beginnen konnte, sei dieser von den Klingonen zerstört worden. Die Klingonen hätten ihre Zeitreise-Bemühungen danach ebenfalls eingestellt und das temporale Wettrüsten sei zum Erliegen gekommen. Nun wolle die Sektion den Anzug jedoch zurückholen, nachdem dieser wieder aufgetaucht ist.

Georgiou (Michelle Yeoh) weiß über das 'Projekt Daedalus' Bescheid (Szenenfoto aus "Red Angel", CBS)

Georgiou (Michelle Yeoh) weiß über das ‘Projekt Daedalus’ Bescheid (Szenenfoto aus “The Red Angel”, CBS)

Derweil findet Burnham heraus, dass ihre Eltern einst für Sektion 31 und Leland gearbeitet haben. Und dass es ihre Mutter war, die den temporalen Anzug damals entwickelt hat. Doch die Klingonen seien ihnen auf die Schliche gekommen und bis nach Doctari Alpha gefolgt, wo ihre Eltern dann letztlich auch getötet wurden. Burnham hatte den Abstecher der Familie nach Doctari stets auf ihren Wunsch, eine Supernova zu beobachten, zurückgeführt. Doch alle ihre Schuldgefühle waren schlussendlich das Ergebnis einer Fehlannahme. Nicht sie hat den Tod ihrer Eltern zu verantworten, sondern Lelands Nachlässigkeit. Überwältigt von Wut, bricht Burnham Leland die Nase, um anschließend eine Drohung nachzuschicken: “Wir sind noch nicht fertig!”

Hugh Culber, noch nicht den aktiven Dienst zurückgekehrt, sucht indes psychologischen Rat bei Admiral Cornwell. Wie soll er mit seiner Situation umgehen? Wie soll er auf Stamets und dessen Gefühle reagieren? Der Admiral rät ihm, neue Wege zu beschreiten und diese nicht zu vermeiden. Die Liebe sei eine Entscheidung, die immer wieder neu getroffen werden müsse.

Nach einer ausführlichen Analyse der Verhaltensmuster des Roten Engels stellt Spock folgende Hypothese auf: Die roten Signale seien immer dort aufgetaucht, wo Leben in Gefahr gewesen ist – auf der USS Hiawatha, auf New Eden und auf Kaminar. Der Engel selbst sei aber nur dann aktiv in Erscheinung getreten, wenn Burnhams Leben bedroht gewesen sei. Burnham sei die Varianz. Demzufolge vermutet Spock auch ein Großvater-Paradoxon. Wenn Burnhams Leben erneut bedroht sei, werde die Rote Engel auftauchen, um seine eigene zukünftige Existenz zu gewährleisten. Burnham müsse demnach den Köder spielen. Mithilfe von Phasendiskriminatoren soll der Engel dann festgehalten werden, so der Plan.

Der Planet Essof IV hat eine für Menschen tödliche Atmosphäre (Szenenfoto aus "The Red Angel", CBS)

Der Planet Essof IV hat eine für Menschen tödliche Atmosphäre (Szenenfoto aus “The Red Angel”, CBS)

Eine verlassene Basis auf Essof IV scheint der ideale Ort für dieses waghalsige Unternehmen zu sein. Der Planet weist eine Kohlenmonoxid-Atmosphäre auf, die mit Perchloratstaub durchsetzt ist. Ein Mensch, der diesen extremen Bedingungen ausgesetzt ist, kann maximal zwei Minuten überleben, ehe der Erstickungstod eintritt. Burnham stimmt dem Plan zu und dieser wird sodann in die Tat umgesetzt.

Doch zunächst scheint es so, als komme der Rote Engel nicht. Pike und Georgiou wollen die Mission abbrechen, doch Spock hindert sie daran – fest in dem Glauben, die Gesetze der Logik werden sich als richtig erweisen. Und so stirbt Burnham den Erstickungstod, als plötzlich der Rote Engel erscheint und sie wiederbelebt. Der Plan greift und der Engel kann festgesetzt werden. Es ist Michaels totgeglaubte Mutter…

Die Discovery, die NCIA-93 und ein rotes Wurmloch in "The Red Angel" (Szenenfoto: CBS)

Die Discovery, die NCIA-93 und ein rotes Wurmloch in “The Red Angel” (Szenenfoto: CBS)

Emotionaler Abschied von Airiam

Die Episode beginnt mit einer sehr herzergreifenden Trauerfeier zu Ehren von Airiam. Pike, Tilly, Stamets, Detmer und Burnham halten kurze Gedenkreden, anschließend singt Saru noch ein Trauerlied, das die kelpianische Version von “Amazing Grace” zu sein scheint.

Die Szene ist sehr gut gespielt und auch schön umgesetzt worden (Kamerafahrten, Überblendungen, Musik). Etwas negativ aufgestoßen ist mir allerdings die Tatsache, dass Tilly, Stamets und Detmer sehr private Dinge sagen, während Burnham – in guter, alter “Discovery”-Tradition – mal wieder ausschweift, um zu ganz großem Sternenflotten-Pathos auszuholen (“Wir kommen dem Besten in uns selbst näher”). Es tut mir leid, aber warum muss man diese Figur immer so pathetisch und oberlehrerhaft schreiben?! Sonequa Martin-Green (nachträglich Glückwunsch zum 34. Geburtstag übrigens!) kann einem diesbezüglich echt leid tun. Denn genau solche kleinen Details sind es letztendlich, die es mir schwer machen, echte Sympathie für diese Figur zu entwickeln. Burnham ist nicht der Captain des Schiffes und demnach wäre eine Rede mit persönlicher Note für sie hier sicher angebrachter gewesen. Den Starfleet-Pathos – wenn man ihn denn hier unbedingt haben muss – hätte man auch Captain Pike in den Mund legen können. Warum muss Burnham immer aus der Reihe fallen und stets ‘eins obendrauf’ setzen?

Hinsichtlich der Inszenierung kombiniert diese Trauerfeier die Gedenkzeremonien für Spock in “Star Trek II: Der Zorn des Khan/The Wrath of Khan” (Sargtubus und musikalischer Beitrag), Tasha Yar in der “The Next Generation”-Episode “Skin of Evil”/”Die schwarze Seele” (1×23) und Data in “Star Trek: Nemesis” (verschiedene, sehr private Redebeiträge). Eine nette Hommage, vor allem wenn man bedenkt, dass man der beliebten Figur der Jadzia Dax vor 21 Jahren (“Deep Space Nine” 6×26 “Tears of the Prophets”/”Tränen der Propheten”) einen solchen Abschied unverständlicherweise nicht vergönnt hatte – und das nach 150 Episoden.

Nilsson, Pike, Cornwell und Spock in “The Red Angel” (Photo: “Discovery” 2×10, CBS)

Projekt Daedalus

Eine überraschende Wendung ist sicherlich, dass der Rote Engel gar nicht originär aus der Zukunft, sondern aus der Vergangenheit kommt – genauer gesagt aus den 2230ern. Und natürlich auch, dass das ‘Projekt Daedalus’ von Sektion 31 hinter dem temporalen Anzug steckt.

Ganz ehrlich, mir hat dieser Plot Twist so ganz und gar nicht gefallen. Erstens finde ich schon die ganze Thematik hinsichtlich eines temporalen Wettrüstens zwischen den Klingonen und der Föderation wenig überzeugend. Mit Verlaub, aber die Klingonen waren bisher nicht wirklich für ihre enormen technischen Fähigkeiten bekannt. Sicher, seit “Enterprise” wissen wir, dass neben der dominierenden Krieger-Kaste auch eine Kaste fähiger Wissenschaftler existiert. Anders wäre Technologie wie Disruptoren oder Tarnschirme auch nicht denkbar. Aber dennoch würde eine solche Thematik eher zu den Romulanern passen oder später zu den cleveren Cardassianern. Das Problem in “Discovery” ist eben, dass es an ernstzunehmenden Antagonisten mangelt. Der Kanon erweist sich hier einmal mehr als Fessel, denn die Romulaner treten erst rund zehn Jahre später in “Spock unter Verdacht”/”Balance of Terror” (1×08) wieder auf die Bildfläche. Und wer ist da sonst noch?

Grundsätzlich ist mir das auch alles technisch viel zu fortschrittlich für das 23. Jahrhundert. Man kann auch nicht alles mit der super-duper Geheimorganisation erklären, deren technische Ausstattung gefühlt 100 Jahre weiter ist als die der normalen Sternenflotte.

Richtig haarsträubend wird es dann, als Leland sagt, die Sektion habe ihre Bemühungen nach der Zerstörung des Prototyps eingestellt, da auch die Klingonen nicht weitergeforscht hätten. Ja klar, das klingt auch ganz eindeutig nach der Logik von Sektion 31. Vielmehr hätte das Gegenteil der Fall sein müssen. Da wurde ein Prototyp entwickelt, der noch vor den ersten Tests vom Feind zerstört worden ist – natürlich mitsamt allen Konstruktionsplänen. Und die Sektion lässt es einfach darauf beruhen. Verständlich, denn warum sollte eine Geheimorganisation, die notfalls auch über Leichen geht, auch daran interessiert sein, sich einen enormen taktischen Vorteil gegenüber einer feindlich gesinnten Spezies zu verschaffen?

Das ist doch wirklich gaga! Natürlich würde die Sektion 31 dann erst recht weiterforschen! Also entweder Leland hat hier bewusst die Hälfte der Story weggelassen (was Burnham auch andeutet) oder die Autoren haben hier wieder großen Murks fabriziert. Zudem kommt die Zeitreise-Thematik im 23. Jahrhundert eigentlich erst so richtig mit “Morgen ist Gestern”/”Tomorrow is Yesterday” (“The Original Series” 1×21) auf die Agenda der Sternenflotte. Wobei das zugegebenermaßen schon durch “Enterprise” ad absurdum geführt worden ist.

Captain Leland (Alan van Sprang) in “The Red Angel” (Szenenfoto: CBS)

Merkwürdig fand ich auch, dass sowohl Admiral Cornwell als auch Captain Pike recht regungslos auf Lelands ‘Geständnis’, der Rote Engel sei ein Projekt von Sektion 31 gewesen, reagieren. Leland lässt die Discovery über Wochen ins Leere laufen, obwohl er den Ursprung des Engels kennt – und Pike nimmt das dann einfach so zur Kenntnis?

Also ich muss gestehen, dass ich hier langsam nicht mehr durchblicke. Vielleicht liegt es auch an mir und die Story ist in Wahrheit genial konstruiert. Denkbar ist aber auch, dass die Autoren die Sache nicht vom Anfang bis zum Ende durchdekliniert haben und nun notdürftig irgendwelche Plot Holes stopfen müssen.

Wie gesagt, mich überzeugt diese Storyline bisher nur bedingt. Ehrlich gesagt, hätte ich in Staffel 2 auch gänzlich auf den Sektion 31-Arc verzichten können. Leland ist uninteressant und Georgiou nervt mich einfach nur mit ihrem pseudo-coolen Vamp-Getue und ihren deplatzierten sexuellen Anspielungen. Das passt nicht wirklich in den Rahmen der Handlung und es stellt daher auch einfach keinen echten Mehrwert für die Serie dar, ebenso wenig wie ihre ironischen Sprüche, die beileibe nicht immer zünden (Stichwort: Medikation für den neurotischen Stamets). Warum man dieser Frau, die ständig mit der angeblichen Überlegenheit des Totalitarismus gegenüber der Demokratie argumentiert, überhaupt so viel Beachtung auf der Discovery schenkt, ist mir nach wie vor ein großes Rätsel. Wenn diese Figur in dieser Ausprägung tatsächlich die Grundlage für eine neue “Star Trek”-Serie sein soll, dann können wir uns auf etwas gefasst machen. Einzig die sich entwickelnde ‘Mutter-Tochter-Beziehung’ (mir fällt keine bessere Bezeichnung dafür ein) weiß zu gefallen. Ganz so herzlos ist Georgiou dann wohl doch nicht.

Georgiou in "The Red Angel" (Photo: "Discovery" 2x10, CBS)

Georgiou in “The Red Angel” (Photo: “Discovery” 2×10, CBS)

Wiedervereinigung, Teil 1: Michael und Spock

Zu den positiven Aspekten der Episode zählen ohne Zweifel die zahlreichen Charaktermomente. Hier stechen – wie könnte es auch anders sein – vor allem die Szenen zwischen Spock und Burnham heraus. Spocks Zynismus (“Das passt sehr gut zu ihrem emotionalen Profil.” ; “Ich hätte gerne gesehen, wie er zu Boden geht.”) und seine hinter Argumenten der Logik versteckte Zuneigung für Michael (“Solltest du nicht überleben, werde ich des Mordes an einem Offizier angeklagt.”) wirken authentisch und witzig zugleich (während hingegen Tillys Marotte einmal mehr überstrapaziert wird). Peck und Martin-Green beweisen hier wiederholt, dass die Chemie zwischen ihnen beiden stimmt.

Interessant ist auch, dass Spock Michael vergibt und ihre Bruder-Schwester-Beziehung nun wieder im Reinen zu sein scheint. Demnach stellt sich die Frage, warum es dann doch noch zu einem so massiven Bruch zwischen beiden kommen wird, der dazu führt, dass Spock nie mehr über Michael sprechen wird. Da auch Sarek und Amanda später nicht mehr auf Michael zu sprechen kommen werden, verdichten sich die Anzeichen, dass am Ende wohl doch noch jemand an der Zeitlinie rumfummeln wird. Burnhams Background als Ziehschwester von Spock einfach rebootet? Ich kann mir das beim besten Willen nicht vorstellen, aber momentan fehlt mir einfach die Fantasie für eine andere Erklärung.

Spock (Ethan Peck) und Michael Burnham (Sonequa Martin-Green) nähern sich in "Red Angel" einander wieder an (Szenenfoto: CBS)

Spock (Ethan Peck) und Michael Burnham (Sonequa Martin-Green) nähern sich in “The Red Angel” einander wieder an (Szenenfoto: CBS)

Wiedervereinigung, Teil 2: Michael und Ash

Auch Ash nähert sich Burnham wieder an und es deutet einiges darauf hin, dass die Autoren diese Liebesbeziehung mit “The Red Angel” wieder aufleben lassen wollen. Nun gut, wenn die Protagonistin der Serie unbedingt eine Romanze braucht, dann ist das eben so. Für einen Ex-Klingonen ist mir der gute Ash aber einfach zu sehr Softie. Burnham bräuchte nach meinem Dafürhalten einen Partner, der sie sowohl emotional als auch intellektuell herausfordert. Ob Ash das leisten kann?

Ich habe so meine Probleme mit der Figur Ash Tyler. Dessen unerschütterliche Loyalität zur Föderation im Allgemeinen und zur Sektion 31 im Speziellen leuchtet mir nicht ein. Klar, er weiß nicht, wer er ist und wo er hingehört. Aber eben noch die rechte Hand der klingonischen Kanzlerin und nun der mutige Verteidiger der Föderation, der dafür im fahlen Mondlicht mit dem Teufel tanzt und sogar seine Freundschaft mit Burnham aufs Spiel setzt? Nein, das überzeugt mich überhaupt nicht! Aber nicht nur, dass seine Motive höchst widersprüchlich sind. Generell ist seine Anwesenheit auf dem Schiff eigentlich total überflüssig, denn Leland und Georgiou hängen doch ständig selbst auf der Discovery rum. Für was dann noch einen separaten Agenten? Und welche großartige Expertise hat Tyler bisher in die Mission eingebracht (mal von 2×07 “Licht und Schatten” abgesehen)? Einen besonderen Mehrwert stellt er für die Besatzung ohnehin nicht dar, denn mit Nhan (die übrigens eine schöne Szene mit Burnham hat) ist der Posten des Sicherheitschefs schon besetzt.

Shazad Latif spielt seine Rolle wirklich gut, aber ich würde seine Figur Ash Tyler trotzdem in eine Kategorie mit Harry Kim und Travis Mayweather einordnen. Man gewöhnt sich halt an die Gesichter, aber wenn man ehrlich ist, dann sind diese Charaktere letztlich austauschbar und berühren einen nur bedingt. Für den weiteren Verlauf der Serie wäre es vielleicht eine Überlegung wert, Tyler den Heldentod sterben zu lassen. Dann hätte Burnham auch wieder (wie in jeder Folge) einen echten Grund zum Heulen.

Aber wahrscheinlich wird Tyler in die Sektion 31-Spin-off wechseln. Es wäre Shazad Latif wirklich von Herzen zu gönnen, denn das Rumgeeier, das man in “Discovery” mit seinem Charakter veranstaltet, wird diesem Schauspieler einfach nicht gerecht. Wenn Tyler Glück hat, darf er in den Einsatzbesprechungen mal blöd aus der Wäsche gucken und alles abnicken, was der Chef sagt. Ansonsten besteht seine Funktion darin, mit seinem schwarzen Sektion 31-Badge zu protzen, sich in der Messe von Culber die Schnauze polieren zu lassen und tagein, tagaus um Burnham herumzuschwänzeln. Wenn die Autoren mit dieser Figur nichts Konstruktives anzufangen wissen, sollten sie diese besser rausschreiben.

Feiern Tyler (Shazad Latif) und Burnham (Sonequa Martin-Green) ein Beziehungs-Comeback? (Szenenfoto aus "Red Angel, CBS)

Feiern Tyler (Shazad Latif) und Burnham (Sonequa Martin-Green) ein Beziehungs-Comeback? (Szenenfoto aus “The Red Angel, CBS)

Wiedervereinigung, Teil 3? Paul und Hugh

Zu einer Annäherung könnte es auch wieder zwischen Paul Stamets und Hugh Culber kommen. Culber sucht sich Rat bei Admiral Cornwell, die ausgebildete Psychologin ist, also praktisch eine frühe Vorgängerin von Counselor Troi (“The Next Generation”).

Es lässt sich sicher darüber streiten, ob Cornwells Ratschlag jetzt wirklich einen echten professionellen Mehrwert hat, oder ob sie nicht vielmehr mit Binsenweisheiten hantiert, die auch von einem einfachen Bartender wie Quark stammen könnten. Guinan lasse ich jetzt mal außen vor, denn die hat oftmals selbst Counselor Trois Expertise in den Schatten gestellt. Die Gespräche zwischen Guinan und Picard oder auch Guinan und Riker (“The Best of Both Worlds“/“Angriffsziel Erde“) gehören nämlich mit zu den stärksten Dialogen in der Geschichte von “Star Trek”, man denke nur an “The Measure of a Man”/”Wem gehört Data?” (“The Next Generation” 2×09).

Aber zurück zu Culber. Es sieht sehr danach aus, als ob er wieder auf Stamets zugehen möchte. Woher sein Sinneswandel so plötzlich kommt, ist mir allerdings nicht klar geworden. Es bleibt nur zu hoffen, dass uns die Autoren die Selbstfindungs des Hugh Culber nicht im Schnelldurchgang servieren werden. Hier sollte man sich wirklich die nötige Zeit lassen und das gegebenenfalls auch bis in die dritte Staffel zurückstellen.

Etwas rätselhaft geblieben ist mir zudem der aktuelle dienstliche Status von Dr. Culber. Er ist offiziell nicht im Dienst, übernimmt aber die medizinische Untersuchung von Burnham. Dr. Pollard hat gerade Landurlaub, oder was? Und Culbers schwarzer Anzug kam mir doch etwas anachronistisch daher. Sollte in naher Zukunft irgendjemand in Hollywood auf die Idee kommen, ein neuerliches “Miami Vice”-Reboot zu produzieren, möchte ich an dieser Stelle ganz offiziell Wilson Cruz für die Rolle des Ricardo Tubbs vorschlagen.

Lt. Cmdr. Stamets (Anthony Rapp) und Dr. Hugh Culber (Wilson Cruz) in "Red Angel"

Lt. Cmdr. Stamets (Anthony Rapp) und Dr. Hugh Culber (Wilson Cruz) in “The Red Angel” (Szenenfoto: CBS)

Mr. Spocks seltsame Logik

So, an dieser Stelle wird es nun richtig kritisch. Wie mein geschätzter Kollege Christopher Kurtz in seiner Kurzrezension schon richtig festgestellt hat, stimmt in “The Red Angel” etwas ganz gewaltig nicht mit Spocks Schlussfolgerungen in Bezug auf das Verhaltensmuster des Roten Engels.

Spock (Ethan Peck) stellt in "The Red Angel" eine Hypothese auf (Szenenfoto: CBS)

Spock (Ethan Peck) stellt in “The Red Angel” eine Hypothese auf (Szenenfoto: CBS)

Spock leitet aus einzelnen, empirischen Beobachtungen folgende Gesetzmäßigkeit in Bezug auf das Verhalten des Roten Engels ab: Drei der sieben roten Signale sind bisher an Orten erschienen, an denen Leben bedroht war – mit dem Ziel, die Discovery dort hinzulocken. Wir erinnern uns an die USS Hiawatha (1×01), New Eden auf Terralysium (1×02) und Kaminar (1×06). Der Engel selbst sei aber nur dann aktiv in Erscheinung getreten (auch ohne rotes Signal), wenn Michael Burnhams Leben ernsthaft in Gefahr war. Damals als Kind im ‘Vulcan Forge’ sowie vor kurzer Zeit auf dem Asteroiden, auf dem die Hiawatha niedergegangen war. Demnach müsse Burnham die Varianz – das fehlende Muster – sein, so Spock. Und hinter eben jenem Muster stünde ein Großvater-Paradoxon: Der Rote Engel greift immer dann in die Zeitlinie ein, wenn seine zukünftige Existenz bedroht ist.

So weit, so gut. Dumm ist nur, dass Spocks Hypothese alles andere als valide ist. Erstens beruft er sich auf relativ wenige Fallbeispiele, was wissenschaftlich betrachtet immer problematisch ist. Zweitens bestätigen selbst diese wenigen Fallbeispiele seine Hypothese nicht vollständig. Von einer Verifikation seiner Annahme kann keinesfalls die Rede sein, denn mindestens ein Fallbeispiel falsifiziert seine Conclusio. Warum hat der Rote Engel im 21. Jahrhundert in den Dritten Weltkrieg eingegriffen und eine Gruppe von Menschen nach Terralysium gebracht? Was hatte Burnham damit zu tun? Und warum ist er auf Kaminar in Erscheinung getreten? Hier hat der Engel nämlich nicht Burnham, sondern Saru und seine Schwester Siranna gerettet. Burnhams Leben war hier nicht ernsthaft bedroht, da sie sich zu dieser Zeit schon wieder auf dem Schiff befand. Jedenfalls war ihr Leben nicht so stark bedroht, wie das in “Bruder” oder jetzt in “Der rote Engel” der Fall war. Selbst wenn man Kaminar noch gelten lassen würde, so falsifiziert das Eingreifen des Engels in den Dritten Weltkrieg Spocks Hypothese eindeutig. Ebenso wie all die Jahre davor. Warum hat sich der Rote Engel zwischendurch auch mal eine Pause gegönnt? Denn wie oft war Burnhams Leben beispielsweise in der ersten Staffel in Gefahr – im Kampf mit Voq oder  Kol oder in der Schlacht am Doppelstern etwa!

Dass Spock seine fragile Hypothese trotzdem so vehement vertritt und sogar zu einem Phaser greift, um Culber und Georgiou von einem Eingreifen abzuhalten, mutet doch etwas merkwürdig an. Entweder hat Spock mehr mentalen Schaden genommen, als man annehmen durfte. Oder die beiden Drehbuchautoren, Chris Silvestri und Anthony Maranville, haben ihrem Drehbuch hier ein faules Ei ins Nest gelegt.

Wenn man bedenkt, dass Spocks Verhalten womöglich die Überlegenheit der Rationalität (logische Induktion) gegenüber der instinktiven Emotion (Georgiou, Culber, Pike) unterstreichen soll, dann ist das hier wirklich ein kleiner Rohrkrepierer. Die angebotenen Zusammenhänge passen einfach nicht. Bleibt zu hoffen, dass diverse Logiklöcher noch aufgeklärt werden und nicht  – wie schon zu oft in “Discovery” – einfach unter den Tisch fallen.

Stirb langsam, Michael!

Wirklich heftig ist Burnhams Sterbeszene, die echt unter die Haut geht. Die gesamte Inszenierung ist sehr mitreißend und keinen Deut zu kurz oder zu lang, sondern genau richtig. Sonequa Martin-Green spielt hier wirklich überragend, der Todeskampf wirkt in allen seinen Stufen – Angst, Panik, Widerstand und letztlich Fügung in das unvermeidbare Schicksal – absolut überzeugend. Das kann man meiner Ansicht nach nicht besser spielen, ganz großes Lob!

Commander Burnham (Sonequa Martin-Green) ringt in "The Red Angel" mit dem Tod (Szenenfoto: CBS)

Commander Burnham (Sonequa Martin-Green) ringt in “The Red Angel” mit dem Tod (Szenenfoto: CBS)

Zu Burnham selbst muss ich leider (mal wieder) noch einige kritische Sätze loswerden. Mir macht die Entwicklung, die dieser Charakter seit einiger Zeit nimmt, etwas Sorgen. Auf der einen Seite ist es natürlich positiv, dass Burnham eine emotionale Entwicklung durchmacht und somit wieder etwas interessanter wird (was ich in meiner letzten Rezension auch gelobt habe). Auf der anderen Seite reagiert sie fast in allen Situationen nur noch extrem emotional, ist ständig am Heulen und verliert mir für einen Offizier, der mal Kommando-Ambitionen hatte, viel zu oft die Selbstkontrolle (Airiam und die Luftschleuse in der letzten Episode, jetzt Leland).

Natürlich, man kann das alles auf ihre persönliche Situation zurückführen, aber so langsam kristallisiert sich da auch eine fragwürdige Doppelmoral raus, die nicht unbedingt im Sinne von “Star Trek” ist. Einerseits predigt Burnham oft und gerne über den Wert von Moral und Prinzipien. Andererseits fällt ihr scheinbar auch keine zivilisiertere Reaktion auf Lelands Geständnis ein, als diesem gleich doppelt das Nasenbein zu brechen (- wobei diese Szene zugegebenermaßen enorm gut gespielt ist). Wo war hier die Burnham, die im Finale von Staffel 1 noch eine pathetische Rede geschwungen hat?

Michael Burnham (Sonequa MArtin-Green) geschockt in "The Red Angel" (Szenenfoto: CBS)

Michael Burnham (Sonequa Martin-Green) geschockt in “The Red Angel” (Szenenfoto: CBS)

Ist das jetzt so gewollt oder einfach nur inkonsistentes Schreiben seitens der Autoren? Ich weiß es nicht. Ich weiß nach 25 Folgen “Discovery” immer noch nicht, wie ich zur Protagonistin der Serie stehe – und das, obwohl Martin-Green ihre Rolle zweifellos sehr gut spielt. In einigen wenigen Situationen kann ich mit Burnham sympathisieren, aber die meiste Zeit finde ich sie enorm penetrant und zwar in zwei Richtungen. Entweder ist sie zu besserwisserisch oder sie ist viel zu emotional. Mir fehlt da irgendwie der Ausgleich. Wenn sie wirklich Captain werden soll, dann braucht “Discovery” weitaus mehr als eine weitere Staffel, befürchte ich.

Und der Rote Engel ist…

… Burnhams Mutter! Tja, wer hätte das gedacht?! Den passenden “Deine Mudda-Witz” spare ich mir an dieser Stelle.

Und trotz dieser durchaus überraschenden Wendung ist die Offenbarung des Roten Engels dann doch irgendwie weniger spektakulär ausgefallen, als ich mir das im Vorfeld erhofft hatte. Ich muss gestehen, dass ich mit sehr großen Erwartungen in die Episode hineingegangen bin. Diese waren fast noch höher als vor der Nostalgie-Episode “Gedächtniskraft” (2×08).

Dass man noch vor dem Intro mit der Tür ins Haus fällt und Burnham als Roten Engel identifiziert, hat mich dann doch sehr überrascht. Und trotzdem hätte ich im Folgenden nicht erwartet, dass die Autoren damit ganz bewusst eine falsche Fährte legen. Diese Finte hat definitiv funktioniert. Mit der Enthüllung, dass der Rote Engel auf Sektion 31 zurückgeht, hat man in meinen Augen allerdings enorm viel Druck vom Kessel genommen. Mich hat diese Wendung total enttäuscht – mehr noch als die Tatsache, dass sich hinter dem Engel weder Burnham noch irgendein unbekannter Zeitreisender verbirgt.

Der Red Angel (Sonja Sohn) sitzt in der Falle (Szenenfoto aus "Red Angel", CBS)

Der Red Angel (Sonja Sohn) sitzt in der Falle (Szenenfoto aus “Red Angel”, CBS)

Die Mutter-Theorie war mir zwar nicht vollkommen neu, hatte ich diese doch schon vor einigen Tagen irgendwo im englischsprachigen Netz gelesen. Hier bleiben zwei Fragen offen: Warum trägt Burnhams Mutter Michaels bio-neurale Signatur? (Waren die Daten falsch?) Und warum spielt sie – ganz im Stile einer interstellaren, durch die Zeit reisenden ‘Helikopter-Mutter’ – den Schutzengel für Burnham und ermöglicht auf diese Weise einer bösen Super-KI, das Leben in der gesamten Galaxis auszuradieren?

Die gesamte Inszenierung dieser Offenbarung war mir dann doch etwas zu comichaft – Marvel und DC lassen grüßen. Burnhams Mutter kann nicht nur Mikrowurmlöcher erschaffen und die Ba’ul neutralisieren. Nein, sie kann auch eine bereits erstickte Burnham problemlos ins Leben zurückholen. Super-Mum rettet die Welt.

Der Rote Engel (Sonja Sohn) wirkt wie ein Superheld aus diversen aktuellen Comic-Verfilmungen (Szenenfoto: CBS)

Der Rote Engel (Sonja Sohn) wirkt wie ein Superheld aus diversen aktuellen Comic-Verfilmungen (Szenenfoto: CBS)

Auch an dieser Stelle muss ich meinem Kollegen Christopher Kurtz beipflichten. Es war immer ein zentrales Wesensmerkmal von “Star Trek” gewesen, Problemlösungsansätze primär wissenschaftlich zu erklären. “Star Trek” war schon immer wissenschaftsorientierte Hard Science-Fiction und keine Science-Fiction-Fantasy. Das schließt ganz sicher nicht aus, auch ab und zu mal metaphysische Themen zu behandeln. Allmächtige Wesen gibt es in der “Star Trek”-Historie bekanntlich zuhauf. Aber “Discovery” driftet mir an dieser Stelle doch zu sehr in die Bereiche Comic & Fantasy ab. Der Rote Engel ist – technisch gesehen – einfach ein Fremdkörper für diese Ära. Man macht es sich auch viel zu einfach, wenn man diese Technik nur beiläufig zu ‚erklären‘ versucht, etwa so: Man nehme einen Raumanzug, füge einen Gravitationsemitter hinzu, baue einen Zeitkristall ein und fertig ist das ultimative Zeitreise-Equipment! Das ist mir dann doch zu billig, Hauptsache es wirkt so cool wie Marvel.

Eine ähnliche ‘Anbiederung’ an den aktuellen Kino-Mainstream hatten wir beispielsweise in einigen Spiegeluniversum-Episoden aus der ersten Staffel (Stichwort: Martial Arts). “Star Trek” sollte aber auch im Jahr 2019 seinen Kompass nicht verlieren. Science-Fiction-Produktionen, die den Fantasy-Aspekt höher bewerten als den Wissenschaftsaspekt, gibt es derzeit schon genug.

Einige Beobachtungen

  • Dass Leland ein optronisches Gerät abseits der Brücke benutzen muss, ist wohl ausschließlich den Zwängen des Drehbuchs geschuldet. Ich denke nicht, dass er wirklich tot ist. Womöglich hat sich die KI nun bei ihm eingenistet (implantierter Chip).
  • Saru wird langsam zur Glucke, seine leicht aggressiven Tendenzen sind unverkennbar. Trotzdem enorm cool, wie er sich vor Leland drohend aufbaut. Da will wohl jemand Captain werden…
  • Warum wird Stamets eigentlich immer als Ingenieur bezeichnet? Er ist Astromykologe und trägt zudem eine blau-silberne Uniform, die ihn als Wissenschaftler ausweist.
  • Die Kommandostruktur der Discovery ist konfus. Der leitende medizinische Offizier hat wohl nur einen Teilzeitjob, auf der Krankenstation läuft fast kein Personal rum und dass die Discovery tatsächlich einen Chefingenieur haben soll, halte ich weiterhin für ein Gerücht.
  • Zuständigkeitschaos auch auf der Brücke: Owosekun wird als Operations Officer geführt (Uniformfarbe: Blau-Bronze), Lt. Cmdr. Airiam (Uniformfarbe: Blau-Silber) aber auch. Nun übernimmt Lt. Nilsson den Posten von Airiam, trägt im Gegensatz zu Airiam aber eine Unform in Blau-Bronze.
  • Lieutenant Nilsson wird von Sara Mitich gespielt, die in der ersten Staffel noch Airiam verkörperte. Wenn man genau hinhört, dann spricht Captain Pike Nilsson in der deutschen Synchro irrtümlicherweise mit “Lieutenant Nelson” an.
  • Hat der Rote Engel in die kulturelle oder technische Entwicklung der Menschheit eingegriffen? Leland macht eine Andeutung, die an die “Voyager”-Doppelepisode “Vor dem Ende der Zukunft”/”Future’s End” (3×08/09) erinnert (dazu mehr im Kanon-Futter 2×10).
  • Spocks “Burnham must die”-Hypothese erinnert ein wenig an “Edith Keeler must die!” in “The City on the Edge of Forever”/”Griff in die Geschichte” (“The Original Series” 1×28).
  • Regisseurin Hanelle M. Culpepper wird auch die erste Folge der neuen Picard-Serie inszenieren. Ihre recht klassische, aber doch eindrucksvolle Inszenierung von “Der rote Engel” dürfte auch sehr gut zu einer Serie mit Patrick Stewart passen, die sich nach Aussagen der Showrunner auch im Stil sehr von “Discovery” unterscheiden soll.

Fazit: Eine kleine Enttäuschung

“Der rote Engel” ist ganz sicher keine schlechte Episode, aber die teils massiven Plot Holes sind an vielen Stellen doch unübersehbar. Die starken Charaktermomente und die kurzweilige, gut strukturierte Inszenierung können die Schludrigkeit im Writers Room leider nicht vollständig kompensieren. Auch aus Sicht des etablierten “Star Trek”-Kanons ist “Der rote Engel” nicht unproblematisch.

Das Zusammenlaufen aller nennenswerten Handlungsbögen der zweiten Staffel (Roter Engel, Burnhams Eltern, Super-KI) im Sektion 31-Arc ist in meinen Augen ein großer Fehler, denn “Discovery” würde ganz sicher auch ohne diesen funktionieren. Der Rote Engel hat durch diesen Plot Twist jedenfalls einiges von seinem Mysterium eingebüßt. Es wird sich zeigen müssen, ob Burnhams zweiter Mutterkomplex (nach Prime-Georgious Tod) genug Erzählstoff bietet, um die Staffeln in den restlichen vier Episoden zu einem guten Abschluss zu bringen.

Der erhoffte Höhepunkt der zweiten Staffel hat sich für mich dann doch als eine kleine Enttäuschung herausgestellt. Aber vielleicht waren meine Erwartungen an die Episode nach zwei sehr starken Folgen auch einfach viel zu hoch gewesen.

Bewertung

Handlung der Einzelepisode 3 out of 6 stars (3 / 6)
Stringenz des staffel- und serienübergreifenden Handlungsstrangs 3 out of 6 stars (3 / 6)
Stringenz des bekannten Kanons 2 out of 6 stars (2 / 6)
Charakterentwicklung 4 out of 6 stars (4 / 6)
Spannung 4 out of 6 stars (4 / 6)
Action & Effekte 3 out of 6 stars (3 / 6)
Humor 2 out of 6 stars (2 / 6)
Intellektueller Anspruch 4 out of 6 stars (4 / 6)
Gesamt          3 out of 6 stars (3 / 6)

Episoden-Infos

Episodennummer 25 (Staffel 2, Episode 10)
Originaltitel The Red Angel
Deutscher Titel Der rote Engel
Erstausstrahlung USA Donnerstag, 21. März 2019
Erstausstrahlung Deutschland Freitag, 22. März 2019
Drehbuch Chris Silvestri & Anthony Maranville
Regie Hanelle M. Culpepper
Laufzeit 48 Minuten

 


1 Kommentar

MrAnderson · 24. März 2019 um 14:59

Warum hat sich der Rote Engel zwischendurch auch mal eine Pause gegönnt? Denn wie oft war Burnhams Leben beispielsweise in der ersten Staffel in Gefahr – im Kampf mit Voq oder Kol oder in der Schlacht am Doppelstern etwa!

Ihr Leben war nur in Gefahr, sie ist dabei nicht gestorben. Wir dürfen davon ausgehen, dass ihre Mutter sie jedesmal vor dem sicheren Tod bewahrt hat. Aus der Zukunft hat sie wohl Einblick auf die Daten ihrer Tochter und damit wohl auch auf Todeszeitpunkt und -umstände. Hätte man also Burnham wirklich auf die Krankenstation gebeamt, hätte Spock nicht dafür gesorgt, dass sie wirklich stirbt, wäre sie wieder NUR in Gefahr gewesen, hätte aber keine Hilfe gebraucht um zu überleben. Ihre Mutter hätte von dem Vorfall in der Zukunft vielleicht nichtmal was erfahren wenn sie sie selbst wiederbelebt hätten. Nein. Sie musste sterben, musste bestattet werden, ihr “Totenschein” musste ausgestellt werden, Logbucheinträge gesprochen und ein Leben ohne Burnham fortgeführt werden, damit ihre Mutter in der Zukunft davon erfahren konnte. Der Moment in dem der Engel eingreift ist der zweite Durchlauf. Die Todesart war absoluter quatsch und nur der Dramaturgie geschuldet. Als ob man einem Zeitreisenden Zeit verschaffen müsste um einschreiten zu können… also wirklich! Ein einfacher Kopfschuss hätte gereicht, die Mutter wäre trotzdem pünktlich erschienen um den zu verhindern.

Leland ist übrigens nicht tot. Die K.I. hat ihre Stimme seiner Klangfarbe angepasst und das durchstochene Auge hat sich sofort regeneriert. Erste Borgdrohne?

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