In unserer Review nehmen wir den dritten Aphra-Comic unter die Lupe – der sich als einer der besten Comics seiner Zunft entpuppt.

Inhalt (Klappentext):

Die diebische Archäologin Doctor Aphra ist es gewöhnt, dass ihr Dinge über den Kopf wachsen – aber dieses Mal ist sie nicht allein! Wer stürzt sich mit ihr in dieses unglückliche Abenteuer? Hoffen wir, dass derjenige freundlich ist… ansonsten könnte sich Aphra letztlich doch noch übernommen haben!

Doktor Aphra 3 (Panini)

Doktor Aphra 3

Kritik

“Umgekehrte Vorzeichen” ist bereits der dritte Doktor Aphra-Band und bereits das zweite Cover (innen auf der ersten Seite) zeigt eindrucksvoll, wo die Reise hingeht. Hier ist Aphra zusammen mit Hera, der Heldin aus der Serie “Rebels” zu sehen – und das in einer extrem guten Zeichnung. Überhaupt ist der Zeichenstil auch hier wieder zu einem Großteil gelungen. Manchmal lassen die Hintergründe zwar etwas Details vermissen, das fällt aber nicht weiter ins Gewicht. Der Comic ist mehr als farbenfroh und es kracht zumeist an allen Ecken und Enden. Den Überblick verliert man aber nie, was auch an der guten Story liegt, welche die Atmosphäre der Zeichnungen (Stichwort: witzig-spritzig) unterstützen.

Denn storytechnisch werden hier alle Register gezogen. Nach dem Ende des letzten Bandes muss Aphra nun ihren Droiden dienen, die es auch mehr als köstlich ausnutzen, die Doktorin nun herumschubsen zu können. Bereits hier zeigt sich, wohin die Reise geht und die Kabbeleien der Protagonisten machen mehr als Spaß. Vor allem entwickelt sich im Laufe des Bandes ein Plan, mit dem Aphra wieder die Oberhand gewinnen könnte. Das wird sehr langsam aufgebaut und die Unsicherheit (ob gespielt oder nicht) verschwindet langsam.

Das ist aber nicht das einzige Highlight des Bandes, denn die Gegenspielerin ist die imperiale Captain Tolvan. Auch diese kennen wir aus den Vorgängern, vor allem werden mit ihrem Ausbilder aber auch Querverweise zur Monatsserie gezogen. Auch sie ist mehr als gut in Szene gesetzt und selten konnte man für einen Bösewicht derartig viel Sympathie empfinden. Das liegt natürlich zu einem Großteil daran, dass es zwischen ihr und Aphra funkt. Schnell erkennen sich zwei einsame Seelen und obwohl sie auf verschiedenen Seiten stehen, nähern sie sich an. Eine lesbische Beziehung ist auch im Star Wars-Universum ein Novum, und dass Disney sich das traut und sogar offen zeigt, wenn die beiden miteinander im Bett liegen (natürlich nicht explizit) lässt hoffen, dass die Marke Star Wars nicht gänzlich auf Kinderniveau getrimmt wird.

Und dass Beziehungen von Personen, die auf zwei Seiten stehen, dazu taugen, großartige Geschichten zu erzählen, hat ja auch Claudia Gray einst bewiesen, deren Adaption von “Verlorene Welten” als Manga auch unlängst erschien (ob da die Veröffentlichung der beiden Comics nahezu zeitgleich Zufall war?). So oder so, das Knistern ist in jeder einzelnen Sekunde spürbar, das Katz-und-Maus-Spiel der beiden eine wahre Augenweide. Immer spielen sie sich Bälle zu, obwohl sie irgendwie doch noch versuchen, für ihre jeweilige Fraktion das Beste rauszuholen. Einfach grandios – gerne mehr davon.

Doch auch die Söldnergruppe, mit der Aphra auf ihre Missionen geht, ist nicht ohne. Zum einen haben wir auch da ein (homosexuelles) Pärchen, auch wenn deren Beziehung nicht derart intensiv beleuchtet wird, wie die von Aphra und Tolvan. Bemerkungen wie “Du hast einen Stock im Arsch” lassen aber auch hier auf eine erwachsenere Herangehensweise auch in Zukunft hoffen. Doch auch davon abgesehen, ist fast jede einzelne Szene mit besagten Söldnern einfach grandios. Das liegt sicher auch mit daran, dass hier ein Gagfeuerwerk ohnegleichen abgefeuert wird, während man versucht, bierernst zu sein. Ein Schelm könnte fast sagen, man hat die Marvel-Kinoformel auf Star Wars angewendet.

Aber wenn sich eine Söldnerin plötzlich verdrückt, weil ihr ihre Tarnfähigkeiten einfallen oder andere mitten im Kampf eine Sinnkrise erleiden, dann weiß man nicht, ob sie einfach nur genial dumm oder genial schräg sind. Das ist aber an der Stelle auch völlig egal, denn auch diese Szenen funktionieren von vorne bis hinten.

Und dann ist da eben noch Hera, die einen Kader von trotteligen Rebellenpiloten ausbilden muss (auch das eine lustige und genial umgesetzte Idee!). Natürlich rauschen sie und Aphra aneinander und Sachen wie die Entführung, die Schleife auf Heras Kopf oder das spätere Zusammenraufen der beiden sind einfach schön anzuschauen. Irgendwie will man aber auch gar nicht, dass es aufhört, wenn man ehrlich ist.

Fazit

Man sieht schon, in diesem Comic stimmt einfach alles. Charaktere und ihre Beziehungen zueinander, Humor, Action und vor allem durchaus erwachsene Themen, die im Hintergrund stehen – in dieser Richtung kann es weitergehen und deswegen hat sich der Comic auch zurecht die Höchstwertung verdient. Mehr, mehr, mehr, mehr, mehr!

5 out of 5 stars (5 / 5)
Information: Ein Exemplar dieser Ausgabe wurde dem Autor vom Verlag zum Zwecke der Rezension kostenlos überlassen.

Quick-Infos

Autor: Kieron Gillen, Si Spurrier
Zeichner: Emilio Laiso
Originaltitel: Star Wars – Doctor Aphra 14-19
Jahr der Veröffentlichung (Original): 2019
Übersetzer: Juastin Aardvaark
Seitenanzahl: 140
Preis: 17.- Euro
ISBN: 978-3-7416-1071-4
Verlag: Panini

 


Avatar

Thomas Götz

Seitdem er 1985 zum Ersten Mal Episode IV sah und ausrief "Aber das heisst doch, Vader ist Lukes Vater" ist Tom der Science Fiction verfallen. Star Trek Fan wurde er, wie viele seiner Kollegen, 1990 mit "The Next Generation" in Deutschland. Seine ersten Buchrezensionen zu Star Trek Büchern erschienen schon 1995 im Alter von 16 Jahren im Star Trek Fanclub. Seit 2006 schreibt er auch Online Rezensionen (ab 2009 Trekzone-Exklusiv) und hat kürzlich seine 2000.Rezension veröffentlicht.

0 Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.