Die drittletzte Folge der zweiten Staffel “Discovery” schickt die Crew zum klingonischen Kloster Boreth.

Story

Dieses Mal stammt das Drehbuch vom Autorenduo Bo Yean Kim und Erika Lippoldt, die diese Staffel bereits das zweischneidige “The Sounds of Thunder” geliefert haben.

Nach der Eskalation der letzten Episode folgt die Discovery einem roten Signal zum klingonischen Kloster Boreth. Das führt zu einem Wiedersehen zwischen Kanzlerin L’Rell und Tyler. Derweil machen sich Michael Burnham und Spock auf den Weg, um aufzuklären, warum ein Sektion-31-Schiff auf der Jagd nach Leland von seinem Terminplan abgewichen ist.

L'Rell, Pike und Tyler in "Through The Valley of Shadows" (Photo: "Discovery" 2x12, CBS)

L’Rell, Pike und Tyler in “Through The Valley of Shadows” (Photo: “Discovery” 2×12, CBS)

“Through The Valley of Shadows” ist vermutlich am ehesten vergleichbar mit “If Memory Serves”, da es sehr viele Einzelteile sowohl aus der Rahmenhandlung als auch aus dem größeren “Star Trek”-Kanon zusammenführt. Mehr noch als beim Talos IV-Besuch muss sich das Autorenteam jedoch den Vorwurf des Fan-Service gefallen lassen. Nichts in der Story erfordert Boreth als Schauplatz, ein Ausflug nach Bajor wäre plausibler gewesen. Was sich zudem alles auf Boreth zuträgt, ist für Freunde des Kanons insgesamt eher schwer verdaulich.

Auf der B-Spur lässt sich die Story zunächst besser und interessanter an. Sie gibt Spock und Burnham Gelegenheit zum ersten richtigen gemeinsamen Einsatz nach ihrer Aussöhnung. In der zweiten Hälfte versinkt die Geschichte jedoch wieder in “Discovery”-typischen Logik-Löchern. Gerettet wird das Ganze nur durch eine tolle, teilweise originelle und effektreiche Actioneinlage.

Dialoge und Figuren

Auch wenn die Episode viele Lieblingsfiguren zusammenführt, wirken die meisten Interaktionen recht hölzern. Heraus stechen eine Szene zwischen Culber und Reno auf der Krankenstation und einigen Szenen zwischen Burnham und Kamran Gant, einem ehemaligen Kollegen von der Shenzhou. Hier blitzt kurz die Serienmagie auf, die “Discovery” immer wieder trotz einiger Unzulänglichkeiten beim Plot sehenswert machen. Leider sind es diesmal wieder zu wenige.

Dazwischen passiert viel, das zu kalkuliert wirkt. Die Chemie zwischen L’Rell und Tyler stimmt nicht, um die Tragik der Situation angemessen rüberzubringen. Die Schlagabtausche zwischen Burnham und Spock wirken lustlos. Auf Boreth ist Pike mit einer Lage konfrontiert, die vergleichsweise blutarm und unklingonisch dahinplätschert. Insbesondere der Hauptpriester macht einen wenig überzeugenden Eindruck (und hat eine äußerst problematische Origin-Story).

Detmer und Reno in "Through The Valley of Shadows" (Photo: "Discovery" 2x12, CBS)

Detmer und Reno in “Through The Valley of Shadows” (Photo: “Discovery” 2×12, CBS)

Commander Reno ist mal wieder mit von der Partie und wenn das Drehbuch keine leeren Versprechungen macht, werden wir Tig Notaro wohl zusammen mit Stamets in den nächsten Folgen an einer technischen Lösung für die missliche Lage schrauben sehen. Leider hat die Beste diesmal nur zwei Szenen im Gepäck (davon eine wirklich gute). Tilly fehlt diesmal indes.

Zuletzt sei noch Anson Mounts Christopher Pike erwähnt. Diese Episode konstruiert die Umstände für unseren Captain, einmal zentral (und ohne sein übliches Team) im Mittelpunkt zu stehen. Leider betritt die Story hier kein Neuland, sondern wandelt auf ausgetretenen Pfaden von Sisko und Archer und klammert sich dabei so sehr an den etablierten Kanon der Figur, dass wir eine großartige Chance verpassen, mehr über den Menschen Pike zu lernen. Dank dieser Folge wird Pike immer jemand sein, der durch die Ereignisse aus “Der Käfig”/”The Cage” und “Talos IV – Tabu”/”The Menagerie” (beide “The Original Series”) definiert wird. Schade.

Pike in "Through The Valley of Shadows" (Photo: "Discovery" 2x12, CBS)

Pike in “Through The Valley of Shadows” (Photo: “Discovery” 2×12, CBS)

Inszenierung

Nachdem offenbar die letzten beiden Episoden mit dem gestreckten Budget nur einer Folge abgedreht werden mussten, zeigt “Throught The Valley of Shadows”, was “Discovery” an tollen Schauwerten auf die Mattscheibe zaubern kann. Boreth darf sich von vielen großartigen Seiten zeigen, darunter viele Augenöffner. Auch die B-Story spart nicht mit tollen visuellen Momenten.

Regisseur Doug Aarniokoski fährt die Folge mit sicherer Hand und einer vergleichsweise konservativen Inszenierung sicher über die Zielgerade.

Rahmenhandlung

“Tal der Schatten” verfolgt zwei Ziele: Erstens entwickeln unsere Helden eine Theorie über den Zweck der Roten Signale. Zweitens dient die Episode als weitere Eskalation vor dem nahen Staffelfinale.

Nebenbei wird (recht unnötig) die Story um Tyler und L’Rells Sohn weitergesponnen und in einer Fanservice-Einlage Pikes Platz im “Star Trek”-Kanon zementiert.

Burnham in "Through The Valley of Shadows" (Photo: "Discovery" 2x12, CBS)

Burnham in “Through The Valley of Shadows” (Photo: “Discovery” 2×12, CBS)

Allerdings ist das Finale tatsächlich spannend, sehenswert und bereitet uns auf einen heißen Schlussakt vor.

Beobachtungen

  • Schicker Schlachtkreuzer. So sieht ein D7 aus!
  • Moment mal – die Daten sind noch vollständig auf der Discovery? Wozu dann die ganze Übung in der letzten Episode?
  • Wenn die These der Discovery-Crew stimmt, hätte ich auch eine heiße Kandidatin als zukünftige Signalgeberin. Schließlich ist letzte Folge Gabrielle zusammen mit dem beschädigten Anzug in die Zukunft gezogen worden.
  • Ich kapier einfach nicht, warum der Sporenantrieb noch im Spiel ist.
  • Was ist mit Harry Mudds Zeitkristall aus “Magic to Make the Sanest Man Go Mad” passiert? Die ganze Übung erscheint mir ziemlich unnütz.
  • Daten(-träger), die sich nicht löschen lassen?
  • Schadsoftware, die sich nicht kopieren kann?
  • Unfälle, die sich trotz Vorwarnung nicht verhindern lassen?
  • Guck mal hinter dir! Zack, schon den Phaser in der Hand. Zur Erinnerung: Control wollte aus größerer Entfernung in 0.8 Sekunden bei Burnham sein können.
  • Mir fallen aus dem Stand fünf relativ sichere Varianten ein, wie Control sein vorgebliches Ziel in dieser Folge problem- und widerstandslos hätte erreichen können. Allerdings dann auch ohne Drama und Plottwist. Unfähige, künstliche Dummheit.
  • Auf der einen Seite kann ich ja verstehen, dass Burnham auf die Naniten feuert. Auf der anderen: Weglaufen wäre schlauer.
  • Schon wieder wird erwähnt, dass wir eine Supernova brauchen, um etwas Sinnvolles mit dem Zeitkristall anzufangen. Zaunpfahl erkannt.
  • Die Konsequenz, die Burnham und Pike am Ende dieser Folge ziehen, hätte ich bereits am Anfang der letzten aktiviert. Zumindest den Computerkern wird man ja wohl physisch zerstören können. Ansonsten: Baut Raumschiffe aus dem Zauberstoff.
  • Keine Sorge, die Discovery wird das schon noch überleben. “Calypso” lässt grüßen.
  • Prognose zum großen Finale: Das siebte und letzte Signal sind Koordinaten für ein vermeintliches Himmelfahrtskommando. Alle rationalen Anzeichen sprechen dagegen. Dank “Faith” springen unsere tapferen Recken dennoch blind der Rettung allen Lebens entgegen.

Fazit

Obwohl das Tempo anzieht, dümpelt “Discovery” leider in qualitativer Mittelmäßigkeit vor sich hin. Zu viele Versatzstücke ergeben einfach keinen Sinn. Es plagen die Folge der unsinnige Fan-Service, das geradezu infantile Konzept der so genannten Zeitkristalle (mein Gott, kann man sich nicht wenigstens einen nicht-albernen Namen dafür ausdenken?) und die demonstrative Nicht-Kompetenz der vermeintlichen Super-KI. Dass parallel dazu die Charaktermomente schon die zweite Woche in Folge nicht mehr so richtig zünden wollen, ist das eigentlich Tragische.

Spock, Gant und Burnham in "Through The Valley of Shadows" (Photo: "Discovery" 2x12, CBS)

Spock, Gant und Burnham in “Through The Valley of Shadows” (Photo: “Discovery” 2×12, CBS)

Bo Yeon Kim und Erika Lippoldt zeigen leider erneut, dass ihre Drehbücher nicht zu den besten der Serie gehören. Was bleibt, sind solide Schauwerte und eine weiterhin sympathische Besetzung. Mal schauen, wie wir so über die Zielgerade kommen.

Bewertung

Handlung der Einzelepisode 2 out of 6 stars (2 / 6)
Stringenz des staffel- und serienübergreifenden Handlungsstrangs 5 out of 6 stars (5 / 6)
Stringenz des bekannten Kanons 3 out of 6 stars (3 / 6)
Charakterentwicklung 3 out of 6 stars (3 / 6)
Spannung 4 out of 6 stars (4 / 6)
Action & Effekte 4 out of 6 stars (4 / 6)
Humor 3 out of 6 stars (3 / 6)
Intellektueller Anspruch 2 out of 6 stars (2 / 6)
Gesamt          3 out of 6 stars (3 / 6)

Episoden-Infos

Episodennummer 27 (Staffel 2, Episode 12)
Originaltitel Through The Vallay of Shadows
Deutscher Titel Tal der Schatten
Erstausstrahlung USA Donnerstag, 3. April 2019
Erstausstrahlung Deutschland Freitag, 4. April 2019
Drehbuch Bo Yeon Kim, Erika Lippoldt,
Regie Doug Aarniokoski
Laufzeit 45 Minuten

Mit Rücksicht auf andere Leser, die die Folge noch nicht gesehen haben, bitten wir, in den Kommentaren zu diesem Artikel auf Spoiler zu verzichten. Danke!


4 Kommentare

Ben · 6. April 2019 um 7:58

und wieder lese ich nur wie nach dem salz in der suppe geradzu penibel gefischt wird. ganz ehrlich, würde man euch jede einzelne episode TNG oder VOY oder DS9 durchrezensieren lassen würdet ihr in jeder episode etwas finden das nicht passt, das nicht star trek ist. ja wo herrgott ist denn dann die eine epsiode, oder wie es bei euch rüberkommt, die eine staffel die wirklich durch und durch star trek in reinform ist? eben, gibt es nicht.

trotzdem lese ich hier woche für woche “discovery ist zwar toll” oder auch mal “heute weniger toll” aber wo lese ich mal “heute war es auf den punkt perfekt, star trek in reinform” das scheint es wohl nicht zu geben. es gibt immer was zu meckern. und das könntet ihr bei bisher jeden produzierten folge star trek. man findet überall salz in der suppe wenn man nur danach sucht. was aber hier dabei rüber kommt ist “discovery ist gut aber ist nicht star trek, dafür ist uns zu viel salz in der suppe”. herrgott, die serie ist noch jung, grade mal staffel 2, sie hat sich gebessert. die anderen serien in dem maße zu rezensieren geht meiner meinung nach nicht. dafür sind die alten serien mittlerweile als zu sehr “so muss star trek sein!” verklärt.

man müsste jemanden dran setzen der star trek noch überhaupt nicht kennt und der soll dann mal alle serien, TOS, TNG, VOY DS9 und ENT durchrezensieren. ich bin mir sicher dabei würde discovery noch am besten bei weg kommen.

immer dieses ewige gesuche nach dem salz in der suppe. das findet man doch überall! in jeder bisher gedrehten folge star trek.! anstatt einfach mal zu sagen “ja, so passt es, so ist star trek, wie immer gibt es überall mal was zu bemängeln aber im großen und ganzen: ja, das ist sar trek!” nein, sowas liest man von euch nie….. es nervt langsam dieses ewige gedisse und gesuche nach dem salz in der suppe bei discovery. es ist star trek! punkt aus ende!!!

    TrekZone Network · 6. April 2019 um 19:09

    Lieber Ben,

    “Discovery” ist “Star Trek”. Punkt. Haben wir der Serie nie angesprochen und werden es auch nicht tun.

    Und ganz klar: Die ersten 27 Folgen sind auch verdammt gut im Vergleich zu anderen Serienstarts.

    Gleichzeitig war “Discovery” diese Staffel IMO schon mal besser. Zu “Saints of Imperfection” habe ich geschrieben: “Als Zuschauer hat man seine wahre Freude an einem stringenten Plot, spannenden Figuren, knackigen Dialogen, einer geschliffener Inszenierung, großen Emotionen und tollen Bildern.” Bei “Project Daedalus”: “Michelle Paradise und Jonathan Frakes sind für mich ein neues Dream-Team hinter der Kamera. “Project Daedalus” hält den hohen Standard der zweiten Staffel, legt an manchen Stellen noch eine gute Schippe drauf und setzt so einen neuen Höhepunkt.”
    Die letzten beiden Folgen fand ich dagegen klar schwächer, wobei 3 von 6 Sternen ja auch noch ganz ok sind.

    In jedem Fall freuen wir uns über das Feedback. Schön, dass es unterschiedliche Blickwinkel auf die Serie gibt. Das ist auch einer der Gründe, weshalb wir auf der TrekZone mehrere Rezensionen veröffentlichen. IDIC.

    – Christopher Kurtz

Thomas Diehl · 7. April 2019 um 11:35

“Mein Gott, kann man sich nicht wenigstens einen nicht-albernen Namen dafür ausdenken?”
Frag die Wissenschaftler, Zeitkristalle sind kein Star-Trek-Konzept, sondern echte Wissenschaft. Ob sie so funktionieren wie in Discovery, ist freilich eine andere Frage, aber naja, Star Trek halt.
Manchmal reicht es, statt zu moppern einfach mal die Wikipedia zu bemühen.

    TrekZone Network · 7. April 2019 um 14:59

    Hallo Thomas,

    danke für den Hinweis. Wie du schon korrekt andeutest, heißen die (Quanten-)Zeitkristalle der Wissenschaft nicht so, weil man damit durch die Zeit reisen oder die Zukunft sehen kann, sondern weil sich ihre Strukturen nicht nur räumlich, sondern auch zeitlich wiederholen. D.h. die Materie dieser Kristalle verändern ihren Zustand in wiederkehrenden Mustern. Daraus kann man hypothetisch z.B. sehr präzise Uhren oder Speicherchips für Quantencomputer bauen. Du hast recht, dass ich die Rezension im Unwissen um dieses physikalische Phänomen geschrieben habe. Danke für die informative und unterhaltsame Suche.

    Gleichwohl würde ich meine Kritik wiederholen. Wenn die “Discovery”-Macher über das wissenschaftliche Konzept Bescheid wissen, dann halten sie es bisher erfolgreich unter der Decke. Eine tolle Gelegenheit wäre gewesen, in “Perpetual Infinity” den Zeitkristall und nicht den Anzug als potentiellen Speicher für die Sphärendaten zu identifizieren. Dann hätte Leland konsequenter weise versuchen müssen, in den Besitz des Kristalls zu gelangen, statt mit dem Phasergewehr darauf zu feuern.

    Ich glaube nach wie vor: Für die Story brauchte es ein Zeitreise-Dingsbums, und beim Brainstorming hat es für nicht mehr als “Zeitkristall” gereicht, weil der in “Magic to Make the Sanest Man Go Mad” schon mal vorkam. Oder “Drehkörperfragment”, “Chronitonfalle”, “Tachyonkondensat” und “Metreongenerator” sind allesamt durchgefallen, weil man dem Publikum oder sich nicht mehr zugetraut hat. So oder so: Schade.

    – Christopher Kurtz

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