In “Süße Trauer” (2×13) bekommen wir endlich auch das Innere der U.S.S. Enterprise NCC-1701 zu sehen: Brücke, Korridore, Konferenzraum. Wir betrachten das Redesign im Detail und vergleichen die Neugestaltung des wohl berühmtesten Raumschiffes der Fernsehgeschichte mit den Originalkulissen aus den 1960er-Jahren.

Vorsicht SPOILER: Wer “Süße Trauer” noch nicht gesehen hat und sich die Überraschung nicht nehmen lassen will, sollte hier besser nicht weiterlesen!

1. Hüllendesign

Die U.S.S. Enterprise der Constitution-Klasse hat in ihrer rund 54-jährigen Geschichte (wenn man das Produktionsjahr von “The Cage” 1965 mitrechnet) zahlreiche Redesigns erhalten. Auch zwischen den beiden “The Original Series”-Pilotepisoden “The Cage” / “Der Käfig” (TOS 1×00) beziehungsweise “Where No Man Has Gone before” / “Die Spitze des Eisbergs” (TOS 1×03) und der eigentlichen Serie wurde das Hüllendesign der Enterprise leicht modifiziert.

Die U.S.S. Enterprise NCC-1701 der Constitution-Klasse im Look von TOS-Remastered (Fotos: CBS).

Die U.S.S. Enterprise NCC-1701 der Constitution-Klasse im Look von “The Original Series-Remastered” (Fotos: CBS).

Charakteristisch für die Enterprise, die ursprünglich von Walter Matthew Jefferies (1921-2003) entworfen wurde, ist die runde Untertassensektion (Primärhülle), die zylindrische Sekundärhülle sowie die beiden zylindrischen Triebwerksgondeln, die an eher schmalen Verstrebungen befestigt sind und höhenmäßig die Untertassensektion überragen (im Gegensatz zu z.B. der Enterprise-D, der Voyager oder auch der Discovery). Auffällig ist vor allem die recht massive beziehungsweise sehr dicke Untertassensektion.   

Bereits für die in den 1970er-Jahren geplante Neuauflage der Originalserie “Star Trek: Phase II” wurde das Aussehen der NCC-1701 leicht modifiziert. Für den schlussendlich produzierten Kinofilm “Star Trek: The Motion Picture” / “Star Trek: Der Film” (1979) wurde der Detailgrad der Außenhülle erhöht, was natürlich der großen Kinoleinwand geschuldet war. Die Untertassensektion wurde größer und etwas dünner, die Sekundärhülle inklusive Hals massiver, aber kürzer, und das Schiff erhielt neue, kantige Antriebsgondeln, die der damaligen Zeit entsprachen und ferner auf dickeren, leicht nach hinten geneigten Verstrebungen befestigt waren. Des Weiteren wurde die antennenartige Deflektorschüssel durch eine leuchtende Version ersetzt und die Torpedowerfer wanderten von der unteren Diskussektion in den Schiffshals, der Primär- und Sekundärhülle verbindet.

Für das von J.J. Abrams produzierte Reboot “Star Trek” aus dem Jahr 2009 wurde die legendäre erste Enterprise der föderalen Sternenflotte dann ein weiteres Mal neu gestaltet, dieses Mal von Ryan Church. Die klassischen Design-Elemente (Untertassensektion, Halskonstruktion, zylindische Sekundärhülle, zylindrische Warp-Gondeln) blieben erhalten, wurden jedoch modernisiert. Die ‘neue’ Enterprise ähnelte mit ihren schnittigen Kurven und ihren fetten Warp-Gondeln nun einem schmucken ‘Sportwagen’. Für “Star Trek Into Darkness” (2013) und “Star Trek Beyond” (2016) wurde das Design der NCC-1701 abermals leicht modifiziert.

Die Redesigns der Enterprise NCC-1701 für "Star Trek: The Motion Picture" (1979) und "Star Trek [2009]", (Fotos: Paramount Pictures).

Die Redesigns der U.S.S. Enterprise NCC-1701 für “Star Trek: The Motion Picture” (1979) und “Star Trek [2009]”, (Fotos: Paramount Pictures).

Für “Star Trek: Discovery” ist die originale Enterprise nun ein weiteres Mal re-designt worden und zwar von John Eaves. Während sich Ryan Church mehr kreative Freiheiten genommen hat, merkt man dem Modell von Eaves an, dass es sich stärker am etablierten Kanon orientiert. Seine Enterprise kombiniert das Modell aus der Originalserie mit der Version aus den klassischen Kinofilmen. Zudem sind auch Elemente der Enterprise NX-01 aus “Enterprise” erkennbar, wie beispielsweise die Antriebsgondeln.

Dass Änderungen am Originalmodell vorgenommen worden sind, ist indes unstrittig. So verfügt die ‘Disco-Enterprise’ über ein deutlich stromlinienförmigeres Gesamterscheinungsbild. Die Untertassensektion wirkt dünner und weist deutlich mehr Hüllendetails auf. Die Sekundärhülle samt Hals entspricht fast 1:1 der Version aus “The Motion Picture”, ebenso wie die Verstrebungen. Die Antriebsgondeln wiederum stellen eine nette Hommage an die NX-01 dar. Hinsichtlich der Beleuchtung stechen vor allem die deutlich mehr hervorgehobenen Impulstriebwerke heraus.

Vergleicht man die Enterprise mit den anderen, bisher in “Discovery” gezeigten Schiffen, wie etwa der Crossfield-Klasse (Discovery, Glenn), der Walker-Klasse (Shenhzou) oder auch der Buran, Gagarin oder Europa, dann fällt auf, dass die Constitution-Klasse mit ihren zylindrischen Warp-Gondeln aus der Reihe fällt. Die anderen Schiffe verfügen alle über kantige Gondeln. Trotzdem fügt sich diese Version der Enterprise sehr gut in das allgemeine Schiffsdesign der Sternenflotte in “Discovery” ein.

Ein Widerspruch besteht allerdings in der Registriernummer der Discovery. In “Lakaien und Könige” (1×03) wurde der Eindruck erweckt, die Discovery und ihr Schwesterschiff, die Glenn, seien die ersten Schiffe einer neuen, sehr fortschrittlichen Schiffsklasse (Crossfield-Klasse). Demnach müsste die Discovery um mindestens 10 Jahre jünger sein als die Enterprise, die ca. in den 2240er-Jahren gebaut worden ist. Dies spiegelt sich allerdings nicht in den Registriernummern beider Schiffe wider. Die Discovery hat eine niedriger Nummer (NCC-1031) als die Enterprise (NCC-1701).

Bewertung:

Kanon-Fanatiker werden auch mit diesem Redesign auf Kriegsfuß stehen. Die Enterprise, die wir in “Discovery” zu sehen bekommen, unterscheidet sich eindeutig von Jefferies originaler Enterprise aus “TOS”. Während man in “Deep Space Nine” oder “Enterprise” bewusst das Originalmodell verwendete, haben sich die Macher von “Discovery” hier für ein Redesign entschieden. Das ist meiner Ansicht nach auch die absolut richtige Entscheidung, denn “Discovery” muss die TOS-Ära einfach einem optischen Update unterziehen, wenn die Serie glaubwürdig sein will. Und im Gegensatz zur Abrams Trek-Version hat man sich hier wirklich sehr viel Mühe gegeben, das Original zu würdigen. Mir gefällt die Kombination aus “The Original Series”, “The Motion Picture” und “Enterprise ” wirklich sehr gut. Die ‘neue’ alte Enterprise wirkt klassisch und modern zugleich und keinesfalls so fremdartig wie die NCC-1701 in “Star Trek” aus dem Jahr 2009. Kleinere Abzüge gibt es für die Untertassensektion, an der mir doch etwas zu viel geändert worden ist. Hier hätte man etwas näher am Original bleiben sollen.

Grundsätzlich fügt sich diese Enterprise sehr gut in das Discovery-Universum ein, ohne jedoch die eigenen TOS-Wurzeln zu ignorieren.

Schiffsdesign (Außenhülle) 4 out of 5 stars (4 / 5)

Die U.S.S. Enterprise NCC-1701 der Constitution-Klasse im Look von “Discovery” (Fotos: CBS).

2. Brücke

Die Brücke der originalen Enterprise ist wohl eines der bekanntesten Filmsets in der Fernsehgeschichte. Auch diese Kulisse hat zwischen “The Cage” und “Where No Man Has Gone Before” (1965) sowie der eigentlichen Serie (ab 1966) eine Umgestaltung erfahren. Die Brücke in “Such Sweet Sorrow” orientiert sich eindeutig an “Where No Man Has Gone Before” und weniger an “The Cage” oder der Serie.

Selbstverständlich ist das Redesign bezüglich der Brücke enorm, was natürlich einer zeitlichen Diskrepanz von fünf Jahrzehnten Fernsehgeschichte geschuldet ist. Die technischen Gerätschaften in TOS, wie etwa die Bedienelemente (Tasten, Knöpfe, Hebel, Bildschirme, die wie Schreibtischlampen aussehen, analoge Anzeigen) sind im Jahr 2019 schon lange nicht mehr zeitgemäß, denn auch heute schon hat sich der Touchscreen (Smartphone, Tablet) fast vollständig durchgesetzt.

Das Redesign der Brücke orientiert sich am Set, das für "The Cage" und "Where No Man Has Gone Before" Verwendung fand (Fotos: CBS).

Das Redesign der Brücke orientiert sich am Set, das für “The Cage” und “Where No Man Has Gone Before” Verwendung fand (Fotos: CBS).

Die neue Brücke weist klassische Elemente ebenso auf die Neuerungen. Zu den klassischen Elementen gehören der massive Kommandosessel in der Mitte, der fast 1:1 übernommen worden ist und lediglich etwas moderner wirkt (Rundungen statt Kanten). Das heißt allerdings im Umkehrschluss, dass Captain Pike weiterhin auf eine Kopfstütze verzichten muss. Verschwunden ist hingegen der am Captain’s Chair montierte Minibildschirm in Form einer Schreibtischlampe.

Auch die rot lackierte Doppelkonsole im vorderen Bereich der Brücke (Navigation und Helm) entspricht dem Original, wenngleich diese etwas geschwungener und weniger kantig daherkommt. Die rote Tür zum Turbolift mit dem darüber befindliche ‘Gitterlicht’ entspricht ebenfalls “Where No Man Has Gone Before”, denn in “The Cage” war die Tür noch silber gewesen. Zudem ist die Tür einfach geformt und weniger massiv wie die Türen auf der Discovery oder in den Korridoren der Enterprise. Tatsächlich ähnelt sie den in “Voyager” verwendeten Türen.

Die obere, schwarze Monitor-Reihe (in der Serie ist diese in Hellblau gehalten) über den lateralen Stationen wirkt im Redesign etwas weniger massiv. Zudem ist sie auch etwas niedriger montiert als im Original. Die Parallele ist aber eindeutig erkennbar. Auch die in den seitlichen Stationen (Mittelkonsole) integrierten kleinen Monitore sind eine deutliche Referenz an das Original von 1965. Die Stationen selbst sind mit einem roten Streifen versehen, was exakt der Originalkulisse entspricht. Die Konsolen weisen eine Anordnung in Halbkreisform auf, was auch im Original der Fall war. Auch die Stühle entsprechen der ’65er-Version.

Die Brücke der Enterprise NCC-1701 erstrahlt in "Such Sweet Sorrow" in neuem Glanz (Szenenfoto: CBS)

Die Brücke der U.S.S. Enterprise NCC-1701 erstrahlt in “Such Sweet Sorrow” in neuem Glanz (Szenenfoto: CBS)

Das den inneren Bereich der Brücke umgebende Geländer entspricht in Form und Größe dem Original. Eine schöne Neuerung sind die darin integrierten LED-Lampen, die bei ‘Red Alert’ rot leuchten, ebenso wie zahlreiche weitere LED-Lampen am Main Viewer, an den Stationen und der Tür. Der Bildschirm ist deutlich größer als in “Where No Man Has Gone Before” und in jeder anderen Serie vor “Discovery”. Zudem ist er nicht vier-, sondern sechseckig. Der Main Viewer wurde hier – wie schon in den Reboot-Filmen – als HUD-Display (Head-up-Display) konzipiert. Das war in den klassischen Serien noch nicht der Fall gewesen.

Der Boden ist glänzender und spiegelt das Deckenlicht wider. Dadurch wirkt die gesamte Brücke heller und spektakulärer. Insgesamt ist das Redesign in seinen Ausmaßen deutlich größer. Eine Neuerung ist ein Lücke zwischen der Wissenschaftsstation (später Spocks Station) und zwei weiteren Stationen im vorderen Brückenbereich. Hier scheint es in einen Nebenraum (oder Notausgang?) zu gehen, womöglich bietet der Gang auch einen Zugang zum Bereitschaftsraum des Captains, den man in “TOS” allerdings nie gesehen hat. Damit behebt das Redesign allerdings einen Konstruktionsfehler der originalen Brücke, die seltsamerweise nur einen Zugang (Turbolift) zu haben schien, was absolut unlogisch (und gefährlich!) ist.

Bewertung:

Das Redesign der Brücke wirkt größer, funktionaler, heller, aber auch etwas kälter und weniger ‘familiär’ als die ikonische Brücke aus der Originalserie. Die Neuerung eines hinter der Wissenschafts- und Kommunikationsstation verlaufenden Korridors oder Raumes ist gewöhnungsbedürftig, allerdings auch schlüssig. Die Brücke wirkt insgesamt weniger modern  als die der Discovery, was unter anderem an der weniger kunstvoll geschwungenen Doppelkonsole im Frontbereich sowie an den fehlenden transparenten OLED-Stationen (organic light emitting diode) liegt.

In meinen Augen ist diese Brückenversion ganz eindeutiger näher am Original als die weiße ‘Apple-Bridge’ der Reboot-Filme. Aus Sicht des Kanons muss man sicher festhalten, dass diese Brücke auch deutlich moderner wirkt als die Brücke der Enterprise-A, D oder E. Auch die Brücke der Voyager wirkt dagegen fast ‘mittelalterlich’.

Doch macht es wirklich Sinn, hierüber zu lamentieren? Zwischen “The Next Generation” und “Voyager” auf der einen und “Discovery” auf der anderen Seite liegen eben zwischen 30 und 18 Jahre. “Star Trek” muss mit der Zeit gehen und ich finde, das Redesign der Brücke kommt der Perfektion schon sehr nahe. Mein erster Eindruck war: Wahnsinn, das ist die Enterprise! Wenn es nach mir gegangen wäre, hätte ich die obere Monitor-Reihe noch etwas größer gestaltet. Aber sonst bin ich mit dem Redesign absolut glücklich.

Brücke 5 out of 5 stars (5 / 5)

Die neue Enterprise-Brücke bei Alarmstufe Rot: Die Geländer leuchten rot (Szenenfoto aus "Such Sweet Sorrow", CBS).

Die neue Enterprise-Brücke bei Alarmstufe Rot: Die Geländer leuchten rot (Szenenfoto aus “Such Sweet Sorrow”, CBS).

3. Helm Console

In der Originalserie verfügte Lieutenant Sulus Station über einen ausfahrbaren Zielscanner. Denn in dieser Zeit werden die Schiffswaffen noch vom Steuermann an der ‘Helm Console’ bedient, in Ausnahmefälle auch von einem Besatzungsmitglied in einem separaten Phaserkontrollraum (vgl. “Balance of terror / “Sprock unter Verdacht”, 1×08).

In “Such Sweet Sorrow” sehen wir eine modernisierte Version von Mr. Sulus Zielerfassungsgerät. Dieses wird hier von ‘Number One’ bedient.

Bewertung:

Schöne Würdigung der Originalserie! Das Update ist voll gelungen, wirkt im Vergleich mit der Discovery oder sogar der Shenzhou allerdings auch etwas antiquiert. Aber sei’s drum!

Helm Console 5 out of 5 stars (5 / 5)

Die 'Helm Console' der Enterprise verfügt über einen ausfahrbaren Zielerfassungsscanner, da von dort aus auch die Waffensysteme des Schiffes abgefeuert werden können (Szenenfotos: CBS).

Die ‘Helm Console’ der Enterprise verfügt über einen ausfahrbaren Zielerfassungsscanner, da von dort aus auch die Waffensysteme des Schiffes abgefeuert werden können (Szenenfotos: CBS).

4. Konferenzraum

Der Konferenzraum der originalen Enterprise ist in “The Original Series” mehrfach umgestaltet worden. Die in “Discovery” gezeigte Version erinnert stärker an “The Cage” und “Where No Man Has Gone Befor” als an die Version aus der Serie ab 1966. Das ist begrüßenswert, weil es chronologisch betrachtet dem Kanon entspricht.

Die runde Form des Konferenzraums entspricht dem Set aus den beiden Pilotepisoden "The Cage" und "Where No Man Has Gone Before" aus dem Jahr 1965. In "The Original Series" wurde später ein größerer Konferenzraum verwendet (Fotos: CBS).

Der Konferenzraum der Enterprise den beiden Pilotepisoden “The Cage” und “Where No Man Has Gone Before” aus dem Jahr 1965. In “The Original Series” wurde später ein größerer Konferenzraum verwendet (Fotos: CBS).

Der neue Konferenzraum ist wie das Original rund und verfügt über einen eckigen Tisch. Zudem ist der Raum – ebenso wie in der Originalserie – mit einem zentralen Monitor ausgestattet. Auch die Form der Stühle gleicht fast vollständig der Originalkulisse von 1965. Der Tischmonitor wiederum ist eine Adaption der Version, die man im neuen Konferenzraum ab 1966 zu sehen bekam. Ein deutlicher Unterschied sind wiederum die Sichtfenster (hinter Burnham und Georgiou), die im Original fehlen. Der neue Konferenzraum verfügt zudem über mehr Details, nämlich Bilder bzw. weitere Monitore sowie Möbelstücke.

Farblich orientiert sich der re-designte Konferenzraum am Rest des neu gestalteten Schiffsinneren sowie weitestgehend an “Where No Man Has Gone Before”. Es dominieren die Farben Grau und Rot sowie die weiße Deckenbeleuchtung. In der “The Cage”-Version des Konferenzraumes dominieren hingegen Blau- und Lilatöne sowie Braun- und Beigetöne.

Bewertung:

Auch der Konferenzraum ist eine schöne Hommage an die Originalserie. Erfreulich ist, dass man sich an “Where No Man Has Gone Before” und nicht an der eigentlichen Serie orientiert hat, wobei der Enterprise durchaus über mehrere Konferenzräume verfügen könnte. Etwas Mut hat den Setdesignern allerdings in Bezug auf die Innenausstattung gefehlt. Einerseits passt diese sehr gut zu “Discovery”, andererseits wäre es schön gewesen, wenn man hier – abgesehen von den Stühlen – mehr vom futuristischen Stil der 60er übernommen hätte, wie zum Beispiel die Balken/Raumteiler. Zudem wirkt der Raum auch etwas zu klein.

Konferenzraum 4 out of 5 stars (4 / 5)

Der Konferenzraum der Enterprise NCC-1701 in "Such Sweet Sorrow" (Szenenfoto: CBS)

Der Konferenzraum der Enterprise NCC-1701 in “Such Sweet Sorrow” (Szenenfoto: CBS)

5. Korridore

Die Korridore in der Originalserie sind relativ unspektakulär. Sie wirken ein wenig wie die Korridore in einem Krankenhaus. Sie haben keinen echten Wiedererkennungswert. Diesen bekommt die Enterprise erst mit “Star Trek: The Motion Picture”.

Charakteristisch für die Korridore in der Originalserie sind graue Wände mit roten Applikationen beziehungsweise Verstrebungen. An einigen Stellen, zumeist in der Nähe der Turbolifte, befinden sich trapezförmige ‘Portale’. Vereinzelt sind zudem rote Gitterwände in den Korridoren installiert.

Die Korridore der Enterprise in “Discovery” stellen eine Symbiose aus den Korridoren der Discovery und denen aus “TOS” dar. Dabei fällt vor allem die Farbgebung auf, die fast 1:1 mit jener der Originalkulisse aus den 60ern übereinstimmt. Die trapezförmigen ‘Portale’ werden durch rote Gitterstrukturen dezent angedeutet, sind aber nicht so dominant wie in “TOS”.

Bewertung:

Wie die Bilder belegen, sind gewisse Übereinstimmungen durchaus vorhanden. Aber auch hier fehlt – wie schon beim Konferenzraum – irgendwie das Flair der Sixties. Die Korridore sehen zu sehr nach der Discovery aus; es fehlt einfach das Individuelle. Etwas mehr Mut, den futuristischen Stil der 60er zu kopieren, wäre an dieser Stelle wünschenswert gewesen. Das zeigt indes auch die Szene: Pike und Saru kommen von der Discovery rüber auf die Enterprise. Bei mir ist der Wow-Effekt hier allerdings ausgeblieben. Nein, das sieht einfach nicht wirklich nach der NCC-1701 aus.

Korridore 3 out of 5 stars (3 / 5)

Die Korridor-Design in "Discovery" stellt eine Kombination aus den Korridoren der Discovery und denen der Originalserie dar. Rote Wand-Applikationen und Gitter dominieren das Innere der Enterprise (Fotos: CBS).

Die Korridor-Design in “Discovery” stellt eine Kombination aus den Korridoren der Discovery und denen der Enterprise aus der Originalserie dar. Rote Wand-Applikationen und Gitter dominieren das Innere der Enterprise (Fotos: CBS).

 

 

6. Turbolift

Der Turbolift ist schon zu “TOS”-Zeiten überarbeitet worden. In “Where No Man Has Gone Before” betreten Kirk, Spock und Mitchell beispielsweise den Turbolift und dieser fährt los, obwohl keiner der drei Männer den Griff betätigt hat. Im weiteren Verlauf muss man einen Griff bedienen, um den Turbolift zu aktivieren.

Ein Turbolift der Enterprise in "The Original Series" (links) und in "Discovery" (rechts), (Fotos: CBS).

Ein Turbolift der Enterprise in “The Original Series” (links) und in “Discovery” (rechts), (Fotos: CBS).

Das Turbolift-Design in “Discovery” orientiert sich sehr stark an “TOS”. Der Turboliftgriff ist fast 1:1 übernommen worden, auch die Soundkulisse – insbesondere das Zischen der Türen – ist “TOS”-Nostalgie pur!

Bewertung:

Der neue Turbolift wirkt vielleicht etwas zu groß, aber Türgeräusch und Griff entschädigen einfach für alle Neuerungen.

Turbolift 5 out of 5 stars (5 / 5)

Ein Turboliftgriff der Enterprise in "The Original Series" (links) und in "Discovery" (rechts), (Fotos: CBS).

Ein Turboliftgriff der Enterprise in “The Original Series” (links) und in “Discovery” (rechts), (Fotos: CBS).

7. Mr. Spocks Quartier

Mr. Spocks Quartier in der Originalserie ist klein, aber fein. Es hat die Raumnummer 3F 125. Rein größentechnisch ist es keinesfalls mit den luxuriösen Unterkünften auf z.B. der Enterprise-D vergleichbar. Spocks Kabine ist nicht kleiner als die von Captain Kirk, aber nicht so spartanisch eingerichtet. Ins Auge sticht der Schlafbereich, der mit roten Vorhängen ausgekleidet ist. Dort stehen verschiedene Skulpturen und es hängen verschiedene, antiquierte Hieb- und Stichwaffen an der Wand. Der Schlafraum ist vom Arbeitsbereich durch eine Gitterkonstruktion abgetrennt. In Spocks ‘Büro’ befinden sich mehrere Gegenstände, wie eine vulkanische Laute und eine Art Glockenspiel-Instrument. Das Quartier ist unterschiedlich ausgeleuchtet, in der Regel mit einem Grünschimmer.

Mr. Spocks Quartier auf der Enterprise in "The Original Series" (Fotos: CBS).

Mr. Spocks Quartier auf der Enterprise in “The Original Series” (Fotos: CBS).

Das Redesign in “Discovery” (bereits in 2×01 “Brother” / “Bruder”) greift einzelne Elemente des Originals auf, unterscheidet sich hinsichtlich des Ambientes jedoch maßgeblich von der ursprünglichen Kulisse. Die Eingangstür ist deutlich massiver. Im Gegensatz zum Original ist nicht nur der Schlafbereich im Rotton gehalten, sondern die gesamte Kabine. Eine deutliche Parallele zum ursprünglichen Set ist ganz sicher der bereits erwähnte Schlafbereich, der sich – wie im Original – auf der (wenn man den Raum betritt) linken Seite des Raumes befindet und durch eine Gitterkonstruktion vom Rest des Quartieres abgetrennt ist. Im Gegensatz zu Spocks fensterlosem Quartier in der Originalserie verfügt diese Kabine über ein großes Aussichtsfenster. Der Arbeitsbereich befindet sich nun jedoch an anderer Stelle, nämlich auf der anderen Seite des Raumes und nicht direkt neben der Schlafkoje.

Hinsichtlich des Inventars sind mehr Übereinstimmungen festzustellen. Die vulkanische Laute, und das Glockenspiel sind ebenso vorhanden wie das legendäre 3-D-Schachspiel. In einer Ecke ist zudem eine Art antiquiertes Schild (Schutzwaffe) zu sehen.

Bewertung:

“Discovery” nimmt sich hier sehr viele Freiheiten. Das Inventar des Raumes erinnert stark an das Original, der Raum selbst allerdings fast gar nicht, abgesehen von der Gitterkonstruktion und den Rottönen. Die Nummerierung des Raumes (3F 125) wurde hingegen originalgetreu übernommen. Der Raum transportiert Spocks kulturelle Prägung und seine persönlichen Interessen recht gut und hebt sich dadurch – wie im Original – auch von Standardquartieren, wie etwa Burnhams und Tillys Kabine, ab.

Mr. Spocks Quartier 2 out of 5 stars (2 / 5)

Mr. Spocks Quartier auf der Enterprise in "Brother" (2x01), Szenenfotos: CBS).

Mr. Spocks Quartier auf der Enterprise in “Brother” (2×01), Szenenfotos: CBS).

8. Uniformen

Im Gegensatz zum Rest der Sternenflotte (inklusive Discovery) trägt die Besatzung der Enterprise ein Uniform-Modell, das die verschiedenen Abteilungen noch stärker mithilfe von drei Farbcodes unterscheidet. Die Standarduniform der Sternenflotte ist in den 2250er-Jahren Dunkelblau (Navy-Blau). Die Abteilungen sind anhand von farblichen Applikationen an den Schultern, der Hüfte und den Beinen erkennbar. Gold steht für die Kommando, Silber für Wissenschaft und Bronze für Technik, Ops, Kommunikation und Sicherheitsdienst. Das medizinische Personal trägt weiß-silberne Uniformen. Der Dienstgrad ist in das Starfleet-Badge integriert. Vier Punkte illustrieren beispielsweise den Dienstgrad ‘Captain’.

Die Enterprise nutzt in dieser Zeit bereits jene Uniformen, die später in den 2260er-Jahren zum Standard werden. Diese Uniformen setzen sich aus einem farbigen Oberteil, dunkelgrauen (“The Original Series”) bzw. schwarzen (“Discovery”) Hosen und schwarzen Stiefeln zusammen. Gold steht für Kommando und Navigation, Rot für Sicherheitsdienst, Kommunikation und Technik und Blau (Azurblau, Cyanblau) für Wissenschaft sowie von nun an auch für medizinisches Personal. Dem kommandierenden Offizier (CO) steht in den 2260er-Jahren zudem eine grüne Uniform-Variante zur Verfügung. Der Dienstgrad ist anhand von Ärmelstreifen erkennbar, wobei der Captain hier nicht vier, sondern nur drei Streifen trägt. Ensigns bleiben demnach ohne Streifen.

Die Farbcodes sind in “TOS” stellenweise widersprüchlich eingesetzt worden, ebenso wie die Logos auf dem Starfleet-Badge. So trägt zum Beispiel die Historikerin Lieutenant Marla McGivers in “Space Seed” / “Der schlafende Tiger” (TOS  1×23) eine rote Uniform, obwohl man eine Geschichtswissenschaftlerin wohl eher der Wissenschaftsabteilung (Blau) zuordnen würde. In “Enterprise” – also rund 100 Jahre früher – wird die Fachrichtung Kommunikation/Xenolinguistik noch der Wissenschaftsdivision (Blau) zugeordnet (vgl. Ensign Hoshi Sato), Lieutenant Uhura trägt hingegen eine rote Uniform. In “Where No Man Has Gone Before” sind die Abteilungszeichen für Wissenschaft und Technik vertauscht, wie man beispielsweise in einer Szene im Konferenzraum an Sulu (blaue Uniform) und Scotty (ockerfarbene Uniform) erkennen kann.

Die Uniformen aus "The Original Series" (1966-1969) und "Discovery" (Fotos: CBS).

Die Uniformen aus “The Original Series” (1966-1969) und “Discovery” (Fotos: CBS).

Das Redesign der Enterprise-Uniformen in “Discovery” ist aus ästhetischer Sicht absolut gelungen. Man hat die – häufig als ‘Schlafanzüge’ bezeichneten – bunten Hemden der 60er-Jahre klug und stilvoll modernisiert und an das Design von “Discovery” angepasst. Die Uniformen ehren das Original, wirken allerdings weitaus ‘militärischer’ als in der Originalserie oder auch in den Reboot-Filmen. Farblich wirken die neuen Uniformjacken deutlich kräftiger als die Originale, vor allem die blauen (Azurblau statt Hellblau) und goldenen (Signalgelb statt Grünbeige/Sand) Modelle. Eine schöne Hommage an die Originalkostüme ist der Kragen.

Aus Sicht des Kanons ist den Serienmachern jedoch ein Fauxpas unterlaufen. “Discovery” spielt zeitlich zwischen “The Cage” (2254) und “Where No Man Has Gone Before” (2265). Betrachtet man letztere Episode, dann fällt auf, dass Kirk und Co. in dieser Episode eine leicht abgewandelte Version der “The Cage”- Uniform tragen, die allerdings noch einen anderen Farbcode zur Grundlage hatte. Dieser lautet wie folgt: Sand für Kommando und Navigation, Ocker für Technik und Sicherheit und Blau für Wissenschaft und Medizin. Folglich dürften Pike und Co. in “Discovery” nicht die Modelle tragen, die sie tragen. Commander Nhan etwa müsste eigentlich eine ockerfarbene Uniform tragen.

Bewertung:

Das Redesign der “TOS”-Uniformen ist voll gelungen, nur leider ist es auch unkanonisch. Hier hätte man sich nur die Episode “Where No Man Has Gone Before” noch einmal anschauen müssen. Eventuell war man sich des Kontinuitätsbruches auch bewusst, hat diesen aber in Kauf genommen, weil der Farbcode Sand/Ocker/Blau optisch weder in die Gegenwart noch in das Erscheinungsbild von “Discovery” passt.

Uniformen 3 out of 5 stars (3 / 5)

Die Uniformen aus den beiden Pilotepisoden des Jahres 1965 (Fotos: CBS).

Die Uniformen aus den beiden Pilotepisoden des Jahres 1965 (Fotos: CBS).

9. Fazit

Das Redesign der U.S.S. Enterprise NCC-1701 für “Star Trek: Discovery” ist meiner Meinung nach sehr gut gelungen, sowohl in Bezug auf das Äußere als auch auf das Innere des Schiffes. Vor allem die Brücke, der Turbolift und die Uniformen wecken Nostalgiegefühle. Eher durchschnittlich gelungen sind die Korridore und Spocks Quartier, das leider – abgesehen vom Inventar – überhaupt keine Parallelen mit dem Original aufweist. Den Maschinenraum, die Krankenstation, die Messe oder den Transporterraum haben wir bisher leider nicht zu sehen bekommen.

Alles in allem darf man der Designabteilung von “Discovery” aber ein großes Lob aussprechen. Diese hat die enorm schwierige Aufgabe, einen Mittelweg zwischen “Discovery” und “The Original Series” zu finden, doch recht gut bewerkstelligt. Man merkt, dass hier weitestgehend mit Respekt vor dem Kanon gearbeitet worden ist. Das schließt aber gleichzeitig nicht aus, dass sich die Designer auch mal hier, mal da auf das Recht der künstlerische Freiheit berufen. Ich kann sehr gut damit leben.

Gesamtergebnis 4 out of 5 stars (4 / 5)

Ein schönes Video zum Redesign gibt es auf der offiziellen “Star Trek”-Homepage!

https://intl.startrek.com/videos/star-trek-discovery-rebecca-romijn-uss-enterprise


2 Kommentare

JungHans · 14. April 2019 um 16:12

Ich stimme dem Autor vollumfänglich zu, alles sehr gut umgesetzt, bis auf die angesprochenen
Uniformen, was generell Kanonbruch ist.
Warum können sie auf der Enterprise nicht die allgemeinen Uniformen tragen, die “neuen” kommen halt dann “später” für alle.
Aber eines ist natürlich Blasphemie par excellence, wie kann die Enterprise kleiner sein als so ein Crossfield Eimer? Die Enterprise!!!!!!!! 🙂
Die Enterprise ist die Enterprise, und die ist nun mal die größte, schnellste und schönste Star Fleet Einheit.
Jetzt hat Disco endgültig bei mir verspielt. 🙂

mrspock · 15. April 2019 um 21:04

Die TOS- Brücke die moderner wirkt wie Next Generation oder Voyager… das ist für mich völlig unglaubwürdig. Da ich mich wohl als Kanon-Fanatiker laut dem Artikel bezeichnen müsste so könnte ich auch sagen dass alle anderen Zeitgeist-Fanatiker sind. Ich finde diesen Artikel hier dennoch sehr informativ(das meine ich wirklich so). In dem Foto vom Konferenzraum ist allem Anschein nach sogar ein dicker Monitor zu sehen…das wäre noch ein kleines Plus….aber dennoch hat mich das Setting der Enterprise nicht überzeugt wieder in Star Trek einzusteigen (ich habe nach der Disco- Episode 15 aufgehört)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.