Mit „Süße Trauer, Teil 2“ verabschiedet sich die zweite Staffel von “Discovery”. Wie süß der Abschied wirklich ist, klären wir hier.

Achtung, Spoiler.

Ein Effektfeuerwerk par excellence

Zum Abschluss der Staffel darf “Discovery” nochmal aus dem Vollen schöpfen. Das Ende der vorigen Folge deutete es bereits an, hier folgt dann die obligatorische Raumschlacht.

Eines vorweg: Die Effekte sind über jeden Zweifel erhaben und die Raumschlacht sieht toll aus. Auch die restliche Action vermag durchaus zu überzeugen. So gibt es etwa einen Nahkampf gegen Leland, bei dem die Schwerkraft verrückt spielt und man mal an der Decke oder den Wänden kämpft. Eine durchaus nette und pfiffige Idee, die man so noch nicht gesehen hat und zu gefallen weiß.

Die Discovery gerät in "Such Sweet Sorrow, Part 2" unter heftigen Beschuss (Szenenfoto: CBS).

Die Discovery gerät in “Such Sweet Sorrow, Part 2” unter heftigen Beschuss (Szenenfoto: CBS).

Auch die Referenzen an die alten Serien können sich sehen lassen: So feuert die Enterprise ihre Phaser von der Untertasse wie in der alten Serie. Und warum der Konferenzraum in “The Original Series” anders aussieht als bislang (wie mein Kollege Matthias Suzan in seinem Kanon-Special erwähnt hat), wird auch erklärt, denn das ist der Ort, an dem ein gewisser Torpedo stecken bleibt.

Und am Ende darf sogar Pac-Man kommen und ein Stück aus der Enterprise-Untertasse herausbeißen, was frappierend an “Star Trek Beyond” erinnert. Okay, das war jetzt leicht übertrieben, ein Crossover mit “Pixels” ist die Folge nicht. Dennoch hat man den Schaden schön dargestellt, auch wenn man ihn nur kurz sieht und die Reparatur am Ende dann doch recht schnell vonstatten geht. Aber mit Schnellreparaturen hat man es ja bereits seit den Kelvin-Kinofilmen – oder der Voyager.

Ein bisschen schade ist, dass die Schlacht fast die ganze Folge im Hintergrund tobt. So schön es anfangs auch ist, das Effekt-Gewitter zu sehen, so verkommt sie doch im weiteren Verlauf der Folge ein bisschen zum Beiwerk. Und nicht nur das, durch den Einsatz der vielen Shuttles und Drohnen (denn auch Control zaubert solche aus dem Ärmel) wird es fast schon ein bisschen zu viel. Da fühlt man sich fast an beste “Star Wars”-Zeiten erinnert. Und bei den ganzen Shuttles, Pods und Reparatur-Drohnen wird es am Ende fast schon einen Ticken zu überladen.

Und so schön es auch sein mag, die Schlacht so darzustellen, ist es auch etwas unrealistisch, dass sie so lange toben kann, ohne dass eines der beiden Schiffe, die Discovery oder eben die Enterprise, durch den massiven Beschuss hopsgeht. Aber das kann man noch wohlwollend akzeptieren.

Die Discovery und die Enterprise kämpfen in "Such Sweet Sorrow, Part 2" Seite an Seite gegen Control und Sektion 31 (Szenenfoto: CBS).

Die Discovery und die Enterprise kämpfen in “Such Sweet Sorrow, Part 2” Seite an Seite gegen Control und Sektion 31 (Szenenfoto: CBS).

Charakterarbeit

An dieser Stelle kann man es sich sparen, auf das Nichtvorhandensein gewisser Charaktere hinzuweisen (Gruß an unsere fleißige Kommentatorin Jenny), denn in dieser Folge sind alle anwesend, die wir über den Staffelverlauf begleiten durften.

Hier wird sogar versucht, allen so gut es geht gerecht zu werden. Dass etwa Spock und Burnham eine Abschiedsszene erhalten, ist durchaus löblich, auch wenn vorhersehbar ist, dass der Vulkanier nicht mit in die Zukunft geht. Sein Schicksal liegt in der Gegenwart.

Stamets und Culber bekommen auch nochmal eine rührende Szene spendiert und dürfen sich eingestehen, dass sie sich doch lieben. An und für sich ist die Szene zwar gut, in der Folge zuvor hieß es aber noch, dass sie nur Freunde bleiben wollen. Hier wirkt es also fast so, als hätte wieder mal ein entscheidender Teil gefehlt, der mal wieder offscreen passierte.

Und auch wenn ich mit jetzt vermutlich Feinde mache, wäre es aus dramaturgischer Sicht gut gewesen, Stamets sterben zu lassen. Gut, das wird sicher nicht passieren, immerhin hat man Culber ja extra zurück gebracht und würde damit nur dem “Sie haben mal wieder den Homosexuellen getötet”-Lager Stoff liefern. Irgendwie würde sich das Ableben hier aber stimmig anfühlen.

Was auch nicht so recht funktionieren will, ist der Abschied von Cornwell. Zunächst bekommt sie eine schöne Szene mit Nummer Eins, die aber auch viel zu kurz ist, um Rebecca Romijns Potential voll auszuschöpfen. Dann darf sie auch noch mit Pike sprechen und es gibt einige Spekulationen zur Zukunft (wobei man sich fragen muss, ob Cornwell etwas von Pikes Schicksal ahnt). Hier werden zwar auch ein paar gute Argumente genannt, richtig emotional kam die Szene aber für mich nicht rüber. So ließ mich ihr Tod völlig kalt. Es war eher schade, den einzigen vernünftigen Admiral sterben zu sehen.

Dr. Culber (Wilson Cruz) und Paul Stamets (Anthony Rapp) finden in "Such Sweet Sorrow, Part 2" wieder zueinander (Szenenfoto: CBS).

Dr. Culber (Wilson Cruz) und Paul Stamets (Anthony Rapp) finden in “Such Sweet Sorrow, Part 2” wieder zueinander (Szenenfoto: CBS).

Strg + Alt + Control

Bleibt am Ende noch das Besiegen von Control zu erwähnen. Dass es eine gute Kampfsequenz gibt, wurde ja bereits erwähnt. Dann aber ist alles irgendwie ganz schnell vorbei und man fragt sich, warum man die Methode nicht schon vorher angewandt hat.

Wie üblich bleiben auch alle feindlichen Raumschiffe stehen, sobald Control ausgeschaltet ist, obwohl man sich dessen eigentlich nicht sicher sein kann. An der Stelle hätte es sicher noch Luft nach oben gegeben, aber irgendwie musste man sich ja aus der selbstauferlegten Misere wieder herausschreiben.

Apropos Charaktere: Neben Renos Auftritt dürfen in den Endkampf natürlich auch noch die Klingonen eingreifen, die Tyler geholt hat (was war da nochmal mit seinen Tod geheim halten?). Mag das noch einigermaßen akzeptabel sein, so darf man beim Auftauchen von Sarus Schwester aber erneut mit dem Kopf schütteln.

So gelungen die Überraschung auch ist, stellt sich hier doch die Frage, wie die Kelpianer den Umgang mit den Raumschiffen gelernt haben oder was nun auf Kaminar vorgeht. Wie so vieles eine Offscreen-Entwicklung, obwohl derartige Szenen eindeutig in die Serie gehört hätten. Aber davon ist diese Staffel ja schon mehr als genug geplagt. Es bleibt einem letztlich nichts anderes übrig, als die Kröte erneut zu schlucken und auf Besserung in Staffel 3 zu hoffen. Und hoffentlich ist da dann auch Po wieder mit von der Partie, denn die Dame hat eindeutig Potential.

Das Ende von Control? KI-Leland (Alan Van Sprang) wird in "Such Sweet Sorrow, Part 2" neutralisiert (Szenenfoto: CBS).

Das Ende von Control? KI-Leland (Alan Van Sprang) wird in “Such Sweet Sorrow, Part 2” neutralisiert (Szenenfoto: CBS).

Alle Englein sind schon da

Und da sind wir auch schon bei unserem Hauptcharakter Michael, die nun als zweiter Roter Engel in Aktion treten darf. Selbstredend gelingt alles auf den letzten Drücker, doch dann muss erst einmal die Zeitlinie in Ordnung gebracht werden. Oder anders ausgedrückt: Burnham muss überall dorthin reisen, wo es zu Beginn der Staffel Signale gab. Dabei sieht man noch einmal die Folgen Revue passieren und kommt zu dem Schluss, dass die Fans von Anfang an Recht hatten.

Zwar hat man versucht, falsche Fährten zu legen (Michaels Mutter), am Ende ist aber doch sie der Rote Engel. Was hat ihre Mutter also eigentlich die ganze Zeit über gemacht? Und wird sie jemals gerettet werden? Fragen, die man vielleicht in die dritte Staffel wird mitnehmen können – oder auch nicht. Vielleicht wäre auch ein kompletter Neuanfang ganz gut.

Auf jeden Fall hat der Twist, die Discovery in die Zukunft zu schicken (oder doch woanders hin?), einen gewissen Reiz, denn so kann man wirklich losgelöst neu starten. Auch wenn es schwer vorstellbar ist, dass die Georgiou-Serie wirklich in der Zukunft spielt. Da wird wohl noch eine Lösung aus dem Ärmel geschüttelt werden müssen.

Zumindest rein technologisch kann die Discovery in der Zukunft wohl mithalten, immerhin ist sie ihrer Zeit bereits mehr als 100 Jahre voraus gewesen. Aber gut, das war jetzt noch ein fieser Seitenhieb auf die Kanonbrüche am Ende.

Michael Burnham (Sonequa Martin-Green) rettet in "Such Sweet Sorrow" als Red Angel die Galaxie (Szenenfoto: CBS).

Michael Burnham (Sonequa Martin-Green) rettet in “Such Sweet Sorrow” als Red Angel die Galaxis (Szenenfoto: CBS).

Dann biegen wir den Kanon halt mit der Brechstange rein

Womit wir beim (wirklich!) letzten Punkt wären: Dem Ausbügeln der Kanon-Fehler. Um es kurz zu machen: Sektion 31 wird umgekrempelt, es wird nie wieder über die Discovery oder den Sporenantrieb oder Michael gesprochen.

Ja, das ist simpel und funktioniert und kann man sicher so machen. Es wirkt aber auch ein Stück weit aufgesetzt. Aber auch das ist in der zweiten Staffel ja nichts Neues.

Immerhin darf Spock am Ende seine Uniform (endlich) anziehen und seinen Bart abrasieren. Damit ist er schon so, wie wir ihn kennen – zumindest fast.

Die Discovery verabschiedet sich in "Such Sweet Sorrow, Part 2" scheinbar für immer aus dem 23. Jahrhundert (Szenenfoto: CBS).

Die Discovery verabschiedet sich in “Such Sweet Sorrow, Part 2” scheinbar für immer aus dem 23. Jahrhundert. Sind damit alle Kanon-Probleme gelöst? (Szenenfoto: CBS)

Fazit

An der Action kann man sich in dieser Folge nicht beschweren, hier wird durchaus ein Spektakel geboten, das allerdings das Niveau nicht über die ganze Laufzeit zu halten vermag (wie mein Kollege Christopher Kurtz bereits richtig andeutete). Auch charakterlich gibt es einige Szenen, die mal mehr, mal weniger gut funktionieren. Am Ende fällt allerdings schon auf, dass man sich aus den vielen Verwicklungen und Ungereimtheiten der Staffel nur mit eben diesen Plot-Holes wieder herausmanövrieren kann. Näheres dazu auch nochmal im demnächst folgenden Recap der gesamten zweiten Staffel.

Am Ende noch eine Idee für die Zukunft: Die Discovery landet im Jahre 2399 und in der letzten Folge der Picard-Serie schütteln sich Michael und Jean-Luc endlich die Hand, um gemeinsam Romulus zu retten und die Kelvin-Zeitlinie gerade zu bügeln…

Hey man wird ja noch träumen dürfen. Und jetzt packt bitte die Steine wieder weg, es gibt keinen Grund, anzugreifen 😊

Bewertung

Handlung der Einzelepisode 3 out of 6 stars (3 / 6)
Stringenz des staffel- und serienübergreifenden Handlungsstrangs 4 out of 6 stars (4 / 6)
Stringenz des bekannten Kanons 3 out of 6 stars (3 / 6)
Charakterentwicklung 3 out of 6 stars (3 / 6)
Spannung 4 out of 6 stars (4 / 6)
Action & Effekte 6 out of 6 stars (6 / 6)
Humor 3 out of 6 stars (3 / 6)
Intellektueller Anspruch 2 out of 6 stars (2 / 6)
Gesamt 4 out of 6 stars (4 / 6)

Episoden-Infos

Episodennummer 29 (Staffel 2, Episode 14)
Originaltitel Such Sweet Sorrow, Part 2
Deutscher Titel Süße Trauer, Teil 2
Erstausstrahlung USA Donnerstag, 18. April 2019
Erstausstrahlung Deutschland Freitag, 19. April 2019
Drehbuch Michelle Paradise, Jenny Lumet, Alex Kurtzman
Regie Olatunde Osunsanmi
Laufzeit 65 Minuten

 


3 Kommentare

Alexander Claus · 21. April 2019 um 15:01

Unendlich viele Effekte, wie ein Feuerwerk. Und das war es auch nur. Eine Raumschlacht 2 Raumschiffe gegen 34 feindliche Kreuzer und die ENTERPRISE und die DISCOVERY überstehen das mit wenig Schäden? Endloses „Geballere“ von kleinen Schuttlen. All das ist mehr als unrealistisch und langweilt fast zum Schluss. Auch die visuell vollkommen überzogene Zeitreise von Burnham, nicht zu fassen.
Frauen waren: Die Königin, die plötzlich im Shuttle saß und einen Korridor öffnete, die Kanzlerin der Klingonen und die Schwester von Saru als Retter, Nummer 1 und die Admiralin als Truppe zum Ausschalten des Torpedos und Cpt Gorgio und eine Brückenoffizierin die einen lächerlichen Kampf gegen Control durchführen. Auch das „Ende“ von Control kleinlich gelöst (Ich will deinen Schrei hören??) Scheinbar haben die Drehbuchschreiber keine Rollen für Männer??
Cpt Pike wie gewohnt gut, Spock schwächelt als er fast weint (ein Vulkanier??). Ich dachte schon, mal eine Folge in der Burnham nicht weint, aber doch nicht. Vielleicht bleibt die DISCOVERY verschollen und die ENTERPRISE übernimmt. Die letzten 5 Minuten mit Pike, Spock und dem weiblichen Nummer 1 (durchaus cool) haben wenigstens etwas STAR TREK Feeling aufkommen lassen.
Insgesamt eine schlechte Folge, durch das unrealistische Gefecht mit einem überzogenen Feuerwerk, die emotionalen Hänger zwischen Burnham und Spock und der endlosen gekünstelten Handlung auf der DISCOVERY, bis diese endliche verschwindet.

Steve · 23. April 2019 um 12:08

Schließe mich an. Anfangs fand ich die Episode ganz okay, aber je länger ich darüber nachdenke, desto schlechter finde ich sie. Die Raumschlacht war einfach zu übertrieben, und die Logiklöcher sind – im Nachhinein betrachtet – einfach zu riesig, um sie wegdiskutieren zu können. Statt unrealistischer Kampf-Szenen mit Leland (Warum hat die Nanon-Maschine Georgiou nicht einfach assimiliert?) hätte man Control besser eine Falle stellen sollen. Das mit dem Magneten war ja eine gute Idee. Aber letztendlich scheitert die Episode an der Umsetzung.

TeilzeitNerd · 24. April 2019 um 22:24

Dieses Staffelfinale war zwar besser als das der 1. staffel….aber das war ja auch nicht schwer!
Die Autoren sollten sich mal allesamt auf die Schulbank der DS9-und ENT-Autoren der 3.und 4.ENT-staffel setzen. Die konnten imposante Raumschlachten liefern und gleichzeitig eine Story weitererzählen.
Ich hoffe, die Serie spielt in der Zukunft…obs jetzt das 32.Jh. sein muss? mal sehen…und die Borg sind auch noch nicht 100% vom Tisch…
Ich fand s okay…aber bei weitem nicht super!
Das Ende könnte ein Anfang für eine Pike’sche Enterprise-Serie und DISCOVERY im Parallelbetrieb bedeuten, so wie damals DS9 und VOY…beide kommen sich nicht in die Quere, da verschiedene Zeiten. Mal sehen, was da noch kommt!
Und das Rückgängigmachen der Kelvin-Zeitlinie sollte im Kino geschehen…am besten mit Tarantino als Regisseur!

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