Zu Beginn unserer Doctor Who-Thementage werfen wir einen Blick auf die Anfänge.

Nicht mehr lange und Doctor Who hat 60 Jahre auf dem Buckel, daher sehen wir uns an, was zur Entstehung der Serie führte. Das meiste dürfte vielen Fans schon bekannt sein und wer sich dafür interessiert, hat es vermutlich auch schon bei Wikipedia gelesen, daher werden wir uns mit den grundlegenden Sachen nicht zu sehr aufhalten, sondern vor allem auch einen Blick auf Doctor Who in Deutschland und die DVD-Veröffentlichungen werfen.

1963 – Am Anfang war…

Sydney Newman und Verity Lambert werden heute gemeinhin als die Erfinder von Doctor Who genannt. Ersterer war der BBC-Programmchef, der bereits kurz zuvor eine andere inzwischen zum Kult gewordene Serie entworfen hatte: “Mit Schirm, Charme und Melone”. Letztere war eine junge aufstrebende Produzentin, die sich damals als Frau im Fernsehmarkt durchsetzen wollte.

Newman & Lambert

Sydney Newman & Verity Lambert, Die Schöpfer von Doctor Who 1963 (BBC)

Die Idee hinter Doctor Who war recht simpel: Wir begleiten einen Außerirdischen auf seiner Reise und etablieren diese neue Science-Fiction-Serie als Familienunterhaltung. Newman selbst kam dabei auf die TARDIS, mit dem Innenraum größer als außen. Lambert und der Regisseur der ersten Episoden, Waris Hussein, holten schließlich William Hartnell als ersten Doctor an Bord, obwohl dieser sehr unsicher war. Mit weißer Perücke sollte er sich aber schnell in die Herzen der Zuschauer spielen und war später selber überrascht, welch positiven Eindruck er beim Publikum hinterlassen hatte.

Um die Serie von anderen Serien abzuheben, sollte es keinerlei Alien-Roboter geben, Lambert war aber von Terry Nations Daleks angetan und brachte diese in der zweiten Storyline der Serie ab Folge Fünf. Ein erzürnter Newman war erst ruhig, als er die durch die Decke gehenden Einschaltquoten sah. Dies löste in England einen großen Dalek-Hype aus.

Austauschen des Darstellers

Hartnell war mit 55 Jahren der bislang älteste Darsteller, der die Rolle des Doctors übernommen hatte. Bereits damals hatte er aber große gesundheitliche Probleme, seine Versprecher in der Serie, die man nicht mehr ändern konnte, da vieles damals aus Kostengründen beim ersten Take sitzen musste, sind inzwischen wohlbekannt, werden aber gemeinhin inzwischen als Teil der Rolle akzeptiert.

Dennoch musste eine Lösung her, denn ewig würde Hartnell die Rolle nicht spielen können und Doctor Who war inzwischen so erfolgreich, dass man die Serie nicht absetzen wollte. So wurde die Regeneration (die damals noch “Change” hieß) erfunden, eine Möglichkeit, den Doctor zu behalten, aber den Schauspieler auszuwechseln. Dazu wechselt der Körper des Doctors nach dem Tod einfach in eine neue Form, was nachfolgenden Darstellern erlaubte, die Rolle fortzuführen. So wurde immer wieder der Darsteller ausgetauscht – 13 mal inzwischen, wobei der aktuelle Doctor eine Frau geworden ist, was im Vorfeld einige Diskussionen ausgelöst hat.

TARDIS

TARDIS des Doctors (BBC, Doctor Who)

Das Ende und die Hungerjahre

Kaum zu glauben, aber die Serie sollte sich ganze 26 Jahre halten, bevor es 1989 zu Ende ging. Die Quoten waren letztlich doch eingebrochen, auch weil inzwischen genug Konkurrenzserien auf dem Schirm waren und Doctor Who, auch wegen einiger Auseinandersetzungen hinter den Kulissen, eine gewisse “Freshness” fehlte.

1996 versuchte man zwar eine Wiederbelebung auf dem amerikanischen Markt und drehte dafür einen Fernsehfilm, dieser floppte jedoch. Allerdings passierte bis zum Wiederaufleben der Serie im Jahr 2005 etwas anderes, denn die BBC hatte es verpasst, die Rechte der in Doctor Who aufgetretenen Kreationen richtig abzusichern. Zwar waren der Doctor und die TARDIS (und die Daleks, wobei das ein Sonderfall ist) geschützt, darüber hinaus hielten aber die Autoren die Rechte an ihren Kreationen und nicht die BBC. Dadurch entstanden viele Produktionen, die zwar im Doctor Who Universum angesiedelt waren, da die selben Kreaturen auftreten, in denen man aber Einiges, wie etwa den Doctor, nicht erwähnen durfte. Dieser wurde nur umschrieben. Dafür konnten Charaktere wie Liz Shaw oder Lethbridge-Stewart aber mit ihren vollen Doctor Who-Namen auftreten. Dass diese Filme sich bis heute durchaus einiger Beliebtheit erfreuen, liegt daran, dass viele ehemalige Doctor Who-Darsteller zu ihren alten Rollen zurückkehrten, ja sogar Schauspieler der Doctoren dort teilweise mitwirkten.

Erst mit der neuen Serie wurden diese Lizenzlücken nach und nach geschlossen.

Die Wiederbelebung

2005 sollte, nach 16 Jahren Pause (der 1996er-Film wird dabei generell nicht mitgezählt), die Rückkehr von Doctor Who eingeläutet werden, die man ursprünglich als Webserie geplant hatte. Russell T. Davies, selbst langjähriger Doctor Who-Fan, zeichnete sich für das Revival verantwortlich und holte Personen wie Mark Gatiss und Steven Moffat zur Produktion hinzu. Hier erfüllten sich Fanträume auf besondere Weise, denn diese Personen lenkten nun die Geschicke der neuen Serie.

Und der Erfolg gab ihnen schnell recht, denn “New Who” sollte, zunächst in England, aber kurz darauf auch in anderen Teilen der Welt, wieder wie eine Bombe einschlagen. Vor allem David Tennant und Matt Smith erwiesen sich dabei als sehr beliebte Doktoren. Nur in Deutschland verkannte man, wie so oft bei Sci-Fi-Serien, die Zeichen der Zeit und sprang erst später auf den Zug auf.

Doctor 10 & 11

Doctor 10 & 11 (BBC, Doctor Who)

Bis heute, und trotz einiger Pausen von über einem Jahr zwischendrin, erfreut sich der Doctor weiter großer Beliebtheit. Wie bereits erwähnt, momentan in der dreizehnten Inkarnation in weiblicher Form, dargestellt von Jodie Whittaker.

Der Doctor in Deutschland

In Deutschland sah es lange Zeit etwas mau für Doctor Who aus. Zeitgleich etwa, als das ZDF die ersten Folgen von Star Trek für den deutschen Markt sichtete (und schließlich synchronisiert zu uns brachte), sah man sich auch Doctor Who an (Folge “The Ice Warriors” aus der fünften Staffel mit Patrick Troughton), verwarf die Serie aber als zu unpassend für den deutschen Markt. Immerhin fanden sich in den folgenden Jahren einige Bücher auf dem deutschen Markt wieder, welche damalige Episoden nacherzählten, und die es auch auf Englisch gab.

Richtig los ging es erst im November 1989, als RTL die Staffeln des siebten Doctors synchronisierte. Dummerweise war Doctor Who nur wenige Tage später abgesetzt worden und man verheizte die Folgen des Doctors im Nachtprogramm, bevor man die Rechte an VOX abtrat. Da kein neues Material nachkam, musste man alte Staffeln aufgreifen und ging dabei rückwärts vor, also nicht chronologisch. So synchronisierte man den sechsten Doctor und das “Fünf Doktoren”-Special, bevor auch hier Schluss war. Die Ausstrahlung war aber auch hier nicht besser und erfolgte zu nächtlicher Stunde. Insgesamt wurde Doctor Who nur spärlich ausgestrahlt und wer teilweise die ersten Sendungen verpasst hatte, erhielt kaum noch eine Chance, die deutsche Version zu sehen.

Immerhin schaffte es auch der Fernsehfilm von 1996 als kleines Kuriosum synchronisiert in die Videotheken.

2008 hievte dann ProSieben die ersten Folgen von New Who ins Programm, welches Samstag- bzw. später Sonntagnachmittags lief. Obwohl die meisten Folgen ab 12 waren, wurden sie bei dieser Ausstrahlung verstümmelt (sprich: als zu brutal erachtete Szenen wurden herausgeschnitten). Nach zwei Staffeln war auch schon wieder Schluss, wobei es zunächst so aussah, als würde nicht mal die Tennant-Staffel komplett gesendet werden. Zu gering waren die Quoten, was in Anbetracht der geringen Werbung, der verstümmelten Version und des wechselnden Ausstrahlungstermins allerdings wohl nur die Senderverantwortlichen überraschte.

Im Rest der Welt zog der Doctor bereits stark an, nur in Deutschland blieb man wieder hintendran. Weitere drei Jahre gingen ins Land, bevor der zu Sky gehörende Sender FOX Doctor Who wieder nach Deutschland brachte. Man übersprang allerdings kurzerhand zwei Staffeln (und Specials) und fing mit der fünften Staffel und Matt Smith an. Erst später, auch diversen Fanaufrufen zu verdanken, füllte man die Lücken und synchronisierte die fehlenden Folgen. Dabei zeichnete sich auch FOX durch eine Fannähe auf, die man selten sieht.

Nun auch endlich in Deutschland angekommen, gab es sogar eine Zeit, in der die neuen Doctor Who-Folgen nur kurz nach dem Start in England bereits auf Deutsch bei FOX zu sehen waren… zumindest bis zur neunten Staffel. Denn bei dieser Staffel wurden komplette Folgen vorab ins Internet geleakt, weswegen BBC die Sicherheitsmaßnahmen erhöhte und keine Folgen mehr vorab zur Synchronisierung herausgab (nein, das Leck war nicht in Deutschland!). Nun sehen wir die Folgen immerhin mit 3-4 Monaten Verspätung, was aber auch noch akzeptabel ist.

Sogar ins Free-TV (ONE) hat es der Doctor mit den älteren Staffeln inzwischen geschafft.

Die DVD-Veröffentlichungen

In den Neunzigern begann die Veröffentlichung von Doctor Who auf Videokassette, natürlich nur in England. Später zog man die DVD-Veröffentlichungen nach, wobei man aber keine kompletten Staffelboxen, sondern einzelne Stories des Doktors veröffentlichte. Verlorene Episoden wurden in diesem Zug nach und nach in animierter Form veröffentlicht (die Animationen haben in letzter Zeit stark angezogen).
Dazu muss man wissen, dass viele Episoden der ersten beiden Doctoren verloren sind, da sie einfach weggeworfen wurden (damals musste man bei den Filmrollen aus Platzmangel Abstriche machen). Viele Folgen wurden durch findige Sammler oder durch Auslandslizenzierungen inzwischen wieder hergestellt, aber viele fehlen noch.

Die Staffeln von New Who erschienen auch recht zügig in Deutschland auf BluRay oder DVD, meist kurz nach der Ausstrahlung. Ein von Fans viel gehegter Traum wurde allerdings wahr, als sich die beiden Firmen Pandastorm und Polyband der alten Doctor Who-Folgen annahmen und diese nach und nach auf Deutsch bringen wollen. Dabei muss man wissen, dass hinter den beiden Labels kein Fernsehsender steht und sie das alles in Eigenregie abwickeln. Dadurch sind die DVDs zwar etwas teurer, aber allein die Chance, irgendwann alle Doctor Who-Folgen auf Deutsch zu sehen, muss man einfach honorieren.

Lange wurde auch gesagt, es lohne sich nicht, die alten Folgen für eine HD-Auswertung auf BluRay aufzuwerten, nun scheinen, zumindest einzelne Folgen, doch in diesem Format zu erscheinen (Fans, die alle DVDs schon gekauft haben, gucken nun leider etwas in die Röhre – oder ein zweites Mal in den Geldbeutel). Und um die Verwirrung komplett zu machen, bringt BBC derzeit Stafffelboxen einzelner Doktoren heraus, also beispielsweise “Vierter Doktor Staffel 7”.


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