Die zweite Staffel von “Star Trek: Discovery” verabschiedet sich mit einem Knall und einer spürbaren Zäsur. Wir haben Stimmen im Internet zum Finale “Such Sweet Sorrow, Teil 2” gesammelt, die zwischen Begeisterung und purem Schock schwanken.

Presse

Mit 80% und 75% vergeben Kritiker laut Review-Aggregator RottenTomatoes für die beiden Teile des Finales Wertungen knapp unter dem Staffelschnitt von 82% Zustimmung.

Überwiegend positiv wurde die Auflösung der Staffel sowohl konzeptionell als auch visuell aufgenommen:

Star Trek: Discovery capped off its sophomore season with a breathlessly paced finale packed with eye-popping visual effects.

Dave Nemetz – TV Line

Während die visuellen Effekte viel Respekt einsammeln, und der Zeitsprung als mutig empfunden wird, gibt es auch Kritik für die insgesamt holprige Qualität:

It was an uneven finale for an uneven show. Season 2 was certainly an improvement on the first season but overall, “Discovery” still felt like it was trying to find its footing.

Sopan Deb – New York Times

Christian Schäfer von Serienjunkies vergibt 4,5 von 5 Sternen:

Nachdem ich meine Kinnlade wieder vom Boden aufgehoben habe und sich die ganz große Begeisterung über Spektakel, zahlreiche Charaktermomente und die Auflösung der übergreifenden Handlung mitsamt Wiederherstellung des Kanons ein wenig gelegt hat, will ich mich jetzt mal an einer Wertung probieren.

Bei heise.de sieht das Fabian Scherschel völlig anders und attestiert einen versemmelten Plot:

Letztlich scheitert die aktuelle Staffel von Discovery aber an einer Handlung, die so zusammengeschustert ist, dass man von Plot-Löchern gar nicht mehr reden kann. Bei Discovery ist mehr Loch als Plot. […] Wenn Discovery der Versuch ist, Star Trek erwachsen zu machen, dann hätte es vielleicht doch nicht geschadet, etwas länger in der Pubertät zu verweilen. Star Trek in den ’90ern unter Braga, Piller und Moore hatte viele, zum Teil auch sehr peinliche, Schwächen. Aber es hat sich immerhin den Namen Star Trek verdient.

Tobias Költzsch sieht die neue “Discovery”-Staffel auf Golem.de zwiegespalten und erkennt einerseits eine gelungene Staffel Fernsehen, und andererseits die Notwendigkeit analog zu J.J. Abrams Filmen, die Kanonprobleme nun weiträumig zu umschiffen :

J. J. Abrams umging dieses Problem bei seinem Reboot der Star-Trek-Filmreihe, die ab 2009 erschienen ist – und in der die bekannten Figuren der USS Enterprise mitspielen. Der Regisseur kreierte eine alternative Zeitlinie, in der er sich austoben konnte. Mit einem ähnlichen Kniff befreien sich nun auch die Macher von Star Trek: Discovery aus dem Korsett, das ihnen vom Star-Trek-Universum auferlegt wird.

Das kann man als Fan mögen oder auch nicht – jedenfalls sollte die Frage nicht darüber hinwegtäuschen, dass die zweite Staffel sehr gelungen ist. Die Geschichte bietet reichlich Facetten, es findet eine Charakterentwicklung statt und die Actionsequenzen nehmen nicht ganz so viel Raum ein wie in der ersten Staffel. Die Story steckt voller Wendungen und positiver Überraschungen, die wir in der ersten Staffel vermisst haben.

Quoten

“Discovery” schießt im Ranking der US-Streaming-Serien auf den dritten Platz. Gleichzeitig ist laut Marktforschern von Parrot Analytics die Nachfrage nach “Discovery” um über 3 Mio. “Demand Expressions” gestiegen. Damit legt die Serie zum Finale nochmal kräftig zu. Nach einer Woche Abwesenheit ist die Schwesterserie “Twilight Zone” (ebenfalls CBS All Access) auf Rang 8 wieder in die Top 10 eingezogen. Spannend wird zu beobachten bleiben, ob nach dem Ende von “Discovery” genügen Abonnenten CBS All Access die Treue halten und “The Twilight Zone” in den Top 10 verbleiben kann.

Wie immer können wir aus den Zahlen von Parrot Analytics nicht ableiten, wie viele Zuschauer “Discovery” auf CBS All Access wirklich hat, da CBS selbst dazu keinerlei konkrete Zahlen veröffentlicht.

Quotenmeter.de veröffentliche die deutschen VOD-Zahlen von Gold Media. Für die Woche vom 12.04.2019-17.04.2019 taucht “Discovery” nicht in den Top 10 auf, nachdem es in der Vorwoche noch auf Rang vier gelistet wurde. Auch für die Zeit vom 19.04.-25.04.2019 weist Gold Media keinen Platz in den Top Ten für “Discovery” aus. Demnach wären mindestens 860.000 Zuschauer bzw. ein Drittel des Publikums im Vergleich zur Vorwoche abgesprungen. Ähnliche unplausible Schwankungen in den Gold-Media-Zahlen hatten wir schon früher beobachtet.

Fan-Reaktionen

Das Fandom ist bei “Such Sweet Sorrow, Part 2” erneut gespalten.

Sebastian Sonntag und Andreas Dohm vom Podcast “Discovery Panel” vergeben 9,0 und 8,5 von 10 Punkten. Beide sehen in dem Finale einen versönlichen Abschluss und freuen sich darüber, in welchem Zustand sich das Franchise aktuell befindet.

Im Endeffekt finde ich, es ist eine tolle Action-Folge mit ganz schönen Momenten, mit Humor an vielen richtigen Stellen, wi viel gut ineinander greift, mit ein paar Writing-Lücken, und dementsprechend ein Bild der gesamten Staffel. […] Die Klingonen waren toll, die Klingonen waren wirklich toll.

Andreas Dohm – Discovery Panel

Bernd Schneider von Ex Astris Scientia bedenkt die Folge mit 4 von 10 Punkten:

I probably still need some time to recover from “Such Sweet Sorrow II”. But not because of what happened in the episode, which wasn’t a lot after all, at least nothing that I hadn’t already thought about. Rather than that, I will have to deal with the many repercussions, and with the course that Star Trek (and not just Star Trek Discovery) will be able to take after this season. Despite some improvements such as the addition of Pike and despite some visual amendments pertaining to the Klingons, Discovery has missed the goal to return to the style, tone and type of stories that most fans love about the old Star Trek. But perhaps most notably, it has set itself apart as a series that is not bound by the positive vision of the franchise any longer.

Björn Sülter von SyFy trennt klar zwischen Popcorn- und intellektuellen Qualitäten:

Viele Probleme in der Dramaturgie wurden fraglos nicht erst hier erschaffen, können mit dem Schlussakkord aber eben auch nicht vollständig ausgeräumt werden. Somit gilt insbesondere für das Finale: Das Ziel war das Ziel, so holprig der Weg auch teilweise gewesen sein mag.

Star Trek schrumpft sich damit allerdings auch endgültig auf eine Baller- und Prügelorgie der Extraklasse und gefällt sich darin, ein paar gute Ideen und Szenen mit dick aufgetragenem Bombast und schmissigen One-Linern zu garnieren. Dieses Fest der Sinne hält dem Anspruch an unterhaltsame Popcorn-SF fraglos stand. Bezogen auf die bekannten Qualitäten von Star Trek ist es allerdings nur ein Hauch von Nichts

Anthony Pascale von TrekMovie erkennt zwar auch “Kopfkratzer” und ein paar Längen, die aber dem positiven Gesamteindruck wenig trüben:

Overall “Such Sweet Sorrow, Part 2” was a thrill ride of an episode with the heart and soul of Star Trek. It built on the improvements seen throughout the second season, and satisfactorily tied up the story and character arcs and themes that have been building up since “Brother.” Showrunners and co-writers Alex Kurtzman and Michelle Paradise impressed with how they closed out the season with this two-parter that adds up to an epic finale with a good mix of high-octane action and heartfelt character moments, with perhaps a bit too much padding to fill up two episodes using what may have started with 1.5 episodes of material. There were head-scratcher moments peppered throughout, but with the relentless action and emotional character beats, they are easily forgotten, especially on a first viewing.

Claire Little von TrekCore.com wäre ebenfalls mit einer statt zwei Episoden für das Finale ausgekommen und erkennt in der Figur der Number One vor allem verschenktes Potential. Den Frühjahrsputz für den Kanon am Ende der Folge findet sie jedoch mutig und überzeugend:

Classifying Discovery’s entire existence may not be the most interesting answer to the question of how exactly this ship, crew, mission, and propulsion system fit into the larger context of Star Trek’s future history, but it’s FAR more satisfying than reset-buttoning it out of the Trek timeline altogether. Falling back on Voyager’s “Year of Hell” scenario […]

The decision to end “Such Sweet Sorrow, Part 2” without so much as a glance at Discovery’s future is a bold choice for a show that’s relied on drawing out dramatic arcs, almost to the show’s detriment. After stretching narrative and character arcs across the season, the fate of the crew has finally snapped taut and we’ll just have to wait and see what the future holds — literally — for Discovery.


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