In unserem Recap der zweiten Staffel von Discovery gehen wir der Frage nach den Stärken und Schwächen derselbigen nach.

Die erste Staffel von Discovery hatte (berechtigte) Kritik einfahren müssen, und das lag nicht nur am Redesign der Klingonen sondern auch an diversen Handlungspunkten. Der klingonische Krieg etwa lief nur im Off und wurde kaum gezeigt, um nur ein Beispiel zu nennen. Hinter den Kulissen hatte es bereits in der ersten Staffel gebrodelt und Bryan Fuller verließ die Produktion. Auch in der zweiten Staffel ging das Hickhack hinter den Kulissen weiter und die Produzenten Barg und Harbarts verließen das Boot. Wie bereits in der ersten Staffel hat sich auch hier dies zweifellos auf die Qualität ausgewirkt. Wie stark kann aber indes nur vermutet werden.

Dabei begann die zweite Staffel noch recht prominent, denn die Enterprise tauchte auf und ging auf Rendezvous-Kurs mit der Discovery. Das Auftauchen der ikonischen Crew war daher schon heiß erwartet worden.

Enterprise und Discovery in "Such Sweet Sorrow" (Szenenbild: "Discovery" 2x13, CBS)

Enterprise und Discovery in “Such Sweet Sorrow” (Szenenbild: “Discovery” 2×13, CBS)

Aber ist die zweite Staffel nun besser als die Erste?

Jein.

Eigentlich ist diese Frage, man sollte es kaum glauben, gar nicht so leicht zu beantworten. Zu Beginn der Staffel wussten vor allem die Auftritte von Pike zu gefallen und Sachen wie das Wiederauftauchen der Talosianer ließne sämtliche Fanherzen höher schlagen. Ginge es also rein um den Auftakt wäre die Antwort ein klares JA. Hier hat man sich durchaus ins Zeug gelegt um den Fans etwas zu bieten.

Gegen Ende der Staffel versandete man aber immer mehr und die Handlung wies immer mehr Ungereimtheiten auf. Auch der Bösewicht folgte nur der üblichen “Alles vernichten”-Agenda und konnte keine wirkliche Klasse mehr erreichen. Nachdem nun auch das Finale der zweiten Staffel über die Bildschirme geflimmert ist, muss man eindeutig sagen, die zweite Hälfte fällt hier wieder stark ab.

Dabei ist es nicht so, das ich generell Discovery-feindlich eingestellt bin. Ich WILL ja sogar, das die Serie mir gefällt, aber die zunehmenden Unzulänglichkeiten machten es einem eben immer schwerer und schwerer. Und deswegen ein Jein.

Super-Cryham

Fangen wir gleich mit der Hauptdarstellerin an. Auch hier habe ich kein Problem damit, das sich die Serie um Burnham und nicht um die Brückencrew oder den Captain dreht. Ein stetig wechselnder Captain hat durchaus auch etwas für sich. In dieser Staffel wurde es aber mit der Zentrierung auf Burnham etwas übertrieben.

Emotionaler Abschied: Michael Burnham (Sonequa Martin-Green) muss ihren Adoptiveltern Amanda und Sarek für immer Lebewohl sagen (Szenenfoto: "Such Sweet Sorrow", CBS).

Emotionaler Abschied: Michael Burnham (Sonequa Martin-Green) muss ihren Adoptiveltern Amanda und Sarek für immer Lebewohl sagen (Szenenfoto: “Such Sweet Sorrow”, CBS).

Nur sie hat immer die Pläne parat, die funktionieren. Mal davon abgesehen, das andere Pläne gar nicht mehr in Erwägung gezogen werden. Und damit nicht genug dreht sich in dieser Staffel das ganze Universum um sie und von ihr hängt dann auch alles ab. Das sie dann wirklich auch noch der rote Engel ist und die Fantheorien damit wieder der Wahrheit entsprechen, hilft dabei auch nicht wirklich.

Zudem gibt es wieder den üblichen Pathos zu spüren, denn in vielen Folgen wird eine Motivationsrede gehalten. Und Burnham darf in fast jeder Folge tränenreich einen Gefühlsausbruch haben – in der Häufigkeit, wie dies in der zweiten Staffel vorkommt ist es einfach zu viel. Und so gut Sonequa Martin-Green diese Szenen auch spielen mag, weigere ich mich zu glauben, das sie nur DAS spielen kann. Gebt der Frau doch mal was anderes zu tun.

An der Stelle müssen natürlich auch die vielen pathetischen Motivationsreden erwähnt werden. Das war in der ersten Staffel schon ein beliebtes Stilmittel, hier nimmt es aber etwas überhand und kommt in fast jeder zweiten Folge vor. Kurzum: es war einfach zuviel.

Die Charaktere und ihre Inkonsequenz

Die Charakterszenen sind indes zwar durchweg gut gelungen – so gibt es allein bei den Szenen mit Spock das ein oder andere Highlight. Allerdings leiden auch sie bei allem Guten, das hier teilweise rüberkommt, an einer gewissen Inkonsequenz.

Das fängt schon damit an, das man Culber zurückholt, der ja in der ersten Staffel gestorben war. Dass das ein Fehler war hat man schnell gemerkt und auch die Nörgler aus der „Sie töten immer den Homosexuellen“-Fraktion musste man wieder besänftigen. Ob das allerdings der Weisheit letzter Schluss ist, darf bezweifelt werden. Krampfhaft wird hier versucht, das, was man im ersten Jahr an die Wand gefahren hat, wieder zurechtzubiegen und überseiht dabei, das man sich damit nur noch unnötig weiter verbiegt.

Zudem leidet nicht nur die Zusammenführung von Stamets und Culber am Ende an einem ganz anderen Problem: Den fehlenden Szenen. Das betrifft nicht nur das Homosexuelle Paar sondern eine ganze Reihe anderer Charaktere. Als Beispiel seien hier Tylers Genesung von einer Folge zur nächsten zu erwähnen, oder auch, das Pike Burnham nach der wahren Geschichte von Georgiou fragt und diese ihm sagt, sie wird es ihm noch sagen. In der vorletzten Folge dann offenbart er ihr, das er es schon weiß. Das Gespräch hat also irgendwann stattgefunden, nur leider hat der Zuschauer nie etwas davon gesehen.

Sorry, liebe Autoren, aber solche essentiellen Szenen gehören in die Folgen und sollten nicht im Off behandelt werden!

Löblich ist auch, das versucht wurde den Nebencharakteren mehr Raum zu geben – leider zumeist derart, das man sagen muss, hier wurde die Brechstange angesetzt. So wurde die Freundschaft zwischen Burnham und Airiam quasi aus dem Nichts aufgebaut. Auch hier gilt wieder: Show, don‘t tell!

Lt. Cmdr. Airiam (Hannah Cheesman) in "Project Daedalus" (Szenenfoto: CBS)

Lt. Cmdr. Airiam (Hannah Cheesman) in “Project Daedalus” (Szenenfoto: CBS)

Und nein, ich habe generell auch kein Problem damit, wenn Charaktere mal auftauchen und dann wieder weg sind, vor allem wenn sie nicht zur Standardbesatzung gehören (Jett Reno ist hier ein gutes Beispiel). Auch hier schlägt die Inkonsequenz aber wieder zu. Da verschwindet Reno z.B. in einer Folge, obwohl sie eigentlich wichtiger Teil der Handlung zuvor gewesen war. Und auch Admiral Cornwell taucht auf und verschwindet, wie es ihr gefällt. Wenn es schlüssig ist, sagt hier sicher keiner etwas, hier wurde aber erneut mit dem Holzhammer gearbeitet.

Balancing the Kanon und der Staffelarc

Auch der nächste Punkt hat Ansätze der Brechstange. Um den Fans zu gefallen hat man nämlich viele Sachen der ersten Staffel rückgängig gemacht. Klingonen sehen wieder so aus, wie wir sie kennen und man wird z.B. nicht müde zu erwähnen, das es auf der Enterprise keine Holokom gibt. Auf der einen Seite löblich, auf der anderen Seite wieder einmal zuviel, hat man doch erneut auf Biegen und Brechen versucht, alles so hinzudrehen, das man allen gerecht wird.

Dabei hätte man das gar nicht nötig gehabt, denn die Szenen mit Pike und vor allem der Enterprise gehören sicher zu den Highlights der Staffel. Zugegeben, das lange Hinhalten bei der Suche nach Spock hat genervt, das Wiedersehen mit den Talosianern etwa war dahingegen aber mehr als gelungen.

Von der Story der restlichen Staffel kann man das nicht unbedingt behaupten, denn die Geschichte um den roten Engel und die Signale verliefen sich am Ende in einem Zeitreisewischiwaschi, das durchaus seine Logikfehler hatte. Vom etwas schwachen Bösewicht wollen wir auch gar nicht sprechen.Zudem durften die Fans mit ihren Theorien wieder recht behalten, einen wirklich überraschenden Aha-Effekt sucht man in Discovery vergeblich.

Die Enterprise hilft in "Such Sweet Sorrow" bei der Evakuierung der Discovery (Szenenfoto: CBS).

Die Enterprise hilft in “Such Sweet Sorrow” bei der Evakuierung der Discovery (Szenenfoto: CBS).

Technisch top

Positives gibt es allerdings auf der technischen Seite. Die Serie sieht einfach top aus, die Effekte brauchen modernen Produktionen in nichts nachzustehen und auch sonst ist man auf der Höhe der Zeit. Für Star Trek-Fans mag das allein nicht ausreichend sein, für ein normales Publikum zählt das aber durchaus etwas.

Fazit

Zwar gefällt die zweite Staffel Discovery in vielen Teilen, vor allem der Bezug zum etablierten Kanon ist hier zu nennen, an anderen Stellen wurde aber viel zu viel mit der Brechstange hantiert oder einfach inkonsequent gearbeitet. Gerade was die Charaktere angeht hätte man hier besser arbeiten können und müssen, statt einfach wichtige Erklärungsszenen unter den Tisch fallen zu lassen. Dann hätte man über die Löcher in der Handlung sicher wohlwollender hinwegsehen können.

Gut, es ist gerade erst die zweite Staffel und wer weiß, vielleicht wird man in einigen Jahren wie auch bei TNG oder DS9 sagen, das auch Discovery zu den Besten Trek-Serien gehört. Im Moment ist das aber noch Zukunftsmusik. Bleibt zu hoffen, dass die dritte Staffel nun wirklich neue Wege geht und man ungeachtet von Querelen hinter den Kulissen richtig voranschreiten kann.

Gesamtbewertung der Staffel: 3.5 out of 6 stars (3,5 / 6)


0 Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.