Man sagt, es gäbe mehr Dinge zwischen Himmel und Erde als man sich träumen lässt. Genau diese Thematik greift “Der gewaltige Gott Pan” auf. Inwieweit sich ein Schritt ins Paranormale lohnt, erfahren Sie in dieser Hörspielrezension.

Inhalt (Klappentext):

Außerhalb Londons 1864: Mr. Clarke willigt ein, als Zeuge einem gewagten Experiment seines Freundes Dr. Raymond beizuwohnen, welches eine leichte Gehirn-Operation beinhaltet und der siebzehnjährigen Probandin Mary so Zugang zu geistigen Dimensionen eröffnen soll, in denen der gewaltige antike Gott Pan herrscht …

Kritik

Es folgt ein Zeitsprung von gut zwei Jahrzehnten. Die Handlung scheint auf den ersten Blick so gar nichts mit dem Intro zu tun zu haben und entspinnt sich nur ganz allmählich. Eine ziemlich verschachtelte Angelegenheit, wie wir sie auch von anderen Altmeistern des Mystery (Poe, Lovecraft, Stevenson und Stoker, …) kennen. Warum sterben plötzlich so viele Gentlemen der oberen Gesellschaftsschicht? Und warum tragen alle das Entsetzen ins Gesicht geschrieben? Was ist ihnen zugestoßen und was hat das mit Dr. Raymond und seinem ländlichen Experiment zu tun? Es ist ein Kriminalstück in einem Mystery-Umfeld, ein schönes „Who dunnit“. 

Arthur Machen (1863-1947) verfasste den Originaltext “The Great God Pan”, der seinen Durchbruch als Schriftsteller bedeutete, im Jahre 1894. Geprägt wurde der Autor sicherlich durch seine Mitgliedschaft im Hermetic Order of the Golden Dawn, dem auch Aleister Crowley angehörte. Vielen von Machens Kurzgeschichten liegen übersinnliche Themen zugrunde. Er soll mit einer Geschichte auch den Grundidee zu Hitchcocks “Die Vögel” geliefert haben. Neben phantastischer Literatur verfasste er satirische Artikel, mit denen er in der Gesellschaft aneckte.

Zurück zur Hörspielumsetzung des gewaltigen Gottes. Ich habe zwei Kritikpunkte: Das Instrument des Hörspiel-Autors, die Handlung durch viele Dialoge zu transportieren, erzeugt eine Überfrachtung an Informationen. Hier hätte ich mir tatsächlich ein wenig mehr Ausgewogenheit von rasanteren Szenen und Dialogen gewünscht. Die Dialoge verlangsamen hier leider die Handlung, nehmen die Spannung heraus. Ein wenig mehr „show statt tell“ wäre besser gewesen. Auch ein paar Logiklöcher hätten nicht sein müssen. Wie kann man zum Beispiel eine Hirn-Operation, ohne genaueste Kenntnisse der einzelnen Areale – die es 1864 noch nicht gab, da kein MRT oder CT vorhanden war – durchführen? Der Schädel wurde mit einem Schlag geöffnet, heißt es – aua. Das kann doch unmöglich funktionieren. Also, das Resultat wäre ein derbes Loch im Schädel, das zur damaligen Zeit nicht gut behandelbar gewesen wäre. Vermutlich wäre die arme Mary noch auf dem OP-Tisch verendet. 

Einerlei, sieht man über diverse technische Details hinweg, kann man den Plot akzeptieren. 

Die Vertonung lässt absolut keine Wünsche offen. Klaviermusik, später düstere Einspieler, Monstergeräusche. Passend zur jeweiligen Szene. Auch die Sprecher wurden wieder einmal hervorragend besetzt. Außer den beiden Damen (Mary und Helen) durchweg Herren, die sich dem  distinguierten Tonfall englischer Gentlemen bedienen mussten. Was im Übrigen tadellos gelungen ist. Ich finde, dies hebt den Gegensatz zwischen den grausamen Ereignissen und dem Bild, das die reichen Herrschaften nach Außen transportieren möchten, gut hervor. 

Fazit

Ein komplexes „Who dunnit“, für das man sich Zeit nehmen sollte. Wer auf rasante Action setzt, sollte lieber auf einen anderen Titel zurückgreifen. 

4 out of 5 stars (4 / 5)
Information: Ein Exemplar dieses Hörspiels wurde dem Autor von Titania Medien zum Zwecke der Rezension kostenlos überlassen.

Quick-Infos

Autor: Arthur Machen
Zeichner: Cover: Ertugrul Edirne
Originaltitel: The Great God Pan
Jahr der Veröffentlichung (Original): 2019
Laufzeit: Ca. 77 Minuten
Illustration: Ertugrul Edirne
Preis: 7,99 Euro
ISBN: 9-783785-759448
Label: Titania Medien

 


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