In unserer Review klären wir, ob sich das Serienfinale wirklich episch anfühlt.

Achtung, Spoiler!

Neben “Travelers” gab es vor zwei Jahren noch eine Zeitreise-Serie, die an den Start ging, nämlich “Timeless”. Die Serie selbst vermochte dabei durchaus zu gefallen, ging sie doch ein paar andere Wege. So gewannen die Bösen recht regelmäßig und veränderten die Geschichte. Zwar nur um kleine Nuancen, aber die Auswirkungen waren spürbar und immer mehr veränderte sich die Realität. Zugegeben, die Serie lieferte, davon abgesehen, auch oft viele Klischees, wie etwa die sich ineinander verliebenden Helden, die böse Mutter und einiges mehr, das an dieser Stelle nicht so toll war.

Der große Knall kam schon zum Ende der ersten Staffel, als sich herausstellte, dass der Böse eigentlich gar nicht der Böse war, sondern es ein noch viel gefährlicheres Übel gab, das im Hintergrund lauerte. Die zweite Staffel verschrieb sich dabei dem Kampf gegen Rittenhouse, hatte auch seine Momente, aber auch mehr vom Schlechten. So war die Absetzung der Serie fast schon sicher und was im ersten Jahr noch gelungen war – das Retten in eine zweite Staffel – gelang nun nicht mehr und NBC zog den Stecker.

Dabei hätte die Serie eigentlich nur noch ein bisschen Zeit gebraucht (so ironisch das bei einer Zeitreise-Serie auch klingen mag), um zu sich selbst zu finden. Aber hier sieht man eben wieder deutlich den Unterschied, denn kein Streamingportal, sondern ein großer Fernsehsender stand hinter der Serie. Und bei den Großen zählt eben nur eins: die Zahlen. Und wenn die nicht passen, wird rigoros der Stecker gezogen, auch wenn eine Serie Potential hat (“Firefly” kann hier auch ein Lied von singen).

Immerhin haben die Fan-Petitionen – wie weiland bei anderen Serien – eines bewirkt: Das offene Ende der zweiten Staffel sollte mit einem Abschlussfilm (bzw. zwei aufgeteilten Episoden respektive) ordentlich beendet werden.

Und was passiert so?

Nach der Entführung von Rufus tauchen zwei Zukunftsversionen von Wyatt und Lucy auf und hinterlassen eine verbesserte Zeitkapsel. Damit beginnt die Jagd auf Rittenhouse erneut und führt in den Wilden Westen. In der zweiten Folge geht es dann sogar in den Koreakrieg.

An dieser Stelle sieht man schon, dass auch im Finale vieles ähnlich einer standardmäßigen Serienepisode gemacht worden ist, was den Episoden leider nicht zugute kommt. Statt wirklich aus dem Vollen zu schöpfen, spult man hier das Übliche Prozedere inklusive der üblichen Klischees ab. Aber halt! Mit dieser Aussage wird dem Finale der Serie unrecht getan.

Ja, weite Strecken der Episoden fühlen sich nicht episch und wie ein Finale an. Das, woran die Serie krankte, findet man also auch hier. Erst gegen Ende ändert sich das und man kann wirklich sagen, dass da nochmal das ein oder andere rausgerissen wird. Doch der Reihe nach.

Das Zeitreise Team

Das Zeitreise-Team (Timeless, NBC)

Gute Charakterarbeit

Wie es sich für ein Serienfinale gehört, müssen die Beziehungen der Charaktere untereinander zu einem Abschluss gebracht werden. Das betrifft nicht nur Rufus und Jiya, die hier auch endlich zusammenfinden und ihr wohlverdientes Happy End finden (Stolpersteine inklusive), sondern auch Wyatt und Lucy. Da es sich bei Letzterem noch um ein Dreiergespann mit Flynn handelt (oder sogar Vierergespann, wenn man Jessica noch mit einbezieht). Die Frage “Wer kriegt wen?” ist vor allem bei Flynn und Lucy noch spannend, auch wenn sich ziemlich schnell herauskristallisiert, dass ihr Herz eben doch für Wyatt schlägt.

Das gipfelt dann in einem schönen Finale in der ersten Folge, als Flynn sich selbst opfert, um die inzwischen zu den Bösen übergelaufene Jessica aufzuhalten. Endlich erfahren wir also, was wirklich mit Jessica passiert ist, zumindest in der geänderten Zeitlinie. Aber was wäre das für ein Finale gewesen, wenn Lucy am Ende zu Flynn gegangen und ihm das Tagebuch gegeben hätte. Nach dem Sichten des Ersten Teils waren meine Hoffnungen diesbezüglich dahin, allerdings war ich erfolgreich aufs Glatteis geführt worden.

Es ist nicht alles Gold, was glänzt

Im zweiten Teil der Geschichte findet man sich dann im Koreakrieg wieder und die Bösen (bzw. die einzig Übriggebliebene) will unseren Helden eine Falle stellen. Aber dann geht alles ganz schnell. Lucys Dad, der Anführer von Rittenhouse, der ja schon im Gefängnis sitzt, mischt sich ein, da seine Untergebene nicht mehr hören und Lucy eben töten will. Also mal flugs Rittenhouse verraten und schon wird die Basis gestürmt und die böse Emma verhaftet. Das war’s dann auch schon für die Bösen. Leider wieder ein ziemlich mit Klischees beladenes Ende.

Nun gut, man mag vielleicht noch nachvollziehen können, dass man als Vater sein Kind schützen will. Dann aber reist Denise mit der bösen Emma in die Vergangenheit, um das Team zu besuchen, weil sie es “eben auch mal tun wollte”. Klar, die mussten abgeholt werden und Verstärkung ist nicht, weil in einer Kapsel nur drei Platz haben. Das ist aber trotzdem irgendwie so, als würde die eigene Chefin aus Jux und Dollerei einen gefährlichen Kriminellen mit auf Geschäftsreise nehmen. Er ist halt der Einzige auf der Welt, der noch Auto fahren kann. Aber hey, der wird schon brav sein!

Selbstverständlich versucht Emma dann noch was und ebenso selbstverständlich wird sie dann auch getötet. Die Klappe hinter den Bösen ist damit komplett zu! Sorry, aber da hätte man sich wirklich etwas Stärkeres einfallen lassen müssen! Am Ende wird die Zeitkapsel zerlegt, aber eben nur das Mutterschiff. Warum aber sollte man die Hochentwickelte zerlegen und den primitiven Prototyp stehen lassen? Nein, in diesen Szenen macht auch das Finale keine gute Figur.

Das epische Finale

Dafür zieht das Ende der Folge immerhin nochmal alle Register. Dass man darüber diskutiert, die Zeitreisevorrichtung zu zerlegen, wurde ja schon erwähnt. Sicherheitshalber will man sie stehen lassen, denn irgendwann könnte ja noch jemand so etwas bauen. Das ist soweit in Ordnung und nachvollziehbar. Dass man daran gedacht hat, ist durchaus positiv zu bewerten.

Garcia Flynn

Garcia Flynn (Timeless, NBC)

Auch dass Lucy am Ende widersteht und nicht mehr versucht, ihre Schwester zu retten, ist ein moralisches Dilemma, welches die Serie gut aufzeigt. Zu gefährlich sind die Eingriffe in die Zeit und wie wir ja inzwischen wissen, ändert sich immer etwas, wenn auch nur im kleinen Stil. Und so bleibt die liebe Schwester leider tot. Und gerade weil diese Entscheidung so hart ist, verfehlt sie ihre Wirkung nicht. Auch hier zeigt sich das Potential von “Timeless”, das sich weiter hätte entfalten können, wenn man der Serie noch ein oder zwei weitere Staffeln zugestanden hätte. Als schöne Hommage auch an Flynn gibt es sogar noch einen Zeitsprung ins Jahr 2023, in dem die Kinder unserer Helden die Namen der Schwester und des verstorbenen Helden tragen.

Und schließlich kommt dann doch noch die Schlussszene, die man sich erhofft hat: Ein letztes Mal muss die Kapsel angeworfen werden; ein letztes Mal muss man eine Zeitreise machen, damit alles passt. Es geht zu Flynn und es gibt wirklich noch die Szene zu sehen, in der er das Tagebuch erhält. Ist diese Szene schon emotional eine Wucht, so darf man am Ende die Schlüsselszenen der beiden Staffeln noch einmal betrachten, während eine Version von “Time after Time” trällert. Und unter dem Gesichtspunkt, dass sowohl Flynn als auch der Zuschauer inzwischen wissen, was geschehen wird (oder besser: wer sterben wird), gewinnen die Szenen noch einmal enorm an emotionaler Intensität, was einem schlussendlich die Tränen in die Augen treibt. Das ist in der Tat episch und ein wunderbarer Abschluss.

Fazit

Das Finale von “Timeless” bietet nochmal alles, was die Serie gut gemacht hat, aber leider auch alles, was an ihr so schlecht war. Insgesamt betrachtet, entschädigt jedoch vor allem die sehr eindrucksvolle Abschlussszene, sodass man am Ende mit einem guten Gefühl aus der Serie gehen kann.

Bewertung

4 out of 5 stars (4 / 5)

Episoden-Infos

Episodennummer 27 & 28 (Staffel 2, Episode 11 & 12)
Originaltitel The Miracle of Christmas Part 1 & 2
Deutscher Titel Alpha & Omega Teil 1 & 2
Erstausstrahlung UK Donnerstag, 20.Dezember 2018, NBC
Erstausstrahlung Deutschland Donnerstag, 30.Mai 2019, RTL-Crime
Drehbuch Lauren Greer & Arika Lisanne Mittman
Regie John F. Showalter
Laufzeit je 45 Minuten

Kategorien: Science & FictionSF-Zone

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Thomas Götz

Seitdem er 1985 zum Ersten Mal Episode IV sah und ausrief "Aber das heisst doch, Vader ist Lukes Vater" ist Tom der Science Fiction verfallen. Star Trek Fan wurde er, wie viele seiner Kollegen, 1990 mit "The Next Generation" in Deutschland. Seine ersten Buchrezensionen zu Star Trek Büchern erschienen schon 1995 im Alter von 16 Jahren im Star Trek Fanclub. Seit 2006 schreibt er auch Online Rezensionen (ab 2009 Trekzone-Exklusiv) und hat kürzlich seine 2000.Rezension veröffentlicht.

1 Kommentar

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Martin Köller · 19. Mai 2020 um 1:51

Schade das timeless mit Staffel 2 endet !

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