Wir sehen uns in unserer Review die deutsche Veröffentlichung des letzten Abenteuers des zweiten Doctors an.

Achtung, Spoiler!

Die DVD-Box

Neben Pandastorm bleibt auch Polyband an den “Doctor Who”-Veröffentlichungen dran und liefert mit “Kriegsspiele” die letzten zehn Folgen des zweiten Doctors. Dabei muss man zunächst einmal die bittere Pille des hohen Preises schlucken, denn das Set schlägt mit stolzen 70 Euro zu Buche.

Nun ist die Synchronisation – vor allem die von “Doctor Who” und noch dazu in Eigenregie (also ohne einen finanzkräftigen TV-Sender dahinter) – nicht gerade billig, was natürlich diese hohen Kosten erklärt. Schlucken werden einige aber auch hier, denn das ist recht viel Geld für gerade einmal zehn Folgen. Gut, heutige Staffeln haben teilweise auch nicht mehr Folgen, aber zum Vergleich: Die BluRay-Version der 11. Staffel der neuen Serie mit ihren elf Folgen kostet auch nicht so viel. Und hier haben die Folgen eine Laufzeit von 45 und nicht nur – wie in der vorliegenden Box – von 25 Minuten.

Polyband war sich dessen wohl auch bewusst und hat zunächst versucht, das Set in drei Veröffentlichungen zu jeweils 30 Euro aufzuteilen, was für den Geldbeutel sicher besser gewesen wäre. Leider machte hier der Rechteinhaber BBC einen Strich durch die Rechnung und untersagte es, das zusammenhängende Serial dergestalt aufzuteilen. Demnach war eine teure Gesamtveröffentlichung der einzig gangbarer Weg.

An der Stelle wollen wir uns aber nicht über den hohen Preis aufregen, sondern überhaupt froh sein, die ersten Folgen des Doctors zu bekommen. Sicherlich haben auch Fans ihre (finanziellen) Grenzen; wer es sich aber leisten kann, sollte hier definitiv zugreifen. Denn vor allem bei den Extras wurde noch einmal ordentlich draufgelegt, damit man für sein Geld auch etwas geboten bekommt. Doch dazu später mehr.

Die Handlung

Die Story an sich gehört mit zu dem Besten, das man bei “Classic Who” gesehen hat. Daran dürfte ganz sicher kein Zweifel bestehen. Dabei entspinnt sich die Geschichte teilweise recht langsam. Der Doctor und seine Begleiter (an der Stelle Zoe und Jamie) landen (scheinbar) 1917 im Ersten Weltkrieg. Aber irgendetwas stimmt nicht und plötzlich sind auch Römer und mittelalterliche Kämpfer mit auf dem Schlachtfeld.

DVD-Kriegsspiele (Polyband)

Für den Zuschauer ist die Lösung recht schnell offensichtlich, der Doctor muss hingegen erstmal Detektivarbeit betreiben, was sich immerhin ein paar Folgen hinzieht. So darf er charakterlich noch einmal ein paar Register ziehen und auch Jamie und Zoe bekommen genug Raum. Wer ebenfalls genug Raum bekommt, ist ein Soldaten-Pärchen aus der 1917er Zone und die Bösewichter.

Die wirken zwar mit ihren Brillen stellenweise etwas lächerlich, aber auch das wird immerhin schön erklärend eingebaut. Es handelt sich dabei um Hypnosegeräte. Zugegeben, es wirkt manchmal etwas unsinnig, dass sie den Doctor bzw. dessen Freunde nicht gleich eliminieren. Aber das ist Meckern auf hohem Niveau und irgendwie auch ein Problem eines jeden Filmbösewichts.

Doch damit nicht genug! So gibt es auch einen weiteren Time Lord zu sehen, den “War Chief” (in der deutschen Fassung: “Kriegsherr”). Andere Time Lords sind an der Stelle nichts Neues, es gab hier schon Susan und den Mönch. Dies ist aber das erste Mal, dass die Rasse des Doctors als solche genannt wird. Neben diesem Meilenstein ist natürlich auch das Auftauchen der Time Lords ein weiterer Höhepunkt.

Denn die bösen War Lords haben noch ein paar andere Sachen in petto: So benutzen sie dank des Kriegsherrn SIDRATs (für alle dies nicht gecheckt haben: TARDIS rückwärts!), um ihre Probanden einzuklauben. Auch diese Maschinen sind – ähnlich der Dalek-Zeitmaschinen – sehr gut umgesetzt worden. Schade nur, dass dies noch in Schwarz-Weiß ist, wobei “Kriegsspiele” auch zugleich das letzte Serial in Monochrom ist.

Etwas schade ist hier wohl lediglich, dass die Rückeroberung der einzelnen Kampfzonen eher im Off passiert. Die Rebellen setzen hier nur Fähnchen, aber hinsichtlich der Darstellung großer Schlachten war man damals sowohl trick- als auch budgettechnisch deutlich limitierter als heutzutage. Der guten Story tut dies aber keinen Abbruch, da man die Zeit nutzt, um die Charaktere weiterzuentwickeln. Im Bezug auf den Doctor hapert es dann später aber noch ein bisschen. Denn welcher Zuschauer nimmt ihm denn ernsthaft ab, die Seiten gewechselt zu haben? Sogar die ach so klugen Time Lords hätten hier mehr hinterfragen können.

Die Time Lords

Und schließlich kommt noch ein Paukenschlag: der Auftritt der Time Lords! Diese sehen zwar noch nicht ganz so aus, wie sie seit dem vierten Doctor dargestellt werden (Stichwort: hohe Krägen). Sie sind aber immer noch eindrucksvoll in ihren Richterroben. Die mächtigen Zeitreisenden zeigen hier erneut, warum sie eine der gefürchtetsten Rassen in “Doctor Who” sind.

Zudem wird deutlich aufgezeigt, warum der Doctor so ist, wie er ist. Statt sich aus allem herauszuhalten, wie die Time Lords es vorschlagen, sieht der Doctor sich in der Verantwortung, die “niederen” Spezies zu retten. Dass er zumindest etwas zu ihnen durchdringt, zeigt dann später das Urteil.

Der Abschied steht bevor (Doctor Who, 6×44, BBC)

Nichtsdestotrotz sind die Time Lords recht brutal in ihren Methoden. Die Anführer der War Lords werden eliminiert und ihre Heimatwelt hinter ein Kraftfeld gesperrt. Fast schon schade, dass die War Lords damit quasi ins galaktische Aus katapultiert wurden. Denn als Gegner waren sie recht vielversprechend. Und hätte der Kriegsherr sich nach seiner Hinrichtung nicht regenerieren müssen?

Es gibt im Übrigen eine Buchfortsetzung zu dieser Geschichte, in der eben das passiert ist und die War Lords versuchen, wieder aus ihrer Heimat auszubrechen. Aber das nur am Rande.

Am Ende heißt es Abschied nehmen und zwar nicht nur vom Doctor, sondern auch von seinen Begleitern. Die werden in ihre Zeit zurückgeschickt und ihre Erinnerungen an den Doctor werden fast vollständig gelöscht. Und dann bricht natürlich die Zeit des Exils des Doktors an. Aber das ist wiederum eine andere Geschichte für einen anderen Doctor. Auch die Time Lords werden im Verlauf der Serie noch die ein oder andere Entwicklung durchmachen.

Im Übrigen sollte an der Stelle auch die “Season 6.5” erwähnt werden. Es gab nämlich damals eine Reihe von Geschichten und Comics, welche die Abenteuer des Doctors nach dieser Folge weitererzählen. Grund dafür war, dass Patrick Troughton später in “Die zwei Doktoren” auf den sechsten Doktor trifft, diese Handlung aber in keinen Kontext der früheren Folgen mit ihm passte. Die Geschichten gehen daher davon aus, dass die Time Lords das Urteil kurzzeitig ausgesetzt haben und den Doctor noch ein paar “Geheimmissionen” für sie erledigen ließen. In diesem Kontext spielen dann die erwähnten Geschichten. Das Urteil wird dann erst später so vollstreckt, wie man es gesehen hat.

Die Synchronisation

In Sachen deutsche Tonspur hat das zuständige Synchronstudio auch hier wieder gute Arbeit geleistet. Michael Schwarzmaier darf wieder den Doctor mimen. Und auch wenn er vielleicht nicht immer (Gerichtsverhandlung) alle von Troughtons Nuancen trifft, gleicht er dies andernorts doch wieder aus. Das leicht Schrullige kommt jedenfalls durchaus rüber.

Auffällig ist, dass hier erstmals die Synchronistation als Stilmittel benutzt wurde. In bestimmten Situationen wechselt der Doctor zwischen “Du” und “Sie” bei den Companions, was in diesem Kontext gut funktioniert und von den Fans bereits gelobt wurde. Auch wir wollen hier mit unserem Lob in nichts nachstehen.

Die War Lords (Doctor Who, 6×44, BBC)

Eine kleine Anmerkung gibt es an der Stelle aber dennoch. Dies betrifft zuvorderst die Eindeutschung des “Kriegsherren”. Hierzu muss man auf den “Master” verweisen, denn auch den hatte man nicht eingedeutscht und spricht ihn in der Serie immer als den “Master” an. In den Panini-Comics gibt es dabei dann eine kleine Unstimmigkeit. Denn hier gibt es eine Story, in welcher der Doctor und seine Companions in einem Herrenhaus festsitzen, wo ein gewisser “Master” die Fäden zieht. Da man hier treu zur TV-Ausstrahlung bleiben wollte, ergibt sich natürlich ein Problem. Denn statt den “Master” hier allgemeiner mit “Hausherr” oder “Meister des Hauses” zu übersetzen, verrät das bekannte “Master” an der Stelle sogleich wichtige Aspekte der Handlung. Das wirkt dann doch etwas unglücklich.

Dies hat man mit dem “Kriegsherrn” dergestalt natürlich umgangen und auch mit dem “Mönch” (wenn es je auf Deutsch kommt) wird es wohl so sein, da man so den deutschen Begriff auch in anderen Kontexten verwenden kann. Zwar bin ich persönlich kein Freund der Eindeutschung von Eigennamen, aber in diesem Falle hat man hier wohl (erneut) alles richtig gemacht.

Die Extras

Nach dieser ausführlichen (stellenweise vielleicht zu ausführlichen) Betrachtung der Story und der anderen Gegebenheiten drumherum sehen wir uns noch die Extras an.

Hier gibt es die obligatorischen Interviews und Behind the Scenes-Einträge, wie den Besuch der Drehorte, über die wir an der Stelle etwas schneller hinwegspringen wollen, da es noch einiges anderes zu berichten gibt. Schön ist auch, dass “Der zweite Doctor revisited” enthalten ist, ein Rückblick auf die Troughton-Ära aus aktueller Zeit (in dem Fall der Matt Smith-Zeit vor einigen Jahren). Die Extras sind dabei ausschließlich auf der dritten DVD enthalten, die ersten beiden enthalten die Episoden.

Was überdies noch vorhanden ist, ist zum einen das obligatorische Mediabook. Dies enthält Hintergrundinfos zu den Dreharbeiten der Episode und erklärt, warum manches so gemacht worden ist, wie es…nun ja…eben gemacht worden ist. Das kennen wir aus allen bisherigen “Doctor Who”-Veröffentlichungen und auch diesmal stehen die Hintergrundinfos dem in nichts nach.

Ausstattung von “Kriegsspiele” (Polyband)

Außerdem gibt es noch ein paar Postkarten (eine davon in 3D) sowie eine War Map. Dabei handelt es sich um die in dem Serial vorkommende Positionskarte der einzelnen Zonen, die hier quasi 1:1 als Ausdruck beiliegt. Dass diese nicht korrekt ist, da die Zonen im Serial teils anders beschrieben werden, liegt in dem Fall aber an den Episoden selbst, da dort einfach nicht darauf geachtet wurde. Ein Fall für das Nitpicking also!

So schön die Idee dieser Karte auch ist, so muss aber auch angemerkt werden, dass diese leider auch ein bisschen detailarm ist. In den Episoden wurden da teilweise mehr Markierungen der einzelnen Zonen gezeigt. Dennoch ist das eine nette Idee, allerdings mit noch etwas Luft nach oben.

Fazit

Dieses Mediabook kann sich durchaus sehen lassen. Nicht nur, dass die Episoden zu einigen der besten aller klassischen “Doctor Who”-Folgen zählen; auch die Ausstattung der deutschen Fassung hat es faustdick hinter den Ohren. Bis zu einem gewissen Grad rechtfertigt das natürlich auch den recht hohen Preis.

Bewertung

Episoden 5 out of 5 stars (5 / 5)

Ausstattung 4.5 out of 5 stars (4,5 / 5)

Episoden-Infos

Episodennummer 50 (Staffel 6, Episode 35-44)
Originaltitel The War Games 1-10
Deutscher Titel Kriegsspiele 1-10
Erstausstrahlung UK 19. April bis 21. Juni 1969 auf BBC
Erstausstrahlung Deutschland keine Ausstrahlung, DVD-VÖ: 28.Juni 2019
Drehbuch Terrance Dicks, Malcolm Hulke
Regie David Maloney
Laufzeit je 25 Minuten

 


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