Wir werfen einen Blick auf die neue Ausgabe der Jan Tenner-Hörspiele.

2019 ist ein gutes Jahr für Jan Tenner-Fans, denn die Hörspielreihe geht weiter. Bevor wir uns der Besprechung der neuesten Folge widmen, taucht der Rezensent zunächst in Erinnerungen ab und lässt die Classic-Reihe nochmal Revue passieren. Wer sich also nicht für Erinnerungen eines alten Kerls interessiert, der möge den ersten Absatz überspringen.

Jan Tenner – Von Klassik bis heute: Erinnerungen

Neben “Masters of the Universe” (die lizenztechnisch so schnell nicht weitergehen werden) war Jan Tenner eigentlich immer DAS Hörspiel meiner Jugend. Leider kann ich mich nicht ganz als Fan der ersten Stunde bezeichnen, denn das erste Hörspiel, “Angriff der grünen Spinnen”, erschien schon 1980.

Mein erstes Jan-Hörspiel war allerdings Folge 14 “Die Zeitfalle” von 1983, das ich damals mit zarten vier Jahren in Händen hielt. Klar, verstanden habe ich noch nicht alles (in der Hinsicht war Flitze Feuerzahn besser), aber es war faszinierend und wurde rauf und runter gehört (und erklärt vermutlich auch, warum ich bis heute ein Fan von Zeitreisen bin). Von Tanja und den Anfängen habe ich erst viele Jahre später etwas mitbekommen, doch dazu gleich mehr.

Jan Tenner Classic 17 (Kiddinx)

Die nächste Folge in meinem Portfolio war “Zweisteins Falle” (Folge 17) und ab da war es um mich geschehen und ich musste am Ball bleiben. Das tat ich auch und zwar ab da an durchgehend bis zu Folge 24 (“Befreiung der Erde”). Erschwerend kam hinzu, dass die Kassetten (wer nicht mehr weiß, was das ist: Es gibt Videos zu “Bandsalat” auf Youtube…) nicht leicht zu bekommen waren. Meine Eltern suchten und suchten, konnten aber keine neuen Folgen finden. Und auch ich erinnere mich noch, in der Ramschkiste des damaligen Attracta (gibt es heute nicht mehr) nur Folge 6 (“Geheimnis des Adlers”) gesehen zu haben. Leider durfte ich mir nur eine Kassette aussuchen und wollte unbedingt die neuesten Episoden haben – daher blieb Nummer 6 damals dort liegen.

Immerhin hatten einige Schulkameraden noch einige alte Kassetten und so kam ich bei ihnen ab und an in den Genuss, Folgen wie “Red-Rock in Flammen” hören zu können. Leider waren meine Kameraden damals nicht sehr ‘hörfest’; sprich, sie haben immer dazu gespielt und laut gemacht, sodass ich nur wenig von der Geschichte selber mitbekommen habe. Gespielt habe ich zwar auch, aber immer so, dass ich noch gut lauschen konnte. Aber das war an der Stelle eben Pech für mich. Aber ich wollte ja sowieso die neuen Folgen hören und nicht die alten Kamellen.

Und woran lag es, dass die Folgen nicht zu bekommen waren? Nun, ganz einfach: sie waren noch nicht produziert. In Zeiten, in denen es noch kein Internet gab, war es eben schwer zu wissen, dass 1985 eben Folge 25 (oder die späteren) noch nicht aufgenommen worden waren und erst später kommen würden. 1986 sollte mir dann nochmal eine Folge in die Hände fallen, nämlich Nummer 31 (“Die Steinzeitseuche”), die ich kaum abwarten konnte zu hören, weswegen meine Eltern gleich nach dem Kauf das Autoradio anlassen mussten und allein einkaufen gehen sollten, während ich der Folge lauschte.

Im Nachhinein war das keine so gute Idee, denn die Geräusche der mutierten Menschen versetzten mich damals so in Angst, dass ich mich hinter dem Autositz zusammenkauerte. Tja, das waren meine Erfahrungen mit Jan Tenner, denn mit besagter Folge 31 war dann Schluss. Zwar ging die Serie noch bis 1989 weiter, aber bei mir standen dann “Knight Rider”, “Airwolf” und “Street Hawk” vor der Tür, die natürlich allesamt interessanter waren. Oh, und natürlich das eigene Amateur-Hörspielprojekt, in dem ich mit Schulkameraden und zwei Radios (für Sound und Geräusche) bis Anfang der 90er noch eigene Kassetten aufnahm. Aber das ist eine Story für ein anderes Mal…

Mit dem Aufkommen des Internets und der Wiederauflage der Hörspiele auf CD anlässlich des Erscheines von Folge 46 (“Mimo, der Rächer”) und der kurz darauf folgenden Fortsetzung “Die neue Dimension” kam auch ich endlich in den Genuss aller Folgen und hörte nun, was ich damals so verpasst hatte. Anfangs merkte man noch, dass die Storys etwas holprig waren. Im Laufe der Zeit wurden sie aber besser und auch die frühen Geschichten hatten einige Klassiker zu bieten.

“Die neue Dimension” konnte da nicht ganz mithalten und zwar vor allem deshalb, weil die Sprecher ausgetauscht worden sind. “John Crichton als Jan”, war der erste Gedanke, der mir damals durch den Kopf ging (“Farscape” war damals im Fernsehen und Ben Browders Synchronstimme kam mir daher sehr bekannt vor). Die Reihe endete dann mit einem Quasi-Cliffhanger, der nie aufgelöst werden sollte.

Jan Tenner 1 Frontcover (Zauberstern)

Ein neuer Anfang: Die Rezension

Bereits 2017 erwähnte Lutz Riedel, die Stimme von Jan, dass er durchaus Lust hätte, wieder Jan Tenner zu sprechen. Dann müsse man aber eine neue Dynamik einführen, etwa Jans Sohn. Ein bisschen ironisch ist es ja schon, dass es nun – im Jahr 2019 – in der neuen Reihe unter anderem genau darum geht.

Auch sonst hat man sich nicht lumpen lassen. Denn die Tochter von Jan und Laura (respektive ihre Stimme) ist niemand anderes als Sarah Riedel, die Tochter von Lutz Riedel und Marianne Groß (für alle, die es noch nicht wissen: “Jan” und “Laura” sind auch im echten Leben zusammen). Damit ist quasi die ganze Familie in der Synchronsprecher-Branche tätig – oder anders ausgedrückt: die wissen, was sie tun. 🙂

Ansonsten schlägt sogar Wilfried Herbst als Mimo wieder auf! Klar, so jung wie damals klingt er nicht mehr (immerhin sind seit der ersten Ausgabe fast 40 Jahre vergangen!) und das ist auch ein kleines Manko an den neuen Folgen, denn als Computer müsste Mimo ja immer gleich klingen. Aber aus Nostalgiegründen drücken wir an der Stelle mal ein Auge zu.

Wo wir es allerdings nicht zudrücken, ist die Stimme von Jan Junior. Auch hier muss gesagt werden, dass der Sprecher (Florian Clyde, den man u.a. als neue Han Solo-Stimme kennt) einen guten Job abliefert. Aber für einen Studenten Anfang 20 klingt er leider etwas zu alt, was auch nicht wirklich verwundert, immerhin geht er im wahren Leben auch schon auf die 40 zu.

Das ist aber schon das einzige Manko, das man an den neuen Stimmen auszusetzen hat. Die neue Tanja und auch die Sprecher von Forbett und Futura machen ihre Sache gut. Wobei bei letzteren beiden ja leider nicht mehr die Originalsprecher verpflichtet werden konnten, da diese inzwischen verstorben sind. Doch dazu später mehr.

Das Cover

Beim Cover hat man sich ebenfalls nicht lumpen lassen und den Schriftzug im altbekannten Stil gemacht. Rechts oben ist dann der Planet mit der Nummer der Folge. Als Untertitel hat man diesmal “Der neue Superheld” gewählt, eben weil auch die Zählung wieder bei Eins beginnt. Auf der einen Seite ist das verständlich, denn so fängt man Neueinsteiger ab, die vermutlich keine Lust haben, sich 46 alte Ausgaben anzuhören. Zusammen mit der “Neuen Dimension” ist man dabei übrigens schon bei 57 Ausgaben. Und da nun sechs Hörspiele erschienen sind, hätte man sogar schon 63 erreicht.

Links sind Futura und Forbett zu sehen, die noch fast so wie früher aussehen, auch wenn der Zeichenstil leicht anders ist. Trotzdem ist auch das natürlich Nostalgie pur für Altfans. Rechts sind Jan und Laura zu sehen, aber nicht nur irgendwie, sondern wie sie heute Aussehen, eben 30 Jahre älter. Warum das so ist, dazu kommen wir gleich in der Story. Auch dieses Bild ist auf der einen Seite natürlich Nostalgie, zeigt auf der anderen aber schon gut, wo es in etwa hingehen wird.

In der Mitte sind, eingerahmt von den Laserstrahlen der Gegner, Jan Junior und Tanja zu sehen. Bei Jan Junior gab es ja keine Vorlage, die Ähnlichkeit zu seinem Vater ist aber gut gelungen und auch Tanja kann sich sehen lassen. Gleiches gilt für die gepanzerten Feinde, die für ein bisschen Action sorgen. Alles in allem versprüht das Cover also sowohl Nostalgie als auch einen modernen Charme und kann als gelungen durchgehen.

Die Story

Nach soviel Drumherum geht es jetzt allerdings ans Eingemachte und das ist die Story. Die beginnt noch in der Vergangenheit, was für Neueinsteiger vielleicht etwas verwirrend ist. Immerhin fliegen die Leute schon mit persönlichen Helikoptern herum. In der Jetztzeit (später in der Geschichte) gibt es sogar schon Gleiter und allen möglichen anderen Schnickschnack. Hier ist man auf der einen Seite den Entwicklungen der Vergangenheit treu geblieben, denn Jan und seine Freunde haben in der Vergangenheit eben viel Technologie aus ihren Weltraumreisen mitgebracht. Auf der anderen Seite wirkt es aber etwas befremdlich, wenn die Helden ihr Handy auspacken – sowas hatten sie ja genau genommen schon vor 30 Jahren. Aber sei es drum, über diese kleineren Schnitzer sollte man hinwegsehen.

Jan Tenner 1 Rückseite (Zauberstern)

Was man nicht hoch genug anrechnen kann, ist das Wiederauftauchen von Tanja. Die war ja nach drei Folgen in Jan Tenner-Classic ins Nirwana geschickt worden – oder, genauer gesagt, auf Eis gelegt worden. Hier wird sie wieder aufgetaut und ist essentieller Bestandteil der Geschichte. Eine 40 Jahre alte Storyline wieder aufgreifen! Allein die Idee verdient Pluspunkte und ist vor allem für Fans ein Fest.

Denn Tanjas Treffen auf Laura ist ein ebensolches Highlight. Laura war damals ja eigentlich rausgeschrieben worden, weil sie von vielen als nervig empfunden worden war. Und Laura spricht diesen Umstand an und meint sogar noch lapidar: “Stimmt ja gar nicht.” Tatsächlich vermag auch hier die Interaktion zu gefallen und Tanja erweist sich jetzt schon als (neue veränderte) würdige Heldin an der Seite des neuen Jan. Einziges Manko ist hier womöglich, dass man sie unbedingt nackt hat auftauchen lassen, aber auch das ist eher Meckern auf hohem Niveau.

Doch zurück zum Start der Geschichte: Nach einem Unfall sind Forbett, Tanja und Futura nämlich verschwunden und tauchen erst 30 Jahre später ohne Erinnerung wieder auf. Dieser Kniff ist ebenfalls als recht gelungen anzusehen, gelingt so der Sprung von damals in die Jetztzeit von Jan Tenner. Wenn man von der neuen Dimension ausgeht, wären die Geschichten sogar schon im Jahr 2030 angesiedelt, auch wenn ich natürlich weiß, dass es eigentlich als direkte Fortsetzung der Classic-Reihe gedacht ist. Dennoch möchte ich an der Stelle “Die neue Dimension” für den Jan Tenner-Kosmos nicht ignorieren. Vielleicht erfährt man ja noch den ein oder anderen Bezug dazu und die Auflösung der Story.

Was Forbett und Futura angeht, so hat man hier, wie bereits erwähnt, zwei neue Sprecher verpflichtet, die ihren Job ebenso recht gut machen. Allerdings muss ich gestehen, dass es in meinen Augen vielleicht besser gewesen wäre, die beiden zu töten. Quasi ein “Game of Thrones”-Moment für die neue Jan Tenner-Reihe, der möglicherweise wie eine Bombe eingeschlagen hätte. Dies liegt nicht an den neuen Sprechern, sondern einfach daran, dass die beiden jetzt quasi so alt wie Jan und Laura sind und es damit ein Vierer-Quartett an alten Mentoren gibt. Hinzu kommen die drei Helden (Jan Jr., Lara und Tanja), wobei Laras Rolle zumindest in Folge 1 noch recht klein ist. Hoffentlich wird diese noch ausgebaut.

Und natürlich muss man an der Stelle auch sagen, dass die Hörspiele immer noch für einen kleinen Hörerkreis gedacht sind. Und nein, damit ist nicht gemeint, dass nur zehn Leute sie kaufen sollen (da sollten im Gegenteil noch einige Nullen mehr dran gehangen werden), sondern dass die Zielgruppe “die Kleinen” sind. Auf der CD steht als Altersempfehlung eben “Ab 9 Jahren” – und da ist ein “GoT”-Moment vielleicht nicht so gelungen.

Aber nicht nur Tanja ist ein Geschenk an die Fans, auch viele andere kleine Sachen bereichern das Fanherz. So wird etwa ein Leone erwähnt, der in Westland lebt. Allein das Potential, das dahinter und hinter den ganzen anderen Errungenschaften steckt, wird hoffentlich in weiteren Folgen noch ausgelotet.

Natürlich dürfen auch Bösewichter nicht fehlen und so kommen die vom Cover bekannten schwarzen Truppen ins Spiel, die Tanja entführen wollen. Die ist, aufgrund des Experimentes vor 30 Jahren, nämlich ein mächtiger Telekinet, auch wenn sie nichts Genaues weiß. Und so darf es am Ende noch mal Action geben, wobei vor allem die Sticheleien zwischen Tanja und Jan Junior an frühere Zeiten erinnert und durchaus Laune machen.

Aufpassen sollte man an der Stelle aber, dass man es mit Tanjas Fähigkeiten nicht übertreibt oder sie als zu mächtig darstellt. Ansonsten vermag auch dieser Abschnitt, inklusive des alten Jans, der sich doch nicht so recht zurückhalten mag, durchaus zu gefallen.

Fazit

Die Reihe erhält mit “Ein neuer Anfang” eine gelungene neuzeitliche Adaption und Weiterführung. Der Einstieg mag für Neulinge an manchen Stellen etwas verwirrend sein, lässt aber vor allem Fanherzen höher schlagen. Zudem machen die Sprecher – neue wie alte – durch die Bank weg einen guten Job.
Folge ist ein gelungener neuer Auftakt. In dieser Hinsicht kann es gerne so weitergehen!

Bewertung

5 out of 5 stars (5 / 5)


3 Kommentare

Tobias hillmann · 9. Oktober 2019 um 17:15

Die neue Jan Tenner Serie ist miserabel. Die Story schlecht aufgebaut und total mit Info ,Tönen und Stimmen total überladen. Es sterben dauernd Menschen, liebe Eltern das ist keine Kinderserie, auch wenn da ab 9 Jahren steht!

noWins · 10. Oktober 2019 um 18:05

Sehr wohlwollender Aritkel. Die neue Serie hat zahlreiche Fehler: Schlechter Schnitt, Overacting, hölzerne Dialoge. Das keine Wünsche offen bleiben kann ich wirklich nicht teilen….

Mo · 12. Oktober 2019 um 14:34

Also ich kann die wohlwollenden Worte auch nicht nachvollziehen… die Hauptakteure feinden sich ununterbrochen an, und Jan sen. hat seinen „Spirit“ verloren, bzw. bringt sich nicht so in die Geschichte ein wie es sein sollte…, Jan Jr, ist wie bereits geschrieben dem Overacting verfallen… Futura und Forbet sind anstrengend… Also auch wenn ich diesem Release entgegenfieberte werde ich mir keine weiteren Folgen, ich habe bereits alle 6 gehört, aneignen… Schade, Potential war da…

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