In dieser Review zum zweiten neuen Jan Tenner-Hörspiel sehen wir uns an, wie lautlose der Tod wirklich kommt.

Achtung, Spoiler!

Diente die erste Folge noch dazu, die neuen Charaktere vorzustellen und die Welt zu etablieren, geht es nun ans Eingemachte. “Der lautlose Tod” ist quasi die erste echte unabhängige Story der neuen Reihe, erweist sich bei genauerer Betrachtung aber als Standardkost.

Das Cover

Neben dem üblichen Schriftzug prangt an dieser Stelle des Covers nun logischerweise die Nummer 2. Direkt darunter sieht man auch schon den Hauptgegner der Geschichte, die bösen Würmer, wobei man an dieser Stelle sicherlich darüber streiten kann, ob die grünen Wesen noch als “Würmer” durchgehen oder nicht. Sie wirken mit den langen Zähnen nämlich einen Tick weit wie Aliens und etwas böser, als sie in Wahrheit sind.

Dies ist unmittelbar darunter etwas besser gelöst. Hier liegt der alte Jan am Boden und die Würmer infizieren ihn, indem sie auf ihm entlang krabbeln. Dabei fällt auf, dass Jan hier nicht mehr ganz so alt aussieht, wie noch auf dem Cover von Teil 1. Unmittelbar davor stehen Jan Junior und Tanja, die entsetzt auf die Ereignisse starren. Das ist in Ordnung, auch wenn das Motiv sicher keinen Preis für Originalität gewinnt. Wollen wir hoffen, dass in zukünftigen Folgen auch andere Charaktere – wie etwa Lara – mehr in den Fokus gerückt werden.

Jan Tenner 2 Front (Zauberstern)

Als Darstellung der Ereignisse in dieser Folge trifft das Cover aber voll ins Schwarze und geht, auch zeichnungstechnisch, voll in Ordnung.

Die Story

Was bei der Besprechung zur ersten Folge nicht mehr untergebracht werden konnte, da es sonst einfach zuviel geworden wäre, sei daher an dieser Stelle noch einmal erwähnt: Die Skripte der neuen Folgen stammen, wie schon in der Vergangenheit, wieder von Kevin Hayes, der bereits bei Jan Tenner-Classic verantwortlich zeichnete. Der Erzähler der neuen Folgen ist Till Hagen, den man z.B. als deutsche Stimme von Kevin Spacey oder als Phil Coulson aus “Agents of S..H.I.E.L.D.” kennt. Auch Hagen macht seine Sache ordentlich und ist als markante Stimme auch kaum zu überhören.

Zudem wurde die altbekannte Titelmelodie – nur leicht abgewandelt – in die neuen Hörspiele übertragen. Und genau wie früher sorgt das bei den Fans der Reihe sofort für ein Gefühl des Nachhausekommens. An diesem Theme kann man sich eben nie satt hören. “Die neue Dimension” hatte damals ja eine andere Variante probiert und war damit gescheitert.

Doch nun zur eigentlichen Geschichte: Zwei Angestellte des “Orden des Futura” lösen, durch die Freisetzung neuer Würmer, fast einen Weltuntergang aus. Orden des Futura ist der Name, den Jan und Laura aus der Taufe gehoben haben, um Futura, den sie ja in Folge 1 für tot hielten, zu ehren. In Folge 1 wurde dies bereits erwähnt, hier hat der Orden aber seinen ersten prominenten Auftritt. Dabei muss man sich fragen, ob nicht ein anderer Name besser gewesen wäre, denn dieser klingt irgendwie wie eine Sekte und gefällt irgendwie so gar nicht. Wenn man es transkribiert, könnte man es mit “Orden der Zukunft” übersetzen, was den Sekten-Charakter nochmal verstärkt. Futura-Stiftung wäre vielleicht naheliegender gewesen. Aber gut, das ist persönliches Gusto und das empfindet sicher jeder auch irgendwie anders.

Zu Anfang wird auch noch erwähnt, dass sich die beiden Angestellten die Würmer heimlich besorgt haben. Im weiteren Verlauf wird zudem öfter gefragt, wie sie das konnten und ob die Sicherheit im Institut wirklich so lasch war. Aufgeklärt wird das allerdings bis zum Ende der Folge nicht mehr und dient eigentlich nur General Forbett als Aufhänger für seinen Angriff (doch dazu gleich mehr).

Besagte Würmer nisten sich also in den Menschen ein, töten sie anfangs und machen sie später wahnsinnig. Zumindest, bis sich herausstellt, dass sie gar nicht so böse sind, wie alle glauben. An der Stelle sei mal löblich erwähnt, dass es eben nicht um die nächste Alien-Invasion geht, sondern man hier wirklich eine friedliche Lösung anstrebt, ohne die neue Wurm-Intelligenz töten zu müssen. Selbst als Hörer hat man lange Zweifel, ob sie es wirklich so meinen oder ob sie nicht vielleicht doch böse sind – vor allem deshalb, weil auch Jan Senior in seiner Meinung schwankt. Hut ab, hier hat man den Hörer erfolgreich auf die ein oder andere falsche Fährte geführt.

An einigen Stellen hapert es dann allerdings auch hinsichtlich der Geschichte. Fans dürfte vor allem gefallen, dass alte Erfindungen, wie die unterschiedlichen Seren, wieder zum Einsatz kommen, die den Personen Fähigkeiten wie Fliegen oder Unsichtbarkeit erlauben. Das ist aus der alten Reihe bereits bekannt, gehört zum Sci-Fi-Szenario von Jan Tenner eben dazu und ist nicht schlimm, immerhin bewegt man sich im Tenner-Verse. Allerdings wirken Sachen wie Handys oder der neue Panzer (mit Schleudersitz!), der immer noch antiquiert daherrollt, in dieser Welt etwas fehl am Platze.

Jan Tenner 2 Rückseite (Zauberstern)

Zugegeben, das sind eher kleine Patzer, die den Gesamteindruck nur unwesentlich schmälern. Wer einfach nur der Geschichte lauschen will, dem wird das möglicherweise gar nicht auffallen, denn die Handlung funktioniert auch ohne den “Tech-Vorteil”. Viel schwerwiegender ist da schon die Geschichte um General Forbett. Der will nämlich das Institut gleich mal in die Luft jagen, einfach auf die Gefahr hin, dass hier keine Sicherheit bzw. Infizierte vorherrschen. So weit, so 80er. Dieses Verhalten mag aber trotzdem nicht so recht zu unserem guten General passen.

Zwar war er schon immer militaristisch eingestellt, aber so viele Leute zu töten? Hier wäre die (mögliche) Erklärung, dass er eben auch von den Würmern besessen ist und daher wahnsinnig wurde, sicher bedeutend einleuchtender gewesen. Vor allem: Nach dieser Aktion tritt sein Nachfolger, General Grimes, einfach so die Befehlsgewalt wieder an Forbett ab und selbst Futura nimmt den alten Freund in Schutz, denn jeder hätte so gehandelt….

Im Ernst? Eben nicht, denn Grimes zeigt ja, dass es auch anders geht. Sorry, aber an der Stelle funktioniert die Handlung einfach nicht.

Und auch die Stelle, an der Jan Senior infiziert wird, ist etwas fragwürdig. Mimo sagt noch, dass er die Verantwortung übernimmt und dass es ungefährlich sei. Und dann wird Jan doch infiziert?! Ok, er hat es bewusst in Kauf genommen, um mit den Ewana zu reden. Aber auch hier ist es eben etwas unpassend.

Solche Schnitzer gab es zwar früher auch schon, diese Stellen fallen aber hier etwas stärker ins Gewicht. Oder ist das nur so, weil die Fan-Brille von vor 40 Jahren nun etwas durchlässiger geworden ist? Der Kinder-Zielgruppe wird das vermutlich weniger auffallen.

Immerhin darf Lara wieder auftreten und vermag erneut zu gefallen. Auch Mimo erhält einen weiblichen Computer an die Seite gestellt, die Krankenschwester Andromeda (die irgendwie von jedem falsch ausgesprochen wird – oder empfinde nur ich das so?).

Die Interaktionen sind grundsätzlich recht witzig, allerdings – darauf wies ich auch schon in der Review zu Teil 1 hin – sollte man aufpassen, nicht zu viele Charaktere in den Topf zu werfen, da es sonst für die Helden immer weniger zu tun gibt. Vielleicht wäre auch eine Folge komplett ohne Jan und nur mit den drei Frauen ganz witzig. Mut zu Neuem, warum nicht?!

Fazit

Insgesamt hat auch diese Folge durchaus ihre Stärken, allen voran die erneut sehr gelungene Interaktion der Charaktere. Es gibt bei dieser Geschichte aber auch einige Schattenseiten, die mal mehr, mal weniger stark ins Gewicht fallen, sich dann aber doch in der Gesamtwertung niederschlagen. Bleibt zu hoffen, dass dies keine Tendenz nach unten bedeutet.

Bewertung

3.5 out of 5 stars (3,5 / 5)


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