Warum der Horror in dieser Folge ein ganz anderer ist als erwartet, das könnt ihr hier nachlesen.

Achtung Spoiler!

Inhalt

In tropischen Gewässern 1899: Ein fehlender Deckel auf einem Fass voller Salzfleisch löst an Bord der Vier-Mast-Bark „Glen Doon“ eine tödliche Kettenreaktion aus, deren Ausmaß die gesamte Besatzung auslöschen könnte.

Kritik

Tropischer Schrecken – Folge 154 Gruselkabinett

Diese Folge Gruselkabinett basiert auf der Geschichte „A Tropical Horror“ von William Hope Hodgson. Der Autor schrieb einige Kurzgeschichten, die mysteriöse Ereignisse auf hoher See zum Inhalt haben. Titania Medien adaptierte bereits in ihren Gruselkabinett-Folgen 53 („Die Herrenlose“) und 69 („Stimme in der Nacht“) zwei Kurzgeschichten des Autors.

Mit der Übersetzung „Tropischer Schrecken“ wird nun eine rund 24-seitige Geschichte in 45 Minuten Laufzeit transkribiert. Leider muss ich sagen, dass der einzige Schrecken, der mich in diesem Hörspiel erwartete, schreckliche Langeweile war. Liest sich die Originalgeschichte wie ein Tagebuch – oder Logbuch – beschränkt sich die Erzählperspektive der Hörfassung fast ausschließlich auf den Verbleib zweier Männer in einer Vorratskammer. Draußen, vor der Tür, befindet sich eine Seeschlange, die ich mir überhaupt nicht   richtig vorstellen konnte, und die in regelmäßigen Abständen Besatzungsmitglieder frisst. Doch selbst diese dramaturgisch hochwertigen Szenen werden derart trivial und emotionskalt berichtet, dass überhaupt kein Mitgefühl für die Toten aufkommen kann. Die beiden Kerle in der Kammer essen sich derweil satt und fallen dann ins entspannte Fresskoma, während draußen das Blut in Hektolitern fließt. Ab und an hört man dezent als Einspieler das Geschrei der sterbenden Kameraden, aber das stört unsere beiden Protagonisten nicht beim Genuss von Schiffszwieback und frischem Trinkwasser aus dem Fass. Auch die permanenten Widersprüche nerven irgendwann. „Lass die Tür zu, da liegt die Seeschlange“, lautet die Warnung. In der unmittelbar darauffolgenden Szene, macht genau jener Mensch selbst die Tür auf. Und wundert sich, dass – tada – die Seeschlange genau hinter der Tür liegt. Hä? Außerdem wird der Schrecken überhaupt nicht von den Stimmen transportiert. Als würde jemand aus einer Bedienungsanleitung vorlesen, schaltet man irgendwann auf „Durchzug“ und hofft, dass etwas Spannendes passieren möge. 

Überhaupt, was ist mit den Sounds geschehen? Die Folge wirkt auf mich einfach nur lieblos zusammengeschustert. Die Originalgeschichte hat so viel Potential. Wieso wurde das einfach verschenkt? Allein an Stimmen hat es doch nicht viel gebraucht. Die Story ist vom Handungsrahmen her begrenzt. Das Sherlock-Holmes Team Bierstedt und Tennstedt ist völlig vergeudet für die Nebenrollen. 

Hogdson arbeitete vornehmlich mit den Geräuschen in seiner Story, sie waren essentiell für den Spannungsbogen. In der Originalvorlage hört man die Schlange öfter mal schnüffeln. Da sie taub ist, orientiert sie sich mit ihren anderen Sinnen. Die Schiffsplanken knacken – das Vieh wiegt ja immerhin was. Die Kameraden auf dem Mast schreien. Und wenn dann plötzlich Ruhe ist, erzeugt das Hochspannung. Selbst auf den wenigen Seiten passiert doch ständig etwas. Gerade der Tagebuch-Stil ist das Spannungselement. Eigentlich eine Steilvorlage für die Vertonung. 

Es ist traurig, aber das beste an dieser Folge ist das Cover. Man sieht darauf die „Glen Doon“ in einer, vom immens großen Seeungeheuer, aufgepeitschten See. Das Cover drückt genau die Action aus, die ich mir in der Hörfassung gewünscht hätte. 

Fazit:

Leider keine gute Folge. Ich kann sie nicht weiter empfehlen. 

1 out of 5 stars (1 / 5)

Information: Ein Exemplar dieses Hörspiels wurde dem Autor von Titania Medien zum Zwecke der Rezension kostenlos überlassen.

Quick-Infos

Autor: William Hope Hodgson
VÖ: 29.11.2019
Originaltitel: A Tropical Horror
Jahr der Veröffentlichung (Original): 1905; Hörspieladaption von 2019
Laufzeit: 45 Minuten
Illustration: Ertugrul Edirne
Preis: 6,99 Euro
ISBN: 9-783785-780541
Label: Titania Medien

 


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