Es war gewiss keine gute Woche für die “Star Trek”-Familie: Nach Dorothy Catherine Fontana (2.12.), Robert Walker Jr. (5.12.) und Michael Lamper (8.12.) müssen wir leider auch Abschied nehmen von Odo-Darsteller René Auberjonois, der am vergangenen Sonntag im Alter von 79 Jahren einem Krebsleiden erlag.

 

René Auberjonois als Colonel West in “Star Trek VI: The Undiscovered Country” (Foto: Paramount Pictures).

René Auberjonois war dem “Star Trek”-Franchise seit 1991 verbunden gewesen. Er schlüpfte in den 1990er- und 2000er-Jahren gleich in mehrere “Star Trek”-Rollen und führte zudem in acht TV-Episoden Regie.

Seinen Erstkontakt mit dem “Star Trek”-Universum hatte er als Colonel West in “Star Trek VI: The Undiscovered Country” (“Star Trek VI: Das unentdeckte Land”, 1991). Colonel West war einer der Verschwörer auf Seiten der Sternenflotte und starb am Ende des Films. Die meisten von Auberjonois Szenen fielen allerdings der Schere zum Opfer, wurden jedoch einige Jahre später für eine Extended Version des Films (VHS und DVD)  in den Film reintegriert.

 

Sicherheitschef Odo in “Star Trek: Deep Space Nine”

1992 wurde Auberjonois schließlich für den zweiten “Star Trek”-Realfilm-Ableger “Deep Space Nine” gecastet. Er sollte die Rolle von “Constable” Odo übernehmen, einem Formwandler, der praktisch nichts über seine Herkunft weiß, und der als Sicherheitschef der titelgebenden Raumstation fungiert. Odo wurde als schwieriger Charakter mit einem besonders stark ausgeprägten Ordnungs- und Gerechtigkeitssinn beschrieben, was Auberjonois wiederum sehr reizvoll fand. Aufgrund von Odos formwandlerischen Fähigkeiten durfte Auberjonois Odo bei Gelegenheit auch mit anderen Facetten bzw. als andere Personen zeigen, etwa als Inkarnation von Curzon Dax in der Episode “Facets” (“Facetten”, 3×25) oder als Douglas Pabst, den opportunistischen Herausgeber eines Science-Fiction-Magazins der 1950er-Jahre in “Far Beyond The Stars” (“Jenseits der Sterne”, DS9 6×13) .

René Auberjonois als Odo in “Star Trek: Deep Space Nine” (Foto: CBS).

Auberjonois spielte Odo in insgesamt sieben Staffeln (1993-1999) und lieferte hierbei hervorragende Arbeit ab. Mit seiner tiefen, markanten Stimme (die in der deutschen Synchronisation leider kein Äquivalent findet) und seiner ausgeprägten Gestik gelang es Auberjonois, der Figur Odo auch ohne den Einsatz einer dezidierten Mimik (aufgrund der Latex-Gesichtsmaske) Leben einzuhauchen. In der Tat entwickelte sich Odo zu einem der interessantesten, da tiefgründigsten Charaktere der Serie – vielleicht sogar des gesamten “Star Trek”-Serienuniversums überhaupt. Odo durchlief in den sieben Serienjahren gleich mehrere persönliche Krisen, die geprägt waren von Einsamkeits- und Schuldgefühlen, Liebeskummer, Loyalitätskonflikten und einem Ordnungssinn, der nur allzu oft mit den von der Föderation und den Bajoranern auferlegten gesetzlichen Rahmenbedingungen in Konflikt geriet.

Es ist auch den Autoren zu verdanken, dass Odo auch dann nichts von seiner Faszination verlor, als das Geheimnis seiner Herkunft bereits zu Beginn der dritten Staffel (3×01/02 “The Search, Part 1 & 2″/”Die Suche, Teil 1 & 2”) vorzeitig aufgelöst wurde. Stattdessen schrieb man Auberjonois’ Figur einen persönlichen Konflikt in die Drehbücher, der vor allem in den letzten beiden Staffeln seine Kulmination fand: Odo musste sich zwischen der Loyalität zu seinen Freunden und seinem Verlangen, ein Teil der “Großen Verbindung” seines Volkes zu werden, entscheiden. Dieser Konflikt wurde nicht nur von den Autoren der Serie konsistent geschrieben, sondern insbesondere dank Auberjonois schauspielerischem Können auch absolut glaubwürdig umgesetzt. Auch Odos in der Finalepisode getroffene Entscheidung, seine Liebe zu Kira für die langersehnte Rückkehr zu seinem Volk zu opfern, war meiner Meinung nach auch der beste Abschluss für die Odo-Storyline. Mit Auberjonois’ Tod dürfte eine etwaige Rückkehr von Odo in “Star Trek: Picard” nun endgültig vom Tisch sein. Alles andere wäre unvorstellbar.

 

Ein Meister seines Fachs

Wahre Schauspielgrößen erkennt man daran, dass sie nicht nur für sich alleine glänzen wollen, sondern insbesondere daran, dass sie stattdessen auch ihre Schauspielpartner in ein positives Licht zu rücken versuchen. Denn letztendlich ist es die Harmonie eines Ensembles, welche die Szenerie beseelt, diese mit Leben und Leidenschaft erfüllt. René Auberjonois war eine solche Darstellergröße, ein Meister seines Fachs. Das bezeugen etliche seiner langjährigen Weggefährten.

Insbesondere im Duett mit Armin Shimerman (Quark), Andrew Robinson (Garak), Salome Jens (weiblicher Wechselbalg) und Nana Visitor (Kira Nerys) lief Auberjonois als Odo zur Höchstform auf. So zählte etwa die Hassliebe zwischen dem Sicherheitschef Odo und dem dubiosen Ferengi-Barbetreiber Quark zweifelsohne zu den Sternstunden von “Star Trek: Deep Space Nine”. Aber auch die unkonventionelle “Freundschaft” zwischen Odo und Garak hatte definitiv ihre Momente. In besonderem Maße prägte natürlich Odos Beziehung zu Kira Nerys auf der einen und zur weiblichen Formwandlerin (als Repräsentantin seines gesamten Volkes) auf der anderen Seite den von Auberjonois gespielten Charakter.

Quark (Armin Shimerman, links) und Odo (René Auberjonois, rechts) in “Star Trek: Deep Space Nine” (Foto: CBS).

Auberjonois enormes schauspielerisches Talent war für dessen Kollegen jedoch Segen und Fluch zugleich. Denn seine Kollegen wollten neben diesem Ausnahmekönner verständlicherweise nicht wie ein besserer Laienschauspieler aussehen. Seine langjährige “Star Trek”-Kollegin und Freundin Nana Visitor lobte Auberjonois’ Schauspieltalent in ihrem Abschiedsgruß folglich auch in den höchsten Tönen:

René came into my life the way he did for so many others; I loved his performance on “Benson” and looked for him in movies and TV ever after. As a young actor, I could see every inch of him was trained to tell stories: His body, face and voice moved with ease and authority. I wanted to be like that. […]

When we acted together, I always had the feeling that I was playing tennis with a better player than me and felt him stretch me. I wanted to bring even more than I felt I had to the scene, because I didn’t want to waste his time. […]

Even though his face was completely hidden by a latex mask on “Star Trek,” you could see his soul.


René kam auf eine Weise in mein Leben, wie bei so vielen anderen auch; Ich liebte seine Performance in “Benson” und suchte ihn danach auch in weiteren Filmen und im Fernsehen. Als junge Schauspielerin konnte ich sehen, dass jeder Zentimeter von ihm darauf trainiert war, Geschichten zu erzählen: Sein Körper, sein Gesicht und seine Stimme bewegten sich mit Leichtigkeit und Autorität. Ich wollte auch so sein. […]

Wenn wir gemeinsam spielten, hatte ich immer das Gefühl, mit einem besseren Spieler als mir Tennis zu spielen. Ich fühlte, wie er mich forderte. Ich wollte sogar noch mehr zeigen, als ich eigentlich für diese Szene für nötig hielt, weil ich seine Zeit nicht verschwenden wollte. […]

Obwohl sein Gesicht in “Star Trek” von einer Latexmaske völlig verborgen war, konnte man seine Seele sehen. – Nana Visitor, Variety

 

Ein besonderer Mensch

Doch auch abseits der Bühne galt René Auberjonois als besonderer Mensch und treuer Freund. Dazu noch einmal Nana Visitor:

Nana Visitor (Foto: 2019 What We Left Behind Productions, LLC).

And he was even more fascinating as a friend than I could have imagined. His stories about the work he had done and the people he had crossed paths with had lots of lessons in them and always came from a humble human perspective.


Und als Freund war er noch faszinierender, als ich es mir hätte vorstellen können. Seine Geschichten über die Arbeit, die er geleistet hatte, und die Menschen, mit denen er die Wege gekreuzt hatte, enthielten viele Lektionen und kamen immer aus einer bescheidenen menschlichen Perspektive. – Nana Visitor, Variety

 

Auch für Armin Shimerman, der Odos langjährigen “Widersacher” Quark spielte, stellt Auberjonois Tod einen herben Verlust dar.

Quelle: Twitter

Mit großem Kummer und Verlustgefühl teile ich mit Ihnen die Nachricht vom Tode des lieben Rene Auberjonois. Seine letzte Nachricht an mich lautete: “Vergiss nicht …” Ich weiß, dass ich, Kitty, und alle, die ihn kannten, ihn niemals vergessen werden. Die Welt scheint jetzt merklich leerer. Ich habe ihn geliebt. – Armin Shimerman via Twitter

 

Captain Kirk-Darsteller William Shatner würdigte Auberjonois ebenfalls mit einem Twitter-Posting. Beide hatten in den 2000er-Jahren für die Anwalt-Serie “Boston Legal” gemeinsam vor der Kamera gestanden.

Quelle: Twitter

Ich habe gerade vom Tod meines Freundes und Schauspielkollegen Rene Auberjonois gehört. Sein Leben in einem Tweet zusammenzufassen, ist fast unmöglich. Judith, Tessa & Remy schicke ich meine Liebe und meine Kraft. Ich werde sie in meinen Gedanken behalten und mich an eine wunderbare Freundschaft mit René erinnern. – William Shatner via Twitter

 

René Auberjonois war ein häufiger und gern gesehener Gast auf “Star Trek”-Conventions, der sich seinen Fans stets sehr nahbar zeigte.

 

Mehr als nur “Star Trek”

Bei insgesamt acht Episoden von “Star Trek: Deep Space Nine” führte René Auberjonois Regie und trat zudem als Gastcharakter Ezral in der “Enterprise”-Episode “Oasis” (“Das Geisterschiff”, ENT 1×20) auf. Des Weiteren sprach er Odo in diversen “Star Trek”-Videospielen.

Doch auch abseits von “Star Trek” hatte sich René Auberjonois eine enorm erfolgreiche Schauspielkarriere aufgebaut.

René Auberjonois in “Star Trek: Enterprise” (Foto: CBS).

René Murat Auberjonois wurde er am 1. Juni 1940 in New York City geboren. Sein Vater, Fernand Auberjonois, war Journalist und emigrierte gemeinsam mit seiner Frau Mutter Laure Murat, einer Nachfahrin von Napoleon Bonapartes Schwester Caroline, von der Schweiz in die USA. Sein Großvater war der schweizerische Maler René Victor Auberjonois gewesen, nach dem Fernand Auberjonois seinen Sohn benannte. Zwischenzeitlich lebte René Auberjonois mit seiner Familie in Paris und London, wo er auch seinen Schulabschluss absolvierte. Nach seinem Abschluss an der Carnegie-Mellon-Universität in Pittsburgh (Pennsylvania, USA) trat er in Theaterstücken auf und spielte am American Conservatory Theatre, am Mark Taper Forum und an der Brooklyn Academy of Music. Seine erste Rolle am Broadway war die des Narr in “King Lear”. Ein Jahr später erhielt er einen Tony Award für seine Arbeit zusammen mit der legendären Katharine Hepburn in “Coco”. Auberjonois erhielt auch Tony Award-Nominierungen für “Big River”, “City of Angels” und “Sly Fox”, alles Broadway-Stücke. Zudem trat er in Dutzenden anderer Produktionen auf, u.a. in Los Angeles und Washington D.C.

Zu seinen bekanntesten Serienrollen zählen neben der Rolle des Odo in “Star Trek: Deep Space Nine” auch die Rollen des Paul Lewiston in “Boston Legal” (2004-2008) sowie die des Clayton Runnymede Endicott III in “Benson” (1979-1986). Daneben war Auberjonois in zahlreichen anderen Film- und Fernsehproduktionen zu sehen, darunter “Police Academy 5” (1988), “Mord ist ihr Hobby” (1987/88), “Der Patriot” (2000), “Stargate: Kommando SG1” (2000) oder auch “Navy CIS” (2012). Seinen letzten Auftritt vor der Kamera hatte René Auberjonois in dem Filmdrama “First Cow” (2019) (Quellen: startrek.com, Memory Alpha).

René Auberjonois hinterlässt seine Frau Judith, mit der er 56 Jahre lang verheiratet war, sowie seine beiden Kinder Tessa und Remy.

Die TrekZone Network-Redaktion spricht der Familie von René Auberjonois ihr Beileid aus und wünscht ihr in diesen schweren Zeiten viel Kraft. Das Star Trek-Fandom wird René Auberjonois stets in bester Erinnerung behalten.

 


 

Auch Robert Walker Jr. und Michael Lamper verstorben

Unser Mitgefühl gilt darüber hinaus auch den Angehörigen von Robert Walker Jr. (Charlie Evans in “Charlie X”/”Der Fall Charlie”, TOS 1×02), der am vergangenen Mittwoch, den 5. Dezember 2019, 79-jährig verstorben ist.

Robert Walker Jr. (links) und Michael Lamper (rechts) in “Star Trek” und “Star Trek: TNG” (Fotos: CBS).

Mit großer Bestürzung hat die TZN-Redaktion zudem die Nachricht vom Tode Michael Lampers aufgenommen, der bereits am vergangenen Samstag, den 7. Dezember 2019, im Alter von nur 61 Jahren starb. Der Ehemann von “Star Trek”-Legende Marina Sirtis (Deanna Troi in “Star Trek: The Next Generation”) war eigentlich Musiker, hatte jedoch in der “The Next Generation”-Episode “The Vengeance Factor” (“Yuta, die Letzte ihres Clans”, TNG 3×09) einen Gastauftritt in der Nebenrolle eines acamarianischen Sammlers. Lamper und Sirtis waren seit 1992 verheiratet gewesen.

Wir wünschen Marina Sirtis, die via Social Media angekündigt hat, sich ob dieses schweren Verlustes erst einmal eine Auszeit nehmen zu wollen, viel Kraft. 

 


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