Sir Patrick Stewart hat dem Magazin Vulture ein ausführliches Interview gegeben. Darin erläutert Stewart, was ihn dazu bewogen hat, erneut in die Rollen von Jean-Luc Picard und Ebenezer Scrooge zu schlüpfen. Zudem bekundet die “Star Trek”-Legende sein Interesse an einer zweiten Staffel von “Star Trek: Picard”.

 

Bühnenstück in New York

Anlass des Interviews war Stewarts neues Theaterprojekt, das er derzeit in New York City aufführt. Am gestrigen Mittwoch, den 11. Dezember, sowie am morgigen Freitag, den 13. Dezember 2019, spielte beziehungsweise wird der Brite im eher kleinen Theater 511 sein Solo-Bühnenstück “A Christmas Carol“ (“Charles Dickens‘ Weihnachtsgeschichte” oder “Eine Weihnachtsgeschichte”) von Charles Dickens spielen. In der rund zweistündigen One-Man-Aufführung schlüpft Stewart nicht nur in die Rolle von Scrooge, sondern auch ihn die von Fezziwig, Tiny Tim, den drei Geistern sowie jeder weiteren Figur, die in dieser Geschichte von Relevanz ist.

Patrick Stewart auf der Berlinale 2017 (CC-BY-SA 4.0 Maximilian Bühn)

Patrick Stewart auf der Berlinale 2017 (CC-BY-SA 4.0 Maximilian Bühn)

Stewart hat die Dickens-Adaption 1988 selbst geschrieben und zwar während der Produktion der zweiten Staffel von “Star Trek: The Next Generation”. In den Jahren 1991, 1992, 1994 und 2001 führte er das Stück in New York auf. Des Weiteren spielte Stewart die Rolle des Scrooge auch in dem TV-Film  “A Christmas Carol“ ( “A Christmas Carol – Die Nacht vor Weihnachten” bzw. “A Christmas Carol – Die drei Weihnachtsgeister“) von 1999 unter der Regie von David Hugh Jones.

Der Erlös beider Aufführungen kommt dem City Harvest und der Ars Nova zugute.

 

Eine neue, dunklere Interpretation

Stewart erzählt in dem Interview, dass er seither jeden Herbst Anfragen von Theaterproduzenten aus verschiedenen Ländern erhalten habe, die ihr Interesse an einer neuerlichen Bühnenaufführung von “A Christmas Carol” bekundet hätten.

“Ausnahmslos jeden Herbst wurde ich von irgendwoher – aus Australien, aus Fernost, aus Kanada, aus Großbritannien – angesprochen, um für eine Aufführung von ‘A Christmas Carol’ zurückzukehren. Zum Glück war ich immer viel beschäftigt. Ich hatte einfach keine Gelegenheit, es noch einmal aufzuführen. Aber als ich von der Ars Nova und von Jenny Steingart angesprochen wurde, schaute ich mir das Theater an und war fasziniert davon, weil ich ‘A Christmas Carol’ noch nie in einem solch kleinen Theater aufgeführt hatte. Das letzte Mal, dass ich ‘A Christmas Carol’ aufgeführt habe, war vor 16 Jahren und es war in einem Theater mit 1.600 Plätzen. “

Stewart hatte zunächst Bedenken, dass er der körperlichen Belastung, die mit einem zweitsündigen Soloprogramm verbunden ist, mit seinen fast 80 Jahren nicht mehr gewachsen sein könnte. Deshalb habe er auch nur für zwei Aufführungen zugesagt, inklusive eines Ruhetages zwecks Regeneration seiner Stimme. Überraschenderweise habe er die Proben aber sehr gut verkraftet, so Stewart erleichtert:

“Wie dem auch sei, wir hatten unsere Generalprobe [am Montag] und ich habe alles überstanden und war nur ein bisschen müde, nichts weiter.”

Die jüngste Version von Stewarts Dickens-Adaption soll indes persönlicher und düsterer werden als die Stücke aus den 90er-Jahren.

Patrick Stewart als Ebenezer Scrooge in “A Christmas Carol” (Foto: Hallmark Entertainment Productions & TNT, 1999).

“Der kleinere Theaterraum bedeutet, dass ich interaktiver sein kann als in einem Theater mit 1.600 Plätzen. Hier kann ich so sprechen, wie ich gerade mit Ihnen spreche (das Interview wurde am Telefon geführt, Anm. d. Red), sodass das von mir Gesagte jedem viel bewusster wird. Daher kann ich eine andere Art von Geschichte erzählen. […]

Ich glaube, dass die Welt, in der ich mich jetzt befinde, noch nie so unruhig und dunkel war. Ich bin ein Kriegskind. Ich wurde 1940 geboren, daher habe ich einige Erfahrungen mit Kriegsgeräuschen. […] Aber die Zeiten, die wir jetzt durchleben, sind außergewöhnlich und alarmierend. Ich hatte das Gefühl, dass es hier die Gelegenheit gab, in beiden Aufführungen etwas ganz anderes darüber zu sagen.“

 

“Star Trek: Picard” kein “TNG – Teil 2”

Wie Stewart bereits schon öfter betont hat, sei eine Rückkehr als Jean-Luc Picard für ihn eigentlich schon seit vielen Jahren kein Thema mehr gewesen.

“Um ehrlich zu sein, ich wollte nicht. Ich hatte vor langer Zeit entschieden, dass meine Zeit mit Jean-Luc und ‘Star Trek’ vorbei war. Ich hatte dem Charakter in der Serie alles gegeben, was ich konnte. Aber als das vor ungefähr zwei Jahren so kam, stimmte ich mit meinem Agenten überein, dass wir an dem Treffen mit [den Produzenten] Alex Kurtzman und Akiva Goldsman teilnehmen wollen. Weil deren Anfrage bei mir so höflich und enthusiastisch gewesen war, wollte ich ihnen von Angesicht zu Angesicht erklären, warum ich ablehnen werde. Und das tat ich auch.”

Bei dem besagten Treffen hätten die Produzenten dann auch geduldig Stewarts gut halbstündigem Monolog gelauscht. Und sie hätten auch die von ihm angeführten Beweggründe nachvollziehen können, so Stewarts Eindruck. Sie hätten sich dadurch aber nicht entmutigen lassen und ihm anschließend trotzdem noch ihre Vision von “Star Trek: Picard” vorgestellt – und das auch recht detailliert. Dies habe Stewart wiederum zum ersten Mal ins Grübeln gebracht, sodass er Kurtzman und Goldsman darum bat, ihre mündlich geäußerten Ideen in einer Art Treatment zu verschriftlichen, damit er dieses noch einmal sorgfältig lesen und bewerten könne. Nach zwei Tagen hätte er dann eine Kopie von 30 Seiten erhalten, die er daraufhin sehr sorgfältig studiert habe. In dem Treatment habe sich auch Stewarts Bedingung widergespiegelt, dass man Picard auf eine Weise zurückbringen müsse, die idealerweise dem letzten “X-Men”-Film “Logan” ähnelt.

 

Foto: CBS

 

Im Rahmen eines weiteren Treffens hätten Kurtzman und Goldsman dann voller Enthusiasmus erklärt, dass sie große Lust darauf hätten, eine Welt zu erschaffen, die sich in vielerlei Hinsicht von jener unterscheidet, die man aus “Star Trek: The Next Generation” kennt. Dies habe für Stewart schließlich den Ausschlag gegeben:

“Ich traf mich erneut mit ihnen und wir redeten und redeten und ich erzählte ihnen von meiner Verunsicherung und meinen Zweifeln. Doch nach und nach stellte ich fest, dass diese alle angesprochen worden waren und zwar auf eine so interessante Weise, dass ich neugierig wurde. Es sollte nicht ‘Star Trek: The Next Generation – Teil 2’ werden und deshalb habe ich Ja gesagt.“

 

Stewart hofft auf eine zweite Staffel

Gegen Ende des Interviews tätigt Stewart noch eine Aussage, die aufhorchen lässt – und alle Spekulationen, Jean-Luc Picard könnte am Ende der ersten Staffel von “Star Trek: Picard” den Heldentod sterben, ins Reich der Fabeln verweist.

“Ich hoffe, auch wenn es bis jetzt noch niemand bestätigt hat, dass ich nächstes Jahr zu ‘Star Trek: Picard’ zurückkehren kann, damit wir gute Geschichten erzählen und gute Unterhaltung bieten können. Und damit wir über die Welt sprechen können, in der wir derzeit leben.“

 

Alex Kurtzman (links), Sir Patrick Stewart (Mitte) und Isa Briones auf der San Diego Comic Con 2019 (Foto: Francis Specker/CBS ©2019 CBS Interactive).

 

Seit Kurzem steht allerdings fest, dass “Star Trek: Picard”, sollte die Serie in eine zweite Staffel gehen, einen neuen Showrunner benötigen wird. Denn Michael Chabon, der bisherige Showrunner, hat die Tage einen Vertrag mit CBS für eine andere, auf mehrere Jahre angelegte Fernsehproduktion mit dem Titel “The Amazing Adventures of Kavalier and Clay” unterschrieben. Demnach wird er seinen Chefsessel bei “Star Trek: Picard” räumen, wenngleich es heißt, dass Chabon der Serie trotzdem in der Funktion eines Co-Executive Producers erhalten bleiben soll.

Wer Chabons Nachfolger als Showrunner werden wird, steht derzeit noch nicht fest.

 

Quellen:


1 Kommentar

David Berg · 17. Dezember 2019 um 23:25

Nach allem was ich bisher über die neue Picard-Serie in Erfahrung gebracht habe, bin ich mir nicht sicher, ob ich mir überhaupt eine erste Staffel wünsche. Die gleichen Alex-Kurzmann-Pflaumen, die schon bei “Dicovery” ihr Unwesen getrieben haben, sind nämlich auch bei Picard dabei.

Ich gehöre nicht zu der Sorte Fans, die alles fressen, bloß weil “Star Trek” draufgepappt wurde.

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