Wir sehen uns an, was im Roman zum Brettspiel steckt.

 

Inhalt (Klappentext):

Der Mond ist auf die Erde gestürzt. In seinem Inneren schläft der weiße Drache Tsukuyumi und sinnt auf Rache, aber die Wesen der Erde weichen nicht und so entbrennt ein Kampf zwischen den Überlebenden und den Schergen des Drachen – den Oni. Die Anwesenheit von Tsukuyumi auf der Erde veränderte alles. Sein Blut, das aus der geschlagenen Wunde sickert, verwandelt alle Wesen, die damit in Kontakt kommen. Die Schwachen wurden davon in seinen Bann gezogen und verwandelten sich in blinde Oni. Und die Starken entwickelten sich zu etwas Neuem weiter.

In diesem Roman treffen von K.I.s erschaffene Cyber-Samurai auf kulturtreibende Wildschweine und uralte Ritterorden, die ihr Leben dem Kampf gegen Drachen gewidmet haben. Wanderende Landwale sind längst kein außergewöhnlicher Anblick mehr für die Soldaten des ehemaligen Flugzeugträgers USS Nomad, der im ausgetrockneten Pazifik liegt. In dieser Welt finden vier unterschiedliche Figuren zueinander und müssen sich gegen die totbringenden Oni des weißen Drachen wehren und seinen finsteren Plan verhindern.

 

Tsukuyumi 1 - Jadeträne (CrossCult)

Tsukuyumi 1 – Jadeträne

Kritik

“Tsukuyumi – Full Moon down” ist eigentlich ein Brettspiel und zu diesem ist nun der erste Roman erschienen. Das Vorgehen ist nicht unbedingt neu (Hallo, “Legenden von Andor”), im vorliegenden Fall dürfte das Brettspiel aber weniger bekannt sein, startete es doch ursprünglich als Kickstarter-Kampagne. Auch der Rezensent muss an dieser Stelle eingestehen, dass er das Spiel (bislang) nicht kannte. Auch das Buch ist quasi aus einer Kickstarter-Kampagne entstanden, wobei CrossCult hier als Vertriebspartner auftritt.

Für den Genuss dieses Buches ist das aber auch nicht zwingend Voraussetzung. Die Hintergründe werden anfangs gut beschrieben und auch sonst wird viel Wert darauf gelegt, die einzelnen Fraktionen vorzustellen. Das ist jetzt nicht so detailliert wie im dem Brettspiel beiliegenden Codex, aber immerhin werden dem Leser so gleich von Beginn an die Charaktere näher gebracht. Diese sind vier an der Zahl, um die es in diesem Band geht: Mensch, Boarloard, Cyber-Samurai und Ritterorden. Dies mildert ab, dass man einfach so in die Welt des Spieles geworfen wird. Und die Eigenheiten der jeweiligen Fraktionen werden gut vorgestellt.

Aber worum geht es überhaupt? Im Mond lebt in Wahrheit ein Drachen und in der Zukunft kommt es, wie es kommen muss: Der Trabant stürzt auf die Erde und löscht fast die ganze Menschheit aus. Durch die Ausdünstungen des Drachen kommt es dann auf der Erde auch noch zu diversen Mutationen. Das ist jetzt etwas grob, aber der Rest steht ja auch im Klappentext.

Festhalten muss man an der Stelle, dass das Buch als Charakterstudie daherkommt. So werden Jackson und Mondohr sowie Hagen und Mitsuko zusammengeworfen und müssen gemeinsam als Team ihre Abenteuer bestreiten. Die vier treffen sich dabei im ersten Band noch nicht, dies hebt man sich wohl für die Nachfolger auf. Hier müssen die beiden erstmal eine gewisse Dynamik im Duett finden, was auch, wie schon erwähnt, sogar ganz gut funktioniert. Nach und nach versteht man die Charaktere damit auch besser.

Allerdings folgt auf diese Einführung auch noch ein großes Aber. Denn im weiteren Verlauf des Romans stellt sich immer mehr die Frage, in welche Richtung die Geschichte eigentlich gehen soll. Klar, letztlich ist das Ziel, den Drachen zu töten. Aber was ist mit der titelgebenden Jadeträne? Die gibt es zu Beginn mal kurz und ist zwar hin und wieder auch präsent. Wohin die Richtung gehen soll, wird aber nie so ganz klar. Auch Jackson und Mondohr wollen zwar überleben und helfen bei ihrer Reise zur Enklave auch dem ein oder anderen Menschen. Wohin sich diese Geschichte entwickelt, ist aber an dieser Stelle auch noch nicht abzusehen.

Dies fördert etwas den Eindruck einer etwas planlosen Geschichte, was dem Buch leider nicht gut tut. Hinzu kommt eine Erzählung auf mehreren Zeitebenen. Das ist jetzt auch nicht per se schlecht, sorgt aber, vor allem am Anfang, auch noch für die ein oder andere Verwirrung. Zu guter Letzt muss auch noch eine Sache erwähnt werden, die man sonst eigentlich nicht erwähnt: die kleine Schrift. Es mag am fortgeschrittenen Alter des Rezensenten liegen, aber es ist anstrengender mit dieser kleinen Schrift das Buch zu lesen, als es mit einer etwas größeren Schriftart wäre. Okay, es ist noch nicht so extrem wie in anderen Büchern (Hallo, “Outlander Band 1”), ein zwei Größen mehr wären aber auch nicht verkehrt gewesen. Aber das ist sicher auch ein Stück weit subjektiv.

 

Fazit

Das Buch an sich ist also durchaus solide, im Laufe der Geschichte stellt sich aber etwas Langeweile ein, da man nicht genau nachvollziehen kann, wohin die Heldenreise eigentlich gehen soll. Hier bessern die Folgebände hoffentlich noch nach. Die Einführung in die Welt des Brettspiels ist aber in Ordnung und auch mit den Charakteren kann man warm werden. Fans, die die Brettspielvorlage kennen, können vielleicht noch einen halben Stern draufschlagen.

3 out of 5 stars (3 / 5)

 

Ergänzung

Immerhin hat es der Roman geschafft, dass sich der Rezensent demnächst auch mal das Brettspiel zulegen wird (und vielleicht eine Rezension schreiben wird, wer weiß 😉 ). Das ist doch auch schon mal was.

Information: Ein Exemplar dieser Ausgabe wurde dem Autor vom Verlag zum Zwecke der Rezension kostenlos überlassen.

 

Quick-Infos

Autor: Anja Bagus
Jahr der Veröffentlichung (Original): 2019
Seitenanzahl: 275
Preis: 12 Euro
ISBN: 978-3-96658-050-2
Verlag: Cross Cult

 

Kategorien: Fantasy-BücherLiteratur

Avatar

Thomas Götz

Seitdem er 1985 zum Ersten Mal Episode IV sah und ausrief "Aber das heisst doch, Vader ist Lukes Vater" ist Tom der Science Fiction verfallen. Star Trek Fan wurde er, wie viele seiner Kollegen, 1990 mit "The Next Generation" in Deutschland. Seine ersten Buchrezensionen zu Star Trek Büchern erschienen schon 1995 im Alter von 16 Jahren im Star Trek Fanclub. Seit 2006 schreibt er auch Online Rezensionen (ab 2009 Trekzone-Exklusiv) und hat kürzlich seine 2000.Rezension veröffentlicht.

0 Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.