In diesen Tagen bricht – zumindest dem Sprachgebrauch nach – ein neues Jahrzehnt an, das dritte in diesem Jahrhundert. Angesichts der großen Herausforderungen unserer Zeit blicken nicht wenige Menschen mit großer Sorge auf die kommenden 2020er-Jahre. Historische Vergleiche mit den Zwanzigern des vorherigen Jahrhunderts haben in diesen Tagen folglich Hochkonjunktur. Doch in welcher Weise “prophezeit” eigentlich “Star Trek” die kommende Dekade? Unsere dreiteilige Artikelserie gibt eine Antwort auf diese Frage. Teil 2 beschäftigt sich mit dem sogenannten “Interface” und der Mode der 2020er-Jahre, gesehen in der “Deep Space Nine”-Episode “Gefangen in der Vergangenheit, Teil 1 & 2“/“Past Tense, Part 1 & 2“.

 

Die Digitalisierung der 2020er-Jahre in “Star Trek”

Als die Episode “Gefangen in der Vergangenheit, Teil 1 & 2” gedreht wurde, schrieben wir das Jahr 1994. Das Internet, so wie wir es heute kennen (Web 2.0 bzw. 3.0), steckte noch in den Kinderschuhen. Für die Macher von “Deep Space Nine” war die Entwicklung, die das Internet in den kommenden Jahrzehnten nehmen wird, aber scheinbar eindeutig. Jedenfalls sind die Parallelen zwischen dem realen Internet und dem fiktiven “Interface” in “Deep Space Nine” verblüffend. Hierfür sind exemplarisch die gezeigte Online-Bürokratie (Jadzia Dax beantragt einen neuen Reisepass) oder auch das Broadcasting im Netz (Übertragung von Webb) zu nennen. Etwas überschätzt haben die Autoren der Episode, Ira Steven Behr und Robert Hewitt Wolfe, hingegen die Fähigkeit der Behörden, sämtliche Übertragungen im Netz zu kontrollieren.

 

Das “Interface” wird im Jahr 2024 auch zwecks Online-Bürokratie genutzt (Bild: DS9 3×11, CBS).

 

Ein stationäres Interface-Terminal (Bild: DS9 3×11, CBS).

Dass sich das öffentliche Leben in den 2020er-Jahren in weiten Teilen im digitalen Raum abspielen wird, haben die Autoren von “Gefangen in der Vergangenheit, Teil 1 & 2” völlig richtig vorausgesagt. Allerdings fällt beim Betrachten der Episode auf, dass im Jahr 2024 abgesehen von den stationären Interface-Terminals keine weiteren, auch tragbaren digitalen Endgeräte zum Einsatz kommen. Von Smartphones oder auch Tablets ist in dieser Episode weit und breit nichts zu sehen.

 

Ein PADD von 2371 (Bild: DS9 3×12, CBS).

Das ist etwas verwunderlich, denn bereits 1987 wurde mit “Star Trek: The Next Generation” das sogenannte PADD (Personal Access Display Device) eingeführt, das dem heutigen Tablet oder auch iPad sehr stark ähnelt. Scheinbar haben die Autoren beziehungsweise Property Master seinerzeit nicht damit gerechnet, dass eine solche Technologie bereits in naher Zukunft realisierbar sein könnte.

 

 

Dass die amerikanischen Sicherheits- und Polizeikräfte im Jahr 2024 noch keine Strahlenwaffen zur Verfügung haben werden, haben Ira Steven Behr und Robert Hewitt Wolfe wiederum völlig richtig eingeschätzt.

Projektilwaffen sind im Jahr 2024 immer noch Standard (Bild: DS9 3×12, CBS).

 

Die Mode der 2020er-Jahre in “Star Trek”

Ein Blick auf die Mode des Jahres 2024 lässt einige Trends erkennen:

Erstens sind die Kleidungsstücke in dieser Zeit nicht unbedingt sehr bunt. Vielmehr dominieren dunklere Farbtöne, vor allem die Farben Schwarz, Grau, Braun und Beige. Eine mögliche Erklärung für diese dezente Farbgebung ist womöglich die Entstehungszeit der betreffenden Episode. In den frühen 1990er-Jahren waren die Kleidungsstücke oftmals sehr bunt und die Farbzusammenstellung aus heutiger Sicht eher gewöhnungsbedürftig. Vielleicht wollten die Kostümdesigner von “Deep Space Nine” damals einen möglichst starken Kontrast zur zeitgenössischen Mode herstellen und haben deshalb bei der Farbgebung der entsprechenden Kostüme primär auf dunklere Farben gesetzt. Ich bin ganz sicher kein Mode-Experte, aber ich wage zu bezweifeln, dass die realen 2020er-Jahre mit einer Mode daherkommen werden, die bunte oder auch knallige Farben nahezu komplett vermissen lässt.

 

Die Mode der 2020er-Jahre ist nicht besonders farbenfroh und auch die traditionelle Krawatte hat ausgedient (Foto: DS9 3×11, CBS).

 

Zweitens weichen die Schnitte der getragenen Anzüge teilweise von der heutigen Mode ab. Die herkömmliche Herren-Krawatte scheint in den 2020er-Jahren des Star Trek-Universums scheinbar ausgedient zu haben. Stattdessen tragen Männer und Frauen eine Art “Krawatte 2.0”, die mehr an einen Querbinder oder auch an eine Schleife erinnert.

Einen solchen Trend habe ich in der Realität bisher noch nicht feststellen können. Vielmehr hat sich die traditionelle Krawatte seit Jahrhunderten als sehr beständiges Accessoire erwiesen. Admiral Forrest trägt in “Enterprise” (2250er-Jahre) übrigens immer noch eine traditionelle Krawatte und nicht das neumodische Modell aus den 2020er-Jahren der besagten “DS9”-Episode.

Drittens scheint sich auch in Sachen Hairstyling in den frühen 2020er-Jahren keine modische Revolution zu ereignen. Erfreulicherweise ist bei den Herren der Undercut der 2010er-Jahre wieder aus der Mode gekommen. Der neue Trend geht bei den Männern stattdessen wieder zur Föhnfrisur. Bei den Frauen ist kein besonderer Trend festzustellen, wobei die Frisur von Jadzia Dax auch nicht gerade alltäglich wirkt. Scheinbar hatte Dax bei all dem Trouble sogar noch Zeit für einen Friseurbesuch.

 

2024: Die Rückkehr der Föhnfrisur (Bild: DS9 3×11, CBS).

 

Coole Fashion oder Modesünde? Was meint ihr?

 

 


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