Mit über 700 Folgen ist “Star Trek” mittlerweile unter den umfangreichsten Franchises der Welt. Doch wo fängt man eigentlich mit dem Gucken an? Für einige Fans sicher eine leichte Frage, doch ist es wirklich so leicht? Das sehen wir uns genauer an.

 

Durch meine kleine Tochter bin ich neulich auf die Idee gekommen, ihr “Star Trek” zu zeigen. Gut, ein paar Jahre hat sie noch, aber es stellte sich heraus, das die Frage, WIE sie “Star Trek” anschauen sollte, gar nicht so leicht zu beantworten ist.

Wobei das WIE an dieser Stelle relativ ist (Fernseher!), es geht vielmehr um die Reihenfolge, in der sie mit der Serie beginnen sollte. Grund genug, für diesen Artikel, der diese Fragestellung im Detail erläutert. Immerhin gilt es über 700 Serienfolgen einzuordnen!

 

Der Rosinenpicker-Ansatz

Der wohl leichteste Ansatz an dieser Stelle ist der Rosinenpicker-Ansatz. Ich suche mir einfach die schönsten Folgen aus und gucke sie der Reihe nach, wobei natürlich auch die persönlichen Favoriten eine Rolle spielen. Knackpunkt hier: Ich bin als Nichtkenner auf Tipps von anderen angewiesen, die vielleicht nicht unbedingt meine eigenen Vorlieben widerspiegeln.

Darüber hinaus bekomme ich so kein richtiges Gesamtbild von “Star Trek”. Bei “Deep Space Nine” gehen mitunter ganze, episodenübergreifende Handlungsbögen verloren, wenn ich diesen Ansatz wähle. Nein, Einzelfolgen kann ich vielleicht in einem zweiten Durchgang gucken, aber als kompletter Neuling brauche ich das “Gesamtbild” der Serie(n), statt nur ein wenig “Querguckerei”.

Aus diesem Grund sind nur zwei andere Ansätze annähernd praktikabel: Der chronologische Ansatz und der Produlogische Ansatz.

 

Der Chronologische Ansatz (“Story”)

Wie der Name schon sagt, beinhaltet dieser Ansatz die Serien in der richtigen Handlungsreihenfolge zu schauen. Also so, wie es storytechnisch am sinnigsten ist. Dies war auch lange Zeit mein persönlich favorisierter Ansatz, der aber leider inzwischen nicht mehr funktioniert. Warum? Das sehen wir uns jetzt im Detail an.

Beim chronologischen Ansatz beginnen wir mit der am weitesten zurückliegenden Serie (bzw. aus unserer Sicht derjenigen, die am nächsten zur Gegenwart ist). Das wäre “Star Trek – Enterprise” (2001-2004). Die Prequel-Serie ist in diesem Fall wirklich ein Prequel und wäre die erste Konfrontation mit dem Star Trek-Kosmos – was man aber in den ersten beiden Staffeln nicht unbedingt weiß, denn da erscheint “Star Trek” noch gar nicht im Titel.

Der Titel selbst beginnt mit einem rockigen Lied. Wenn man es vorher nicht anders kennt, kann man sicher damit leben. Dann geht es auch schon los, ein Klingone stürzt auf der Erde ab und soll heimgebracht werden. Seltsame Aliens, aber soweit ja noch in Ordnung, aber wer ist dieser Zefram Cochrane und warum sprach er bis zu seinem Verschwinden von Besuchern aus der Zukunft? Gut, auch darüber kann man noch hinwegsehen, wenn man die Hintergründe nicht kennt. Den Spaß an der Episode vermiest einen diese Stelle jedenfalls noch nicht.

Viel mehr Stirnrunzeln dürften da die Vulkanier hervorrufen. Es gab also vor gut 100 Jahren einen Erstkontakt, aber warum ist der so wichtig für alle? Und die Vulkanier halten die Menschen seither klein. Dadurch wirken die lieben Aliens noch ein Stück herzloser als sie eh schon dargestellt wurden. Aber davon abgesehen gibt es eine Art temporalen Kalten Krieg, das klingt doch im ersten Moment spannend.

 

Star Trek: Enterprise – storytechnisch die erste Star Trek-Serie.

 

Da sich ein Großteil der Serie aus Einzelabenteuern zusammensetzt, gibt es hier auch nichts, worüber man sich wundern muss. Erst beim Staffelfinale kann man sich wundern. Es gibt also irgendwann eine Föderation für die Archer wichtig ist – gut, ist dann eben so. Viel spannender ist dann schon die Folge “Regeneration” (ENT 2×23), denn hier tauchen die Borg auf, die aber nicht namentlich genannt werden. Trotzdem erkennt man hier die Verwicklungen erst später.

Die dritte Staffel bietet dann einen Storyarc. Da gibt es auch wieder Hinweise auf die Föderation und alles, aber im Großen und Ganzen kann man auch diese Staffel unvorbelastet genießen. Selbst die vierte kann man über weite Strecken ansehen, ohne die ganzen Querverweise auf zukünftige Ereignisse verstehen zu müssen. Etwas holprig wird allenfalls die Paralleluniversumsfolge. Eine Defiant aus der Zukunft? Mhm, und warum sehen die alle so komisch aus? Erst die letzte Folge stellt einen dann vor noch mehr Fragezeichen…

Da tauchen nämlich Riker und Troi im Holodeck auf, um sich eine Szene aus Enterprise anzusehen. Muss man die kennen? Und warum reden die über eine Pegasus, die kein Mensch kennt? War es bis hier in eher Kleinigkeiten, so wird an dieser Stelle ganz stark deutlich, dass man irgendwas verpasst hat. Okay, genau genommen kann man diese Geschichte auch mitten in der letzten TNG-Staffel einordnen, wo sie chronologisch gemäß der TNG-Rahmenhandlung hingehört … es macht nur irgendwie keinen Sinn, mitten in “TNG” eine Abschiedsode an Enterprise zu hören …

Chronologisch kommt nun “The Cage” (TOS 1×00), der 2254 spielt, also 100 Jahre später. Das Kostümdesign und die Effekte können hier natürlich nicht mit “Enterprise” mithalten, aber die Geschichte geht in Ordnung. Der nächste Sprung ist dann der zu “Discovery” (2256-2257).

Diese Serie kommt etwas dunkler und brutaler daher und auch das veränderte Klingonenaussehen ruft nicht so viele Stirnrunzler hervor. Da war doch was mit einem Virus …
Die erste Staffel kann man sogar noch ganz gut genießen, das Paralleluniversum sorgt für einen Wow-Effekt. Die zweite ruft dann mit Sicherheit wieder ein paar Stirnrunzler hervor, angefangen damit, warum alle Spock und die Enterprise für derart wichtig halten. Der Wechsel des Aussehens der Talosianer dürfte da schon mehr ins Gewicht fallen, aber gut, in derselben Folge sieht man ja alt und neu nebeneinander, von daher kann man damit umgehen.

L'Rell, Pike und Tyler in "Through The Valley of Shadows" (Photo: "Discovery" 2x12, CBS)

Discovery spielt noch vor TOS (Photo: “Discovery” 2×12, CBS)

Und auch das kontrovers diskutierte Sektion 31-Ding ist eben da, nett anzusehen und spannend, aber, dass man am Ende nicht mehr drüber redet? Na gut, kann man so machen. Im Anschluss an Discovery Staffel 2 folgt aber nicht etwa Staffel 3, sondern eine Filmreihe.

2258 spielt “Star Trek” (2009), oder doch lieber 2387? Doch dazu kommen wir später. Okay, es ist eine Parallele Zeitlinie, auch wenn das beim ersten Ansehen bis heute nicht derart deutlich wird. Spock spricht nämlich von einer parallelen Entwicklung, aber damit hätte auch gemeint sein können, dass die Prime-Timeline gemeint ist und diese nun ausgelöscht ist. Und egal wie schlecht angesehen die Kelvin-Filme bei den Fans sind, die Möglichkeit bestand durchaus und auch wenn es niemand gefallen hätte, wenn man die neue Timeline zur Prime-Timeline erklärt hätte, wäre das so gewesen.

Die Kelvin Filme spielen in den Jahren 2258, 2261 und 2263 und zeigen jede Menge Action mit einer Enterprise und einer Crew auf, die man bis dato noch nicht kennengelernt hatte. Kann man einfach mal genießen, als nächstes steht nämlich eine Serie an: “The Original Series”, die ja bekanntlich von 2266-2269 spielt.

Okay, die Kulissen wirken heutzutage altbacken, auch wenn die Remastered-Version da einiges an Boden gut gemacht hat. Aber warum sind Spock und Uhura nicht mehr zusammen? Über das neue Aussehen der Klingonen wundert man sich an der Stelle allerdings NICHT, denn diese Virusgeschichte gab es doch erst in “Enterprise”. Und die Talosianer sind zu ihrem alten Aussehen zurückgekehrt – Strange! Und warum sind in “Talos IV – Tabu” (TOS 1×13/14) alle so überrascht über die Ereignisse aus “The Cage”? So lange liegen die ja jetzt auch nicht zurück.

Hat man “TOS” (und “TAS”) problemlos weggeguckt, kommen die Filme an die Reihe, namentlich Teil Eins bis Sechs. Soweit alles gut, aber bei Teil 2, “Der Zorn des Khan” wundert man sich dann schon etwas! Die haben da nämlich einfach nur “Into Darkness” nachgemacht, die sollten sich was schämen. Und hätte man nicht auch Spock einfach mit Khans Blut wieder holen können? Ach halt, man kam ja gar nicht in Kontakt mit Khan – schade. Die restlichen Teile kann man einfach gut weggucken.

Dann kommen die ersten Staffeln von “TNG” und auch da wird sich ein gewisser Aha-Effekt einstellen: Der neue Maschinenraum und Warpkern, den gab es schon in “Star Trek V” und “VI” – da haben die bei der Weiterentwicklung gut aufgepasst und sich an den TOS-Filmen orientiert, sehr schön.

“TNG” ist die erste Serie im 24.Jahrhundert (Szenenfoto: TNG 1×01 “Encounter at Farpoint”, CBS).

Die letzten beiden Staffeln muss man dann im Wechsel mit “Deep Space Nine” gucken, wobei man sich nach den Sternzeiten richten kann. In der siebten Staffel sieht man dann auch Riker und Troi und die Pegasus – ach ja, da war ja vor einigen Hundert Folgen was. Aber warum sahen Riker und Troi damals einen Ticken älter und runder aus?

Nach dem Ende von “TNG” kam “Voyager”, auch das muss man Sternzeit-chronologisch (bzw. Jahres-chronologisch) mit Deep Space Nine im Wechsel sehen. Berührungspunkte gibt es da zwar keine, aber wir gucken ja chronologisch. Zwischendrin gibt’s dann auch noch die TNG-Filme zu bestaunen und mit “Erster Kontakt” hat man auch endlich den Bezug zu “Enterprise”. Die Borg hat man zwar schon 200 Folgen vorher kennengelernt, aber jetzt wird auch klar, was es mit dem Erstkontakt auf sich hatte. Respekt, die bei “Enterprise” haben da fast 600 Folgen in die Zukunft vorausgeplant! Das nimmt ja schon fast “Doctor Who”-esque Ausmaße an!

Nach “Voyager” kommt dann noch der TNG-Film “Nemesis”, bevor wir wieder bei den Kelvin-Filmen sind. Zumindest deren erster Teil hat ja eine kurze Sequenz aus 2387 und nun wird auch die Sache mit dem alten Spock deutlicher. Die könnten also quasi die Weitererzählung der Story von Old Spock (bis zu seinem Tod in “Beyond”) sein, und man könnte sie wahlweise also auch erst an dieser Stelle in der Chronologie schauen. Dann versteht man auch einige TOS-Verweise viel besser.

Im Anschluss kommt dann die neue Serie “Picard”, gefolgt von der dritten Staffel “Discovery” welche einen großen Sprung machen wird. Natürlich werden künftige Serien oder Staffeln (auch die animierten) in diese Lücke fallen und sich chronologisch dort einrichten. Zum jetzigen Zeitpunkt kehrt man nach über 600 Folgen in die düstere “Discovery”-Zukunft zurück, und wird sich vermutlich erstmal wundern (oder auch nicht, da nach “Picard” die Effekte auf gleichem Niveau sein dürften).

Der Story-Ansatz bildlich

 

Zusammengefasst

Man sieht also, bei der chronologischen Reihenfolge gibt es inzwischen einiges, was nicht mehr zusammen passt. So schön es auch ist (oder wäre), das “Star Trek”-Universum in der richtigen Reihenfolge gucken zu können, gibt es hier aber einige holprige Stolpersteine, die das Guckerlebnis beeinträchtigen.
Es würde zwar funktionieren, man kann es aber nicht mehr guten Gewissens empfehlen.

 

Der Produktionstechnische Ansatz (“Straight Forward”)

Wie der Name schon sagt, guckt man bei dieser Liste in der Reihenfolge, in der die Serien produziert wurden.

Damit fängt man mit “The Cage” an und geht dann über “TOS” und “TAS” weiter. Auch hier kann man sich über “Talos IV – Tabu” wundern wie zuvor. Einen kleinen Sprung muss man dann bei den Filmen machen, denn statt nach “Star Trek IV” zu “TNG” zu springen, sollte man sich vorher noch Teil 5 und 6 anschauen, auch wenn diese später produziert wurden. Dieses kleine Zugeständnis sollte man an der Stelle machen, da es dann einfach besser mit “TNG” harmoniert.

Star Trek: Deep Space Nine (Bild: CBS)

Wie erwähnt, folgt im Anschluss “TNG”, das dann in den letzten Staffeln wieder parallel mit “Deep Space Nine” geguckt wird. Auch hier guckt man schön in der Reihenfolge, so dass Crossover-Folgen wie “Der Moment der Erkenntnis” (TNG 6×13) ebenso gut funktionieren wie beim chronologischen Ansatz.

Das Ganze geht dann in fließenden Wechsel mit “Voyager” über (auch wenn es dort nur wenig Crossovers gibt) und auch die TNG-Filme spielen dort richtig hinein. Im Grunde kann man die Ereignisse im 24.Jahrhundert auch bei diesem Ansatz von “Haus aus” in der richtigen Reihenfolge erleben und deckt damit einen Großteil von “Star Trek” ab.

Den letzten “TNG”-Film “Nemesis” sollte man dann auch hier an die Serien “gucktechnisch” anhängen, bevor es dann in die Prequel-Ära mit “Enterprise” geht. Guckt man sich nun eben jene Serie an, versteht man auch die ganzen Anspielungen mit den Borg und Zefram Cochrane – und natürlich auch in “Dies sind die Abenteuer…” (ENT 4×24) die Sequenz mit Riker und Troi.

An dieser Stelle würden dann die Kelvin-Filme folgen, die man, trotz ihres Rücksprungs zu den Jahren 2258, als Weiterführung der Story um Old Spock sehen könnte, also quasi durchaus eine Art Fortführung der Prime-Timeline.

Wer erinnert sich noch an die butne Crew der Voyager? (Foto: CBS)

Es folgt “Discovery” und auch hier versteht man dann plötzlich die ganzen Anspielungen auf Spock und die Enterprise. Und auch das Neudesign wirkt nicht mehr ganz so schlimm, immerhin ist “Classic” nun schon 600 Folgen her. Das nach der zweiten Staffel zunächst mal “Picard” folgt, ist auch nicht schlimm und passt auch designtechnisch sicher ins Bild.

Es folgen “Discovery Staffel 3” und die anderen Staffeln und Serien, die in den nächsten Jahren noch kommen. Da zumindest “Discovery” einen Sprung in die Zukunft machen wird, muss man eben damit leben, dann zwischendrin andere Geschichten zu erleben. Da diese aber abgehoben von den anderen sind, dürfte das weniger Probleme geben.

 

Der Straight Forward-Ansatz bildlich

 

Zusammengefasst

Der Straight-Forward-Ansatz eignet sich am Besten, wenn man “Star Trek” gucken will. Gut, genau genommen haben wir einen leichten Mischmasch hier gemacht, da wir die Filme etwas anders angeordnet haben, im Großen und Ganzen gibt es bei dieser Schaureihenfolge aber die wenigsten Diskrepanzen.

Und bei “Star Wars” funktioniert es ja auch, da erscheinen Filme wild chronologisch durcheinander und auch die Bücher behandelten verschiedene Ären. Man kann also auch hier nach Erscheinungsreihenfolge vorgehen und dem Zuschauer vertrauen, dass er in der Lage ist, die Folgen selber in die richtige Reihenfolge zu bringen.

 

Was denkt ihr? Gibt es vielleicht noch andere Ansätze, “Star Trek” zu gucken? Und welche Erfahrungen habt ihr gemacht? Oder habt ihr andere Tipps, um Neulinge an “Star Trek” heranzuführen? Schreibt es uns in den Kommentaren.

 


1 Kommentar

Kev · 23. Januar 2020 um 10:55

zuerst möchte ich sagen dass mir der Artikel sehr gut gefällt. Ich empfehle derzeit folgende Reihenfolge zum gucken.

Ent
DSC Staffel 1-2
TOS
Tas
TOS Filme 1-6
TNG
TNG Filme 7-10
DS9
Voy
JJ Filme 11+13

Aber um ein Kind an star trek anzuführen, würde ich entweder Ent oder TNG empfehlen.. beide Serien kann man ohne Vorwissen genießen….

Beste Grüße

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