Wir haben Referenzen und Easter-Eggs zu “Stardust City Rag”, der fünften Episode von “Star Trek: Picard”, zusammengestellt.

S E A S O N   1

Hypatia-System

Das System, in welchem sich der Planet Vergessen befindet, heißt Hypatia.

Neben der Bezeichnung des Planeten, die für deutschsprachige Zuschauer allerdings ihre Easter-Egg-Eigenschaft verliert, ist auch der Name des Planetensystems eine versteckte Botschaft. Denn Hypatia von Alexandria war die wohl berühmteste Mathematikerin, Astronomin und Philosophin ihrer Zeit (Spätantike). Da von ihren Werken leider nichts erhalten blieb, waren Hypatia und ihr Wirken lange Zeit in Vergessenheit geraten.

(Bild: PIC 1×05 “Stardust City Rag”, CBS/Amazon Prime Video).

Icheb

In den ersten Minuten der Episode sehen wir einen sterbenden Icheb, der von Seven of Nine den Gnadenschuss erhält. Icheb trat in insgesamt elf Episoden von “Star Trek: Voyager” (Season 6 & 7) in Erscheinung, das erste Mal in “Das Kollektiv” (VOY 6×16). Er wurde in “Voyager” von Manu Intiraymi (*1978) gespielt (und in einer Zukunftsversion von Mark Bennington), in “Stardust City Rag” hingegen von Casey King (*1991).

Icheb stammt aus dem Volk der Brunali und wurde bereits in jungen Jahren von den Borg assimiliert. Sein Volk missbrauchte ihn als biologische Waffe, um sich gegen weitere Angriffe der Borg zu wehren (VOY 6×19 “Icheb”). 2376 wurde er gemeinsam mit weiteren Borg-Kindern von der Voyager aus dem Kollektiv gerettet. Von diesem Zeitpunkt an begann seine Rekonvaleszenz. Eine Rückkehr auf seinen Heimatplaneten scheiterte deshalb, weil die Voyager-Crew hinter den perfiden Plan von Ichebs Eltern kam. Icheb blieb daraufhin auf der Voyager und kehrte mit dieser 2378 in den Alpha-Quadranten zurück. Icheb äußerte den Wunsch, die Akademie der Sternenflotte zu besuchen (VOY 7×26 “Endspiel”).

In “Unvollkommenheit” (VOY 7×02) spendete Icheb seiner Ziehmutter seinen Kortikalknoten, da dies die einzige Überlebenschance für Seven bedeutete. “Stardust City Rag” nimmt darauf Bezug, als der “Chop Doc” vergeblich nach Ichebs Kortikalknoten sucht.

Icheb und Seven of Nine gemeinsam an Bord der Voyager (Bild: VOY 6×19 “Icheb”, CBS).

Tranya

Bjayzl bietet Maddox ein Getränk namens Tranya an.

Tranya ist ein orangefarbenes Getränk, das erstmals in der ersten Staffel der Originalserie zu sehen war. In “Pokerspiele” (TOS 1×10) bietet Balok dem Außenteam der Enterprise, darunter auch Captain Kirk, einen Tranya an. Das Getränk kommt auch in der “Deep Space Nine”-Folge “Facetten” (DS9 3×15) vor.

Balok und Captain Kirk trinken Tranya (Bild: TOS 1×10 “The Corbomite Maneuver”, CBS).

Bruce Maddox

Nachdem er bereits in der Pilotepisode und den weiteren Folgen Erwähnung fand, hat Bruce Maddox in “Stardust City Rag” seinen ersten Auftritt nach rund 32 Jahren. Das erste Mal sahen wir Maddox in der “The Next Generation”-Episode “Wem gehört Data?” (TNG 2×09). Dort wurde er von Brian Brophy (*1959) gespielt. In “Stardust City Rag” übernahm John Ales (*1969) die Rolle.

Commander Bruce Maddox war in den 2360er-Jahren Spezialist für Kybernetik am Daystrom-Institut der Föderation. Schon seit den 2340er Jahren entwickelte er ein besonderes Interesse an Data, dem damals einzigen fortschrittlichen Androiden in der Sternenflotte. 2365 wollte Maddox Lt. Commander Data demontieren und basierend auf seinen Studien reproduzieren. Ihm schwebte eine ganze “Armee” aus Androiden vor (“Hunderte, Tausende. […] Es gibt keine Grenze.”), die vor allem in Gefahrensituationen zum Einsatz kommen sollten. Als sich Data der Abkommandierung widersetzte und sogar seinen Dienst quittierte, argumentierte Maddox, Data sei als Android kein Träger von personalen Grundrechten, sondern vielmehr nur Eigentum der Sternenflotte. In einem anschließenden Gerichtsverfahren, in dem es um die Frage ging, ob Data eine echte “Person” sei, wurden Data schließlich all diejenigen Persönlichkeitsrechte zugestanden, die auch allen übrigen Humanoiden in der Föderation garantiert sind. Maddox sah dies schließlich ein und hielt in den Folgejahren (zumindest bis 2367) Briefkontakt mit Data, um über dessen weitere Persönlichkeitsentwicklung im Bilde zu bleiben (TNG 4×11 “Datas Tag”).

Bruche Maddox in “TNG” (rechts) und “Picard” (links) (Bild: TNG 2×09 “The Measure of a Man; PIC 1×05 “Stardust City Rag” [Fotomontage], CBS/Amazone Prime Video).

Fenris Rangers

Seven of Nine arbeitet nun für die Fenris Rangers, die als “Schutzmacht der Hilflosen” darum bemüht sind, in denjenigen Regionen des Alls für Ordnung zu sorgen, aus denen sich die Föderation zurückgezogen hat.

Der Name der Rangers dürfte wohl auf den sogenannten Fenriswolf zurückgehen, eine Figur der nordischen Mythologie. Ein Wolf ist übrigens auch im römischen Mythos von Romulus und Remus von Bedeutung. Eine schöne Parallele.

Auch die Etymologie des Wortes “Fenris” ist einen genaueren Blick wert. Demnach hat “Fenris” seine Wurzeln in dem altnordischen Wort “Fen”, was “Sumpf” bedeutet. Im modernen Sprachgebrauch werden u.a. auch Gegenden als “Sumpf” bezeichnet, in denen es keine Ordnungsmacht gibt, die für Recht und Gesetz sorgt. Vielmehr handelt es sich dabei um Gebiete, in denen Anarchie, Korruption und Gewalt herrschen und somit das Recht des Stärkeren.

Der Name Fenris Rangers scheint demnach sehr passend gewählt worden zu sein.

Das Logo der Fenris Rangers (Bild: PIC 1×05 “Stardust City Rag”, CBS/Amazon Prime Video).

Neutrale Zone

Seven erwähnt, dass die Neutrale Zone in der uns bekannten Form im Jahr 2399 nicht mehr existiert.

Die Romulanische Neutrale Zone war eine Pufferzone zwischen dem Romulanischen Sternenimperium und der Vereinigten Föderation der Planeten, die 2160 nach dem Irdisch-Romulanischen Krieg eingerichtet wurde. Sie umfasste mehrere Lichtjahre. Ihre erste Erwähnung hatte die Neutrale Zone in der Classic-Episode “Spock unter Verdacht” (TOS 1×14) und wurde anschließend auch in den anderen “Star Trek”-Serien thematisiert, allen voran in “The Next Generation” und “Deep Space Nine”. Die letzte Episode der ersten “TNG”-Staffel trägt sogar den Titel “Die Neutrale Zone”.

Die Neutrale Zone im Jahr 2266 (Bild: TOS 1×14 “Balance of Terror”, CBS).

Seven & Alkohol

In “Stardust City Rag” trinkt Seven einen Bourbon Whiskey. Das ist insofern verwunderlich, da Seven in der “Voyager”-Episode “Temporale Paradoxie” (VOY 5×06) schon nach einem Glas Sekt angetrunken war. Scheinbar verträgt sie Alkohol nun besser (was für eine fortschreitende Menschwerdung sprechen würde) oder es handelt sich bei Picards Bourbon um Synthehol.

Seven leicht betrunken in “Voyager” (Bild: VOY 5×06 “Timeless”, CBS).

Freecloud & Stardust City

Sowohl der Planet Freecloud als auch die darauf befindliche Stadt Stardust City gehen wohl auf David Bowie zurück. “Ziggy Stardust”  und “Wild Eyed Boy from Freecloud” lauten die Titel zweier seiner Songs.

Stardust City auf Freecloud (BIld: PIC 1×05 “Stardust City Rag”, CBS).

Bolianer / Mr. Mot

In “Stardust City Rag” sehen wir eine Werbeanzeige mit dem Namen “Red Bolian”.

Die Bolianer sind eine seit “The Next Generation” bekannte Spezies vom Planeten Bolarus IX, eine Mitgliedswelt der Föderation. Charakteristisch für die Angehörigen dieser Spezies sind ein kahler Kopf, lange Ohrläppchen, ein vertikal verlaufender Knorpelkamm am Kopf sowie eine blaugraue Haut. Daher wirkt auch der Terminus “Roter Bolianer” hier eher merkwürdig. Die Bolianer kommen in “Star Trek” auf zahlreiche Auftritte oder Erwähnungen, neben “TNG” auch in “Deep Space Nine”, “Voyager” und den Kinofilmen “Star Trek: Der erste Kontakt” und “Star Trek Der Aufstand”.

Stardust City ist eine belebte Stadt mit etlichen Etablissements und Geschäften. Die Leuchtreklame zeigt unter anderem Werbung für das Mr. Mot’s Hair Emporium. Dies lässt vermuten, dass der Friseur der Enterprise-D, Mr. Mot, mittlerweile ein Großunternehmer im Bereich des Haardesigns geworden ist. Mot wurde von Ken Thorley gespielt und hatte in “The Next Generation” einige wenige Auftritte. Dieser Figur wohnt eine gewisse Ironie inne, denn dass sich ein Mitglied einer Spezies, die selbst keinerlei Haarwachstum besitzt, für den Friseurberuf interessiert, ist irgendwie kurios.

Mr. Mot schneidet Captain Picard die Haare (Bild: TNG 5×03 “Ensign Ro”, CBS).

Orionisches Sklavenmädchen

Die Werbeanzeigen in Stardust City zeigen u.a. das überdimensionale Hologramm eines Sklavenmädchens vom Orion.

Orionische Sklavenmädchen sind weibliche Orionerinnen und eine äußerst begehrte Ware auf den orionischen Sklavenmärkten. Sie sind so alt wie “Star Trek” selbst, denn sie wurden mit dem ursprünglichen Pilotfilm “Der Käfig” (TOS 1×00) in das Trek-Universum eingeführt. Weitere Auftritte gab es folglich in “Talos IV- Tabu, Teil II” (TOS 1×16) und in der “Enterprise”-Episode “Borderland” (4×04). Zudem wurden sie in weiteren “Enterprise”- und “Deep Space Nine”-Episoden erwähnt.

Ein Sklavenmädchen wird auf einem orionischen Markt angeboten (Bild: ENT 4×04 “Borderland”, CBS).

Quark

Bjayzls Handlanger, Mr. Vup, erwähnt, dass ein gewisser Quark nun auf Ferenginar lebt. Zudem zeigt die Leuchtreklame in Stardust City den Schriftzug Quarks Bar.

Wir können davon ausgehen, dass hier die beliebte Hauptfigur Quark (Armin Shimerman) aus “Star Trek: Deep Space Nine” gemeint ist. Quark hatte zudem auch zwei Gastauftritte in “The Next Generation” und “Voyager”. Scheinbar hat Quark Deep Space 9 irgendwann zwischen 2376 und 2399 verlassen und sich auf Ferenginar, der Heimatwelt der Ferengi, niedergelassen. Seine Bar auf DS9 hat er aber wohl zu einem Franchise-Unternehmen ausgebaut. Es geht also auch ohne eigenen Mond…

Zudem sehen wir den Slogan “What is yours is ours”. Dies ist eine Adaption einer Ferengi-Erwerbsregel, die da lautet: “What’s mine is mine, and what’s yours is mine too.”

Quark scheint es bis 2399 zum interstellaren Großunternehmer gebracht zu haben (Bild: DS9 7×26 “What You Leave Behind”, CBS).

Breen

Mr. Vup erzählt Rios, dass Quark einige Probleme mit den Breen gehabt hätte, die man aber lösen konnte.

Die Breen sind eine mächtige und mysteriöse Spezies aus dem Alpha-Quadranten und stammen von einem Eisplaneten. Sie wurden das erste Mal in der “The Next Generation”-Episode “Das kosmische Band” (TNG 4×10) erwähnt. Wirklich zu sehen waren sie hingegen nur in “Deep Space Nine” ab Staffel 4. Später (Staffel 7) wurden sie dann sogar Kriegsverbündete des Dominion gegen die Föderationsallianz und somit ein fester Bestandteil des Serienfinales.

Ein Breen in “Deep Space Nine” (Bild: DS9 4×05 “Indiscretion”, CBS).

Temtibi Lagoon-Cocktail

Rios bestellt auf Freecloud einen Temtibi Lagoon-Cocktail.

Dieses Getränk ist wohl nach der Temtibi Lagoon, einem Gewässer auf dem Urlaubsplaneten Risa, benannt. Jadzia Dax, Worf, Bashir, Leeta und Quark machen 2373 in “Die Reise nach Risa” (DS9 5×07) dort Urlaub.

Die Temtibi-Lagune auf Risa (Bild: DS9 5×07 “Let He Who Is Without Sin…”, CBS).

Dr. Soong

Maddox zeigt sich kurz vor seinem Tod stolz, dass er nach der Erschaffung von Soji und Dahj nun als Kybernetiker in einer Reihe mit Soong steht.

Hier bezieht sich Maddox auf Dr. Noonian Soong (Brent Spiner), den Erschaffer von B-4, Lore, Data, Juliana Tainer und wohl noch weiteren Prototypen seines Soong-Typ-Androiden. Soong wurde in “The Next Generation” mehrfach erwähnt und war auch in “Die ungleichen Brüder” (TNG 4×03) und in “Der Moment der Erkenntnis, Teil 2” (TNG 6×16) (in junger Gestalt) zu sehen. Er starb 2367, also 32 Jahre vor den Ereignissen in “Stardust City Rag”.

Data und Dr. Soong trafen 2367 ein letztes Mal aufeinander (Bild: TNG 4×03 “Brothers”, CBS).

Rache

Picard sagt zu Seven, als sie gerade im Begriff ist Bjayzl zu töten, dass Mord keine Gerechtigkeit sei.

Er spricht hier aus eigener Erfahrung, denn auch Picard war in der Vergangenheit zweimal drauf und dran, jemanden aus Rachegelüsten über die Klinge springen zu lassen. In beiden Fällen ging es um den Wunsch nach Vergeltung an den Borg, die ihn 2366 assimiliert und instrumentalisiert hatten. In “Ich bin Hugh” (TNG 5×23) wollte er Hugh dafür benutzen, um dem Borg-Kollektiv ein tödliches Computervirus einzuspeisen. Doch als Crusher, La Forge und Guinan ihm ins Gewissen redeten, verwarf er seinen Plan. In “Star Trek: Der erste Kontakt” brachen sich Picards Rachegelüste gegenüber den Borg erneut Bahn, doch dieses Mal war es Lily Sloane, die Picard mit einem Verweis auf das Werk “Moby Dick” zu der Einsicht brachte, dass Rache keine Gerechtigkeit bedeutet, sondern vielmehr Selbstzerstörung.

(Bild: “Star Trek: First Contact”, Paramount Pictures).

 

 


Matthias Suzan

Matthias Suzan

Matthiasˈ Leidenschaft für "Star Trek" begann im zarten Alter von neun Jahren mit "The Next Generation". Anfänglich waren es noch die Raumschiffe und die Technik, die ihn faszinierten. Später weckten vor allem die anthropologischen, gesellschaftlichen und politischen Themen des Trek-Universums sein Interesse, sodass er sich seither für Politik- und Geisteswissenschaften interessiert. Nach knapp zwei Jahrzehnten als treuer TrekZone-Leser stieß er Ende 2017 mit dem Start von "Discovery" zur TZN-Redaktion.

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