In der sechsten Episode von “Star Trek: Picard” treffen die beiden Hauptstränge der Story für eine temporeiche Erzählung aufeinander. Was in der unmögliche Kiste steckt, verraten wir indes nicht, denn diese Rezension ist bis auf Trailerszenen spoilerfrei.

Story

Die La Sirena nimmt Kurs auf das Artefakt, jenen Borgwürfel unter romulanischer Kontrolle, auf dem Soji von Narek immer nagendere Zweifel an ihrer Identität eingeflüstert werden. Es beginnt ein Rennen gegen die Zeit, in dem Picard nicht nur gegen die Zhat Vash sondern auch die Dämonen seiner Vergangenheit bestehen muss.

Die La Sirena am Artefakt in "The Impossible Box" (Bild: ViacomCBS)

Die La Sirena am Artefakt in “The Impossible Box” (Bild: ViacomCBS)

Die Handlung der Episode ist nicht völlig kugelsicher und einige Logiklöcher enden Dank eines wohlwollenden Drehbuchs nicht mit dem sicheren Tod seiner Protagonisten. Das gipfelt im Finale der Folge, das hier eine besondere Volte vollführt. Dennoch besticht die Geschichte auf Seiten der Charaktere und der Haupthandlung durch Gradlinigkeit, Tempo und einer befriedigenden Befreiung der übergreifenden Handlung aus dem bisherigen Status Quo.

Dialoge und Besetzung

Die Crew der La Sirena verarbeitet noch den Fallout ihres Besuchs auf Freecloud. Insbesondere Jurati und Musiker haben redlich mit ihren jeweiligen Erlebnissen zu kämpfen. Christobal Rios erweist sich für beide Frauen auf unterschiedliche Weise als Krisenhelfer.

Derweil wird klar, dass Picard keineswegs nach dem Tod der Borgkönigin in “First Contact” mit dem Trauma seiner Assimilation abgeschlossen hat. Leider ist die Auseinandersetzung mit Picards Borgvergangenheit hier seltsam unausgegoren. Während Picard in “I, Borg” und “First Contact” mit kaltblütiger Entschlosssenheit seiner Nemesis entgegen trat, schließt “The Impossible Box” eher an das seelische Trauma an, dass “Family” zu einer emotionalen Tour-de-Force gemacht hat. Im Gegensatz zu den drei vorgenannten Geschichten führt die wiederholte (und durchaus eindringlich inszenierte und gespielte) Konfrontation in “The Impossible Box” leider zu keinerlei neuer Erkenntnis über Picard.

Musiker und Christobal in "The Impossible Box" (Bild: ViacomCBS)

Musiker und Christobal in “The Impossible Box” (Bild: ViacomCBS)

Dank eines durchsichtigen Kniffs schickt das Drehbuch Picard auf sich allein gestellt auf den Borgwürfel, um Soji zu finden. So hat die Crew der La Sirena ab der zweiten Hälfte der Episode nichts mehr zu tun. Anders als in den Folgen zuvor bekommt aber jede Figur zuvor mindestens einmal die Gelegenheit, in einer nicht-triviale Szene zu spielen und auch einen Schritt in ihrer Entwicklung zu nehmen. Nur Evan Evagoras Elnor erscheint bisher eher als zweckmäßiges “Plot Device” denn als ernstzunehmender Charakter zu fungieren.

Ebenfalls erfreulich ist, dass die unheilvolle und zeitweise unfreiwillig komische Figurenkonstellation auf dem Borgwürfel endlich so etwas ähnliches wie Charme entwickelt. Zwar ist “Rizzo” immer noch keine ernstzunehmende Antagonistin, aber Threadaways Narek ist wunderbar ambivalent gespielt, so dass seine Loyalität beständig in der Schwebe gehalten wird.

Narek und Soji in "The Impossible Box" (Bild: ViacomCBS)

Narek und Soji in “The Impossible Box” (Bild: ViacomCBS)

Am Besten gefällt Isa Briones Entwicklung in dieser Episode, die sie in vielerlei Hinsicht schauspielerisch herausfordert. Immer noch gibt es ein Problem mit der mangelnden Chemie zwischen Soji und Narek, aber das tritt in dieser Folge wohltuend in den Hintergrund.

Kanon und Rahmenhandlung

“The Impossible Box” führt die beiden Haupthandlungsstränge von La Sirena und dem Artefakt konsequent zusammen und erreicht so ein erstes, durchaus befriedigendes Halbzeitfinale. Sowohl Sojis persönlicher Handlungsbogen mit Narek findet einen vorläufigen Abschluss als auch Picards Suche nach der Androidin. Dabei zahlen sich gar einige in vorherigen Folgen gestreute Hinweise aus. Außerdem unterstreicht die Episode die Relevanz einer vermeintlichen Randnotiz aus “The End Is The Beginning”, die wahrscheinlich einen wesentlichen Aspekt von Sojis weiterer Rolle in der zweiten Hälfte der Staffel vorzeichnet.

Picard in "The Impossible Box" (Bild: ViacomCBS)

Picard in “The Impossible Box” (Bild: ViacomCBS)

Mit Blick auf den Gesamtkanon gibt sich “The Impossible Box” redlich Mühe, die Bedrohung, die von den Borg ausgeht, und die Assimilation von Picard in aller Eindringlichkeit zurück in das Gedächtnis der Zuschauer zu rufen. Die Folge verwendet hierzu einige direkte visuelle Zitate aus vergangenen Borg-Episoden. Wahrscheinlich ist diesem “Recap” auch die Tatsache geschuldet, dass Picard in dieser Episode vom Besuch auf dem Würfel sichtlich mitgenommen wird, letztlich hieraus aber keinerlei Charakterentwicklung oder ein relevantes Handlungselement resultiert. “Wisst ihr noch: Die Borg waren richtig böse. Deswegen stressen wir Picard gerade, bis er am Krückstock geht. Ach, ihr erinnert euch? Gut, dann können wir ja weitermachen, als sei nichts geschehen. Jean-Luc, kannst wieder aufrecht gehen und aufhören zu zittern, wir haben die U30-Zuschauer jetzt kanontechnisch abgeholt.”

Die Folge macht nun auch unzweifelhaft klar, dass die aus morphenden Quadern bestehenden schwarzen Säulen und Wände zum Borgwürfel gehören und nicht Teil der romulanischen Installationen sind. Damit geht ein starker visueller Bruch zu vorherigen Darstellungen von Borgschiffen einher, deren Design auch immer organische Züge in Form von Schläuchen und runden Formen hatte. “The Impossible Box” dringt indes in “unberührte” Teile des Würfels vor, die ausschließlich aus schwarzen, morphenden Quadern zu bestehen. Mit Blick auf das ansonsten sehr kanonische Äußere des Kubus’ ist dieser klare visuelle Bruch mit der Darstellung der Borg seit “First Contact” eine kleine Enttäuschung.

Borg-Korridore aus "The Best of Both Worlds" (oben links), "First Contact" (oben rechts), "Dark Frontier" (unten links) und "The Impossible Box" (unten rechts) (BIlder: ViacomCBS)

Gegen Ende des 24. Jahrhunderts hat das Kollektiv eine untypische Abneigung gegen runde und organische Formen entwickelt. Zum Vergleich: Borg-Korridore aus “The Best of Both Worlds” (oben links), “First Contact” (oben rechts), “Dark Frontier” (unten links) und “The Impossible Box” (unten rechts) (BIlder: ViacomCBS)

Dem gegenüber stehen jedoch wieder eine willkommene Vertiefung des “Romulaner-Lores”. Nachdem wir bereits gelernt haben, dass romulanische Heime eine falsche Haustüre besitzen, werden wir mit weiteren liebevollen Details zu einer der beliebtesten Völker aus “Star Trek” versorgt.

Inszenierung

Regisseurin Maya Vrvilo schafft eine intensive, drückende Stimmung, die sehr gut die Bedrohlichkeit des riesigen Borgschiffs und des Kollektivs einerseits und die emotionalen Nachwirkungen der letzten Episode andererseits einfängt. Insbesondere drückt Vrvilo auf’s (gefühlte) Tempo. Die Folge fühlt sich trotz längerer Laufzeit deutlich flüssiger an als alle Ausgaben seit dem Pilotfilm. Während auch Kameraführung und Schnitt absolut zum positiven Gesamteindruck beitragen, strauchelt “Picard” in den anderen handwerklichen Disziplinen.

Das innere des Borgwürfes in "The Impossible Box" (Bild: ViacomCBS)

Das innere des Borgwürfes in “The Impossible Box” ist eine schöne Illustration für das Konzept von “Copy & Paste” (Bild: ViacomCBS)

In “The Impossible Box” sehen wir vormals unbekannte Teile des Würfels. Dabei ist das Bühnenbild nicht nur eine Abweichung vom Kanon, es ist auch schrecklich monoton, langweilig und uninspiriert. Die immer gleichen Quadersäulen und Bodenpanele sind steril und visuell uninteressant. Während uns die ersten Episoden immer wieder in spektakulären Kamerafahrten fantastische und abwechslungsreiche Panoramen des komplexen Innenlebens des Kubus’ zeigten, sind die visuellen Effekte des Würfels in dieser Episode bestenfalls als zweckmäßig zu bezeichnen. Insbesondere gelingt es den VFX nicht, die gigantischen Ausmaße des Schiffs in Außenaufnahmen adequat zu vermitteln.

Ähnliche Kritik gilt auch für das Make-Up und Kostümdesign der Borg. Die Folge zeigt uns erstmalig eine nicht befreite Drohne in “Picard”. Diese stellt einen Rückschritt zum vielschichtigen und komplexen Look des Kollektivs in den späten 90ern dar, der in Flashbacks auch immer wieder in der Episode aufblitzt. Entweder absichtlich oder unabsichtlich nimmt “Picard” durch seine Darstellung den Borg jeden Schrecken, indem die abermals abtraumhafte, weil offenkundig gewaltsame Verschmelzung von Technologie und Organismen samt Wundstellen, Abstoßungserscheinungen und mechanischem Abrieb nun sterilisiert und nahezu hochglanzpoliert reinterpretiert wird.

Borg aus "The Impossible Box" und "First Contact" (Bilder: ViacomCBS)

Borg aus “The Impossible Box” (links) und “First Contact” (rechts) (Bilder: ViacomCBS)

Der Soundtrack ist im Vergleich der letzten Wochen eher zurückhaltend. Wie in den ersten Folgen ist er dezent, aber immer passend. Leider entwickelt Russo für die borglastigen Szenen kein griffiges Thema oder greift eines aus “The Best of Both Worlds” bzw. “First Contact” auf.

Beim Thema Gewalt schaltet “The Impossible Box” ebenfalls einen Gang zurück, ist aber abermals keineswegs kindertauglich.

Beobachtungen

  • Der Titel der Episode ist mehrdeutig. Einerseits ist offenbar Nareks romulanischer “Rubik’s Cube” gemeint, andererseits ist auch der Borgwürfel eine “unmögliche Kiste” aus – wie wir mehrfach sehen – beweglichen kleineren Quadern.
  • Ein wichtiger Aspekt von Sojis Entwicklung in dieser Folge greift ein bekanntes Motiv aus “The Next Generation” auf: die Träume von Androiden. Man kann einige Parallelen zu “Birthright” und “Phantasms” erkennen.
  • Als erste Episode seit dem Pilotfilm wird der Teaser nicht auf eine Rückblende verwendet.
  • Das Holodeck befindet sich auf dem unteren Deck der La Sirena zusammen mit einem offenen Speisebereich mit Sitzgelegenheiten.
  • Picards Schreibtisch-Rechner ist nicht nur dem Stil nach ein LCARS-Terminal, in der Anzeige ist auch ausgeschrieben “Library Computer Access/Retrieval System” zu lesen.
  • Die Episode verwendet zahlreiches Bildmaterial aus “The Best of Both Worlds”, “I, Borg” und “First Contact”. Insbesondere ist das erste Mal überhaupt ein Bild der Enterprise-E in einer TV-Episode von “Star Trek” zu sehen (auf Picards Schreibtisch-Display).
  • Auch zwei Standbilder aus “Deep Space Nine” schaffen es auf Picards Rechner: Das Komitee des Romulanischen Volkes aus “Inter Arma Enim Silent Leges” und der Sitz des Föderationspräsidenten in Paris aus “Paradise Lost”
  • Locutus’ Bild aus “The Best of Both Worlds” wird von Picards Schreibtisch-Hologram spiegelverkehrt angezeigt. Nur diese kleine Schummelei ermöglicht es, dass Picard aus Zuschauersicht mit der Hand nach den holographischen Implantaten von Locutus “greifen” kann. Bei einer korrekten Darstellung wäre die Anzeige aus aus Sicht der Kamera spiegelverkehrt und würde die Gesichtshälfte überlagern, in die die Borg keine äußerlich sichtbare Technik implantiert hatten.

    Picard/Locutus in "The Impossible Box" (Bild: ViacomCBS)

    Picard/Locutus in “The Impossible Box” (Bild: ViacomCBS)

  • Picard hat zahlreiche Flashbacks, die wenige Bilder lange Sequenzen aus “First Contact” und “The Best of Both Worlds” zeigen. Wir sehen dabei auch Alice Krige als Borgkönigin und Patrick Stewart in den beiden unterschiedlich aufwendig gestalteten Make-Up-Varianten als Locutus aus der Serie und dem Film.
  • Soji besitzt einen “The Adventures of Flotter”-Koffer mit Erinnerungsstücken. Naomi Wildman gefällt das.
  • Die dreidimensionalen Borg-Interfaces, die in dieser Episode auftreten, haben bis auf die grüne Farbe keinerlei erkennbaren Bezug zu den Displays mit Kreis- und Adermotiven, die seit “First Contact” vom Kollektiv benutzt wurden. Auch die kreisförmigen Zeichen der Borgschrift sind nicht auszumachen.
  • Picard wird von einem Ex-Borg als Locutus wiedererkannt.
  • Wir erfahren, dass die Borg irgendwann nach Voyagers Besuch in “Prime Factors” den Planeten Sikaris assimiliert haben.
  • Mit 54 Minuten Laufzeit ist “The Impossible Box” die erste Episode “Picard”, die das klassische Format von 45 Minuten klar überschreitet.

Fazit

Nach einer sehr kontroversen fünften Folge und einigen Nebenkriegsschauplätzen macht “Picard” einen dringend überfälligen Schwenk und fokussiert sich auf seine Hauptstory. In “The Impossible Box” spielt die Serie erstmals seit dem Piloten ihre zahlreichen Stärken aus, die auch in dem clever konstruierten Plot mit vielen Anknüpfungspunkten zu einigen der spannendsten Aspekte des Kanons liegen. Zudem zeigt sich, dass die Hauptcharaktere Subtanz und emotionale Tiefe haben die sich nicht mehr nur mittelbar durch ihre Beziehung zu Picard definieren.

Soji in "The Impossible Box" (Bild: ViacomCBS)

Soji in “The Impossible Box” (Bild: ViacomCBS)

Zudem ist erfreulich, dass wir nun bis auf das Wiedersehen mit Riker und Troi in der nächsten Episode das aus Trailern bekannte Material hinter uns lassen, und im der letzten Drittel der Staffel echtes unentdecktes Land betreten können. Die Ereignisse dieser Folge lassen hoffen, dass uns der aufregendste Teil des Abenteuers noch bevorsteht.

Derweil schraubt sich beinahe unbemerkt die Fallhöhe für die Auflösung der nach wie vor zahlreichen verbleibenden Mysterien weiter nach oben. Nach dieser Episode ist klar, dass Sojis Hintergrundgeschichte noch lange nicht auserzählt ist. Drücken wir dem Writers Room die Daumen, dass sie anders als ihre “Discovery”-Kollegen für die epische Erzählung ein nachvollziehbares und befriedigendes Ende finden.

Bewertung

Handlung der Einzelepisode 5 out of 6 stars (5 / 6)
Stringenz des staffel- und serienübergreifenden Handlungsstrangs 5 out of 6 stars (5 / 6)
Stringenz des bekannten Kanons 4 out of 6 stars (4 / 6)
Charakterentwicklung 5 out of 6 stars (5 / 6)
Spannung 5 out of 6 stars (5 / 6)
Action & Effekte 4 out of 6 stars (4 / 6)
Humor 2 out of 6 stars (2 / 6)
Intellektueller Anspruch 4 out of 6 stars (4 / 6)
Gesamt          5 out of 6 stars (5 / 6)

Episoden-Infos

Episodennummer 6 (Staffel 1, Episode 6)
Originaltitel The Impossible Box
Deutscher Titel Die Geheimnisvolle Box
Erstausstrahlung USA Donnerstag, 27. Februar 2020
Erstausstrahlung Deutschland Freitag, 28. Februar 2020
Drehbuch Nick Zayas
Regie Maja Vrvilo
Laufzeit 54 Minuten

Mit Rücksicht auf andere Leser, die die Folge noch nicht gesehen haben, bitten wir, in den Kommentaren zu diesem Artikel auf Spoiler zu verzichten. Danke!


20 Kommentare

BananaJoe · 28. Februar 2020 um 10:01

Das Ende der Episode war für mich das einzig Positive. Der Rest war wieder einmal Game of Thrones in Space: Das Quartier des Emo-Romulaners hat eine Tür, die ganz offensichtlich die gotische Architektur imitiert (ich musste als Mittelalterfan richtig lachen). Seine ewig geile “Schwester” trägt Klamotten wie man sie auf drittklassigen Mittelaltermärkten üblicherweise sieht. Und dann ist auch noch dieser Schwert-Romulaner, der wie ein Elf aussieht. Puuuh, ist das alles einfallslos, flach, anbiedernd und peinlich. Besonders wenn man sich vor Augen führt, was diese Serie kostet.

Und ach wie toll, Raffi (keine Ahnung, wie man den Namen schreibt, ist mir auch egal, Picard (Patrick Stewart) kann im O-Ton ja auch nach über dreißig Jahren seinen französischen Namen richtig aussprechen) hat eine lesbische Ex-Geliebte. Als ob wir noch in den 1990ern leben würden und das irgend jemand vom Hocker hauen würde. Aber genau solche trivialen, gezielt herausgestrichenen Elemente sind offensichtlich das, was die Serienmacher priorisieren. Die Drehbücher hingegen sind extrem schwach, besonders die Dialoge haben das Niveau einer Telenovela für gelangweilte Hausfrauen.

Raffi säuft außerdem schon wieder. Da kann ich mich mit ihr wirklich gut identifizieren, weil das mache auch, wenn ich mir “Picard” ansehe. Ohne Alkohol geht es nicht. Diesmal waren es zwei Long Island Ice Teas. Das hat reingehauen! Meiner Frau hat ein Glas gereicht, aber sie ist ja auch kein Star-Trek-Fan und benötigt deshalb weniger Stoff, um “Picard” zu überstehen

Ich gestehe, es liegt nicht nur an den Serienverantwortlichen, dass ich diese Serie nicht mag. Es liegt auch an mir selbst. Ich bin, anders als in den 1990ern, kein Teenager mehr, der unkritisch runterschluckt, was ihm von Hollywood vorgesetzt wird. Ich sehe heute auch TNG kritischer als damals, trotzdem ist diese Serie immer noch ein Meisterwerk verglichen mit Kurtzman-Star-Trek.

Man sehe sich einmal bei Google Trends die weltweiten Aufrufe zum Begriff “Picard” an. Seit Serienstart ist das Interesse spürbar gesunken: https://trends.google.de/trends/explore?date=today%203-m&q=picard
Wundert mich nicht, die Story ist langatmig und, langweilig. Außerdem dumm obendrein.

ACClaus · 28. Februar 2020 um 13:58

Versuche auch kurz und spoilerfrei zu bleiben.
Die Serie Picard findet ihren Stil und bleibt auf hohem Niveau. In der Folge gibt es viele Gefühle (ohne albern zu wirken), menschliche Schwächen und auch Platz zur Entwicklung der Crewmitglieder von Picard. Zentral sind die Dämonen von Picard, seine Assimilierung. Finde ich gut gespielt und das braucht auch keine “neuen Erkenntnisse. Jugend ja aber Kinderfreundlich war TNG nie, in der ersten Staffel wird Worff und Wesley mit einem Bajonett erstochen. Diese Szenen wurden im deutschen Fernsehen geschnitten um die Sendung kinderfreundlich zu machen.
Insgesamt eine Folge die viel zeigt, viel Raum lässt und Spannung erzeugt.
5+

Stardust · 28. Februar 2020 um 15:58

Was mir, als emanzipierter Frau und Trekkie, nach dieser Folge endgültig auffällt: In der Führungsetage der Sternenflotte arbeiten nur noch Frauen. Eigentlich urkomisch und vor allem so schön entlarvend, dieser Sexismus des “Writers Room”. Nicht dass die Serie bloß deshalb für mich kaum auszuhalten ist, dafür gibt es schon bedeutendere Faktoren wie die öde, sich ewig hinziehende Handlung und ein ziemlich bösartiger un-Star-Trek-hafter Unterton. Aber es ist trotzdem ein kleines Detail des Gesamtbilds. Die positive Bewertung des Rezensenten ist für mich deshalb nicht verständlich.

    Vger · 1. März 2020 um 21:34

    Es sind Feigheit und die daraus resultierende politisch korrekte Selbstzensur, die es verhindern, dass dieser auffällige Punkt – der sozusagen der “Elephant in the Room” ist – von vielen Rezensenten unter den Teppich gekehrt wird.

      Chad · 4. März 2020 um 8:37

      Jedem seine Meinung. Aber sich darüber aufregen, dass in der Führungsetage der Sternenflotte nur noch Frauen an der Macht sind, obwohl man ja lediglich nur 2 Personen gesehen hat, ist schon ein klein wenig schräg. Ich freue mich “als Mann” sehr darüber. Es tut mir keinen Abbruch, macht die Serie weder besser noch schlechter und schliesst sich als Kritikpunkt komplett aus. Wie gesagt, meine Meinung.

galan · 28. Februar 2020 um 18:46

naja, kann eigentlich auch nach sechs folgen noch immer nicht erkennen, was an der serie star trek sein soll.wirkt wie generic sci fi auf die man einfach das label star trek geklebt hat. auch die schauspielerische vorstellung von patrick stewart überzeugt mich nicht wirklich. der mann ist zu alt für das, was die serie sein will, nämlich krawall, blut und action.
ich glaube was man jetzt schon sagen kann ist, wenn diese serie ausgelaufen ist, nach zwei oder drei staffeln, dann wird sie bald in der vergessenheit verschwinden. kein vergleich zu tos oder tng. was bleibt ist die erinnerung an einen greisen captain picard, anstatt die erinnerung an einen picard auf dem gipfel seiner karriere. haben wir das gebraucht? ich jedenfalls nicht. aber wohl cbs, denen nichts besseres als die exhumierung von picard eingefallen ist, um ihr drittklassiges streaming portal zu promoten

GandALF · 28. Februar 2020 um 23:47

Diese ständigen Flashbacks und Traumsequenzen, auch diesmal gab es das, nerven mich. Wieso keine lineare Erzählung? Nicht kompliziert genug?

Frank · 29. Februar 2020 um 11:07

Tolle und spannende Folge! Ich habe echt am Bildschirm geklebt! Tolle Charaktere und das Erwirken der Sondergenehmigung war absolut genial. Ich mag auch sehr die neuen Leute und Stewart ist super wie immer. Das ewige Genörgel (vor allem hier auf der deutschen “Fanseite” kann und will ich nicht nachvollziehen. Wem es so eine stete Qual ist jedes neue Star Trek seit Nemesis von Anfang 2000 zu schauen, der sollte lieber die Klassiker genießen statt sich über das neue zu ärgern – und allen anderen nicht den Spaß verderben.

    BananaJoe · 29. Februar 2020 um 14:04

    Sie werden es wohl aushalten müssen, dass auch jene Menschen das Recht zur öffentlichen Meinungsäußerung haben, die Ihre Meinung zu dieser Serie nicht teilen. Ich finde Ihren Kommentar nicht nur sehr unreif, sondern Ihre Aufforderung, sich den Gefühlen anderer Leuten zuliebe in Selbstzensur zu üben, geradezu bedenklich.

Frank · 29. Februar 2020 um 15:09

… Die negativ- Kommentare erinnern mich sehr stark an die Zeit von Enterprise. Die Serie wurde so lange von den Fans schlecht geredet und boykottiert in der Hoffnung, dass was “richtiges” und kein “Prequel” kommt bis die Serie und damit Star Trek beendet und für mehr als 10 Jahre gescheitert war. (Und viele finden Rückblickend die Serie gar nicht so übel) Und hätte JJ nicht Lust gehabt die Filme zu machen und die Investoren hätten damit eine Chance gesehen hätte es wohl gar kein neues ST gegeben. Ich habe Sorge, dass sich die Geschichte wiederholt – nur diesmal wird es keine zweite Chance für ST geben, da sich Investoren nicht gerne mehrfach die Finger verbrennen. Ich finde eine sachliche statt emotionale Kritik und Meinung immer interessant, wie die hier zum Borg-Schiff. Ich habe länger darüber nachgedacht (ich mag den Look innen) und für mich passt nach dem reflektieren auch inhaltlich: Alkoven waren zu sehen ebenso wie der Boden in Gitter-Optik und die grünen Displays “on demand” als Hologramm/Projektion. Auch die “morphenden” Wände passen ganz gut zu der Regenerations-Technik der alten Schiffe.Seit First Contact sind rund 25 Jahre vergangen. Eine Spezies die permanent Technik assimiliert kann somit Schiffe bauen die Innen das durchaus anders aussehen. Zumal mir die First Contact Zombi-Borgs mit Schläuchen als Rippenbögen auch ein bisschen “overdone” waren. Aber ist ja alles Geschmackssache. 😉

    Alex1605 · 29. Februar 2020 um 17:14

    Frank, kann dem nur zustimmen. Viele der Kritiken erwecken den Eindruck, die Serie wäre grottenschlecht und enden dann of 4 von 5. Dazu mal:
    Als ich TNG das erste Mal sah und unter den heutigen Maßstäbe beurteilte:
    Dieser „alte“ (ich: 30) Captain Picard, emotionslos, kalt und unhöflich. Mag keine Kinder und kann nichts mit Familie anfangen. Und der soll in der Sternenflotte ein Raumschiff führen?? Wo hat der den eine positive Einstellung zum Leben und vertritt damit Roddenberrys Ideale? Der kennt doch nur Dienst, Vorschriften und seinen „Auftrag“. Führt Besprechungen im Stehen??
    Sein No.1, Riker?, wirkt wie ein großer Schulbub, der mit großen Augen um sich schaut. Tasha, der Sicherheitsoffizier, hölzern und unglaubwürdig. Die Beraterin, Troi, angezogen in den ersten zwei Folgen wie ein Püppchen?? Himmelt Riker an und schmachtet ihm „im Gefecht“ nach?? Das sollen Sternenflottenoffiziere sein?
    Der „emotionslose“ Androide, Data, ganz nett. Zeigt sexuelle Lust als ihn Tasha verführen will?? Wird als Androide von einer Krankheit befallen und geimpft?? Wie unlogisch ist das denn?
    Im Besprechungsraum ist in der ersten Folge ein Hologramm im Tisch. Warum taucht das nicht wieder auf?? Alberne „Kindergeschichten“ mit dem Dauerlächler Wesley?? Ein Erkundungskommando beamt ohne Raumanzug auf ein Schiff auf dem vorher wegen Dekompression die halbe Crew getötet wurde??
    Ein alberner Kampf zwischen Tasha und einer „Königin??“ In einem Stangen Käfig?? Und diese kindischen Ferengi. Tanzen da mit Peitsche auf einem Planeten, das soll Zukunft sein?? Und die Darstellung des Planeten: Plastikkulissen im Studio??? Alberne Aliens und Halbnackte auf Planeten?? Wie billig ist das denn?? Hat sich da nichts weiterentwickelt??
    Worf und Wesley werden dahin gemeuchelt mit einem Bajonett in den Bauch, wie brutal ist das denn?? Ein Kind wird getötet?? Kinderfernsehen?? Ach so, sind ja „nur ein bißchen Tod“. Werden ja durch Rikers übernatürliche Q-Fähigkeiten wieder zum Leben erweckt. Puhh, Glück gehabt!
    Worf der Klingone, stumpf immer angreifen? Als Sternenflottenoffizier?? Dann dieser Todeskult bei den Klingonen?? Sterben die etwa gerne?? (Kinderfernsehen). Was hat das mit einer positiven Sicht der Zukunft zu tun??
    Da muss ich schon überlegen, ob das nicht nur ein alberner, unlogischer TOS-Abklatsch mit ein paar Frauen mehr ist. Ich will meine lässige, humorvolle TOS-Crew, mit gestandenen Charakteren wie Pille und Spock und einem jungen, emotionsgeladenen Captain zurück. Keine „kalten“ Captains, Bubis, Püppchen oder stumpfe Krieger auf der Brücke!

    Zum Glück bin ich dran geblieben. TNG hat sich nach und nach zu einer klasse Serie mit guten (außer einem) Kinofilmen entwickelt. Aber der Start war holprig.
    Auf Picard beogen: Ja, die Crew besteht nicht aus glatten, “strahlendweisen” Offizieren. Picard ist eben keine Staffel 8 von TNG. Genausowenig wie TNG einen Stffel 4 von TOS wr:
    Es lebe Star Trek in Picard.

      Chad · 4. März 2020 um 8:32

      Sehe ich auch so. Natürlich ist Picard noch nicht perfekt und natürlich macht die Serie einiges anderes. Muss sie meiner Meinung nach auch.

      Ich finde es bedauerlich, wie wenig die Fanseiten auf die Q&A von Michael Chabon eingehen, der meiner bescheidenenen Meinung nach, zu vielen Kritikpunkten sehr durchdachte, klare, schlüssige und auch beschwichtigende Antworten gibt.

      Leider leben wir nun mal in einer Gesellschaft, die nicht mehr gewillt ist längerfristig zu denken oder sich Zeit zu lassen. Es muss sofort alles perfekt sein und bitte nur genau so wie man es schon immer gekannt hat. Als ob Star Trek jemals vom Start weg super gewesen wäre.

Captain.K · 29. Februar 2020 um 17:24

Auf anderen Seiten las ich so etwas wie was ist das nur für eine Serie. Hm wen das so weiter geht war es das und dies ist was keiner möchte.

JJ.s Filme waren nie meines, aber gut das es sie gab. Manches gefällt einem mehr anderes weniger.

Jede Geschichte ist es wert zu Ende gelesen zu werden und dan beurteilt zu werden, auch Star trek picard hat dies verdient. Den ich denke wen die 3 Staffeln vorbei sind wird sich alles klären. Doch vorher sollte man sich freuen alte und mögliche alte Gesichter wieder zu sehen bevor es zu spät ist.

    Alex1605 · 29. Februar 2020 um 20:57

    @Captain.K: In der Tat (geklaut). Wir neigen heute dazu, zuerst das negative Detail zu sehen bevor wir das Große Ganze positive sehen. Ich habe am Anfang über TNG genauso gedacht, wie ich es oben geschrieben habe. Die ersten zwei Star Trek Filme von JJ mag ich, weil sie actionreich sind (das ist notwendig für einen Kinofilm und sich (einigermaßen) an die Charaktere gehalten haben. Aber, Geschmäcker sind verschieden.

Alex Foster · 1. März 2020 um 10:55

Ich versuch mal maximal diplomatisch zu sein. Es gibt Gründe STP zu mögen und es gibt Gründe als Star Trek Fan enttäuscht zu sein.

Hauptkritikpunkt für mich ist, dass die Serie unter ihren Möglichkeiten bleibt. TNG muss man aus der Perspektive der 80er sehen ebenso wie man STP aus heutiger Sicht sehen muss.

Dramaturgisch bleibt Picard dabei mehrere Stufen unter der aktuellen Sci Fi Konkurrenz wie z.B. The Expanse, Altered Carbon oder auch The Orville. Klar hat die Serie bis jetzt auch ihre guten Momente, aber Star Trek Fans sind eben immer schon ein sehr kritisches Publikum gewesen.

Jetzt bleibt es jedem selbst überlassen, wodurch er sich unterhalten lässt. Ist auch legitim.
Ich gehöre zu den Kritikern des New Trek, geb ich zu. Als Kind hab ich mit 5 Jahren begonnen, Star Trek zu sehen. Was mich damals vor allem fasziniert hat war die Technik, die ganze Welt des 24. Jahrhunderts. Klar waren Charaktere immer schon teilweise stereotyp, was mich damals nicht gestört hat. Ich mochte schlichtweg die Utopie.
Heute bin ich sicher ein wesentlich kritischer Zuseher, nicht nur was Star Trek betrifft, sondern generell. Vieles was mir als Kind gefallen hätte, interessiert mich heute überhaupt nicht mehr. Z.B. kann ich mich für sinnloses Actionkino nur mehr bedingt begeistern. Vermutlich weil ich gesättigt bin.
Atmosphäre, Charaktere und intellektueller Anspruch interessieren mich heute bei einer Serie oder einem Film viel mehr.

Ich bin generell ein Fan von Sci Fi und von historischen Stoffen. Bei beiden begeistert mich die Atmosphäre und Authentizität. Zukünftige und vergangene Welten müssen sich einfach anders anfühlen, als die Gegenwart.

Star Trek Picard ist für mich als Sci Fi Serie zu wenig visionär und als Star Trek zu unauthentisch. Die Serie geht keine neuen Wege, sondern ist ein Aufguss. Außerdem kopiert sie viele populäre Stilelemente aus anderen Serien und wirkt dadurch als Star Trek unauthentisch und beliebig. Für mich jedenfalls.

Woran liegt das für mich?: In erster Linie an den Charakteren und der Atmosphäre. Diese sind allgemein ziemlich stereotypisch und für Star Trek zu platt und unauthentisch. Vulgäre Sprache (f### Wort, JL etc) passen für mich nicht in das World-Building von ST. Star Trek war immer sehr dialoglastig. Es wurde viel immer viel durch Dialoge erklärt. Ich mochte das, weil man als Zuseher viele Infos bekam, die einem halfen, in die Welt einzutauchen. STP versäumt es bisher, uns Erklärungen für das ganze Setting der Serie zu geben. Ich habe einfach das Gefühl, dass die Autoren sich hier die Zusammenhänge nicht gründlich überlegt haben. Zudem wirken alle neuen Charaktere sehr stereotyp auf mich. Klar, diese müssen sich noch entwickeln, aber bisher ist mir das viel zu trivial. Elnor soll offensichtlich Game of Thrones und HdR Fans abholen und Rios für Coolness sorgen.

Picard ist aber für mich die größte Schwäche bisher. Genau genommen handelt Picard unlogisch und ständig gegen seine Überzeugung. Einerseits will er Millionen von Romulanischen Leben … nein Leben … retten, nimmt aber keinen Anstoß, wenn Elnor Romulaner recht grundlos enthauptet, oder ersticht. Er findet auch nichts dran, wenn Seven sich zwei Phaser ausborgt und auf Rachefeldzug geht. Sind ja auch Leben oder? Hier verrät die Serie ihre eigene moralische Grundaussage und das finde ich ziemlich lahm.

Die Antagonisten: Nun, bisher sind die Bösewichte ziemlich inkompetent. Darauf geh ich mal gar nicht näher ein, weil einfach nur ziemlich dumpf. An dieser Stelle spart die Serie mit Hintergrundinfos, die man meiner Meinung nach aber als Zuseher bräuchte, um das ganze Geschehen einzuordnen. Wir wissen nur, dass Romulus explodiert ist, die Androiden einen Anschlag auf den Mars gemacht haben und irgendwie alles den Bach runter ging. Okay: aber ich will einerseits wissen, wie und warum die Föderation eine Sklavenarmee von Androiden aufgebaut hat, obwohl es in der 2. Staffel von TNG in “Wem gehört Data” ein klares Urteil gab, dass Androiden niemandes Eigentum sind. Hier passt was nicht. Auch erklärt sich für mich die ganze Evakuierungssache nicht. Warum hört die Föderation auf den Romulanern zu helfen, nur weil Androide gemeutert haben? Das ist nicht einmal eine funktionierende Brexit-Anspielung, meiner Meinung nach. Andererseits will ich die Hintergründe zum aktuellen Machtgefüge bei den Romulanern wissen. Ohne diese Erklärung widerspricht sich die Serie meiner Meinung nach.

In diesem Punkt muss ich sagen, dass die Stärke von Star Trek immer war, Probleme als Überwunden darzustellen und nicht direkt zum Kern der Handlung zu machen. Die Botschaft in TOS gegen Rassismus war deshalb so erfolgreich, weil er als überwunden gezeigt wurde. Es wäre hingegen wenig revolutionär gewesen, wenn Kirk ständig seine Mannschaft ermahnen müsste, nicht rassistisch zu Uhura zu sein.
TNG zeigte ebenfalls, dass triviale Motivationen, wie Gier und Geld, überwunden sind. Wäre es revolutionär gewesen, zu zeigen, wie alle ständig in Geldnöte sind und sich um Gehaltserhöhungen geifern, weil die letzte Außenmission so anstrengend war?

Hier hält Star Trek Picard eben nicht mit. Es ist legitim, wenn es jemanden gefällt, für mich ist es zu anspruchslos. Es würde ja funktionieren, wenn Picard in seiner humanistischen Haltung gegenüber Leben konsequenter wäre. In Star Trek wurde nie sinnlos getötet. Phaser waren stets auf Betäubung. In TOS hat Spock noch eher seinen Nackengriff verwendet, als jemanden das Genick zu brechen. Feinde wurden nicht eliminiert, sondern kampfunfähig gemacht. Die bisherigen Vergleiche mit graphischen Szenen in der Vergangenheit von Star Trek hinken. Denn, wenn wirklich jemand oder etwas getötet wurde, dann war das immer ein letzter Ausweg. Und das war auch die Stärke von Star Trek: man hat immer Auswege gesucht, um Leben zu erhalten.
Jetzt in STP wird zu belanglos getötet. Einziger Zeck: weil es cool aussieht.

Star Trek hat nie versucht hip oder cool zu sein, sondern ging eigene Wege. Das machte die Serie nerdig und manchmal weniger populär. Aber eigentlich war dieser Mut zur Andersartigkeit zum jeweils vorherrschenden Mainstream das Erfolgsrezept für die letzten 50 Jahre.

New Trek von Abrams Movies bis Star Trek Picard ist hingegen auf den Mainstream voll eingeschwenkt. Als Kind hätte mir die viele Aktion vielleicht gefallen, langfristig fasziniert aber wohl kaum. Die JJ Abrams Filme so wie auch Star Trek Discovery kann man als Fan ja noch irgendwie ignorieren … eine Serie über Picard allerdings nicht. Und weil auch Picard der Prämisse von Star Trek nicht treu bleibt, ist bei mir und bei vielen anderen die Enttäuschung groß. Denn man hatte ja alle Möglichkeiten.

Alex1605 · 1. März 2020 um 11:31

@Alex Forster:
„TNG muss man aus der Perspektive der 80er sehen ebenso wie man STP aus heutiger Sicht sehen muss.“
Dann sollte man eben Picard nicht immer mit TNG vergleichen, wie auch du das tust. TNG würde heute mit seiner ersten Staffel nicht überleben. Der wesentliche Unterschied zu TNG sind die Hautdarsteller, die eben auch von durchaus negativer, menschlicher Seite gezeigt werden. Das halte ich für zeitgemäß. Kämpfen aber trotzdem For the greater Good: Die Rettung von Datas Tochter. Gerade Atmosphäre und unterschiedliche Charakter gefällt mir bei Picard. Und dieser Titelsong, ich liebe ihn. Was Utopie und Technik anbelangt bin ich sehr angetan von Picard. Holographische Steuerungselemente, Beamtore von Ort zu Ort, realistischere Warpflüge (ohne das Sternenfliegen von TNG u. folgende) usw.

Den Vergleich mit anderen Serien muss Picard auch nicht fürchten. Gerade „The Orville“ ist ein gutes Beispiel. Ich mag Orville, als „etwas verstaubte“ Serie al la TNG oder TOS. Es bleibt aber immer der fade Nachgeschmack der teilweise albernen Geschichten, der blütenweißen Charaktere und der fehlende Tiefgang.
Ich finde es auch gut, dass die Serie durch Erzählungen nicht übersättigt. Es werden genug Informationen, für Nicht-Trekkies, gegeben. Und offene Fragen finde ich gut, ich erwarte da auch im Folgenden eine Aufklärung in den Folgen.
Der andere Charakter der Crew gefällt mir gut. Ich gebe die recht, dass hier neue, teilweise überzeichnete Charaktere einfließen, an die ich auch mich erst gewöhnen muss. Aber ich lasse da mal der ersten oder auch der zweiten Staffel Zeit, das war bisher bei allen Star Trek Serien so.
Picard bleibt für mich auch Humanist, eben ein gealterter und auch von Selbstzweifeln gezeichnet. Sein Eintreten für die Romulaner. Er hat Elnor beschimpft als dieser, unverhältnismäßig, getötet hat. Er ist begeistert, dass aus den Borg, seinen Seelenfeinden, wieder Lebewesen wie die XBs werden.
Wo ich die recht gebe, sind die Gegenspieler. Teilweise albern, zu viele Frauen und unklare Rolle der Sternenflotte. Einzig Narek hat sich in der letzten Folge gesteigert.
Und die Toten. Sind in TNG nur kosmetischer verpackt gewesen. Wesley mit dem Bajonett erstochen?? Picard hat in Der Aufstand selbst zwei Besatzungsmitglieder erschossen usw. War eben „ein netter“ oder „kurzweiliger“ Tod.
Picard hat sich angepasst. Neue Elemente, an die auch ich mich gewöhnen muss. Charakter, die teilweise überzeichnet sind. Es ist eben keine Staffel 8 von TNG. Aber es bleibt Star Trek für mich und ich genieße es.

Copper · 1. März 2020 um 11:52

Ich bin damals mit TNG aufgewachsen und muss leider sagen, dass mir der neue Star Trek look nicht gefällt. Der Canon oder ob etwas Erzähltechnisch zu 100 Prozent Sinn macht, sehe ich, im Gegensatz zu den Hardcore Fans, nicht so eng. Es handelt sich schließlich um eine Phantasiewelt mit Grenzen im Budget, Vorgaben der Studios usw….
Das aktuelle Star Trek (egal ob Picard oder Discovery) ist mir zu düster, entspricht eher Dystopie statt einer Utopie. Warum muss sich bei beiden Serien eine “Rahmenhandlung” über eine oder gleich mehrere Staffeln dehnen anstatt, wie früher üblich, beinahe jede Folge in sich geschlossen war und nur in Ausnahmefällen die Geschichte über mehrere Folgen erzählt wurde.
Nachdem ich The Orville gesehen habe, finde ich diese Serie, gerade im Vergleich zu dem New Trek, beinahe genial wobei es definitiv auch bei Orville schlechte Folgen gibt. Allerdings z.b. die Folge Lasting Impressions (Die Zeitkapsel) ist grandios und in diesem (Erzähl)Stil hätte ich mir New Trek gewünscht.

Alex1605 · 1. März 2020 um 16:00

@Cooper. Bin ich bei dir. Wem die düsteren Elemente von Picard nicht gefallen, klar.
Mir haben einzelne Folgen von Orville auch sehr gut gefallen. Gerade die lezten zwei Folgen der zweiten Staffel, wow im Star Trek Himmel.
Aber dann sitzt Bortos wieder auf dem Ei oder die Doktorin verliebt sich in einen Blechkopf?? Dann bin ich wieder bei TNG Staffel 1, mit teilweise tollen Folgen aber auch Folgen, wo ich einfach vorspulen muss. Auch ich mag die Einzel- der Mehrerpisoden-Folge lieber, wie ein Staffel-Kanon. Aber so ist das eben heute.

    Copper · 1. März 2020 um 21:12

    Wie gesagt es gibt auch bei Orville einige schlechte Folgen und da muss ich Dir beipflichten, diese entsprechen wirklich TNG Staffel 1 Niveau, sind also eher dümmlich anmutend. Allerdings gibt es auch wirklich richtig richtig gute Folgen und diese habe bisher weder bei Discovery noch bei Picard gesehen. Bei beiden war bisher noch keine einzige Folge dabei, welche mich auch nur ansatzweise begeistern konnte. Mit der Kernideologie und der Geschichte von Star Trek im Sinne von auf ins All, neue Lebensformen entdecken, Forschung usw. hat New Trek quasi gar nichts am Hut. Das finde ich einfach Schade aber offensichtlich werde ich alt und meine Erwartung entspricht nicht mehr den Sehgewohnheiten des heutigen Publikums.

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