Wir sehen uns die siebte Folge von “Picard” an, die neben einer ruhigen Handlung, vor allem auf ein nostalgisches Reunion-Treffen setzt.

Achtung Spoiler!

Die Rückkehr der alten Bekannten

So schnell wird die Spekulation aus der letzten Folge ad acta gelegt. Gut, hätte man schon aus den Trailern wissen können, allerdings sehe ich mir die nicht an, um spoilerfrei in die nächsten Folgen zu gehen. Aber sei es drum: Riker und Troi sind zurück, wobei man spätestens beim Auftauchen von Kestra schon weiß, wie der Hase läuft. “TNG”-Kenner wissen, dass dies der Name von Deannas verstorbener Schwester ist. Doch auch kurz darauf gibt es noch eine kleine Kanonverbeugung, denn Riker erwähnt Probleme mit den Kzinti, einer Rasse aus der Zeichentrickserie, die bereits damals etwas kontroverser war. Ein kleiner Hinweis also auf den Kanonstatus der oft verschmähten Serie, aber dazu haben wir ja bereits einen Artikel gebracht und auch im Kanon-Futter der Folge werden wir darauf nochmal separat eingehen.

Die Folge lebt dann auch von dieser Begegnung der alten Recken und obwohl die Folge an sich eher ruhiger daherkommt, funktioniert sie von vorne bis hinten sehr gut. Dies liegt natürlich daran, dass das Zusammenspiel der drei Enterpriseler nicht nur den Nostalgiefaktor höher hält, sondern halt einfach funktioniert. Allein schon, wie Riker hier etwa Picards Intentionen errät oder Deanna ihn in die richtige Richtung schubsen muss, hätte so auch in “TNG” vorkommen können. Und dann ist da auch noch die Interaktion zwischen Kestra und Soji, die ebenfalls auf ganzer Linie überzeugen kann. Beide Darstellerinnen drehen hier also richtig gut auf.

Picard und Riker in "Nepenthe" (Bid: CBS)

Picard und Riker in “Nepenthe” (Bid: CBS)

Unter dieser Prämisse ist es auch gut, das man sich die Zeit genommen hat, Soji und Picard einander anzunähern und diese eher ruhige Episode eingebaut hat. Die Haupthandlung kommt dabei zwar nur marginal voran (dazu gleich mehr), aber das ist an dieser Stelle zu verschmerzen.

Ein paar negative Beobachtungen gibt es aber auch hier. So wusste Picard hoffentlich genau, wo er sich hat hinteleportieren lassen, andernfalls wäre es schon ein richtig großer Zufall, genau beim Anwesen der Rikers gelandet zu sein. Und die Erklärung, dass der Sohn der Rikers nur durch eine positronische Matrix hätte gerettet werden können, wirkt ein wenig konstruiert. Ebenso ist das Bild mit Picard und dem Baby so offensichtlich gephotoshopt, dass es ein Blinder mit Krückstock sieht.

Aber über diese kleinen Mankos kann man hinweg sehen. Wie gesagt, die Wiedervereinigung funktioniert und hier merkt man eben, das man ein Ensemble beisammen hat, das sich seit über 30 Jahren kennt und so spielt. Kestra und Soji sorgen zudem (Galaxy Google!) für die Auflockerung zwischendurch.

Die Schattenseiten – OH weh!

Wo Licht ist, da ist ja bekanntlich auch Schatten. Und der beginnt gleich zu Anfang mit einem Rückblick auf die Szene ein paar Wochen zuvor, als Oh Jurati rekrutiert hat. Vom schief sitzenden Rangabzeichen abgesehen, hatte ich ja eigentlich etwas Schockierendes erwartet, als sie gesagt hat, sie zeigt Jurati mal, warum Androiden gefährlich sind, und hierfür ihre Sonnenbrille abnimmt. Von aufblitzenden Androiden-Augen bis hin zu alienhaftem Glühen wäre mir alles recht gewesen und dann… kommt leider gar nichts in der Richtung.

Commodore Oh zeigt endlich, was sie drunter trägt! Oh Weh! (Picard 1×07, Bild: CBS).

Stattdessen folgt eine Gedankenverschmelzung (ohne Zustimmung!), bei der sie zeigt, dass die ach so bösen Androiden die Galaxis vernichten. Jeder, der also noch Hoffnung hatte (wie der Rezensent), es würde eben mal NICHT um alles und das Schicksal der Galaxis gehen, der wird spätestens hier eines Besseren belehrt. Dabei könnten die Szenen fast eins zu eins aus “Discovery“ stammen – die Ähnlichkeiten zu Control sind einfach zu deutlich da. Davon abgesehen stellt sich die Frage, woher Oh diese Einblicke in die Zukunft hat. Wäre ich an Juratis Stelle, auch wenn ich so ein schüchternes Häschen bin, hätte ich das mit meiner wissenschaftlichen Ader durchaus hinterfragt. Im Gegensatz zu “Discovery“ haben wir hier nämlich KEINEN irgendwie gearteten Blick in die Zukunft werfen können und das Ganze könnte auch einfach ein Hirngespinst von Oh sein.

Die Schattenseiten – Der Kubus

Von dieser Szene geht es gleich weiter zum Kubus, der die La Sirena im Traktorstrahl hält, bis Narek in einen Jäger gehüpft ist, und die dann ziehen lässt. Wobei ziehen lassen nicht das zutreffende Wort ist, denn so lange wie die noch neben dem Kubus rumtuckern, bevor sie dann abfliegen, hätten sie fünfmal abgeschossen werden können. Dass hier was nicht stimmt, ist zum Glück auch der Crew klar, immerhin lässt man das also nicht untern Tisch fallen.

Doch auch sonst sind die Szenen auf dem Kubus diesmal alles andere als gelungen. Hugh erweist sich bei der Exekution der xB als weinerlich, was zwar zu seinem Charakter von damals passt, 30 Jahre Entwicklung hätten hier aber durchaus anders aussehen können. Und wo war Elnor? Das Hugh sich so einfach gestellt hat, eben vor dem Hintergrund der vier romulanischen Leichen, ist dann doch schwer zu glauben. Und ebenso schwer zu glauben ist Rizzos Zögern. Hugh ist UFP-Bürger, deswegen darf sie ihn von Vertragswegen nicht töten. Ernsthaft? Sie sah die letzten Folgen nicht so aus, als hätte sie deswegen Zweifel. Nun gut, die Wandlung folgt auf dem Fuße weil Hugh ja plötzlich “feindlich“ ist. Hier übrigens eine starke Szene von Elnor, in der er nicht von Hughs Seite weichen will.

Gleich ist es vorbei: Hugh (Jonathan Del Arco) in “Star Trek: Picard” (Foto: CBS).

Leider bleibt das auch die einzige starke Szene, denn Hugh wird wenig später in einer – wieder einmal fragwürdigen – Sequenz um die Ecke gebracht. War er nicht eben noch dabei, wegzulaufen? Auch das hat leider nicht wirklich funktioniert und war nicht wirklich emotional oder überzeugend, sondern eher überflüssig. Wobei ich den Satz von eben etwas revidieren muss, es gibt nämlich durchaus noch eine starke Szene in dieser Sequenz. Als Elnor mit dem Schwert antritt, eröffnen die Romulaner einfach das Feuer und er darf zeigen, was er so drauf hat. Schön, das auf dieses Schwert vs. Disruptor noch eingegangen wird; weniger schön, dass Rizzo dann plötzlich verschwindet.

Da ihr Charakter in den letzten Folgen nicht wirklich tiefgründig ausgebaut wurde, hätte ihr Tod unter der Prämisse viel mehr Sinn gemacht, da man da emotional genauso wenig gefühlt hätte wie bei Hugh, dieses aber verdienter gewesen wäre. Freilich würde dann der Endgegner für die letzten drei Folgen fehlen, denn außer einem Showdown auf dem Androiden-Planeten steht eigentlich nicht mehr viel auf dem Plan. Zumindest werden es die Fenris-Ranger noch ordentlich krachen lassen, wenn man das Ende der Episode in der Richtung deuten will.

Die erwähnte Vernichtungswaffe der Königin ist dabei genauso ein Deus Ex Machina wie das Sikaris-Portal die Folge zuvor, macht aber, wie eben dieses, auch Sinn. Vermutlich eine Art Fail Safe Mechanismus, der alles Leben an Bord auslöschen kann. Fragt sich nur, wer den Knopf drückt. Seven oder Elnor? Und werden die xBs entkommen?

Zurück auf der La Sirena

Immerhin darf auch die Sirena-Crew diesmal noch einiges an Charaktertiefe entwickeln. Da ist Jurati, die von Raffi getröstet wird und es ist ganz witzig, dass es schlussendlich nicht das MHN ist (als man dieses aktivieren will und nichts passiert schlägt man immerhin den Bogen zur Maddox-Ermordung, auch wenn es später dann doch auftaucht), sondern Jurati selbst, die unter Gewissensbissen leidet und den Störsender deaktiviert. Dies wurde schön umgesetzt und auch das Spiel der Crew untereinander und Rios Verdächtigung von Raffi funktioniert unter dieser Prämisse hervorragend.

Musiker, Jurati und Rios in "Nepenthe" (Bid: CBS)

Musiker, Jurati und Rios in “Nepenthe” (Bid: CBS)

Diese Szenen bringen dann doch noch etwas Schwung in die teilweise etwas vernachlässigte zweite Riege, so kann es gern weitergehen.

Fazit

Eine ruhige Episode, die vornehmlich auf Charakterarbeit setzt und hier vor allem auf den TNG-Nostalgie-Faktor. Was soll man sagen? Das Ganze funktioniert und man vergisst darüber hinaus (zumindest fast) den schlechten Plot auf dem Kubus.

Bewertung

Handlung der Einzelepisode 5 out of 6 stars (5 / 6)
Stringenz des staffel- und serienübergreifenden Handlungsstrangs 5 out of 6 stars (5 / 6)
Stringenz des bekannten Kanons 4 out of 6 stars (4 / 6)
Charakterentwicklung 6 out of 6 stars (6 / 6)
Spannung 4 out of 6 stars (4 / 6)
Action & Effekte 3 out of 6 stars (3 / 6)
Humor 2 out of 6 stars (2 / 6)
Gesamt 5 out of 6 stars (5 / 6)

Episoden-Infos

Episodennummer 7 (Staffel 1, Episode 6)
Originaltitel Nepenthe
Deutscher Titel Nepenthe
Erstausstrahlung USA Donnerstag, 5. März 2020
Erstausstrahlung Deutschland Freitag, 6. März 2020
Drehbuch Samantha Humphrey, Michael Chabon
Regie Doug Aarniokoski
Laufzeit 59 Minuten

 


7 Kommentare

Chad · 8. März 2020 um 10:36

Eine hervorragende Folge. Für mich hatte es absolut Sinn gemacht, dass Picard diesen “Umweg” nimmt und seine beiden Freunde besucht. Es war zwar Fanservice aber der perfekten Sorte. Marina Sirtis ist hier richtig fantastisch und Troi hat einen der besten Auftritte ihrer Star Trek Geschichte. Kraftvoll, feinfüllig, intelligent. Auch Frakes spielt ganz herrvorragend und auch Riker wurde wunderbar geschrieben. Echt, die Szenen auf dem Planeten hätten noch drei Stunden weitergehen können, mich hätte es nicht gestört.

Auch die Szenen auf der La Sirena haben mich überzeugt. Alle drei Schauspieler treffen die richtigen Nuancen und ich merke richtig, wie die Charaktere mir langsam ans Herz wachsen. Ganz ehrlich, bei den ersten sieben TNG Folgen hatte ich mit allen Charakteren damals echt Mühe (selbiges bei DS9 und VOY), aber hier kriegt man endlich eine Art Ausblick. Die Chemie stimmt. Selbst Raffi wirkt endlich etwas wärmer.

Der Tod von Hugh habe ich erwartet. Er war ein Nebencharakter (wenn auch sehr beliebt, dank dem wirklich liebenswürdigen Schauspieler) und die Macher wollten uns daran erinnern, dass die Charaktere nicht sicher sind. Gut, ich glaube keine Sekunde, dass Seven, Troi oder Riker sterben wird, aber bei Hugh war es okay.

Auch die Szenen auf dem Borgwürfel fand ich jetzt nicht so störend. Sicher weit davon entfernt gut zu sein, aber verschmerzbar. Lustigerweise gefällt mir Rizzo. Sie erinnert mich immer “ein wenig” an die Initiantin aus DS9. Allerdings hoffe ich, dass sie etwas mehr Profil kriegt.

Abschliessend muss ich sagen, dass einige Kritikpunkte aus früheren Episoden hier behandelt werden. Manchmal streift man sie nur, aber mir scheint, die Autoren haben sich bei gewissen Dingen etwas überlegt und die vermeintlichen Fehler, sind womöglich gar keine (bsp. das stellenweise sonderbare verhalten von Picard).

Steve · 8. März 2020 um 13:08

Den Tod von Hugh sehe ich total anders. Mit dem Tod dieser so interessanten Figur hat man sich mehr verbaut als gewonnen, denn was wurde damit erreicht? Doch nur um zu zeigen, dass diese *Name entfallen* total böse ist, was ja schon dadurch erreicht wurde, dass sie seine geliebten XBs erschossen hat. Seine Trauer darüber fand ich viel effektvoller als seinen nutzlosen Tod.

Je mehr ich darüber nachdenke, desto sinnvoller erscheint es mir im Nachhinein, wenn man Picard mit Seven und Hugh auf eine Mission geschickt hätte, sind diese Figuren doch viel interessanter – und die beiden verbindet auch mehr mit Picard als Raffi, Rios und Jurati. Aber die Autoren werden schon wissen, was sie tun. So wie bei Discovery. Ironie aus.

Alex1605 · 8. März 2020 um 13:37

@Chsd; Stimme dir voll zu. Für mich eine der besten Folgen. Mir gefällt Raffie auch, aber Rios find ich einfach cool. Tja Hugh, leider. Aber eben die “Freiheit” der Drehbuchautoren. Trotzdem stark!

    Steve · 8. März 2020 um 18:01

    Warum gefällt dir Raffi? Weil sie trinkt? Raucht? Weil sie weiß, wo man Drogen bekommt? Weil sie schnell ihren Rausch ausschlafen kann? Weil sie Picard vorwirft, sie nie besucht zu haben, während sie selbst ihren Sohn nie besucht hat und dann flennt, weil er sie nicht sehen will? Weil unklar ist, was sie nun tun soll, weil sie nur mitwollte, um ihren Sohn zu treffen, was nicht glücklich endete. Weil sie nach Picards Rücktritt gekündigt hat, um was genau damit zu bezwecken? Weil sie im betrunken Zustand einen Admiral von einer Flugerlaubnis überzeugen kann? Muss zugeben, das hatte Charme. Aber ansonsten sehe ich in der Figur keinen Mehrwert für die Serie. Mir scheint eher, dass sie nach der Suche nach Maddox keinen Zweck mehr erfüllt und die Autoren auch nicht recht wissen, was sie mit ihr anfangen sollen. Da wäre es aus meiner Sicht besser gewesen, ein altes Crewmitglied der Stargazer aufzusuchen, das Picard mit der Suche nach Maddox hilft und gut ist – verstrickt in ein abgschlossenes Einzelepisoden-Abenteuer.

    Zum Beispiel so: Picard sucht einen ehemaligen Ingenieur von der Stargazer auf und bittet ihn um Hilfe bei der Suche nach Maddox. Der arbeitet gerade an einem Projekt, z.B. ein Terraforming-Projekt, das sabotiert wird. Dann hätten wir auch wieder mal ein Forschungsthema. Picard wird in das Abenteuer verwickelt und kann z.B. mit seinen diplomatischen Fähigkeiten zur Lösung beitragen. Am Ende der Folge spuckt der Computer Maddox´ Aufenthaltsort aus und Picard zieht weiter.

    Und da auf Freecloud ein paar schlagkräftige Typen von Nutzen sein könnten, fragt Picard die Klingonen. Da findet sich bestimmt jemand, der ihm einen Gefallen schuldet. So sucht man sich im Star-Trek-Universum ein Schiff. Kirk hat übrigens eins gestohlen, als er eins brauchte. Also fliegt Picard mit den Klingonen nach Freecloud. Wozu ein Romulaner-Elf wenn man eine Horde Klingonen haben kann?

    Nun aber Schluss, bevor meine Fantasie vollends mit mir durchgeht.

      Alex1605 · 8. März 2020 um 18:20

      Mir gefällt die Crew von Picard. Sie hat menschliche Schwächen und “Untiefen”. Sie wächst aber auch zusammen, sie kümmern sich. Rios, eher im Hintergrund, hört zu und ist da. Ich mag vor allem das etwas überzogen „männliche“ Verhalten. Das tut gut, nach den vielen eher weinerlichen männlichen Charakteren in anderen Serien.
      Auch Raffie, als No. 1 sowieso Spitze, zeigt ihre menschliche Seit bei Dr. Jurati. Und sie hat eben zu kämpfen. Der Obsession der „Verschwörung“ hat sie ihre Familie geopfert. Dr. Jutrati, fast übertrieben emotional, als einfache, naive Frau der das alles über den Kopf wächst. Und Elnor, mit seinen naiven „Data-ähnlichen“ Fragen, passt rein. Soll ruhig ein bisschen kämpfen in der nächsten Folge. Ich weiß, eher ungewöhnlich für Star Trek. Aber das ist der ganze Ansatz dieser Crew. Eben keine „Sternflotteneinheitscharakter“. Aber die Crew kann was und zeigt positive Gruppendynamik. Das gefällt mir. Sie spielen glaubwürdig und ja, wie bei Chad, ich freue mich mit ihnen an.
      Aber ich verstehe, wenn einem dieser Ansatz nicht gefällt. Klar TNG: Problemstellung, „sauber Lösung“, alle nett und fröhlich zum Ende der Folge. Ich mag das auch. Der übliche Sternenflottencrewansatz wurde ja z.B. bei Orville umgesetzt. Gefällt mir auch sehr, aber eben nichts Neues und teilweise eher „einfach“.
      Ich kann mich mit diesem Ansatz, der Crew der Individualisten, die viel zu tragen haben, anfreunden.

      Chad · 8. März 2020 um 18:33

      Ich mag Raffi, weil sie ein Mensch ist. Fehlerhaft. Dumm. Ängstlich. Vielleicht sogar feige. Weil sie auch mal in Selbstmitleid zerfliesst. Weil sie einfach unperfekt ist.

      Ich fand immer, dass es auch in einer “perfekten” Gesellschaft unperfekte Menschen geben muss. Menschen die falsch entscheiden, Dummheiten begehen und damit nicht klarkommen, sich und andere aufgeben. Ich finde es interessanter solchen Menschen zuzuschauen, wie sie ihre Probleme überwinden und stärker daraus hervorgehen, als Menschen die ohnehin schon perfekt sind. TNG war mir da immer zu glatt. Glücklicherweise gab es aber genügend andere Figuren, die diesen ach so weiterentwickelten Menschen ein wenig erdeten. (Okona zum Beispiel).

      Was die Autoren betrifft: ich mag es wenn Autoren nicht das tun was ich erwarte. Wenn Sie sich gegen mich entscheiden. Es wäre so leicht gewesen einfach ein TNG 2.0 zu machen, aber die Autoren sind glücklicherweise mutig genug andere, neue Wege zu gehen. Wege die natürlich nicht allen passen.

      Wieso Maddox plötzlich an einem Terraforming Projekt hätte arbeiten sollen erschliesst sich mir nicht. Ist ja nicht gerade ein ähnliches Forschungsgebiet. Und warum immer gleich die Klingonen herhalten müssen… keine Ahnung. Wir haben hier die erste Trek Serie, die mal weg von der Sternenflotte geht. Das ist ähnlich gewöhnungsbedürftig wie damals das “schifflose” Deep Space Nine. Es ist anders, was nicht per se besser oder schlechter sein muss. Es ist nur anders. Und genau DAS will ich von einer Trek Serie. Ich brauche nicht immer nur die neuen Abenteuer des Raumschiffs XY.

      Bei TNG hatten wir in den ersten sieben Folgen einen grauenhaften Pilotfilm. Eine Episode die 1:1 aus TOS hätte stammen können. Eine lächerliche Ferengi-Episode. Eine doofe Wesley Crusher Folge, eine zweifelhafte Tasha Yar Episode und danach kam “Das Gesetz der Edo”, welches nun ja… darf jeder selbst entscheiden. Schlussendlich ist es mir lieber die Autoren ecken an und riskieren was, als dass ich wieder die 08/15 Standard Star Trek Folge kriege.

        Steve · 8. März 2020 um 20:13

        Ich hatte gemeint, dass man statt Raffi (nicht Maddox) eine andere Figur hätte nehmen sollen, die nur in einer einzelnen Episode auftaucht, da sich mir ihr Daseinszweck momentan nicht erschließt. Statt Raffi hätte das ein(e) Forscher(in) sein können.

        Was spricht gegen Klingonen? Sie sind Verbündete der Föderation. Genausogut könnte ich argumentieren, warum immer die Romulaner herhalten müssen. Aber man hätte wohl auch ein vulkanisches Schiff nehmen können, Picard war ja mit Sarek sehr gut.

        Dass wir bei TNG einen grauenhaften Pilotfilm hatten, sehe ich nicht. Für die damalige Zeit wurden da neue Themen behandelt. Data wurde eingeführt, man begegnete neuen Lebensformen und das gab schon mal die Richtung vor, in die es ging. Wo noch nie ein Mensch zuvor gewesen ist. Und dorthin kommt man mit einem Raumschiff einfacher. Die Enterprise war ein Teil des Ensembles. Aber sicher, all das braucht man nicht, um eine Star-Trek-Episode zu erzählen. Star Trek funktioniert ohne Raumschiff, ohne Sternenflotte und ohne perfekte Figuren. Aber Star Trek war eine Utopie und hat damit fast ein Alleinstellungsmerkmal. Jetzt bin ich mir da nicht mehr so sicher, ob das noch eine Utopie ist. Wenn man genug Star-Trek-Aspekte über Bord wirft, hat man irgendwann kein Star Trek mehr, sondern erzählt eine beliebige Science-Fiction-Geschichte.

        Stellt euch mal die Serie ohne Picard vor. Was hätten wir dann?

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