In “Nepenthe“ verordnet sich Picard nach dem ersten Etappensieg seiner Mission eine Denk- und Atempause auf dem Planeten Nepenthe, wo er Rat bei zwei langjährigen Wegbegleitern sucht. Folge 7 ist eine Liebeserklärung an “Star Trek: The Next Generation“, geht aber auch einen eigenen, selbstbewussten Weg, insbesondere die Charakterentwicklung betreffend. Ob sich der Besuch auf Nepenthe gelohnt hat, klärt unsere ausführliche Zweitrezension.

Achtung, Spoiler-Alarm! 

S E A S O N   1

Siehe, sie warf in den Wein, wovon sie tranken, ein Mittel

Gegen Kummer und Groll und aller Leiden Gedächtnis. (…)

– Homers Odyssee (Übersetzung J. H. Voß)

Der Episodentitel “Nepenthe“ geht auf die griechische Mythologie, genauer gesagt auf Homers “Odyssee“ zurück. Darin enthalten ist die Erzählung von einem Pharmakon namens Nepenthes, ein Kompositum aus den griechischen Wörtern “ne”(nicht) und “penthos” (Kummer, Leid). Und damit steht auch schon das Leitmotiv dieser Episode fest, aus welchem die beiden Autoren Samantha Humphrey und Michael Chabon eine wirklich schöne Geschichte entworfen haben: Es geht um Leid, Kummer und Ängste. Und um die Frage, was man dem Kummer entgegensetzen kann.

Die Haupthandlung der Staffel tritt dabei nahezu vollständig in den Hintergrund, was der Episode jedoch keinen Abbruch tut. In “Nepenthe“ kehrt “Picard“ zudem zum fragmentierten Storytelling zurück. Während die Handlungsstränge A (Picard & Soji) und B (La Sirena) überzeugen können, fällt die C-Story auf dem Borg-Kubus leider etwas ab.

Doch bevor die dreigeteilte Gegenwartsgeschichte losgeht, verschlägt es den Zuschauer zunächst noch einmal drei Wochen in die Vergangenheit.

Im Angesicht der Apokalypse

Wir sehen noch einmal das Gespräch zwischen Jurati (Alison Pill) und Commodore Oh (Tamlyn Tomita) aus Folge 3, dieses Mal jedoch in der unzensierten Version. Oh scheint wohl doch Vulkanierin zu sein – oder zumindest deren Traditionen zu beherrschen. Jedenfalls zeigt sie Jurati via (ungefragter) Gedankenverschmelzung die drohende Apokalypse, sollten die Synths nicht restlos eliminiert werden. Doch keine Zeit für Tränen und Zaudern, Jurati muss zur Tat schreiten. Aber ist sie diesem Druck überhaupt gewachsen? Die Antwort gibt “Nepenthe“ etwas später…

“Ich zeige Ihnen, was geschieht, wenn man erlaubt, dass synthetische Lebensformen existieren.“

– Commodore Oh zu Jurati

Gut, ein solches Szenario hatte man schon vermutet. Woher die gezeigten Bilder allerdings stammen und weshalb Jurati das so unkritisch als Tatsache akzeptiert (eventuell Fake-Info?), bleibt erstmal offen. Zu erwähnen sei an dieser Stelle noch, dass Alison Pill hier wirklich überragend spielt! Das Zittern, die geröteten Augen, der erhöhte Puls, die Schnappatmung,…das Erbrechen. Allergrößten Respekt!

Die Bilderschau, die Jurati gezeigt bekommt, enthält auch Szenen aus “Discovery” Season 2. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass man hier eine Verbindung zwischen beiden jüngsten “Star Trek”-Serien in den Plot geschrieben hat. So wäre es beispielsweise denkbar, dass die gefährliche K.I. ‘Control’ das Staffelfinale “Süße Trauer” (DSC 2×13) doch irgendwie überlebt hat und sich seither (140 Jahre lang) auf einem Planeten (Sojis Heimatwelt im Ghulion-System) versteckt, die Synths der Sternenflotte umprogrammiert hat und nun zum finalen Vernichtungsschlag ausholt. Vielleicht steckt Control auch hinter Soji und Dahjs Mutter sowie hinter der romulanischen Supernova. Mal sehen, was uns in den restlichen Episoden der Staffel erwartet. Man sollte Control aber auf dem Schirm behalten.

Agnes Jurati sieht in “Nepenthe” die drohende Apokalypse (Bild: PIC 1×07, CBS/Amazon Prime Video).

Kill Hugh, Part 2

Von der Erde geht’s dann direkt in die Gegenwart zum Borg-Kubus: Picard und Soji sind mithilfe des Raumtrajektors nach Nepenthe aufgebrochen, doch die La Sirena kann nicht zum vereinbarten Treffpunkt eilen, da die Romulaner das Schiff mit einem Traktorstrahl festhalten. Doch plötzlich deaktiviert der Kubus den Strahl und die La Sirena kann auf Warp gehen. Das ging zu einfach, meint zumindest Raffi. Und so ist es auch: Narek (Harry Treadway) hat sich mit einem flotten Scoutschiff an die Fersen der La Sirena geheftet. Er hat es wohl immer noch auf Soji abgesehen und (noch) nicht auf deren Heimatwelt.

Der mutige Elnor (Evan Evagora) ist derweil auf dem Kubus verblieben, um Hugh und die xBs vor den Romulanern zu beschützen. Catwoman-Narissa (Peyton List) hat unterdessen ein romulanisches Erschießungskommando auf die xBs losgelassen und lässt einen nach dem anderen exekutieren, da Hugh (Jonathan Del Arco) nicht damit rausrücken will, wo Soji und Picard geblieben sind. Er selbst genießt noch politische Immunität, doch als er zur Revolution der Ex-Borg anstiften will, ist sein Schicksal besiegelt. Elnor greift zwar noch schützend ein, kann Hughs Ermordung letztendlich aber nicht mehr verhindern. Narissa macht sich derweil aus dem Staub.

“Wenigstens war ich für einen Moment (…) wirklich wieder ein (…) hoffnungsvoller Narr. Danke dafür!“

– Hugh

Und sie haben es wirklich getan! Ich hatte es ja schon vermutet und nun ist es traurige Gewissheit. Nach nur drei Folgen und überschaubarer Handlungsrelevanz hat man Jonathan Del Arcos Hugh leider schon wieder aus der Serie geschrieben. Hughs haben es in “Star Trek“ derzeit eben nicht leicht. Dieser Hugh dürfte aber wohl nicht im Myzelraum gelandet sein. Schade, ich hätte gerne noch viel mehr von ihm gesehen!

Hugh (Jonathan Del Arco) und Narissa (Peyton List) in “Nepenthe” (Bild: PIC 1×07, CBS/Amazon Prime Video).

Hughs Tod zündet als WTF-Moment leider nicht wirklich. Natürlich ist die Erschießungsszene schockierend, aber die xBs sind in den bisherigen Episoden leider viel zu anonym geblieben, als dass man als Zuschauer eine echte emotionale Beziehung zu diesen hätte aufbauen können.  Das gilt leider auch für Hugh, dem man einfach noch mehr Screentime und Charaktertiefe hätte geben müssen. Airiam lässt grüßen…

Glücklicherweise bekommt Elnor dafür endlich etwas mehr Profilierung spendiert. In Gegenwart anderer Personen – vor allem Respektspersonen – ist er unglaublich mutig. Nach Hughs Tod ist er aber wohl zum ersten Mal in seinem Leben komplett auf sich allein gestellt, was ihn sichtlich überfordert. Ohne eine Bezugsperson wirkt er hilflos und verzweifelt. Deswegen hat er wohl auch Seven um Hilfe gerufen. Ich finde diesen Aspekt seines Charakters äußerst interessant. Mal sehen, ob man das auch konsequent weiterverfolgen wird.

Kuchen mit Tante Raffi

In meinen vorherigen Rezensionen hatte ich wiederholt eine teils fehlende Charakter-Weiterentwicklung bezüglich Picards neuer Crew beklagt. Erfreulicherweise muss ich diese Kritik für “Nepenthe“ nicht ein weiteres Mal wiederholen. Das Trio Rios, Raffi und Agnes hat mir dieses Mal extrem gut gefallen.

Rios (Santiago Cabrera) zeigt sich zwar als gewiefter Kommandant, wirkt aber weitaus weniger ruhig und souverän als jeder der uns bekannten Sternenflotten-Captains, angefangen von Archer über Pike, Kirk, Picard, Sisko oder Janeway. Er muss sich erst wieder daran gewöhnen, nun nicht mehr nur die Verantwortung für sich selbst zu tragen.

Und Raffi (Michelle Hurd) ist endlich wieder nüchtern, jammert (fast) nicht und ist somit tatsächlich ein Mehrwert für diese Crew. Ihre Interaktion mit Rios und Agnes macht Spaß, weil diese Crew wirklich so herrlich unorthodox und informell miteinander umgeht und in Gefährdungslagen richtig viel Nerven zeigt. Das hat man in “Star Trek“ so bisher noch nicht gesehen. Es hat einige Zeit gebraucht, aber langsam werde ich mit den neuen Charakteren warm.

“Picard kann auf sich selbst aufpassen und jemand anders kann den scheiß Androiden finden. Wieso muss ich das sein?!“

– Agnes Jurati

“Du machst jetzt erstmal einen Spaziergang mit Tante Raffi.“

– Raffi Musiker

Zu Alison Pill habe ich bereits einiges gesagt, sie spielt wirklich toll. Ihr innerer Konflikt ist glaubhaft gespielt, sie kann die Last ihrer Geheimmission nicht mehr ertragen. Der Koma-Twist kam für mich trotzdem überraschend. Ich bin gespannt, wie es mit ihr weitergehen wird.

Raffi (Michelle Hurd) und Agnes Jurati (Alison Pill) in “Nepenthe” (Bild: PIC 1×07, CBS/Amazon Prime Video).

Familienidyll mit trauriger Vorgeschichte

Picard und Soji landen derweil auf Nepenthe, einer wunderschönen Welt, die angesichts ihrer regenerativen Umwelt ein wenig an Ba’ku aus “Star Trek: Der Aufstand“ erinnert. Die Familie Riker-Troi hat es vor vielen Jahren hierhin verschlagen – aus einem sehr traurigen Grund. Ihr erstes Kind, Thaddius (Thad), 2381 geboren, litt schon seit frühester Kindheit an einer eigentlich heilbaren Krankheit namens Mendaxische Neurosklerose, ein auf Silikon basierender Virus. Eine solche Krankheit gab es übrigens auch schon in der “Enterprise“-Episode “Beobachtungseffekt“ (ENT 4×11). Doch aufgrund des Synths-Verbots, das auch die Entwicklung positronischer Matrizen untersagt, konnte Thad nicht angemessen therapiert werden. Die einzige Überlebenschance für ihren Erstgeborenen sahen Troi und Riker im Ökosystem von Nepenthe, dem man heilende Kräfte nachsagt. Will und Deanna verließen die Sternenflotte und ließen sich an diesem paradiesischen Ort nieder. Doch alle Hoffnung war vergebens. Thad starb und die Familie leidet noch immer unter diesem Verlust.

So schön es auch ist, Troi und Riker wiederzusehen, so traurig ist die Geschichte, die man ihnen in ihren weiteren Lebenslauf geschrieben hat. Wow, das hatte ich nicht erwartet! Und wie man das traurige Geheimnis schließlich lüftet, ist in der Tat tolles Storytelling. Die Geschichte wäre auch so schon dramatisch genug gewesen, aber dass Deanna nun das durchleben muss, was schon ihren eigenen Eltern widerfahren ist, setzt der ganzen Sache nochmal eins obendrauf. Schicksal wiederholt sich – hier leider von der übelsten Sorte.

Die Familie Riker-Troi in “Nepenthe” (Bild: PIC 1×07, CBS/Amazon Prime Video).

Wirklich herzerwärmend geschrieben ist auch Tochter Kestra, gespielt von Lulu Wilson. Kestra hieß auch Deannas verstorbene Schwester (TNG 7×07 “Ort der Finsternis“), die ebenfalls blonde Haare hatte. Kestra ist selbstbewusst, neugierig und einfühlsam, vor allem Soji gegenüber. Sie ist in der Tat eine Mischung aus Riker und Troi. Und auch wenn sie kaum noch Betazoiden-Gene in sich trägt, spürt man ihre empathische Natur in jedem Gespräch mit Soji. Wirklich zauberhaft geschrieben und ganz, ganz toll gespielt.

Die Familie Riker-Troi muss jeden Tag mit dem Kummer leben, aber sie haben es als Familie irgendwie geschafft, ihre Lebensfreude zu erhalten. Hier bekommen wir schon den ersten Wink: Gegen Kummer hilft familiäre Liebe und Geborgenheit.

Picards Gewissen

Wirklich grandios sind die Szenen mit dem Trio Picard, Troi und Riker sowie die jeweiligen Einzelgespräche, die Picard mit Will und Deanna führt. Für einen “TNG“-Fan fühlt sich das wie eine Heimkehr an. Den Autoren Samantha Humphrey und Michael Chabon ist es hier wirklich gelungen, alten Figuren neue Facetten hinzuzufügen und dem Original trotzdem gerecht zu werden. Troi und Riker haben sich gewiss weiterentwickelt und auch verändert, aber sie sind trotzdem in jeder Sekunde zu 100 Prozent wiederzuerkennen. Besonders interessant finde ich Rikers Wandlung vom ehrgeizigen Karrieristen in “TNG”-Staffel 1 zum Familienvater in “Picard”. Hier haben sich die Prioritäten ganz eindeutig verschoben, was auch einen bemerkenswerten Kontrast zu gezeigten alternativen Zeitlinien (Admiral Riker!) darstellt.

Marina Sirtis und Jonathan Frakes haben auch nach zwei Jahrzehnten Pause immer noch das nötige Gespür für ihre Charaktere, das wird in “Nepenthe” offensichtlich. Und Hut ab vor Frakes, der eigentlich schon lange nicht mehr schauspielert. Man hat es ihm nicht angemerkt.

“Was Sie sein müssen, ist Jean-Luc Picard. Mitfühlend, … geduldig, … neugierig.“

– Troi zu Picard

In seiner Rede in “Star Trek: Nemesis“ anlässlich der Hochzeit von Troi und Riker sprach Picard davon, dass Deanna Troi sein Gewissen sei. Und diese Aussage greift man in “Nepenthe“ hervorragend auf, ohne sie auch nur wörtlich zu erwähnen. Denn vor allem Troi redet mit dem gealterten Picard Tacheles. Und nach all den verbalen und habituellen Fehlleistungen, die sich Picard bisher in der neuen Serie geleistet hat, war diese kalte Dusche auch mehr als angebracht. Insbesondere nach seiner indiskutablen Reaktion auf Sojis Misstrauensbekundung.

Deanna Troi (Marina Sirtis) liest Picard (Patrick Stewart) in “Nepenthe” die Leviten ( Bild: PIC 1×07, CBS/Amazon Prime Video).

Picards Hang zur Überheblichkeit und Ruppigkeit war auch schon in der ersten Staffel von “TNG“ zu erkennen gewesen. Doch er hat eben auch andere Seiten, die sich in “TNG“ nach und nach durchgesetzt haben, bis der Picard aus der ersten Staffel allmählich in Vergessenheit geriet. Man darf auch nicht vergessen, dass Picard in seiner Jugend wohl ein arroganter A**** gewesen ist. Könnte es sein, dass sowohl seine Krankheit als auch seine Verbitterung nach 2385 dazu geführt haben, dass alte Laster wieder ausgebrochen sind?

Die Kombination aus familiärer Herzlichkeit und neuer Symmetrie zwischen Picard und seinen einstigen Offizieren sorgt jedenfalls dafür, dass Troi und Riker nach dem enttäuschenden “Nemesis“-Finale endlich einen würdigen Abschied (?) erhalten. Picard und Rikers formeller Händedruck in “Nemesis“ war wahrlich eine Zumutung gewesen und nach 15-Jahren gemeinsamer Abenteuer einfach nur unangemessen. Leider macht die ansonsten sehr gelungene deutsche Synchro das familiäre Flair der Episode durch die nun absolut unpassende Siezerei irgendwie kaputt. Meine Güte, die sind alle nicht mehr in der Sternenflotte, kennen sich seit 35 Jahren und busseln sich gegenseitig ab. Wie kann man da noch ein “Sie, Jean-Luc“ ins Drehbuch schreiben?!

Das “The Next Generation”-Trio wiedervereint: Riker, Picard und Troi in “Nepenthe” (Bild: PIC 1×07, CBS/Amazon Prime Video).

Soji auf Selbstfindungssuche

Soji hat in “Nepenthe“ schwer mit sich zu kämpfen, was nach der Enthüllung, in Wirklichkeit ein Androide zu sein, auch absolut verständlich ist. Isa Briones spielt wie schon letzte Woche sehr stark und ihre Szenen mit Lulu Wilson und Marina Sirtis sind nicht nur echt gut geschrieben, sondern auch richtig gut gespielt. Soji sucht ihre Identität und diese hat in der Regel auch etwas mit Heimat zu tun. Wer seine Identität sucht, dem fehlt wohl auch eine Heimat – oder zumindest das Gefühl, irgendwo zuhause zu sein. Sehr philosophisch und eine schöne Parallele zu Picard (“Ich habe mich hier nie zuhause gefühlt.“) und Thad.

“Sie wissen, dass Sie echt sind. Aber Soji hat keinen Grund, das zu glauben. Sie hat noch nicht mal Grund zu glauben, dass sie selber echt ist. Sojis Fähigkeit zu vertrauen war ein Fehler in ihrer Programmierung.“

– Troi über Soji

Ein zweites Leitmotiv, das die Episode aufgreift, ist Vertrauen: Vertrauen zu sich selbst und zu anderen Menschen. Wer sich nicht selbst vertraut, wird auch anderen Menschen nur schwerlich vertrauen können (Soji). Wer aber Menschen um sich hat, die einem Vertrauen entgegenbringen, der wird viel eher zur Selbstsicherheit (zurück-)finden (Picard). Ein schönes Leitmotiv für tiefgreifende Dialoge. So muss “Star Trek“ sein!

“Bevor Ihre Schwester zu mir gekommen ist, wurde ich von meiner Vergangenheit verfolgt.(…) Aber jetzt bin ich hellwach und habe eine Mission (…)“

– Picard

Auch Picard findet also dank seiner alten Freunde immer mehr zu sich selbst zurück. Wirklich rührend fand ich auch, wie präsent Data immer noch im Leben seiner einstigen Weggefährten ist. Sie erzählen ihren Kindern von ihm und das in einer so herzlichen und rührenden Weise. Wow, da habe ich echt Gänsehaut bekommen.

Soji (Isa Briones, links) muss in “Nepenthe” erst wieder lernen, anderen zu vertrauen (Bild: PIC 1×07, CBS/Amazon Prime Video).

Beobachtungslounge

  • Wie schon die Episoden zuvor enthält auch “Nepenthe“ zahlreiche Easter-Eggs und Kanon-Referenzen, darunter Picards künstliches Herz, die Namen Thaddius und Kestra, Datas Leben, die Kzinti, Rikers Liebe zum Kochen sowie dessen standardmäßiger “TNG”-Befehl “Schilde hoch!”.
  • Würde sich ein Zhat Vash-Agent wirklich um interstellare Verträge scheren? Und wer will das kontrollieren?
  • Das Haus von Riker und Troi ist bemerkenswert ambivalent. Einerseits findet sich im Inneren kaum moderne Technik, was angesichts der Tatsache, dass deren Bewohner über mehrere Jahrzehnte auf hochtechnisierten Raumschiffen gelebt haben, schon verwunderlich ist. Das Anwesen selbst wird jedoch mit Hightech (Schutzschilde) vor ungewünschten Gästen beschützt.
  • Picard stellt Riker als “Commander Riker“ vor, obwohl dieser in “Nemesis“ zum Captain befördert wurde. Jean-Luc wird alt…
  • Thads Tod mit dem Synths-Verbot in Verbindung zu bringen, wirkt doch etwas konstruiert und überzogen dramatisch.
  • Die Troi-Riker-Familie lebt sehr abgeschieden von der Zivilisation auf Nepenthe, wobei Kestra Kontakt zu einem Captain Crandall pflegt.
  • Die angebliche “Pazifistin” Kestra tötet einen Hornhasen (den man am Anfang sogar noch fröhlich hoppelnd sieht), damit ihr Vater daraus Wurst für die Bunnicorn-Pizza machen kann. Sorry, aber das hat mir überhaupt nicht gefallen! “Star Trek“ stand immer für die Botschaft, dass wirklich jede Form von empfindungsfähigem Leben auch ein Lebensrecht besitzt – sogar Siliziumwesen, Kristallwesen oder andere nicht-organische Wesen. Das Töten von Tieren sollte in der utopischen Welt von “Star Trek“ aus technischen (Replikator, Gentechnik) und vor allem auch aus moralischen Gründen (Advanced Human) eigentlich obsolet geworden sein. Wer selbst Androiden ein Lebensrecht zugesteht, kann es im Gegenzug den Tieren nicht absprechen. Zudem steht dies auch im Widerspruch zu Kestras empathischem Charakter. Dümmlicher, un-trekkiger und auch völlig unnötiger Handlungsaspekt!
  • Schaut denn eigentlich niemand mehr die Takes an, bevor der Dreh abgeschlossen wird? Commodore Ohs Rangabzeichen hängt schief…und zwar sehr auffällig schief!
  • Nareks Scoutschiff verwendet einen Joystick. Auch eher ungewöhnlich für das 24. Jahrhundert, von “Star Trek: Der Aufstand“ und dem Delta Flyer mal abgesehen.
  • Warum Hugh lieber zusieht, wie mehrere xBs erschossen werden, statt Narissa Picards Aufenthaltsort zu sagen (er hätte ja auch ein getarntes Schiff oder so erfinden können), bleibt das Geheimnis der Autoren.
  • Rios verdächtigt also eher Raffi als Agnes? Mit welchem Körperteil denkt er eigentlich?

Commodore Ohs (Tamlyn Tomita) Uniform ist nicht im korrekten Zustand (Bild: PIC 1×07, CBS/Amazon Prime Video).

Das unentdeckte Land

Achtung, Spoiler zu Episode 8!

In PIC 1×08 “Broken Pieces” nimmt die Handlung scheinbar richtig Fahrt auf. Seven kehrt zurück und dürfte in der Handlung auf dem Borg-Kubus von großer Bedeutung sein. Derweil wacht Agnes aus dem Koma auf und scheint Picard von ihren Insights zu berichten. Den Preview-Trailer gibt’s hier.

Trailer-Shot zu “Picard” 1×08 “Broken Pieces” (Bild: startrek.com).

Fazit

“Nepenthe” kann das hohe Niveau der vergangenen Episode halten. Auch wenn der übergeordnete Plot nur in geringem Maße vorankommt, machen doch die Charaktere der Serie endlich einen teils gewaltigen Schritt nach vorne. Das tut der Serie gut! Der Rest der Episode ist Nostalgie pur, ohne dass die Reunion unserer lieben “TNG”-Helden ein Selbstzweck wäre. Auch die wieder einmal maximal durchschnittliche Handlung auf dem Borg-Kubus kann eine 5-Sterne-Wertung nicht verhindern.

Bewertung

Handlung der Einzelepisode 5 out of 6 stars (5 / 6)
Stringenz des staffelübergreifenden Plots 5 out of 6 stars (5 / 6)
Stringenz des bekannten Kanons 5 out of 6 stars (5 / 6)
Charakterentwicklung 6 out of 6 stars (6 / 6)
Spannung 4 out of 6 stars (4 / 6)
Action & Effekte 3 out of 6 stars (3 / 6)
Humor 3 out of 6 stars (3 / 6)
Dialoge 5 out of 6 stars (5 / 6)
Intellektueller Anspruch 5 out of 6 stars (5 / 6)
Gesamt 5 out of 6 stars (5 / 6)

Episoden-Infos

Episoden-Nummer 7 (Staffel 1, Episode 7)
Originaltitel Nepenthe
Deutscher Titel Nepenthe
Erstausstrahlung USA Donnerstag, 5. März 2020
Erstausstrahlung Deutschland Freitag, 6. März 2020
Drehbuch Samantha Humphrey & Michael Chabon
Regie Doug Aarniokoski
Laufzeit 59 Minuten

 


5 Kommentare

Alex1605 · 9. März 2020 um 21:38

Mit der Rezension voll einverstanden.
Das war einfach eine Folge der Spitzenklasse im Star Trek Universum!

Tim · 9. März 2020 um 22:53

Die siezen sich in der deutschen Version immer noch?
Sind da immer noch die selben Holzköpfe für die Dialogregie verantwortlich?

Testosteron · 10. März 2020 um 0:06

Meine Meinung:
1. Diese Serie langweilt mich zu tode.
2. Patrick Stewart enteiert die Rolle des Picard vollständig. “Orange Man bad”, “Berxit bad”. Mehr fällt dem Schauspieler-Millionär aus GB nicht ein, wie es scheint. Losgelöst con der Lebensrealität des Normalbürgers treibt er durch den Raum.
3. Kirk profitiert von all dem. Mag sein Tod in “Genrations” auch noch so sinnlos wirken, er hatte wenigstens einen halbwegs anständigen Abgang. anders als “Tattergreis Picard”.

Steve · 10. März 2020 um 13:03

6 Punkte bei Charakterentwicklung? Liegt wohl daran, dass Hugh zu Ende entwickelt wurde.

Chad · 10. März 2020 um 13:04

Ein tolles Review. Danke dafür. 100% Zustimmung. Lustigerweise hat ich die Tötung des Hasen wesentlich mehr geärgert als die von Hugh, lol.

Schön, dass die Serie langsam etwas runder wird. Die letzten beiden Folgen waren wirklich sehr gut. Bin sehr gespannt was in den nächsten 3 Folgen passiert und ob die Serie einen runden 1. Staffel Abschluss hinkriegt (bin vorsichtig optimistisch), sie es in der letzten Folge in Sand setzen oder einen offenen Cliffhanger produzieren.

Das die Story mit Control zusammenhängen könnte… also ich weiss nicht so recht… kann es mir schwer vorstellen und fände das auch irgendwie doof. Das Spezialeffekteszenen allerdings wiederverwendet werden ist in Trek seit jeher gang und gäbe (gabs in den Kinofilmen des öfteren und bei den Serien erst recht).

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