“Et in Arcadia Ego, Teil 1” wartet mit einer selbsterfüllenden Prophezeiung auf, welche die Galaxis an den Rand eines gigantischen Krieges führen könnte. Die neunte Episode von “Star Trek: Picard” ist der Prolog zum großen Staffelfinale und das merkt man ihr an vielen Stellen auch deutlich an. Handlung, Setting und Figuren fehlt es über weite Strecken an Innovation, Inspiration und Dynamik. Am Ende beschwört die Geschichte jedoch ein Dilemma herauf, das in guter, alter “Star Trek”-Tradition steht. Lest hier unsere ausführliche Episodenkritik.

Achtung, Kurzstreckensensoren melden massive Spoiler!

Exposition ohne Pep

“Et in Arcadia Ego, Teil 1”, der Prolog zum großen Staffelfinale, legt furios los mit der Ankunft der La Sirena bei Coppelius, dem Scharmützel mit Nareks Schiff, dem Eintreffen des Borg-Kubus, den gigantischen Orchideen-Kampfdrohnen, Picards vermeintlichem Tod und dem Absturz der beiden Schiffe auf die Planetenoberfläche. Puh, ganz schön viel für einen rund sechsminütigen Teaser! Und darin liegt vielleicht auch das Problem der Episode. Nach dem Intro erfüllt die Folge nämlich nicht mehr das, was der Teaser hoffen lässt. Im Fußball würde man davon sprechen, dass sich beide Mannschaften erst einmal abtasten. So kommt mir auch die erste Hälfte der Episode vor, die primär mit konstruiert wirkender Fährtenlegung (Borg-Kubus, Seven of Nine, Picards Diagnose) und seichter Coppelius-Exposition (“Insel der Glückseligkeit”) daherkommt. Dementsprechend flach und vorhersehbar wirken auch viele Dialoge. Irgendwie hat mir hier der Pep gefehlt. Erst in den Schlussminuten nähert man sich so allmählich dem Strafraum.

Orchideen-Kampfdrohnen attackieren die La Sirena und den Borg-Würfel (Bild: ViacomCBS).

Im Idyll der Synths

Dass Chefautor Michael Chabon für sein World Building gerne Inspiration in der griechischen Mythologie sucht, ist nach acht Episoden “Star Trek: Picard” wahrlich kein Geheimnis mehr. Auch das Drehbuch zu “Et in Arcadia Ego, Teil 1”, das Chabon dieses Mal gemeinsam mit Ayelet Waldman verfasst hat, greift einen antiken Mythos auf und transferiert diesen in das Universum von “Star Trek”.

Der Region Arkadien schrieb man in der Zeit des Hellenismus eine fast schon magische Aura zu. Darauf deutet jedenfalls die antike Dichtung hin, die diese Gegend, eine saftige Landschaft im Zentrum der Halbinsel Peloponnes, als paradiesische Idylle beschreibt, in welcher die Menschen ob ihrer Abgeschiedenheit von der aristokratischen Gesellschaft in Einklang mit sich selbst, ihren Mitmenschen und der umgebenden Natur leben.

Coppelius ist eine Hommage an den antiken “Mythos Arkadien” (Bild: ViacomCBS).

Ein solcher Eskapismus wohnt auch Sojis Heimatwelt Coppelius inne. Die von Bruce Maddox und Altan Inigo Soong geschaffenen Androiden-Gesellschaft lebt dort in völliger Abgeschiedenheit, geschützt vor dem Argwohn und dem Hass der Organischen, die fürchten, was sie einst schufen, weil sie es nicht vollständig zu kontrollieren vermochten.

Nun bekommen wir es also zu sehen, das “Androiden-Nest”, das uns von den Zhat Vash wie der Vorhof zur Hölle angekündigt wurde, sich in “Et in Arcadia Ego, Teil 1” jedoch als wahres Paradies erweist. Zu paradiesisch, wie ich finde, denn Coppelius Station wirkt leider wie eine Kopie des klischeehaften Planeten Rubicun III, jenem Ort des Vergnügens, den die Enterprise in der “The Next Generation“-Episode “Das Gesetz der Edo” (TNG 1×08) besuchte. Die Anleihen an diese Episode sind jedenfalls unverkennbar, sowohl was die Kleidung als auch was das esoterische Lebensgefühl dort betrifft. Ein bisschen Ba’ku (“Star Trek: Der Aufstand”) und Moab IV-Kolonie (“Das künstliche Paradies”, TNG 5×23) sind ebenfalls in Coppelius-Station auszumachen.

Der Teufel steckt im Detail

Nimmt man dieses World Building etwas genauer unter die Lupe, dann stellen sich unweigerlich Fragen. Viele Fragen. Kritische Fragen. Warum sollten sich diese hochentwickelten Androiden, die allesamt eine Essenz des wissbegierigen Data in sich tragen, mit einem solch einfachen Leben zufriedengeben? Treibt es sie nicht hinaus in die Weiten des Alls, um ihren Wissensdurst zu stillen und um sich weiterzuentwickeln? Hat Maddox auf eine solche Subroutine bewusst verzichtet?

Coppelius erinnert an Rubicun III aus TNG 1×08 “Das Gesetz der Edo” (Bild: ViacomCBS).

Und wie kann es sein, dass diese Androiden so perfekt erscheinen? Sie reden wie Menschen, sie fühlen wie Menschen, sie sehen (teilweise) aus wie Menschen und sie haben sogar telepathische Fähigkeiten, die es ihnen ermöglichen, ihre Gedanken mit Organischen zu verschmelzen. Etwas, das bisher nur Vulkanier konnten – und das aus guten Gründen.

“Sutra hatte schon immer ein Faible für die vulkanische Kultur. Sie hat Surak gelesen und spielt sehr anständig auf der Ka’athyra. Und sie hat sich, was wirklich bemerkenswert ist, selbst die Gedankenverschmelzung beigebracht.”

– Dr. Soong über Sutra

In meinen Augen ist das alles sehr dick aufgetragen, vor allem wenn man bedenkt, dass die zuvor stets erfolglosen Kybernetiker Maddox und Soong all das in nur 14 Jahren geschaffen haben sollen und auch noch gänzlich ohne die Ressourcen der Föderation. Der Deus ex Machina erweist sich den Drehbuchautoren hier einmal mehr als dienstbarer Knecht, um einer löchrigen Handlung den Anschein von Konsistenz zu verleihen.

Wie schwach das Storywriting hier ist, wird zudem an Sutra deutlich, die das Gerede vom Zwillingspärchen, das Picard in “Gedenken” erst auf Sojis Spur brachte, wie ein Kartenhaus in sich zusammenfallen lässt. Sicher, sie hat Datas Hautfarbe und Datas Augen, aber sie (und ihre Zwillingsschwester Jana) sieht ansonsten genauso wie Dahj und Soji aus.

Brent Spiner als Arik Soong (links) in “Enterprise” und als Altan Inigo Soong (rechts) in “Picard” (Bild: ViacomCBS).

“Ich schätze, mein Gesicht ist Ihnen vertraut.”

“Es kommt mir vor, als würde ich vor Data stehen.”

“Allerdings ein Data, der alt und schlaff geworden ist. Muss verstörend für Sie sein. (…) Dr. Altan Inigo Soong, verrückter Wissenschaftler. Für meinen Vater war Data sein eigentliches Kind, daraus hat er nie einen Hehl gemacht.”

– Soong & Picard

Mehr als ein (schlechter) Fan-Service ist leider auch Dr. Altan Inigo Soong nicht. Der liefert nämlich eine ziemlich hanebüchene Erklärung dafür, warum er in drei Jahrzehnten “Star Trek” nicht ein einziges Mal Erwähnung fand. So sehr es mich freut, Brent Spiner wieder in Aktion zu sehen, so enttäuschend ist der Charakter, den er hier spielt. Für diese Figur hat man schlicht die Charakterbeschreibung für Dr. Arik Soong aus dem “Enterprise”-Dreiteiler “Borderland”/”Cold Station 12″/”Die Augments” (Staffel 4) kopiert. Aussehen und Duktus sind praktisch identisch, Innovation sucht man hier vergeblich. Und das merkt man auch irgendwie Spiners lustlosem Nullachtfünfzehn-Schauspiel an.

Die Logik des Opferns

Substanz bekommt die in Teilen maue Handlung allerdings durch den Konflikt, den Soji durchlebt. Dieser deutet sich bereits im Teaser an, als es um die Frage geht, ob man den angreifenden Piloten, der sich nun in einer Notlage befindet, retten sollte oder nicht. Für Picard und Raffi steht fest, dass humanitäre Hilfe auch gegenüber Feinden geleistet werden muss, selbst wenn man sich dadurch angreifbar macht. Da blitzt die gute, alte Sternenflotte in ihnen auf. Für Soji ist das nicht so eindeutig, denn ihre Androiden-Ethik sagt ihr, dass der Angreifer für seine missliche Lage selbst verantwortlich ist. Taten führen zu den entsprechenden Resultaten, so ihr Credo.

Soji: “Das ist ein Trick.”

Raffi: “Und was, wenn nicht? Willst du ihn einfach sterben lassen?”

Soji: “Er hat uns angegriffen. Das hat er sich wohl selbst zuzuschreiben.”

Picard: “Aus Notwehr zu töten oder einem Verwundeten beim Sterben zuzusehen, macht einen Unterschied.”

Soji (Isa Briones) und Picard (Patrick Stewart) diskutieren über die Legitimation von Gewalt (Bild: ViacomCBS).

In diesem Dialog werden zwei Leitmotive sehr deutlich, die auch für den Rest der Episode von entscheidender Bedeutung sind. Einerseits scheinen die Maddox-Androiden im Vergleich mit Data eine völlig andere Ethik-Software zu besitzen. Zweitens wird hier der Unterschied zwischen einer intrinsischen, prinzipienorentierten Pflichtenethik auf der einen und einem utilitaristischen Denken auf der anderen Seite thematisiert: Picard und Raffi vertreten einen moralischen Imperativ, der nicht nach den möglichen Konsequenzen einer Handlung fragt, sondern ausschließlich nach dem Wert jedes einzelnen Lebens – und der Pflicht, jedes Leben zu schützen. Soji zeigt hier eher eine konsequentialistische Denkweise.

“Ich versuche schon die ganze Zeit, die Logik des Opferns zu verstehen.”

“Die Logik des Opferns. Diese Wortwahl gefällt mir gar nicht.”  

– Soji & Picard

Der in den Anfangsminuten eingeführte Dualismus zwischen Deontologie und Konsequentialismus wird im weiteren Verlauf der Episode noch auf die Spitze getrieben. Soji denkt im Angesicht der drohenden Vernichtung ihrer Heimatwelt laut über radikale Maßnahmen nach, was ihr eine typische Picard-Moralpredigt einbringt. Man dürfe nicht glauben, keine Wahl zu haben, so Picard.

Der Twist mit der selbsterfüllenden Prophezeiung ist wirklich genial, denn er befördert nun Picard in dasselbe Dilemma: Wird er am Ende organisches und künstliches Leben gegeneinander aufwiegen müssen oder findet er doch noch einen anderen Weg, der alles Leben schützt? In Teil 2 wird er sich jedenfalls an seinen eigenen Worten messen lassen müssen.

Selbsterfüllende Prophezeiung

Der Twist mit der selbsterfüllenden Prophezeiung hat mir auch noch aus einem zweiten Grund sehr gut gefallen. Die “Mahnung” zeigt sehr deutlich, wie unterschiedlich Perspektiven sein können. Ein und dasselbe Bildmaterial führt zu zwei völlig unterschiedlichen Sichtweisen, sodass sowohl die Organischen, hier die Romulaner, als auch die Androiden Opfer der eigenen Wirklichkeitskonstruktion werden. Beide Fraktionen sind von der Angst getrieben, die andere Seite wolle sie vernichten. In gewisser Weise ist der gesamte Konflikt paradox: Man hat sich gegenseitig hochgeschaukelt und nun ist es für Picard und seine Leute kaum mehr möglich, zwischen der guten und der bösen Seite zu unterscheiden. Picard und Soji müssen im Finale einen Weg finden, auf beiden Seiten Misstrauen abzubauen und dadurch eine vertrauensvolle Koexistenz zu ermöglichen. Klingt für mich nach klassischem “Star Trek”!

Mit Sutra hat man derweil eine weitere Antagonistin eingeführt, die leider ähnlich überzeichnet wirkt wie Oh und Narissa, mir im Gesamtpaket aber trotzdem besser gefällt. Das liegt daran, dass Sutra ein zweiter Lore zu sein scheint. Weniger zynisch, aber ebenso eiskalt kalkulierend. Überhaupt ist das Geschwisterpaar Soji und Sutra ein Spiegelbild der Brüder Data und Lore in “Angriff der Borg” (TNG 6×26/7×01). Auch in dieser Episode geht es um eine Gruppe von Synths (damals die Exil-Borg), die gegen die Organischen zu Felde ziehen wollen. Und ebenso wie Soji in “Et in Arcadia Ego, Teil 1” muss sich auch Data in dieser Episode zwischen seinem Volk und seiner Crew entscheiden. Wie seine Wahl ausfiel, ist hinlänglich bekannt. Nichtsdestotrotz ist auch Sutra nur eine durchschnittliche Antagonistin, die es mit “Star Trek”-Größen wie Khan, Gul Dukat oder Kai Winn nicht aufnehmen kann.

Soji (rechts) und Sutra (links) spiegeln Data und Lore (Bild: ViacomCBS).

Das ist nicht unproblematisch, weil man irgendwie erahnen kann, wie es ausgehen wird. Narek dürfte sich als “Trojanisches Pferd” zum Vorteil der Synths erweisen, während Agnes und Soji wohl ebenfalls ein falsches Spiel spielen. Dass Agnes ihre Crew zweimal verrät, ist in meinen Augen so gut wie ausgeschlossen. Und auch Soji wird sich am Ende auf die Seite von Picard und seinen Leuten schlagen, denn sie ist schließlich Datas Reinkarnation. Das war von Anfang an der Grundton bei ihr und Dahj gewesen. Und natürlich werden auch Seven, Elnor, Rios und Raffi rettend einschreiten. Und wenn am Ende doch alles verloren scheint, kommt mit Sicherheit auch noch die Sternenflotte und rettet den Tag. Mal sehen, ob diese Prognose eintreffen wird.

“Jenseits der Grenzen von Zeit und Raum stehen wir bereit, eine Allianz des künstlichen Lebens. Wir beobachten euch. Wir warten auf euer Signal. Ruft uns herbei und wir werden kommen. Wir werden euch beschützen. Ruft uns herbei! Eure Evolution wird zu ihrer Auslöschung führen.”

– Die Mahnung

Ruft uns herbei! Die Mahnung kann auch als Versprechen gedeutet werden (Bild: ViacomCBS).

Was das Konzept der übermächtigen Synths-Allianz betrifft, bin ich zwiegespalten. Einerseits klingt das sehr spannend und riecht nach einer Verbindung zu “Discovery” (und “Star Trek: Der Film”?). Andererseits müssen die Antagonisten in meinen Augen auch nicht immer noch größer, noch mysteriöser und noch bedrohlicher werden. Aber nachdem man in “Voyager” schon die Borg entzaubert hat, musste nun eben etwas Neues her.

Beobachtungslounge

Auch “Et in Arcadia Ego, Teil 1” wirft wieder einige Fragen auf, die bei mir für Stirnrunzeln sorgen:

  • Warum musste man Dahj und Soji glauben lassen, sie seien echte Menschen? Deren Gedächtnisverlust hat den Erfolg der Mission sogar gefährdet. In meinen Augen ist dieser Handlungsaspekt nur ein durchsichtiges Plot Device, um Dahj und Soji für den Zuschauer zu einem Mysterium zu machen.
  • Warum sucht Soji ausgerechnet auf dem Borg-Kubus nach Antworten? Wenn Maddox der Ansicht war, dass die Föderation oder die Romulaner hinter dem Mars-Angriff stecken, hätte er Soji dann nicht als Romulanerin getarnt in die Regierung oder in den Tal Shiar einschleusen müssen? Auch hier liegt die Vermutung nahe: Plot Device, um die beliebten Borg ins Spiel bringen zu können.
  • Kommt Raffis Sinneswandel von der puren Enttäuschung zu “Ich liebe Sie, JL!” nicht etwas plötzlich?
  • Ich kann Riosˈ und Agnesˈ innige Beziehung nicht ansatzweise nachvollziehen. Man konstruiert hier aus einer kurzen Affäre eine Liebesbeziehung, die wirkt, als sei diese über Monate oder Jahre gewachsen.
  • Soll der Zuschauer den Eindruck gewinnen, Picard werde diese Mission nicht überleben? Wenn die Szene mit Picards Schwächeanfall dies implizieren soll, dann hätte man Season 2 vielleicht nicht vorzeitig ankündigen sollen…
  • Es wäre schön gewesen, mehr über das Fraktale Neurale Klonen zu erfahren.
Was sonst noch auffällt:
  • Kampfdrohnen in Gestalt von gigantischen Orchideen: Sind wir hier in einer Fantasy-Serie?
  • Kurios: Wenn man die englische und deutsche Fassung miteinander vergleicht, dann spricht Picard im Original davon, dass jeder, der ihn wie einen Sterbenden behandelt, Gefahr läuft, ihn “anzupissen” (“… will run the risk of pissing me off.”). Im deutschen Dialog hat man stattdessen eine etwas weniger vulgäre Referenz auf ein klingonisches Targ (eine Art Wildschwein) eingebaut. Super kreativ!
  • Narek nervt! Und so ein Weichei ist beim Zhat Vash?!
  • Folter ist im 24. Jahrhundert scheinbar Standard oder warum haben die Arrestzellen keine Toiletten? Aber die hatten ja nicht einmal die Shuttles der Enterprise…
  • Seven of Nine tritt tote Romulaner wie Abfall durch die Gegend. Ernsthaft?! Diese Frau scheint wirklich keinen Funken Moral mehr in sich zu tragen. Müssen solche menschenverachtenden Szenen in “Star Trek” wirklich sein? Bei Klingonen könnte ich damit leben, aber nicht bei einem Hauptcharakter wie Seven.
  • Sicherheitsgurte in Gefechtssituationen! Endlich!!!
  • Die Warbirds der D’deridex-Klasse sahen cooler aus.
  • Netter Joke: Soongs Aussage bezüglich seines Alters ist ein Seitenhieb auf die Begründung, die Brent Spiner für Datas Tod in “Star Trek: Nemesis” anführte, nämlich dass er mit über 50 Jahren einfach zu alt (und somit unglaubwürdig) für diese Rolle geworden sei.
  • Seit wann ist Commodore ein militärischer Rang bei den Romulanern?

Das unentdeckte Land

Achtung, Spoiler zu Episode 10!

In “Et in Arcadia Ego, Teil 2” trifft die romulanische Flotte bei Coppelius ein und es kommt zu einer gigantischen Raumschlacht. Picard versucht derweil, Soji davon abzubringen, die Seb-Cheneb-Prophezeiung zu erfüllen. Den 30-sekündigen Preview-Trailer gibt’s hier.

Die romulanische Flotte erreicht in “Et in Arcadia Ego, Teil 2” Coppelius (Bild: startrek.com).

Fazit

“Et in Arcadia Ego, Teil 1” folgt auffällig dem Konzept von “Süße Trauer” (DSC 2×13/14) und bahnt ein actiongeladenes Staffelfinale an. Die Episode startet fulminant, fällt dann aber stark ab, um am Ende dann doch noch ein spannendes Dilemma aufzumachen, das Picard einmal mehr vor schwierige Entscheidungen stellen wird. Die Episode krankt leider an der etwas klischeehaften Umsetzung der Androiden-Kultur, den teils überzeichneten oder auch monotonen Figuren (Arcana, Sutra, Soong) sowie an dem Bestreben, die im Staffelverlauf teilweise nur dürftig erzählten Handlungsstränge (Borg-Kubus, Seven of Nine, Picards Krankheit, Maddox, Zhat Vash, Raffi-Picard-Beziehung) sinnvoll aufzulösen. Unter diesen Aspekten leiden leider auch einige Dialoge.

Das Dilemma, mit dem sich Soji konfrontiert sieht, ist in meinen Augen jedoch typisch “Star Trek”. Diesbezüglich ist zu hoffen, dass sich Teil 2 auch genügend Zeit nehmen wird, um es tiefgründig zu erforschen.

Was die Inszenierung betrifft, hat Akiva Goldsman eine handwerklich saubere Episode abgeliefert, die sich in ihrer Machtart sehr stark an “The Next Generation“ orientiert. Eine Einstellung, die Picard und seine Crew in Einzelaufnahme zeigt, ist sogar eine schöne Referenz an “Star Trek: Der Aufstand”.

Eine Montage in “Et in Arcadia Ego, Teil 1” erinnert an “Star Trek: Der Aufstand” (Bild: ViacomCBS).

Nichtsdestotrotz bleiben etliche der in der Staffel aufgeworfenen Fragen weiterhin unbeantwortet. Es ist zu befürchten, dass auch Teil 2 keinerlei Ambitionen zeigen wird, jeden Handlungsstrang kohärent zu Ende zu erzählen. Eine Krankheit, an der “Star Trek” seit 2017 leidet.

Bewertung

Handlung der Einzelepisode 4 out of 6 stars (4 / 6)
Stringenz des staffelübergreifenden Plots 4 out of 6 stars (4 / 6)
Stringenz des bekannten Kanons 3 out of 6 stars (3 / 6)
Charakterentwicklung 3 out of 6 stars (3 / 6)
Spannung 4 out of 6 stars (4 / 6)
Action & Effekte 4 out of 6 stars (4 / 6)
Humor 2 out of 6 stars (2 / 6)
Dialoge 4 out of 6 stars (4 / 6)
Intellektueller Anspruch 5 out of 6 stars (5 / 6)
Gesamt 4 out of 6 stars (4 / 6)

Episoden-Infos

Episoden-Nummer 9 (Staffel 1, Episode 9)
Originaltitel Et in Arcadia Ego, Part 1
Deutscher Titel Et in Arcadia Ego, Teil 1
Erstausstrahlung USA Donnerstag, 19. März 2020
Erstausstrahlung Deutschland Freitag, 20. März 2020
Drehbuch Michael Chabon & Ayelet Waldman
Regie Akiva Goldsman
Laufzeit 45 Minuten

 


15 Kommentare

Alex1605 · 21. März 2020 um 16:51

Mit der Rezension und der Bewertung voll einverstanden. Solide Folge mit gutem Star Trek-Dialogen. Aber eben auch etwas enttäuschend, weil auch ich mir mehr Action und Spannung im Finale erwartet habe. Aber vielleicht kommt es ja noch.
Gut beschrieben: steiler Anfang und dann etwas „flach“. Schade, dass Brent Spiner nicht mehr Raum bekommt und einen ihm entsprechenden „Stellenwert“. Die Rollen der Frauen in den neuen Star Trek Serien sind ein Problem. Erst mal zu viele und dann eben, wie hier auch, nicht glaubwürdig und überzeichnet.
Was hat gefallen: Picard ist endlich ein Mensch geworden und nicht mehr der emotional kalte Vorgesetzte, der als Captain eben Abstand waren muss. Offen und mutig erzählt er seiner Crew von seiner Krankheit. Er erwidert die (familiären) Gefühle von Raffie und spricht mit Elnor, wie es eben ein Vater macht. Deshalb ist er auch „JL“ und nicht Captain Picard. Die vielen Handlungsstränge sind einfach und ein bisschen lieblos zusammengefahren worden. Es bleibt tatsächlich ein Dilema üblich. Also abwarten, wie es in der nächsten Folge des Finales weitergeht!

    Steve · 21. März 2020 um 19:09

    Wo die guten Dialoge gewesen sein sollen, weiß ich nicht. Vielleicht kannst du ja ein Beispiel geben.

      Alex1605 · 22. März 2020 um 10:42

      Zuerst einmal das was ich oben abgesprochen habe. Vertrauen zur Crew, zu anderen Menschen. Positiv anderen vertrauen. Auch die Reaktion der Crew drauf, Respekt eben. Elnor seine „väterlichen“ Gefühle zeigen. Gilt auch für Raffie.
      Aber weiter. Es sind meist nur kurze Gespräche. Töte ich den Feind, der verwundet ist? Natürlich nicht. Die „Besprechung“ in der abgestürzten La Sirena. Typische Besprechung im „Besprechungsraum“ der Enterprise. Gehe ich zum Borg Kubus und verliere Zeit zur Rettung der Anderen? Ja, weil dort Freunde sind. Etwas platt das Gespräch mit Soong und Juratti über ihre Schuld. Gespräch Sutra und Soji über das weitere Vorgehen. Töte ich so viele um zu Überleben. Usw.
      Alles typischer Star Trek Stoff, also grundsätzliche Fragen, oder die entsprechende Dialogform. Und meistens eben „Positiv“ gezeigt oder gelöst. Leider auch teilweise „platt“ oder in die Länge gezogen.

        Steve · 22. März 2020 um 12:10

        Sorry, aber ist kein Dialog, das ist einfach nur der Plot: Sie gehen zum abgestürzten Borg-Kubus, um dort nach Überlebenden zu suchen.

        Hier mal ein Beispiel, was ich für guten Dialog halte:
        Chakotay Haben Sie jemals an Seska etwas bemerkt, was Sie Verdacht schöpfen liess?
        Tuvok Nein. Sie hat es sehr professionell verstanden, Sand auch in meine Augen zu streuen.
        Chakotay Tja, ein bisschen besser fühle ich mich jetzt. Vielen Dank.
        Tuvok Merkwürdig.
        Chakotay Was?
        Tuvok Dass mein Versagen, plus Ihrem eigenen, Ihr Befinden verbessern kann.

          Alex1605 · 22. März 2020 um 13:14

          Plot: “Handlungsgerüst einer epischen oder dramatischen Dichtung”. Ich rede von dem Dialog, der dazu geführt hat, dass sie zum Borg Kubus gehen. Da ging es um Grundsätzliches. Das sie dann zum Kubus gegangen sind, kann man als Plot bezeichnen.

          Steve · 23. März 2020 um 10:56

          Was war da so großartig an dem Dialog? In der ganzen Serie gibt es nichts, was da im Gedächtnis haften bleibt. Star Trek hat sich immer dadurch ausgezeichnet, dass Aliens einen gewissen Blickwinkel auf unsere Kultur, auf unsere Verhaltensweise, auf menschliche Eigenschaften geworfen haben. In den Dialogen hat man damit gespielt. Siehe mein Beispiel oben. Das fehlt fast komplett.

Henning HEßBRÜGGEN · 21. März 2020 um 17:43

Ich denke das Picard, hier realistisch dargestellt wird. Eine jede Krankheit entwickelt sich und zeigt Symptome. Eine Ankündigung für Staffel 2 kam also nicht zu früh, doch Picards Zeit ist nun begrenzt. Eine realische Zeichnung im Sinne des Todes die Zeit positiv zu nutzen.

Ich bin vorsichtig geworden mit Kretik, ich will das gesamte Konzept erleben und gucken wie die Serie endet. Star Trek endlich mal von einer anderen Sichtweise ist erfrischend und auch der wie ich 1985 geboren wurde, liebt das neue wie auch das alte.

Vielleicht gibt es ja einige die die Star Trek Buchreihe gelesen haben, grad die Geschichte mit Data und Soong weisst prallen auf. Die Romane kamen teils vor J. J. S ROMULUS explosion aber einige krasse parallelen gibt es trotzdem.

Und in anbetracht das Kino und Serien rechte wieder vereint sind, glaub ich das am Ende der Serie eine Zeitreise kommen wird. Den wie sagten die Produzenten in Star Trek picard wird es erst nochmal schlimmer kommen bevor es besser wird.

    Alex1605 · 22. März 2020 um 10:49

    Auch für mich das Plus der Serie, das Picard eben auch mit seinen menschlichen Schwächen gezeigt wird. Er ist auch kein “Supermann” mit über 70 Jahren, wie das bei anderen Schauspielern üblich ist. Gerade das liebe ich so an dieser Serie. , Schwierige, komplexe aber auch einfache Charaktere, die sich zusammenfinden, hinter Picard, eine Crew bilden und für The greater Good kämpfen.
    Ich bin ja auch alter Trekkie und habe TOS noch als Schüler in SW gesehen. Gerade deshalb begrüße ich die Veränderungen in der Serie. Wie haben wir teilweise (ohne Internet) über neuen Serien „geschimpft“ und dann? Klar gib es auch bei Picard vieles was besser gemacht werden kann. Mir gefällt dieser neue Ansatz und ich freue mich auf Staffel 2.

    Sam · 22. März 2020 um 11:21

    Ich hoffe mittlerweile auf eine Zeitreise der Discovery am Ende der 3 Staffel in die Picard-Zeit. Verbleibt sie in der fernen Zukunft, wird alles was wir bei Picard sehen immer mit dem Makel behaftet bleiben , das es trotzdem in einer Katastrophe enden wird.
    Ursprünglich war Discovery als Anthologie-Serie gedacht , die in verschiedenen Zeitrahmen spielen sollte.
    Ich hoffe, das man diesen Kurs mittlerweile wieder folgt!

Berliner208 · 21. März 2020 um 19:31

Ja, es stimmt, es wurde nicht jede aufgeworfene Frage oder aufgeworfenes Rätsel aufgelöst. Aber schon mal daran gedacht, dass hier vielleicht ein Denkfehler liegt ? Im Vorfeld der Serie wurde gesagt, dass die Serie auf 3 Staffeln ausgelegt ist. Wer hat also gesagt, dass diese Fragen schon in der ersten Staffel aufgelöst werden ? Es wohl nicht anzunehmen, dass ein pensionierter, alter und schwerkranker Admiral Picard in der ersten Staffel alles auflöst und dann in der zweiten Staffel zu einer völlig neuen Mission aufbricht, oder sind Sie da anderer Meinung, lieber Rezensent ?

    Matthias Suzan · 22. März 2020 um 12:19

    Hallo Berliner208,
    das ist sicherlich korrekt, einige Handlungsstränge könnten auch in den Staffeln 2 (und 3?) noch aufgelöst werden. Mir fehlt aber nach zwei eher enttäuschenden Staffeln “Discovery” mit mehreren halbgaren Handlungssträngen (z.B. “Logik-Extremisten”) hier etwas die Hoffnung. Für den Borg-Kubus und Ramdha z.B. hätte ich mir einfach noch viel mehr Hintergrundinfos gewünscht und ich glaube kaum, dass die noch kommen werden. Die Story mit Raffis Sohn Gabe hätte man auch erst in Staffel 2 aufmachen sollen, wenn diese sonst keine Rolle für die Handlung spielt. Aber es steht ja noch eine Folge aus, vielleicht werde ich ja auch positiv überrascht.

Steve · 22. März 2020 um 11:42

Der Rezensent scheint eine andere Episode gesehen zu haben als ich. 5 Punkte bei intellektueller AnDas spruch? Wie lässt sich das begründen?

    Matthias Suzan · 22. März 2020 um 12:17

    Hallo Steve,
    die Begründung findet sich im Text. Mir hat der Konflikt zwischen deontologischer und konsequentialistischer Ethik gut gefallen. Das ist typisch “Star Trek” und auch typisch für die Figur Jean-Luc Picard. Natürlich kann man erahnen, wie es ausgehen wird, aber das war auch im klassischen “Star Trek” schon immer so gewesen. Ich bin aber gespannt darauf, WIE man das Dilemma lösen wird. In meinen Augen steckt da mehr intellektuelle Anspruch drin als in den meisten Episoden von “Discovery”, in denen es oft nur um übertriebenes Drama (Burnham) oder übertriebene Action geht. EDIT: Ein zweiter Punkt, der mir gut gefallen hat, ist die Frage nach der subjektiven Konstruktion von Wirklichkeit (Konstruktivismus) und wie diese unser Denken und Handeln beeinflusst.

Steve · 22. März 2020 um 12:54

Ach so, ja klar, die intrinsische Pflichtenethik, die hab ich ganz übersehen, und das utilitaristische Denken auch, dann der moralische Imperativ, und nicht zu vergessen – die konsequentialistische Denkweise. Außerdem der Dualismus zwischen Deontologie und Konsequentialismus.

Das alles habe ich ganz übersehen, als ich darüber nachgedacht habe, warum man das Raumschiff zum Absturz gebracht hat und sich dann freut, dass Picard da ist. So empfängt man Gäste in Androidenhausen. Die Idee dieser Waffe ist ja ganz originell, aber man fragt sich halt, wie sinnvoll eine Waffe ist, die nur einmal eingesetzt werden kann.

Albert Einstein: Wenn du es nicht einfach erklären kannst, hast du es nicht gut genug verstanden.

Ich meine das nicht böse, sondern konstruktiv. Macht doch einen Artikel zu diesen Ethikthemen. Ich finde das sehr interessant, aber dann in verständlichen Worten. So habe ich das Gefühl, dass dieses Fremdwort-Geschwurbel nur über eine schlechte Handlung hinwegtäuschen sollte.

Steve · 22. März 2020 um 13:00

Was ist eigentlich mit Sojis Mutter? Wäre es nicht konsequent gewesen, Soji hätte nach ihr in der Androidenkolonie gesucht? Bzw. nach der Person, die dafür verantwortlich ist? Vielleicht habe ich ja etwas falsch verstanden und mich kann wer aufklären.

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