Kurz vor dem Staffelfinale schlägt “Picard” nochmal etwas ruhigere Töne an. Wir schauen, ob dabei auch eine gute Folge herauskommt. Achtung, Spoiler!

Der Androidenplanet

Die La Sirena erreicht Copellius, die Heimatwelt der Androiden, und muss zunächst mal mit Narek kämpfen, wobei hier auch schön die weiterentwickelte Technik – Stichwort: Holo-Tarnung – zum Eisnatz kommt. Sowas hatte man teilweise schon zu “Voyager”-Zeiten gesehen. Die Erklärung, Narek hätten den Kurs extrapoliert, hätte ich an der Stelle aber nicht gebraucht. Der Ort, wohin es geht, war ja bekannt, er hätte also einfach dort warten können. Wobei sich natürlich die Frage stellt, wenn er den Transwarpkanal benutzen kann, warum nicht auch die romulanische Flotte?

Eindrucksvoll kommt es dann zum Auftritt des Kubus, der quasi als Retter vor Narek auftritt. Nichts ist also mit der Rettung in letzter Sekunde vor der anfliegenden Romulaner-Flotte, denn der Kubus geht auf der Oberfläche hernieder. Zumindest hier hat man mich also durchaus überrascht. Die Orchideen sind auf den ersten Blick gewöhnungsbedürftig, aber die Androiden brauchen natürlich eine Verteidigung und vermutlich sind sie ebenso künstlich wie alles andere auf dem Planeten. Sie werden sicher in der nächsten Folge noch eine Rolle spielen.

Gegen die Orchideen ist jeder Widerstand zwecklos! (Bild: ViacomCBS).

Übrigens auch schön, das sich Picard bezüglich seiner Krankheit der Crew offenbart. So richtig zünden wollte die Szene aber nicht, denn jedem Fan dürfte sein Leiden bekannt sein. Und es wird ohnehin nicht Thema der Serie sein (die zweite Staffel steht ja schon in den Startlöchern). Immerhin nutzt man das später für eine schöne Szene zwischen Raffi und JL.

Im Borg-Kubus selbst herrscht Aufräumstimmung, wobei Seven (bzw. Jeri Ryan) in den Tagszenen besser als in den Nachtszenen aussieht. Oder anders ausgedrückt, sieht man ihr ihr Alter hier weniger an. Mehr als ein kurzes Intermezzo bleibt aber auch diese Szene nicht und vor allem die Tatsache, dass Elnor auch hier wieder zurückbleibt, macht diese Figur auf die erste Staffel betrachtet zur überflüssigsten und am wenigsten entwickelten. Außer ein paar Minuten Ruhm in diversen Folgen gibt der junge Romulaner bislang nichts weiter her.

Die Androiden

Schön ist es ja, dass Brent Spiner hier zurückkehren darf, wenn auch nicht als Data. Der Make-Up-Prozedur wollte er sich vermutlich nicht nochmal unterziehen und so spielt er Soongs biologischen Sohn. Das an und für sich kann man ja noch akzeptieren. Auch dass er auf der Seite “seiner“ Androiden steht und am Ende auch mit zur Revolution aufruft, ist unter den Gesichtspunkten verständlich. Dass aber mit Sutra eine böse Androidin eingeführt wird, ist dann fast schon wieder zu viel Klischee.

Die Androiden-Gesellschaft auf Coppelius (Bild: ViacomCBS).

Klar, Isa Briones spielt die Doppelrolle gut und dass es Sutra gibt ist, mit Blick auf Jana verständlich. Für einen kurzen Moment hatte ich allerdings die Hoffnung, sie würde sich auf die Seite von Picard stellen und nicht in das altbekannte Schurkenmuster verfallen. Dass sie die Gedankenverschmelzung beherrscht, ist dabei auch etwas schwer zu schlucken. Andererseits hat man aber etabliert, dass die neuen Androiden organischer sind, also schenken wir uns das an der Stelle mal. Die uralten Wesen, die die Organischen auslöschen wollen, könnten indes aber immer noch aus “Mass Effect” stammen…

Nostalgie, aber charakterlich?

Was gibt es sonst noch auf der Haben-Seite zu verbuchen. Natürlich ein paar nette Anspielungen auf Data (Spot II), ein Bild von Maddox und Jurati und diverse andere Kleinigkeiten mehr. So sieht man bei den Androiden etwa unterschiedliche Entwicklungsstufen, die verdeutlichen, wie man nach und nach von weißer Haut weg hin zu Menschenhaut kam. Das sind vielleicht alles Kleinigkeiten, aber auch schöner Fanservice.

Doch was gibt es sonst noch auf der Charakterseite? Da ist zum einen die Auseinandersetzung mit Narek und Soji. Schön gespielt und man ist sich nicht sicher, ob Narek wirklich schwankt oder nicht. Am Ende erweist er sich eines Schlechteren, auch wenn er Hilfe von Sutra hat. Warum die Tötung der Androiden aber so schwer wiegt, ist ein kleines Rätsel. Klar, es ist tragisch, aber wie wurde bereits in Folge 1 erklärt: Aus nur einer positronischen Zelle kann man die Androidin wiederherstellen. Und auf einer Welt voller Androiden sollte das doch ein Klacks sein, oder nicht? Vermutlich wird genau das in der nächsten Folge passieren. Sie erzählt dann den anderen Androiden, dass Sutra die böse Androidenkillerin (Seb-Cheneb) ist und alle stellen sich gegen sie.

Wie man allerdings die Romulanerflotte abwehrt? Nun, vielleicht sind die “Über-Synths“ ja doch noch zu was gut…

Erweist sich Sutra als die Seb-Cheneb? (Bild: ViacomCBS).

Dass Picards Rede vor den Androiden im Nichts verpufft, war indes abzusehen. Selbst ich habe ihm nicht abgenommen, das die Föderation auf ihn hört. Das hat sie immerhin vorher auch nicht getan – und Picard merkt leider seit Folge 1 nicht, dass sein einstmals großer Stern gesunken ist. Selbst wenn er Beweise vorlegt, dass die Romulaner den Mars angegriffen haben, ist es ein langer Weg für die Androiden. Überdies wird dieser Angriff in weiterer Folge gar nicht thematisiert. Vermutlich wird er wie so vieles einfach unter den Teppich fallen.

Dass sich Soji und Agnes den Androiden anschließen, nimmt man höchstens Zweiterer ab. Vermutlich wird sie sich in einen Androidenkörper transferieren und sich als Krone ihrer Schöpfung ansehen, Soji steht vermutlich weiter auf Picards Seite. Auch diese Szenen, so gut umgesetzt sie sein mögen, sind an der Stelle zu offensichtlich. Und so hadern wir an der Stelle dem Finale nächster Woche entgegen und dürfen gespannt sein, was dies uns bringen wird.

Picard kann die Androiden nicht überzeugen (Bild: ViacomCBS).

Fazit

Nach den starken Folgen zuvor fällt “Picard” kurz vor dem Finale nochmal ab. Es gibt zwar hier und da ein paar schöne Szenen, im Großen und Ganzen zieht das Finale aber nicht derart an, wie man es sich vielleicht erhofft hätte.

Bewertung

Handlung der Einzelepisode 3.5 out of 6 stars (3,5 / 6)
Stringenz des staffel- und serienübergreifenden Handlungsstrangs 4 out of 6 stars (4 / 6)
Stringenz des bekannten Kanons 4 out of 6 stars (4 / 6)
Charakterentwicklung 4 out of 6 stars (4 / 6)
Spannung 3 out of 6 stars (3 / 6)
Action & Effekte 4 out of 6 stars (4 / 6)
Humor 2 out of 6 stars (2 / 6)
Gesamt 3.5 out of 6 stars (3,5 / 6)

Episoden-Infos

Episodennummer 9 (Staffel 1, Episode 9)
Originaltitel Et in Arcadia Ego, Part 1
Deutscher Titel Et in Arcadia Ego, Teil 1
Erstausstrahlung USA Donnerstag, 19. März 2020
Erstausstrahlung Deutschland Freitag, 20. März 2020
Drehbuch Michael Chabon & Ayelet Waldman
Regie Akiva Goldsman
Laufzeit 45 Minuten

 


9 Kommentare

Christian · 24. März 2020 um 10:28

Ich glaube Picard wird sterben und in den Körper des unfertigen Androiden transferiert.

Peter · 24. März 2020 um 13:15

Statt schlau klingende Titel würde ich mir lieber schlau geschriebene Storries wünschen. Vieles in dieser Folge erinnert mich ungut an TNG Season 1-2. Nur mit dem Unterschied, dass TNG wenigstens von Anfang an einen durchgehend sympathischen Cast hatte, während die Rollen in “Star Trek: Picard” flach und für mich total uninteressant bleiben. Auch Picard selbst und sein Schicksal interessieren mich nach 9 Folgen nicht die Bohne. Im Gegenteil, ich beginne mir zu wünschen, dass sowohl Picard wie auch die Zuseher endlich von diesem Leiden erlöst werden.

    Alex1605 · 24. März 2020 um 23:08

    Im Gegensatz zur ersten Staffel von TNG ist die erste Staffel von Picard herausragend. Das sage ich, obwohl ich finde, das TNG die beste der “alten” Star Trek Serien ist. Picard schlägt hier TNG in Bilder, Tricktechnik und Musik. Große Momente, Gefühle, gute Dialoge und ein klarer Charakter von “JL”.

      Steve · 25. März 2020 um 16:11

      Wo kommt denn plötzlich das Gerede her, die 1. Staffel von TNG sei so schlecht? Ich weiß nicht mehr, ob du es angesprochen hast: Die Edo-Episode sei so dramatisch schlecht. Gerade dieses Androidenhausen erinnerte doch stark an diesen Planeten. Wenn man wenigstens Androiden gezeigt hätte, die an interessanten Dingen forschen oder sich der Kunst widmen. Immerhin malte Data gern und mochte Musik. Stattdessen laufen alle wie auf dem Edo-Planeten rum!

      Und dass die Tricktechnik heute besser ist als damals sollte uns auch nicht überraschen.

      Ein klarer Charakter von JL. Nichts könnte falscher sein. Er wird in jeder Episode anders charakterisiert. Von kauzig bis netter Kumpel, von weise bis überforderer Missionsleiter ist alles dabei. Aber so wirkt halt eine Figur, die nicht agiert sondern nur reagiert – und das deshalb, weil die dürftige Handlung kein Agieren hergibt, basiert die Geschichte doch eher auf einer Aneinanderreihung an Zufällen.

        Alex1605 · 25. März 2020 um 16:49

        Was ich sage ist, dass die erste Staffel von TNG keinem Vergleich mit der ersten Staffel von Picard standhält. Da ist Picard um Klassen besser.
        Die Charakterdarstellung von Picard ist auch deshalb so gut, weil er altersgerecht seine Rolle spielt. Mit über 70 ist man tatsächlich manchmal überfordert und kann auch mit aktuellen Holoinstrumenten nicht umgehen. Und er ist kein „Captain“ mehr, da muss man mehr mit kooperativem Führungsstil, auch als Kumpel, führen. Und er ist entschlossen und zielgerichtet. Er nimmt sich vor, die Tochter von Data zu retten und zu ihrem Heimatplaneten zu bringen. Gerade das gefällt mir auch. Der „alte Mann“ gibt nicht auf. Sucht sich ein Schiff und Verbündete um sein Ziel zu erreichen.

          Steve · 25. März 2020 um 21:10

          Volle Zustimmung zu deinem ersten Satz.

          Man könnte auch eine Serie über einen demenzkranken Derrick machen. Aber ob die Fans das sehen möchten?

          Tja, das ist das Problem. Picard NIMMT SICH VOR, Datas Tochter zu retten. Der echte Picard hätte sich das nicht nur vorgenommen sondern auch in die Tat umgesetzt. Stattdessen muss Picard ja selbst gerettet werden. Wie gesagt, er agiert nicht, sondern wird von einer dahinplätschernden Geschichte mal da hin, mal dorthin getrieben.

BananaJoe · 24. März 2020 um 23:55

@Alex, ich glaube, du schaust eine andere Serie an als Peter und ich 🙂

    Alex1605 · 25. März 2020 um 10:26

    @BananaJoe, Nein ich habe nur eine andere Meinung wie Peter und du und das ist gut so!!🙂

J. Lukas · 25. März 2020 um 19:35

Mein Grundproblem mit der Serie ist, dass sie “Star Trek Picard” heißt, aber Picard ärgerlicherweise überhaupt nicht im Mittelpunkt steht, sondern diese Androidin, die, wenn ich das anmerken darf, nicht gerade von einer klassischen Schönheit gespielt wird (man sollte meinen, dass wenn man schon die Fähigkeiten besitzt, eine künstliche Lebensform von Grund auf zu erschafft, diese dann auch optisch entsprechend Anziehend gestaltet – siehe Harry Mudds Harem in TOS).
Dass wir Picard erst 2021 wiedersehen werden, tut mir nicht leid. Ich werde der Serie dann noch einmal eine Chande geben. Aber wenn sich Tonalität und Storrytelling nicht gravierend ändern (und daran zweifle ich, siehe zum Vergleich Discovery), dann bin ich draußen. Den Kram schaue ich mir dann nicht einmal mehr geschenkt an – siehe CBS, die Picard gerade in den USA herschenken, um damit die Abo-Zahlen ihres gescheiterten Streaming-Dienstes scheinbar zu erhöhen.

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