“Star Trek: Picard” beendet seine erste Staffel visuell spektakulär aber dennoch uninspiriert, spannungsarm und kontrovers. Warum, erklären wir bis auf Trailerszenen spoilerfrei in dieser Kurzrezension.

Story

Picard und Co. befinden sich in einem tödlichen Rennen gegen die Zeit. Während sich die romulanische Flotte nähert, um Coppelius zu zerstören, beginnen die Androiden mit der Konstruktion einer Antenne, um die “Übersynths” zu Hilfe zu rufen.

Coppelius Station in "Et in Arcadia Ego, Part 2" (Bild: ViacomCBS)

Coppelius Station in “Et in Arcadia Ego, Part 2” (Bild: ViacomCBS)

Die äußere Handlung verläuft in den ersten drei Vierteln der Episode entlang vorhersehbarer Bahnen, wobei der erste Teil bereits so viele Deus Ex Machinae hinterlassen hat, dass die Drehbuchautoren echte Schwierigkeiten haben, für jede davon noch eine sinnvolle Verwendung zu finden. Wir erinnern uns an die Ausgangslage: Picards Gefährten steht ein abgestürzter Borg-Würfel, Weltraum-Kampforchideen, Zauber-Reparaturwerkzeuge, eine Armee von Androiden und Ex-Borg und wahrscheinlich zwei Doppelagenten (Soji und Agnes Jurati) zur Seite. Und dann kommen dazu noch ein paar andere Chekhov’s Guns, wie die umfangreiche Rückblende erinnert.

Spannung kommt daher in Chabons und Goldmans Story so gar nicht auf. Und auch echte Überraschungen sind in der ersten Dreiviertelstunde Fehlanzeige. “Et In Arcadia Ego, Teil 2” liefert allerdings, ohne es inhaltlich zu spoilern, eine durchaus interessante, sehenswerte aber auch kontroverse letzte Viertelstunde ab, die jedoch nicht für den vorhersehbaren, formelhaften Hauptteil der Story entschädigen kann.

Dialoge und Besetzung

“Et in Arcadia Ego, Teil 2” räumt dem kompletten Ensemble angemessen viel Spielraum ein. Jede Figur hat die Gelegenheit, ihren Teil zur Handlung beizutragen und in einigen Szenen gar zu glänzen. Besonders herausragend ist wieder einmal Alison Pill, die nicht nur umwerfend gut spielt, sondern auch für die schönsten und best-getimten Lacher in dieser Folge sorgt.

Insbesondere die Crew der “La Sirena” darf verdienterweise zeigen, wie sie über die Staffel zusammengewachsen ist. Und das ist eine echte Freude. Leider legt man unseren Recken zu wenig Sagens- bzw. Hörenswertes in den Mund. Insbesondere Picard soll offenbar durch die Kraft des Wortes in dieser Episode glänzen. Patrick Stewart ist als Picard in Topform und flößt mit viel Gravitas einer Reihe von Szenen erstaunliche Qualität ein. Das ist insbesondere zum Auftakt der Episode noch absolut sehenswert. Leider hat aber auch Stewarts Kunst Grenzen, sodass zum Finale hin zunehmend stört, dass er und auch andere Figuren vermehrt Plattitüden von sich geben.

Picard und Jurati in "Et in Arcadia Ego, Part 2" (Bild: ViacomCBS)

Picard und Jurati in “Et in Arcadia Ego, Part 2” (Bild: ViacomCBS)

Es muss lobend erwähnt werden, dass die Autoren der Episode so im krassen Gegensatz zu dem Finale der zweiten Staffel “Discovery” versuchen, den Konflikt zu entschärfen und einen humanistischen Ansatz zu verfolgen – ganz in der Tradition von “The Next Generation”. Dummerweise sind die Dialoge zum dramischen Ende hin einfach viel zu flach, um zu rechtfertigen, dass Picard damit auch nur einen der vielen Kontrahenten wirklich zum Umdenken oder Einlenken bewegen könnte.

Bleiben ein letztes Mal die Szenen auf dem “Artefakt” zu diskutieren, die wie praktisch jede Woche den absoluten Tiefpunkt der Episode markieren. Und das, obwohl Jeri Ryan diesmal wieder mit dabei ist. Spannend ist auch, dass Seven offenbar eine Vendetta gegen “Rizzo” verfolgt, obwohl sie im Gegensatz zu Elnor gar nicht Zeuge des Mordes an Hugh war. Die Zhat-Vash-Agentin selbst hat indes wiederholt einige unnötige Szenen, um sich in den Reigen der schlechteste Gegenspieler der jüngsten “Trek”-Historie direkt neben Control und Krall einzureihen.

"Rizzo" und Narek in "Et in Arcadia Ego, Part 2" (Bild: ViacomCBS)

“Rizzo” und Narek in “Et in Arcadia Ego, Part 2” (Bild: ViacomCBS)

Versöhnlich stimmen am Ende der Episode einige mehr oder weniger überraschende Cameos, über die hier nichts verraten werden soll. (Wer gänzlich überrascht werden möchte, schließe besser für ein paar Sekunden die Augen, sobald der Borg-Würfel im Vorspann erscheint.) In den letzten Minuten wechselt “Picard” gar radikal die Gangart und liefert einen besonderen, gar mutigen Moment, dessen Umstände leider stark konstruiert wirken. Aber nicht nur deswegen werden auch diese großartigen Szenen mit Patrick Stewart nicht unkontrovers in den Kanon eingehen.

Kanon und Rahmenhandlung

Mit dem Abschluss der ersten Staffel erweist sich der Weltuntergang wie in der zweiten Staffel von “Discovery” als ein McGuffin, dessen Existenz unsere Charaktere nicht einmal zu angemessenen Reaktionen veranlasst. Bei näherer Betrachtung ist dieser Kernaspekt der äußeren Handlung nicht nur plump, sondern gar unsinnig.

Sutra in "Et in Arcadia Ego, Part 2" (Bild: ViacomCBS)

Sutra in “Et in Arcadia Ego, Part 2” (Bild: ViacomCBS)

Es wirk schon geradezu grotesk, wenn man sich vor Augen führt, auf was für einer dünnen Grundlage die Motivationen der Hauptkonfliktparteien stehen: Sowohl die Romulaner, die Syths als auch Picard und Crew nehmen eine jahrtausendealte Nachricht beim Wort und richten ihr Handeln danach mit der Gewissheit eines Naturgesetzes aus. Dass es sich um Propaganda, Fehlinformation oder Fehlinterpretation handeln könnte, wird nie diskutiert. Auch die Frage, ob nach Jahrtausenden die Sender der Nachricht noch existieren – und falls dem so ist, auch ihre ideologische Überzeugung unverändert beibehalten haben – ist für niemanden auch nur einen Gedanken wert. Schließlich ist es für die Synths eine ziemlich abgefahrene Wette, davon auszugehen, dass eine offenbar moralbefreite Supermacht immer und zu jeder Zeit unbedingt auf ihrer Seite stünde.

Die größte intellektuelle Beleidigung ist abschließend jedoch die romulanische Legende, die unabhängig vom “Konklave der Acht” schon vor Äonen das Ende der Welt durch den “Zerstörer” berichtet haben soll. Wir erinnern uns: Verschiedene romulanische xBs hatten Soji entsprechend identifiziert. Diese Folge versucht uns nahe zu legen, dass die Legende keine Prophezeiung, sondern die oral tradierte Historie eines entsprechendes Ereignisses aus der Vergangenheit ist. Warum Soji und Sutra den beiden Schwestern der Legende entsprechen sollen, ist nur dann nachvollziehbar, wenn “Star Trek” eine massive metaphysisch-buddhistische Transfusion aus “Mass Effect” und “The Matrix” erfahren hat. Das letzte Mal, als sich der Rezensent in diesem Franchise zu Hause gefühlt hat, galt so etwas als gefährlich irrational, und unsere Protagonisten hätten nach Zeitpardoxien, Kausalitätsschleifen oder anderen wissenschaftlich haltbaren Erklärungen gefahndet.

Oh in "Et in Arcadia Ego, Part 2" (Bild: ViacomCBS)

Oh in “Et in Arcadia Ego, Part 2” (Bild: ViacomCBS)

Das ist am Ende der ersten Staffel leider bei Weitem nicht das einzige offene Ärgernis. Offenbar hatten alle Mysterien in “Picard” letztlich nur den Zweck, in diesem Weltuntergangsszenario zu münden. Und so wissen wir auch nach zehn Folgen immer noch nicht…

  • wie “Narissa Rizzos” ursprünglicher Name lautet,
  • warum verschiedene Romulaner und xBs Soji als “Zerstörer” erkennen können,
  • wie der Borg-Würfel den Romulanern in die Hände fiel (wahrscheinlich sollen wir glauben, die Assimilation von Ramdha als Trägerin der “Mahnung” habe das Gruppenbewusstsein ausgeknockt. Wenn dem so ist, wie kamen die Borg dann noch dazu, sie und den anderen Romulanern auf dem Scoutschiff komplett zu assimilieren?),
  • was die Romulaner nach der Bergung eigentlich originär mit dem Borg-Würfel angefangen haben. Die Rückgewinnung von xBs war ja offenbar nur eine humanitäre Nebenbeschäftigung (auch hier darf man spekulieren: Neros Narada könnte vor ihrer Zeitreise in “Star Trek” (2009) hier aufgerüstet worden sein),
  • warum Soji wiederholt Zugriff auf Informationen aus dem kollektiven Bewusstsein der Borg hatte, z.B. die Reichweite des sikirianischen Transporters in der Königinnenkammer,

    Soji in "Et in Arcadia Ego, Part 2" (Bild: ViacomCBS)

    Soji in “Et in Arcadia Ego, Part 2” (Bild: ViacomCBS)

  • warum Sojis Kompass (das Geschenk von Kestra) in Richtung Transwarp-Kanal gezeigt hat,
  • wie die Zhat Vash die Androiden auf Utopia Planitia gehackt und den Angriff auf den Mars verübt haben,
  • warum die Androiden auf Coppelius keine ethischen Routinen wie Data besitzen,
  • warum man einen Coppelius-Androiden durch eine Verletzung am Auge töten kann (Data hat in “First Contact” gar den Verlust eines kompletten Auges verkraftet),
  • warum Maddox und Soong Datas positronische Matrix wiederherstellen und Dutzende neuer Androiden bauen, aber in all der Zeit nie Data selbst in einem Körper wiederbeleben, und
  • warum die “Übersynths” bei einem Hilferuf alles organische Leben in der Galaxie auslöschen, anstatt ihrer Evolutionsstufe entsprechend ethisch angemessen maßvoll zu reagieren.

Hier tappt “Picard” letztlich in die gleiche Falle wie “Discovery” (und zugegebener Maßen auch andere prominente, serialisierte Dramen): Die innere Logik des Universums und die Glaubwürdigkeit der Charaktere wird letztlich dem Ziel untergeordnet, einen bestimmten Moment oder eine Serie von Momenten zu erzeugen, die der Kern dessen repräsentieren, was der Writer’s Room vermitteln möchte. Das erklärt, warum Control und die Zhat Vash bloße Karikaturen von würdigen Antagonisten sind, weite Teile des World Buildings unvollendet bleiben und sich organisch aus den Charakteren und den Umständen ergebende Potentiale für großartige Geschichten ignoriert werden. Bei dieser Art des Schreibens geht es letztlich um das Erreichen von Fixpunkten und nicht darum, gemeinsam mit den Zuschauern Charaktere und Situtationen zu entdecken und zu vertiefen. Ironischerweise entwertet man so den Klimax, weil Zuschauer auf der Reise dorthin immer wieder merken, dass Figuren sich unplausibel verhalten oder vermeintlich interessante Aspekte der Handlung sich bloß als rote Heringe oder Zufallsprodukte erweisen.

Elnor und Seven of Nine in "Et in Arcadia Ego, Part 2" (Bild: ViacomCBS)

Elnor und Seven of Nine in “Et in Arcadia Ego, Part 2” (Bild: ViacomCBS)

Abschließend muss man den Autoren zugute halten, dass sie offenbar (wie auch das Team hinter “Discovery”), die gute Absicht verfolgten, aus einem Meer von dystopischen Zukunftsvisionen durch eine im Kern humanistische Story hervorzustechen. Und nicht nur das Finale des großen Konfliktes, sondern auch die letzten (teils überraschenden) Minuten der Episode unterstreichen diesen Punkt eindeutig. Leider mangelt es der übergreifenden Geschichte an grundlegenden Stellen an Stringenz und handwerklicher Qualität, sodass die gut gemeinte Botschaft nicht das kraftvolle Vehikel bekam, das sie durchaus verdient gehabt hätte.

Inszenierung

Akiva Goldsman macht in “Et in Arcadia Ego, Teil 2” vieles besser als in Teil 1. Das Finale wirkt weniger trashig und als noch letzte Woche, streckenweise sogar sehr wertig. Dazu trägt die Lichtstimmung viel bei, aber auch einige wirklich gut realisierte surreale Einlassungen gegen Ende der Episode. Unterstützt und getragen durch Jeff Russos Soundtrack ist die Folge zudem absolut hörenswert.

Showdown in "Et in Arcadia Ego, Part 2" (Bild: ViacomCBS)

Showdown in “Et in Arcadia Ego, Part 2” (Bild: ViacomCBS)

Die Spezialeffekte sind nur gemischt erfolgreich. Sagenhafte zwei Raumschiffmodelle spendiert CBS der romulanischen Raumschiffflotte aus über 200 Schiffen. Dieser optischen Einfalt stehen erfreulicherweise die Weltraum-Orchideen der Synths gegenüber, die für die visuell interessanteste Raumschlacht seit dem Ende von “Deep Space Nine” verantwortlich sind. Leider sorgt “Picard” im weiteren Verlauf der orbitalen Eskalation für grobe Enttäuschung, wenn gerade im vermeintlich dramatischsten Moment wiedereinmal Recycling von “Discovery”-Assets und andere eklatante Sparmaßnahmen offenkundig werden.

Romulanische Flotte in "Et in Arcadia Ego, Part 2" (Bild: ViacomCBS)

Romulanische Flotte in “Et in Arcadia Ego, Part 2” (Bild: ViacomCBS)

Es stellt sich schon die Frage nach den richtigen Prioriäten: Auf viele VFX im Laufe dieser Staffel hätte man gut verzichten können: Unkanonisch morphende Wände auf dem Borg-Würfel, grund- und ziellos umherirrende Drohnen, anachronistische Shuttles usw. Sehr ärgerlich ist, dass diese teilweise für die Immersion kontraproduktiven Effekte dem Finale dann nur noch das Budget für Copy-&-Paste-Flotten und aus “Discovery” geborgte Bühnenbilder lassen.

Beobachtungen

  • Interessantes Pacing: Während man auf der Oberfläche Zeit ohne Ende für solche Annehmlichkeiten wie Lagerfeuer hat, ist das Eintreffen der Romulaner im Orbit eine Frage von nur noch wenigen Minuten.
  • Jurati hat gut aufgepasst und sich die Redewendungen ihrer Begleiter angeeignet. Unter anderem äußert sie “One impossible thing at a time.” (Raffi) und “Make it so!” (Picard)
  • Lustiges Minispiel zum Aktivieren der Antenne. Wie praktisch, dass das nicht automatisiert läuft und Soji nicht mit üblicher Androiden-Geschwindigkeit operiert.
  • Die romulanische Flotte ist von Coppelius aus bei Tage mit bloßem Auge zu erkennen und schwebt wie ein Schwarm Vögel über den Wolken. Auch wenn es einen schönen VFX abgibt, sollte es physikalisch/optisch gesehen ein ziemliches Ding der Unmöglichkeit darstellen, mehr als einen Lichtpunkt am Firmament zu erkennen. Für die hier sichtbare Größe müssten die Schiffe schon recht tief in die Atmosphäre eingetreten sein.
  • Der Aufstieg der Orchideen erinnert an die Aliens aus “Encounter at Farpoint”, dem Pilotfilm aus “The Next Generation”.
  • In einem digitalen Matte-Painting, der das Innere des Borg-Kubus zeigt, ist diesmal kurz ein großes, rechteckiges Bassin mit Flüssigkeit zu erkennen. Ein ähnliches Bassin war auch Bestandteil des allerersten Matte-Paintings eines Borg-Würfels in “Q Who”.
  • Die Rolle des Borg-Würfels in dieser Episode ist etwas paradox. Liebe Seven: Kannst du mir verraten, was in dir vorgeht, unmittelbar nachdem du die La Sirena vor dem sicheren Untergang gerettet hast? Du hast doch jetzt alle Mittel in der Hand, dich mal so richtig nützlich zu machen. Warum spielst du keine Rolle mehr, bis die Suppe komplett ausgelöffelt ist?
  • Ist die Antenne der Synths eigentlich ein Sender oder ein Portal? Alle Informationen bisher wiesen auf Ersteres hin, diese Episode suggeriert Letzteres. Spannend wäre auch die Frage, wer eigentlich das Portal öffnet: die “Übersynths” oder die Coppelius-Bewohner?
  • Meine Hacke, brauchen die romulanischen Waffen viel Zeit, um zu laden. Da kann man ja nochmal eine Kanne Tea, Earl Grey, Decaf ziehen lassen.
  • Auf der La Sirena gibt es ein vulkanisches kal-toh-Spiel.

Fazit

Rios und Musiker in "Et in Arcadia Ego, Part 2" (Bild: ViacomCBS)

Rios und Musiker in “Et in Arcadia Ego, Part 2” (Bild: ViacomCBS)

“Et in Arcadia Ego, Teil 2” beschließt das erste neue Abenteuer von Jean-Luc Picard in zwei Jahrzehnten. Insbesondere nach dieser letzten Folge bleibt die Frage offen, wen die Serie hofft anzusprechen. Einerseits appellieren Story-Struktur, Charaktere und Ästhetik stark an die Sehgewohnheiten moderner “Prestige”-Dramen. Auf der anderen Seite traut sich die Serie nie selbst genug zu, um an den passenden Stellen Tiefgang zu entwickeln oder die Zuschauer herauszufordern. Im Gegenteil: Als es im Finale ums Ganze geht, verfällt die Serie in ungeliebte Muster aus “Voyager” und “Enterprise”, Wohlbekanntes mechanisch und vorhersehbar wiederzukäuen.

“Die Geschichte wiederholt sich”, sagt Narek in dieser Folge. So ist es leider. Auch wenn Chabon, Beyer und die anderen beteiligten Autoren alle Folgen mit sympathischen Protagonisten und mythologischen Referenzen gespickt haben, so versagten sie doch dabei, eine für unsere bewegten Zeiten wirklich relevante Version von “Star Trek” zu schreiben. Dazu müsste man insbesondere im Finale mehr leisten, als alte Phrasen und bequeme Plattitüden zu wiederholen.

Es bleibt ein durchweg bequemes, wenig überraschendes und dennoch überwiegend sehenswertes Stück Science-Fiction. Mit diesem guten Mittelmaß wird die erste Staffel “Picard” erst einmal nicht an die kraftvolle Wirkungsgeschichte von “The Next Generation” anschließen können. Diesem Rezensenten werden die ersten zehn Folgen vor allem wegen des spektakulär verschenkten Potentials vieler Episoden in Erinnerung bleiben. Es versöhnt jedoch die Einsicht, dass “Star Trek”-Serien selten in der der ersten Staffel schon so sehenswert waren, wie “Star Trek: Picard”.

Bewertung

Handlung der Einzelepisode 3 out of 6 stars (3 / 6)
Stringenz des staffel- und serienübergreifenden Handlungsstrangs 4 out of 6 stars (4 / 6)
Stringenz des bekannten Kanons 4 out of 6 stars (4 / 6)
Charakterentwicklung 3 out of 6 stars (3 / 6)
Spannung 2 out of 6 stars (2 / 6)
Action & Effekte 5 out of 6 stars (5 / 6)
Humor 3 out of 6 stars (3 / 6)
Intellektueller Anspruch 2 out of 6 stars (2 / 6)
Gesamt          3 out of 6 stars (3 / 6)

Episoden-Infos

Episodennummer 10 (Staffel 1, Episode 10)
Originaltitel Et in Arcadia Ego, Part 2
Deutscher Titel Et in Arcadia Ego, Teil 2
Erstausstrahlung USA Donnerstag, 26. März 2020
Erstausstrahlung Deutschland Freitag, 27. März 2020
Drehbuch Michael Chabon & Akiva Goldsman
Regie Akiva Goldsman
Laufzeit 57 Minuten

Mit Rücksicht auf andere Leser, die die Folge noch nicht gesehen haben, bitten wir, in den Kommentaren zu diesem Artikel auf Spoiler zu verzichten. Danke!


Christopher Kurtz

Christopher Kurtz

Seit den frühen 2000ern ist Christopher Redakteur im TrekZone Network. Wenn er nicht in den unendlichen Weiten nach kritisch rationalem Humanismus Ausschau hält oder sich über die Plausibilität fiktiver Technologien und Gesellschaftsformen den Kopf zermartert, findet man ihn meistens in der Nähe von Spielen der geselligen Art, egal ob analog oder digital, ob als Mitspieler oder Gelegenheitsautor.

20 Kommentare

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Uner · 27. März 2020 um 6:19

Mir hat es es sehr gefallen….Serien sollen in erster Linie unterhalten und das wurde ich durchgehend. Die letzen beiden Folgen fühlten sich fast wie eine TNG Doppelfolge an. Und den Abschied am Ende empfand ich schöner als der letze…

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Frank · 27. März 2020 um 11:54

Wow! Tolles finale einer grandiosen ersten Season! Ich bin völlig hin und weg, dass die es geschafft haben alle Handlungsstränge so gut zusammenzuführen und so gut zu
abzurunden und zu beenden. Ganz viele tolle Star Trek Momente. Und das aufgreifen des Picard-Manövers war ein ganz toller nostalgischer und origineller Moment. Ich finde die Serie super und freue mich schon auf die 2 Season! Star Trek lives! (Das von jemanden aus der Zeit mit 3 TV-Sendern, Programmankündigern, Sendeschluss mit Testbild nachts und vor Videorekordern… 😉 ) Für die Personen, denen Picard zu langatmig ist: freut Euch, bald kommt wieder Discovery mit mehr Action. 🙂

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    Alex1605 · 27. März 2020 um 12:29

    Stimme Frank und Uner zu. Für ein Finale hätte ich mehr Action/ Spannung erwartet. Die Abschiedsszene im letzten Teil, das war großes Kino!

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      Erwin · 27. März 2020 um 19:42

      Auf welchem Planeten ist das eine gute Folge? „Star Trek lives“ ist wohl ein Witz. Ich gehe davon aus, dass der Kommentar ironisch gemeint ist.

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        Alex1605 · 28. März 2020 um 22:44

        Also der Planet heißt Erde. Und es war sehr ernst gemeint. Epochale Folge!!

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Copper · 27. März 2020 um 12:47

Die Folge war sowas von schlecht und spätestens jetzt, nach dem sichten der ganzen Staffel ist mir klar, dass da nichts mehr brauchbares kommt. Die ganze Geschichte war leider so dermaßen vorhersehbar, recycelt und dümmlich. Schade um das Geld von CBS, daraus hätte man durchaus viel viel mehr machen können.

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BananaJoe · 27. März 2020 um 12:49

Das Positivste was ich über diese Episode sagen kann: Sie hatte einige wirklich gute Szenen wie etwa Riker als Captain (wieder einmal ausgezeichnet vom charmanten Jonathan Frakes verkörpert; aus heutiger Sicht bzw. nach dem jüngsten Verrat von Patrick Stewart an Star Trek ist es fast schade, dass Riker/Frakes nach Staffel 3 von TNG nicht Captain der Enterprise wurde, wie es ja angedacht war, weil Stewart damals überlegte, die Serie zu verlassen).
Würde “Picard” mehr von solchen Szenen enthalten, wäre die Serie halbwegs ok. Tuts sie nur leider nicht. Für oberflächliche Seher, die sich primär an der Optik (“production value”) erfreuen können, spielt das natürlich keine besondere Rolle – auch Michael Bay hat deshalb seine Fans.

Noch weniger beeindruckend war beispielsweise, in welcher Art und Weise Opa Picard mit dem hässlichen Raumschiff von Rios durch die Gegend geflogen ist. Das hat mich stark an den Typus “älterer Autofahrer mit Hut” erinnert.
Aber genau so wollte ich vermutlich immer schon einen der TV-Helden meiner Jugend in Erinnerung behalten…

Spitzenmäßig war auch, als die Inzest-Romulanerin ihren Bruder fragte, ob er denn schon einen der Hippie-Andoriden gepoppt (“f*cked”) hat. Ja, so mögen wir unser neues Star Trek: Primitivisiert und vulgarisiert wann immer sich eine Gelegenheit bietet. Das ist ja so hipp!

Ärgerlich, nein, lachhaft ist: Auch in dieser Folge gab es wieder ein technisches “magic bullshit device”, dass einem “deus ex machina” gleich als ultimativer Problemlöser fungiert, sobald die Intelligenz und Fähigkeit der Drehbuchautoren an ihre Grenzen stößt (was offensichtlich ziemlich schnell passiert).

Das, was man dann auch noch am Ende dieser Staffel mit Picard gemacht hat, war der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen gebracht hat. Ich werde mir diese Serie nicht weiter anschauen. Wobei ich ohnehin nicht glaube, dass wir im Angesicht der derzeitigen Lage allzu bald mit einer Fortsetzung konfrontiert werden.

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    Frank · 27. März 2020 um 13:18

    Vielen Dank für Deinen Kommentar. Ich kann Dir nur zustimmen.
    Gerade in der von Dir angesprochenen “magic bullshit device” Szene findet ein kurzer Dialog zwischen Raffi und Rios statt, der die Serie, insbesondere aber das Finale nicht besser kommentieren könnte:
    Raffi: “Ohh, was passiert hier?”
    Rios: “Nichts, was irgendeinen Sinn ergibt.”

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      Kazairl · 28. März 2020 um 10:30

      Gerade dieses kurze Gerspräch ist interessant. Als Außenstehender könnte man das als gewisse self awareness der Charaktere wahrnehmen, als eine Art Forth Wall Breaking, als wenn die Charaktere wüssten, dass sie in einer miesen ST Serie sind. Aber kann man so viel Selbstkritik den Schreibern um Kurtzman zutrauen wo die Serie eigentlich bewiesen hat, dass sie eben nicht kritisch mit ihrem Erbe umgeht.

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Kira · 27. März 2020 um 13:21

Ich bin total enttäuscht. Die Serie erinnert mich schmerzlich an LOST. Viele Fragen, kaum Antworten und ein ganz belangloses dummes Ende. Das war mir aber schon fast klar, als ab Episode 4 die Story nur so dahinplätscherte, ohne großen Inhalt. Die Hoffnung stirbt zuletzt – nun ist sie tot.
Ganz sinnlos finde ich eine Star Trek Serie, die (fast) ohne Föderations-Raumschiffe daher kommt. Das ist wie Kuchen ohne Zucker, Schiene ohne Zug, Ehe ohne Partner – LANGWEILIG!!! Gerade die Schiffe und Stationen sind doch seit jeher die (heimlichen) Stars der Serie.
Wo blieben die Hintergrundinformationen zum Angriff auf den Mars, romulanische Supernova samt Rettungsaktion, Borg-Kubus, Maddox, Androiden-City, “Warnung/Prophezeiung”, Kampf-Orchideen, Commodore Oh und vieles mehr. Nichts. Woher kommen beide modernen Flotten, wenn vor 14 Jahren alles zerstört wurde? Wo sind die guten alten Föderationsschiffe? Wo die Enterprise-E? Ich hatte ja gehofft, durch den Zusammenschluß von CBS und VIACOM und der gleichzeitigen Verschiebung des Starts von PICARD bekommen wir das Schiff zu sehen. Pustekuchen…
Ein Gerät, welches durch Gedanken repariert? Ernsthaft? Emotionales Finale? Ich fand es selten dämlich, albern und sinnfrei. Was Picard an hohlen Phrasen von sich gibt, ist erschreckend banal. Das ist die Zerstörung einer Ikone. Und die zweite wird gleich mit zerstört. WTF…
Die schlechteste Star Trek Serie. Und ich hatte so große Hoffnung gerade wegen Picard. Ach könnte man mir die Erinnerung nehmen und mich auf das Finale in Nemesis zurück setzen.

Habe mir kürzlich die zweite Staffel von THE ORVILLE angesehen und verstehe nun die Leute, die behaupten, diese wäre die bessere Star Trek Serie.

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marcus · 27. März 2020 um 13:59

puhh, war das drehbuch lausig. wieso hat man denn z.B. capt. rios und kollegen in die androiden-kommune gelassen, anstatt sie gleich unter arrest zu stellen wie picard? warum diese vertrauensseeligkeit, obwohl doch auch die föderation als feind wahrgenommen wurde? und seit wann wird eine flotte von hunderten sternenflottenraumschiffen von einem captain angeführt? das sind nur zwei beispiele von vielen. von dingen wie diesem absurden wundergerät, das man sich an die hand stecken kann, will ich gar nicht erst anfangen. mein fazit nach 10 episoden: die drehbuchschreiber sind sich vom anfang bis zum ende der serie in sachen unfähigkeit, oberflächlichkeit, ignoranz und schierer dummheit treu geblieben. dazu zählt auch das wiederholt betriebene entfremden bzw. das beschimpfen von fans, also von zahlenden kunden, wie es der “gegangene” showrunner michael chabon kürzlich in einem interview mit variety getan hat. von mir sehen die jedenfalls keinen cent mehr, solange figuren wie a. kurtzman das franchise notzüchtigen dürfen.

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    Maebos · 27. März 2020 um 23:13

    Zitat: “und seit wann wird eine flotte von hunderten sternenflottenraumschiffen von einem captain angeführt?”
    Das ist durchaus nicht präzedenzlos, vielleicht hat da das Beispiel des Dominion-Kriegs Schule gemacht. Sowohl während der “Operation Return” als auch bei der Ersten Schlacht von Chin’toka hat ein Captain (Benjamin Sisko) die jeweilige Föderationsflotte befehligt. In ersterer Schlacht bestand die Föderationsflotte aus etwa 600 Schiffen.

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      GandALF · 28. März 2020 um 2:23

      Es war damals Unsinn, und das ist es auch heute noch. So etwas denken sich Drehbuchautoren aus, die vom Militär keinen Schimmer haben oder Ignoranten sind. Wobei, wenn ich mich richtig erinnere, war Sisko in einem Fall immerhin deshalb der Befehlshaber, weil er mit den Feinden schon vertraut war. Das macht es leicht besser. Im konkreten Fall mit Riker trifft nicht einmal das zu.

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        Maebos · 28. März 2020 um 22:02

        Das ist vollkommen richtig. Sehr, sehr viele Dinge in der Sternenflotte sind nach realen militärischen Verfahren unsinnig. Dennoch gibt es ein Vorbild im Star Trek-Lore und auf nichts Anderes wollte ich damit hinaus (ganz nebenbei: viel unsinniger finde ich, dass ein vor Jahren aus dem aktiven Dienst ausgeschiedener Offizier sich selbst reaktivieren und sich eine riesige Flotte “just for fun” unterstellen kann). Die Begründung für Siskos Ernennung zum Frontkommandeur kann man sich auf die angesprochene Weise durchaus herleiten. Wohl auch daraus, dass Sisko Admiral Ross’ Stabschef war und die operativen Planungen konzipierte. In den Episoden wurde aber keine Begründung gegeben.

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Nostalgo · 27. März 2020 um 15:06

Kira, Du sprichst mir aus der Seele. Ich bin einfach nur enttäuscht, frustriert, traurig. Erinnern wir uns daran, dass PICARD als “Drama” angekündigt war, und Stewart selbst hat in Interviews immer wieder die politische Dimension und Anspielungen auf unsere Gegenwart betont. Rückblickend betrachtet, war Staffel 1 diesbezüglich ein Witz. Das geistige Niveau war erbärmlich. Die Autoren sind derart schlecht, dass sie es nicht mal schaffen, zentrale von ihnen aufgeworfene Fragen zu klären. Das Ganze erinnert mich finster an DISCOVERY, wo auch ständig Brücken ins Nichts gebaut wurden. Ich stimme 100%ig zu: Wer sich nur berieseln lassen möchte, kann vielleicht über den inhaltlichen Stuss und die vielen Widersprüche hinweg sehen. Ich für meinen Teil verbanne PICARD mal schnell in irgendein fernes Paralleluniversum. Es ist mir ein Rätsel, wie Stewart sich für so etwas hergeben konnte.

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    Copper · 28. März 2020 um 12:23

    Wieso? Es ist als Drama angekündigt worden und genau das haben wir bekommen, ein sprichwörtliches, unglaublich schlechtes, Drama.

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Captain.K · 27. März 2020 um 18:19

Naja das J. J Universum ist Gottseidank abgespalten. Nero wird sein Kram wohl von wo anders haben. Dank des Buches zur Serie wissen wir, das Spock nie in die Vergangenheit flog.

Also ich ging davon aus das Picards Krankheit plus stärker werdenden Symptomen uns 3 Staffeln lang begleitet, tja das wird es nicht.

Seven… Da bin ich traurig, raus geschnitten und eingefügt das die Schauspielerin das tatsächlich gemacht hat krass. Was ist passiert das sie auf vieles schlecht zusprechen ist und niemand von Voyager eine Rolle spielt. Hm ein heimlicher Backdoor für ein Voyager relaunch?

Tatsache ist, diesmal war es Riker der zur Rettung kam, legendär wie es durch die kom Anlage hält, Sir es nähert sich noch ein Schiff, es ist die Enterprise… Tja nix Enterprise nix alte Raumschiffe nur Schrott. Mein Lieblings Klingone Martok schrieb, Star Trek Picard waere okay aber warum haben die gottverdamt nicht die alten Drehbuch Autoren zurück geholt, das frag ich mich auch.

Mal sehn was uns erwarten wird im 2ten Jahr, ich hoffe auf Gunian aber sie hat ja schon ja gesagt. Ich hoffe das der Holo Doc und Janeway auch dazu kommen werden und vielleicht wird kurz bei DS9 halt gemacht

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GandALF · 28. März 2020 um 2:16

Diese Serie macht einfach nicht viel her. Die Schiffe, wie bei New-Trek üblich, ganz besonders nicht. Aber nicht nur deren Design, sondern auch wie sie gefilmt worden sind, wirkte zu oft lausig. Da sieht vieles optisch schlechter aus als in der Blue-Ray Fassung von TNG, und diese Serie ist 30 Jahre alt! Das ist wirklich eine Schande in Anbetracht der Summen, die “Star Trek Picard” gekostet haben soll.

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wolf-roberto · 28. März 2020 um 17:07

Hallo,
ich stimme den vielen Kommentaren zu. Man muss sich mal überlegen wie spannend die Figur Odo und die ganze Story mit den Gründern in ds9 war. Die Entwicklung vom Dr. in Voyager – da ist man ganz andere Wege gegangen. Die ganze Philosophie um die Künste. Wesen wie Android(Data) Hologram(Dr.), haben diese die gleichen Rechte als Person – das ging über alle Staffeln hinweg. lol?! was in Picard gezeigt wurde ist totaler quatsch und die TNG verweise empfinde ich als plakativ. Ich frag mich echt, was soll das? Warum machen die so was?

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    Lugia25000 · 29. März 2020 um 3:34

    Ich fand das große Finale gut, aber irgendwie bin ich auch enttäuscht.
    100 Föderationsschiffe und alle sehen gleich aus? und warum war das mächtigste und bestes Schiff der Sternenflotte nicht die Enterprise?
    Die haben doch sicher genug Geld das wenigstens ansatzweise besser zu machen. Eine Akira Klasse, eine Galaxy… aber nein, so ist es jetzt halt.
    Bei den Romulanern habe ich als Flagschiff auch was besseres oder größeres erwartet.
    Das Picard jetzt einen neuen Körper hat, der nicht unsterblich ist, aber auch nicht übermenschlich… naja will ich schnell vergessen.
    Picard selber fand ich aber großartig, auch Riker einfach toll. Story und Umsetzung find ich alles viel zu einfach und keine liebe drin.
    Da fehlen mir Trekkies bei den Machern.
    Freu mich aber trotzdem schon auf Staffel zwei.

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