In der fünften Folge des Mandalorianers wandeln wir auf Wild West-Pfaden – noch mehr als zuvor, aber das war bei diesem Titel schon fast zu erwarten. Doch auch die Nostalgieschiene wird erneut gefahren – auch mehr als zuvor. Unsere Review. Spoiler ahead!

Ein Weltraumgefecht

Zum Einstieg gibt es gleich ein Gefecht im All, was man irgendwie in der Serie schon etwas vermisst hatte (hey, das hier ist immerhin “Star Wars”!). Zugegeben, ein wenig unspektakulär ist das Ganze dann schon, zumindest im Vergleich zu den großen Filmschlachten, aber hier jagt quasi ein Raumjäger den anderen. Was in Spielen wie “TIE Fighter” schon in den 90ern cool war, funktioniert zumindest für mich auf dem Schirm nur bedingt. Dass ein wendiger Raumjäger von diesem doch etwas klobigeren Kopfgeldjägerschiff ausgebootet wird, war dann doch etwas schwer zu verdauen.

Aber gut, das ist ja nur der Aufhänger für die weitere Story. Denn wie der Mando schon feststellt: Man muss auch mal Geld verdienen und so fliegt er einen altbekannten Planeten an, um genau das zu tun. Okay, genau genommen muss er eh noch Reparaturen nach dem Gefecht durchführen. Und ja, auch das ist ein billiger Aufhänger, um einen altbekannten Planeten anzufliegen. Aber sei es drum.

Tattoo Inn

Zurück in der altbekannten Tätowierer-Bar… Nein, natürlich nicht, aber wie die Überschrift schon andeutet, geht es zurück nach Tatooine, eben jenen Planeten, den wir schon seit dem ersten “Star Wars”-Film kennen. Und hier fühlt man sich gleich wieder heimelig, trotz Sturmtrupplerhelmen, die am Boden vergammeln (ihr wisst schon, die Szene aus dem Trailer). Das Ambiente stimmt also erneut.

Toro und Mando aus “The Mandalorian 1×05” (Bild: Disney+)

Und hier wird auch gleich wieder auf Charakterarbeit gesetzt. Denn die Hangararbeiterin Peli ist dann doch kein griesgrämiger Tatooine-Schurke, sondern jemand, der sich rührend um Boda kümmert, während der Mando seinem Job nachgeht. Dabei kann man sich ihr im ersten Moment nicht sicher sein, immerhin ist Boda ja schon ein spezieller Fall. Aber am Ende erweist sich Peli als jemand, der das Herz am rechten Fleck hat. Das ist auch gut so, denn es zeigt, dass es nicht nur böse Subjekte gibt.

Doch auch an anderer Front wird Charakterarbeit geleistet. Wie erwähnt muss Mando auch noch Geld verdienen und ein Kopfgeld ohne Gilde einzustreichen, klappt eben nur auf Planeten wie Tatooine – oder dank der tatkräftigen Hilfe eines anderen. In diesem Fall ist das der junge Toro, den Mando in der berühmt berüchtigten Cantina trifft. Wurde schon der Nostalgiefaktor erwähnt, der in dieser Folge wieder extrem hoch gehalten wird?

Doch auch Toro ist gut charakterisiert und soll wohl Anleihen an Han Solo wecken. Tatsächlich ist dieser Kerl einem schnell sympathisch und die Hatz auf die Verbrecherin in den Wüsten von Tatooine beginnt. Und auch hier schlägt wieder der Nostalgiefaktor zu, etwa wenn Toro und Mando mitten in der Wüste bei Tusken anhalten und Letzterer trocken meint, sie müssten jetzt Wegzoll bezahlen. Da geht erneut das Fanherz auf. Vor allem weiß hier auch zu gefallen, dass die Sandleute hier nicht einfach nur böse wilde Kreaturen sind, die wahllos angreifen (wie in den Filmen), sondern eben ein sehr territorial agierendes Völkchen sind, das sich eben in seinem Lebensraum bedroht fühlt und mit denen man auch reden kann. So geht heutzutage das Erweitern eines bestehenden Kanons!

Charakterarbeit

Was danach folgt, ist eine kleine Actionsequenz in der Wüste, die allerdings mit der Sandkriecher-Sequenz aus der zweiten Folge nicht mithalten kann. Im Grunde ist es nur ein kleiner Schusswechsel, aber sei es drum. Es geht in der Hauptsache aber auch nicht um das Feuergefecht, sondern um das, was danach kommt. Toro und Mando überwältigen die böse Fennec. Diese wird übrigens gut von Ming Na Wen gespielt, die man etwa schon aus “Agents of Shield” kennt. Und hier zeigt sich, dass man mit guten Charakteren auch schön mit den Erwartungen der Zuschauer spielen kann.

Fennec aus “The Mandalorian 1×05” (Bild: Disney+)

Denn Toro ist kein zweiter Han Solo. Er tötet Fennec und verrät unseren Helden. Klar, dass dieser das nicht auf sich sitzen lassen kann, sodass es – ganz in Western-Tradition – noch ein Abschlussduell gibt. Wer gewinnt, ist natürlich klar, sonst würde die Serie nicht “The Mandalorian” heißen. Wie schon die ganze Folge über so wird aber auch hier eben der Wild West-Einschlag mehr als deutlich.

Am Ende geht es für Mando und Boda wieder ins All – wie nicht anders zu erwarten. Denn so einen richtig fortlaufenden, roten Faden, außer mit dem Baby von Planet zu Planet zu hoppeln, gibt es in der Serie noch nicht. Oder deutet die Person, die am Ende Fennecs Leiche findet, auf etwas anderes hin? Man darf gespannt sein, was hieraus noch gemacht werden wird.

Fazit

Die fünfte Folge steht ganz in der Tradition alter Western und bietet Feuergefechte in der Wüste, mit Tatooine aber auch Nostalgie pur für alle Fans. Daneben darf man sich auf den ein oder anderen durchtriebenen Charakter freuen. Zugegeben, neu ist auch das nicht unbedingt, daher hat die Serie hier einen kleinen Haken nach unten. Noch funktioniert der Mix aus einsamer Held plus Nostalgie- (und Baby-)Bonus aber – wobei die Betonung hier auf “noch” liegt. So kann man auch mit dieser Folge seinen Spaß haben.

Bewertung: 3.5 out of 5 stars (3,5 / 5)

Episoden-Infos

Episodennummer 5
Originaltitel The Gunslinger
Deutscher Titel Der Revolverheld
Erstausstrahlung 06. Dezember 2019
Erstausstrahlung Deutschland 06. Dezember 2019 (mit dt. Tonspur auf Disney+), 10. April 2020 (Disney+ Deutschland)
Drehbuch Dave Filoni
Regie Dave Filoni
Laufzeit 40 Minuten

 


1 Kommentar

Soldberg · 13. April 2020 um 16:26

Ist das schön! Jetzt, wo Picard in die wahrscheinlich sehr lange Sommerpause ging und frühestens wohl erst im kommenden Jahr wieder auf Reisen geht, freue ich mich sehr, dass ihr oder zumindest du Thomas, mich weiter mit schönen Analysen zu unterhalten wisst.

Zwar mögen die Analysen der einzelen Folgen zu THE MANDALORIEN nicht soooo groß sein, wie ich es sonst von Discovery oder jüngst Picard gewohnt bin, ich meine aber auch, dass die STAR WARS Serie auch nicht so viel Analyse-Content hergibt…

Nicht falsch verstehen… Ich halte THE MANDALORIEN für eine sehr stimmige Serie, die bisher vieles sehr viel richtiger macht, als es die jüngeren STAR TREK Serien vermochten. Dass Disney sich dazu entschieden hat, auch wenn bereits alle Folgen der ersten Staffel in Amerika online verfügbar sind, hier in Europa oder wenigstens Deutschland die Folgen einzeln Woche für Woche auszustrahlen mag ärgerlich sein, ich kann es aber aus marktstrategischen Gründen mehr als nachvollziehen… hat diese Art der Veröffentlichung eine relativ hohe Kundenbindung zur Folge…

Welche Merchandise-Funktion Boda spielt, war schon mit der ersten Folge absehbar… Ich werde dem einen oder anderen Kinderwunsch bei mir zuhause wohl bald nachgehen müssen… Während ich Discovery und Picard weitestgehend allein ansah, hab ich bei Mando und Boda immer junges Publikum dabei…

Ich, nein wir sind auch schon gespannt, wie es kommenden Freitag weitergeht… (Ein Hoch auf Streaming-Dienste, die sich um Feiertage wenig scheren müssen) und freue mich schon auf die nächste Analyse in wahrscheinlich einer Woche…

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