In unserer Übersicht werfen wir einen Blick zurück auf das letzte Jahr und die “großen Drei” Science-Fiction-Serien, die es auf dem Bildschirm zu sehen gegeben hat. Welches ist das ‘bessere Star Trek’? Welche Serie hat insgesamt die Nase vorn? Und was steckt wirklich “drin”? Begleitet uns.

Drei Serien, drei Staffeln

Wie schon die Überschrift verrät, sehen wir uns die großen Science-Fiction-Serien des letzten Jahres an, namentlich “The Mandalorian” aus der “Star Wars-Riege”, “The Orville” und “Star Trek: Picard” aus dem Universum von Gene Roddenberry. Alle diese drei Serien sind im letzten Jahr (bzw. bei “Picard” Anfang 2020) gestartet und haben auf unterschiedliche Weise ihre Fans gewonnen.

Und ja, uns ist bewusst, dass man eigentlich zwischen den drei Serien keinen Vergleich anstellen kann, da sie unterschiedliche Thematiken haben. Und vielleicht ist es auch ein klein wenig unfair. Oder anders gesagt: Man sollte womöglich den Vergleich nicht anstellen, da jede dieser drei Serien seine eigenen Fans hat und diese auf unterschiedliche Weisen anspricht.

Dennoch, das Thema gibt es ja immer wieder und auch die Frage, vor allem nach dem Finale der ersten Staffel von “Picard”, welche Serie denn nun die Nase vorn hat oder eben das “bessere” Trek ist.

Also machen wir das jetzt einfach mal doch! Bereits in unseren Reviews zur zweiten Staffel von “The Orville“ hatten wir mit unserem OTOM (Orville-Trek-O-Meter) ja bereits einen direkten Vergleich gezogen und dabei festgestellt: So groß sind die Unterschiede gar nicht.

Aber wer hat denn jetzt die Nase vorn im direkten Vergleich?

Picard, der Mando und die Crew um Ed Mercer – wer ist denn nun besser?

Die Episoden

Was die Anzahl der Folgen angeht, hat “The Orville” klar die Nase vorn, denn mit 14 Folgen hat sie die meisten Episoden der drei Serienstaffeln. Wenn man puristisch ist, zieht man die zwei Episoden, die man noch aus Staffel 1 in die zweite geschoben hat, noch ab, aber auch dann liegt “Orville” immer noch in Führung. “Picard” liegt mit zehn Folgen an zweiter Stelle und genau im Mittelfeld, während “The Mandalorian” mit acht Folgen das Schlusslicht bildet.

Von der Laufzeit her bildet “The Mandalorian” erneut das Schlusslicht, denn hier gibt es sogar zwei Folgen, die nur knapp 30 Minuten laufen. Die restlichen Folgen haben zwar eine Laufzeit von 40 Minuten, allerdings läuft der Abspann auch ca. fünf Minuten, was eine effektive Nettolaufzeit von 30-35 Minuten pro Folge ergibt.

Bei “Orville” hat man die üblichen 45 Minuten pro Folge ohne Abweichungen, das wurde einfach die ganze Staffel so durchgezogen. “Picard” hat hier zwar auch zumeist 45 Minuten pro Folge auf der Waage, hat aber auch zwei Folgen mit ca. 60 Minuten in der Staffel.

Die Optik

Neben der Laufzeit der Staffel sollte man sich an der Stelle auch die Machart – vor allem die Optik – anschauen. Hier stellt sich heraus, dass alle drei Serien gut geworden sind. Was die Effekte angeht, braucht sich zumindest keine der drei Serien verstecken.

“Orville” ist weiter schön hell und bunt, manchmal sicher auch etwas skurril, erschafft aber ein wunderschönes Gesamtbild einer neuen Galaxis im Jahre 2419. Aliens, Raumschiffe, all das greift wunderbar ineinander und bietet wenig Raum zum Meckern.

Auch “The Mandalorian” ist optisch durchaus ansehnlich und auch hier wird die Action zumeist in hellen Räumen abgespult, sodass man immer in allen Details schwelgen kann. Dabei profitiert “Mandalorian” von wenig CGI und echt gebauten Sets, um ein Flair wie zur Zeit der originalen Trilogie zu schaffen. Dass das alles noch so aussieht wie in den 80ern, ist ein fetter Nostalgie-Bonus, der eigentlich ob der vielen anderen technischen Upgrades kaum ins Gewicht fällt. Vor allem Fans fühlen sich hier sofort heimisch.

“Picard” ist – erstaunlicherweise – die dunkelste der drei Serien. Zwar ist man auch hier auf der Höhe der Zeit, setzt aber vor allem auf dunkle Sets und dunkle Stimmung. Dies wird vor allem den Fans der bunten und hoffnungsvollen “The Next Generation”-Ära etwas vor den Kopf stoßen. Aber man wollte mit der Serie nun einmal auch ein bisschen mehr in die Düsternis der heutigen Welt abtauchen.

Trotzdem hat hier “The Orville” die Nase vorn, da sie als einzige der drei Serien eine Raumschlacht bietet, die sich sehen lassen kann.

Auch effektetechnisch durchaus ansehnlich: “The Orville” (FOX)

Charaktere

Auf der Ebene der Charaktere hat erneut “Orville” die Nase vorne. Denn hier werden die Charaktere gut ausgebaut. Ed Mercer etwa versucht trotz allem, Frieden zu schaffen. Und als sich seine Freundin etwa als Krill entpuppt, glaubt er immer noch an das gute im Menschen. Doch auch die anderen Charaktere kommen nicht zu kurz und haben im Verlauf der Staffel schöne Szenen. Vor allem auch Isaac als Roboter wird stark ausgebaut. Und dann sind da noch Bortus und Klyden. Nein, hier kann man sich wirklich nicht beschweren!

“The Mandalorian” hält die Kurve hier eher etwas flach. Der neue Hauptcharakter bleibt still und unnahbar, zumindest bis kurz vor Schluss. Zwar bekommt man hin und wieder auch etwas Mitgefühl und Charakterentwicklung spendiert, es bleibt aber im Rahmen. Das gleiche gilt für seine Begleiter. Klar, die sind auch interessant und man geht kurz auf ihre Hintergründe ein, viel mehr an Tiefe gibt es hier aber kaum.
Nun mögen an dieser Stelle einige für Baby-Yoda plädieren, doch auch dieser Charakter, so niedlich er auch sein mag, bleibt im Grunde blass. Er hat ja noch nicht einmal eine Sprechrolle.

“Picard” steht hier irgendwie dazwischen, denn manchmal blitzt hier ein guter Charakter auf (Soji, Rios). Allerdings gibt es bei “Picard” für jeden gut ausgearbeiteten Charakter auch mindestens einen, der schlecht ausgearbeitet ist. Narissa oder Elnor beispielsweise bekommen nur wenig Profil spendiert. Kaum sind diese kurz angerissen oder man denkt, es bessert sich, werden sie in üblicher klischeehafter Manier auch schon wieder abserviert. Trotzdem würde man “Picard” hier wohl vor dem “Mando” einordnen, wenn auch nur ganz knapp.

Rizzo in "Broken Pieces" (Bild: CBS)

Das geht besser, gell Narissa? Peyton List in “Star Trek: Picard” (Bild: CBS)

Die Story

Kommen wir nun zur Story, dem Dreh- und Angelpunkt ganzer Staffeln. Hier liegt “The Mandalorian” ganz eindeutig hinten. Denn ganz ehrlich, die Folgen machten zwar Spaß, die Story ist aber mehr als dünn. Im Grunde hangelt man sich von Folge zu Folge und wenn man den Auftakt und das Ende anschaut, verpasst man zwischendrin nicht viel. Richtiger Tiefgang ist hier also Fehlanzeige.

“Picard” hat an der Stelle immerhin eine durchgehende Story auf der Haben-Seite zu verbuchen. Über alle zehn Folgen der ersten Staffel gibt es eine Storyline, nämlich Picards Suche nach dem Planeten der Androiden und der großen Verschwörung. Klar, die Handlung hat etliche Plotlöcher und wirkt an vielen Stellen inkonsistent, dennoch hat hier “Picard” die Nase vorn.

Denn auch “The Orville” hat zu einem Großteil eher Einzelfolgen zu bieten. Klar, die Charaktere werden hier über die Laufzeit auch weiterentwickelt und es gibt Storylines, die über mehrere Folgen stattfinden. Dazwischen gibt es aber eher Einzelabenteuer zu bestaunen. Immerhin haben die einzelnen Stories durchaus auch Tiefgang.

Zum Einschlafen: Die Story von “The Mandalorian” lässt Tiefgang vermissen.

Die Moral

Wie bei jeder Geschichte so sollte man sich auch an dieser Stelle die Moral der einzelnen Folgen anschauen. Denn das war es ja, was “TNG” lange ausgezeichnet hat. Okay, so genau kann man diesen Vergleich auf die drei Serien nicht anwenden, denn “Star Wars” war schon immer eher für Action und große Schauwerte gestanden, denn für eine Botschaft. Demzufolge ist “The Mandalorian” in dieser Kategorie klar das Schlusslicht.

Auch hier geht es nämlich eher um Spektakel, das zwar, wie erwähnt, Spaß macht, das aber eben nicht wirklich eine Botschaft transportiert. “Picard” ist hier anders – zumindest auf den ersten Blick. Hier wird (angeblich) eine Botschaft zum Menschsein präsentiert, auch wenn man die stellenweise wirklich mit der Lupe suchen muss. Picard selbst hält dabei aber auch die Moral hoch und präsentiert sich als leuchtendes Fanal der Hoffnung in einer dystopischen Zukunft, die ein wenig an die heutige Zeit angelehnt ist. Die schillernde Zukunft von “Star Trek” ist an der Stelle ein Stückchen weggerückt.

“Ich bin immer noch das strahlende Leuchtfeuer der Rebellion – ähem Hoffnung.” Jean-Luc “JL” Picard in “Star Trek: Picard”.

“The Orville” bietet hier eine eher hoffnungsvollere Zukunft an und geizt nicht mit moralischen Botschaften. Eine Gesellschaft nur auf Männer ausgerichtet? Das ist falsch. Roboter können keine Emotionen haben? Auch das trifft nicht zu. Vor allem aber wird die Serie nicht von einer ersten Direktive beschränkt und zeigt eindrucksvoll, was passiert, wenn man in eine Situation stolpert, in der man eingreifen müsste. Dabei wird die Mündigkeit der betroffenen Gesellschaft allerdings auch beachtet.

Die Bewertung der drei Serien nach Kategorie (Punktevergabe nach Wertigkeit).

Fazit

Sieht man sich die Bewertungen in den einzelnen Kategorien an, dann hat “The Orville” hier ganz klar die Nase vorn. Und in der Tat bezeichnen viele Fans die Serie auch als das, was ein modernes “Star Trek” hätte sein sollen. Mit 10 Punkten folgt “Picard” immerhin an zweiter Stelle, während “The Mandalorian“ das Schlusslicht bildet. So optisch gut das “Star Wars”-Spektakel sein mag, so bleibt es vor allem storymäßig extrem auf der Strecke.

Letztlich muss aber jeder für sich selber entscheiden, wie ihm die einzelnen Serien gefallen, Vergleich hin oder her. Gute Momente haben sie alle.

 


18 Kommentare

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Alex1605 · 18. Mai 2020 um 22:15

Eure vergleichende Bewertungen gefällt mir ganz gut. Ich komme da zu einem anderen Ergebnis, aber das ist eben Geschmackssache. Einziger Punkt hierzu: Charaktere. Eine Charakterentwicklung sehe ich bei Orville eher begrenzt, bei Picard aber ganz stark, vor allem sehr stark gespielt. Dagegen wirkt Orville eher platt und linear.
Zum Verfahren. Die Vergleichspunkte find ich gut, bis auf die Episodenanzahl. Die Qualität einer Serie hängt a.m.S. nicht daran.
Orville mit Picard vergleichen, ja. Aber diese mit Mandalorian, kommt mir so vor wie Äpfel mit Birnen vergleichen. Star Wars und Star Trek sind ganz unterschiedliche „Universen“, Erzählweisen und Geschichten. Da hätte STD besser gepasst. Oder die neue Serie mit Pike/ Spock.

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    Steve · 19. Mai 2020 um 11:48

    Wo genau siehst du eine starke Charakterentwicklung?

    Eine solche gab es bei Voyager mit der Figur von Seven of Nine. Nachdem sie an Bord geholt wurde, wurde sie Stück für Stück menschlicher. Individualität war ein ganz großes Thema. Bis zur Episode Beute. Da entschied sie sich gegen die Befehle des Captains

    Die Episode möchte ich zum Nochmalansehen empfehlen. Eine spannende Folge mit ganz viel Star-Trek-Elementen, über die man ganz viel diskutieren könnte. Jedenfalls bekam Seven da einen Rückschritt in ihrer Entwicklung. Sie war – anders als Janeway – bereit, Spezies 8472 den Hirogen auszuliefern. Als Rechtfertigung nannte sie die Indivudualität, die Janeway ihr beigebracht hatte. Erst nach diesem Erlebnis machte sie wieder Fortschritte in ihrer Entwicklung.

    Die Charakterentwicklung bei Picard ist bestenfalls halbherzig (Seven wird zum Rambo und knallt alle ab) und inkonsistent (Agnes ist ne Mörderin, dann plötzlich ein braves Mädchen. Wäre eigentlich eine gute Charakterentwicklung, aber kam von einer Minute auf die andere). Aber vielleicht kannst du auch so ein Beispiel skizzieren, wie ich es für Seven bei Voyager getan habe, um zu zeigen, in welchen Momenten und Figuren du eine starkte Charakterentwicklung siehst.

    Zugegeben, andere Serien hatten mehr Zeit, ihre Charaktere aufzubauen, aber dann stellt sich halt die Frage, warum unnütze Figuren wie Elnor überhaupt eingeführt werden.

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      Alex1605 · 19. Mai 2020 um 17:16

      @ Steve: Zur Charakterentwicklung:
      Fangen wir mal mit Picard oder besser „JL“ an. Nach seinem Ausstieg hat er alle Brücken abgebrochen, ist frustriert von der Sternenflotte hat er sich auf seinem Weingut versteckt. Plötzlich taucht Dasch auf und reißt ihn aus seinem Trott. Er hat wieder sein: For the greater Good, sein Ziel, dafür hat er bei der Sternenflotte gelebt. Er ist bereit unter allen Umständen, ihre Schwester zu retten. Dazu braucht er eine Crew. Und er muss lernen, mit dieser Crew als „JL“ und eben nicht als Cpt Picard sein Ziel zu erreichen. Da führt man ganz anders. Und dann kommt Soji. Picard konnte nicht mit Kindern oder Jugendlichen umgehen, JL lernt es. Das zieht sich durch die ganze Staffel.
      Weiteres Beispiel Raffie. Gebrochen, weil sie besessen war von der „Verschwörung“, und dadurch die Familie verloren hat und Picard sie im Stich gelassen hat. Eigentlich ein Wrack. Ja und diese Raffie entwickelt sich zu einem Klasse No1., den ich sofort nehmen würde. Und Rios, die coole Socke, ein Mann eben, mit Höhen und Tiefen, der sich dann doch für gute Sternenenflottengrundsätze entscheidet an denen er innerlich fast gescheitert ist. Ich Könnte über jedes Mitglied der Crew weiterschreiben.
      Mit am besten ist aber die Gruppendynamik der Crew der La Sirena. Da steckt viel Charakterentwicklung der einzelnen und der Gruppe drin. Und das alles toll geschauspielert. Deshalb kann Orville aus meiner Sicht da nicht mithalten. Ich mag diese Serie aber auch. Bei Picard treffen eben Charaktere aufeinander, die sich finden. Bei Orville ist das die übliche militärische Crew, mit bekannten Verhaltensmuster und „kleinen Macken“.

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        Steve · 20. Mai 2020 um 11:47

        Ich stimme dir zu, dass JL eine Charakterentwicklung durchgemacht hat. Erstens in eine fragwürdige Richtung, zweitens sieht man sie nicht. Sie wird einem päsentiert. Man könnte auch sagen “hingeklatscht”. Seinen Ausstieg sieht man nicht. Er spricht nur mit Raffi darüber. Show, don’t tell! Falls das jemandem etwas sagt. Der Picard, den ich kenne, wollte Leben retten – und hätte es auch getan. Die Befehle der Sternenflotte hin oder her. Konsistenter wäre es gewesen, wenn er sich den Befehlen widersetzt hätte, dann hätte die Sternenflotte ihn feuern können und dann wäre es nachvollziehbar gewesen, dass er sich auf sein Weingut zuückzieht.

        JL kann plötzlich mit Kindern umgehen. Schöne Charakterentwicklung, da stimme ich zu, aber man sieht es nicht. Er kann es einfach. Und wozu das überhaupt zeigen? Für diese Geschichte ist es absolut unnötig, weil der gesamte Elnor-Plot zu nichts führt.

        Bei Raffi wurde nie geklärt, warum sie eigentlich entlassen wurde. Nur weil Picard zurückgetreten ist? Somit steht der gesamte darauf aufbauende Plot auf tönernen Füßen.

        Rios Hintergrundgeschichte und damit seine Entwicklung finde ich sogar sehr gut, aber auch hier hat man es letztendlich auch vergeigt. Wieder wird sie hingeklatscht, indem sie einfach erzählt wird. Und dann hat man einfach den Zufall spielen lassen, damit genau dieser Mann Teil dieser Crew wird, anstatt sich da was auszudenken.

        Gruppendynamik. Nun ja… Ich weiß nicht. Kirk, Spock und McCoy hatten eine Gruppendynamik. Ebenso fand ich die Interaktionen zwischen Odo und Quark fantastisch. Und die Interaktionen zwischen Sven und der Rest der Crew. Aber das waren auch herausragende Figuren mit ganz besonderen Merkmalen und Eigenschaften. Data, Holodoc, Seven, Spock, Odo. So eine spezielle Figur fehlt einfach. Man hätte Seven mehr ins Zentrum rücken können, oder Hugh, aber den killt man lieber. Ein Jem’Hadar wäre cool gewesen. Als Besatzungsmitglied der La Sirena. Da hätten sich tolle Interaktionen ergeben können.

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          Matthias Suzan · 20. Mai 2020 um 16:34

          Hallo Steve,
          über den Entlassungsgrund von Raffi habe ich auch sehr lange nachgedacht. Ich würde es mir heute so erklären: Raffi wurde deshalb entlassen, weil sie vor dem Sternenflotten-Kommando auf eine Beteiligung der Romulaner an der Mars-Attacke bestanden hat. Commodore Oh hat dann wohl dafür gesorgt, dass sie als gefährliche Verschwörungstheoretikerin gebrandmarkt wird – und dass sie zudem aus dem Dienst entfernt wird, um weitere Nachforschungen in diese Richtung zu verhindern.
          Allerdings würde ich dir zustimmen, dass diese Erklärung – insbesondere für „Star Trek“ – wenig plausibel ist. Denn erstens erwartet Raffi ihre Entlassung schon, nachdem Picard erste wenige Minuten zuvor zurückgetreten ist. Warum eigentlich? Hellseherin? Zweitens wäre die Entlassung einer – aus Sicht der Sternenflotte – Verschwörungstheoretikerin aus dem Geheimdienst der Sternenflotte gewiss legitim gewesen. Dass man sie aber komplett aus dem Dienst entfernt und nicht einfach auf einen weniger einflussreichen bzw. bedeutsamen Posten versetzt, finde ich nicht ganz unproblematisch. Hat sie Gesetze, Vorschriften, ihren Eid oder wenigstens Prinzipien gebrochen, sodass eine „unehrenhafte“ Entlassung auch juristisch zu rechtfertigen ist?
          Denn hier steht die Frage im Raum, inwiefern die Sternenflotte im Jahr 2385 noch nach rechtsstaatlichen Prinzipien agiert. In meinen Augen ist es nämlich fragwürdig, wenn eine einzige Person (Oh) so viel Macht besitzt, selbst wenn es sich dabei um die Chefin des Geheimdienstes der Sternenflotte handelt. Gibt es in der Sternenflotte keine Art „Checks and Balances“?
          Wenn das Drehbuch hier logisch (nach alten „Star Trek“-Kriterien) wäre, hätte Raffi einfach juristisch gegen die Entlassung vorgehen können. Das hätte dazu geführt, dass es ein juristisches Verfahren (die Sternenflotte hat bekanntlich einen Judge Advocate General’s Corps) gegeben hätte, in dem unabhängige Personen – z.B. ein Verteidiger – weitere Untersuchungen in Richtung der Romulaner vorangetrieben hätte (zwecks Beweisführung), die Oh als Anklägerin nicht ohne Folgen hätte unterbinden können. Damit wäre aber der angedachte Handlungsstrang ad absurdum geführt worden. Also macht man eben ‘lazy writing’ und ignoriert die rechtsstaatliche Verfassung der Föderation respektive Sternenflotte. Stattdessen wird die Sternenflotte einfach als quasi rechtsfreie, autoritäre Militärorganisation gezeigt. Das scheint Kurtzman wohl auch zu gefallen. Wenn ich z.B. an das „Militärtribunal“ von Burnham in „Discovery“ denke, die ohne Rechtsbeistand und Gerichtsverfahren in einer ‚Dunkelkammer‘ abgeurteilt wird, dreht sich mir immer noch der Magen um! Sieht halt ‚cool‘ aus und vereinfacht das Storytelling. Es widerspricht aber leider der langjährigen Darstellung, dass die Föderation ein liberaler Rechtsstaat ist und dass demnach auch die Sternenflotte an das Recht gebunden ist. Es gab früher schon zahlreiche Folgen, in denen es zu Anhörungen oder Gerichtsprozessen gekommen ist (Kirk, Spock, Data, Riker, Worf…).

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          Alex1605 · 20. Mai 2020 um 21:41

          @Steve: Die Charakterentwicklung von Picard geht „von unten“ nach oben. Er sagt selbst, dass er auf seinem Weingut „zum Sterben“ gezogen ist, als desillusionierter, frustrierter Mann. Und das sein Leben mi der Aufgabe Soji zu retten wieder „begonnen hat“. Ich sehe diesen Wandel sehr deutlich. Auf dem Weingut eher phlegmatisch zeigt der „alte“ Picard wieder seine Sternenflotteneigenschaften. Was den „Abgang“ vom Admiral anbelangt ist das für mich so realistisch. Wenn die Sternenflotte entscheidet das es keine Ressourcen mehr dafür gibt, was hätte er tun sollen? Mit einem Shuttle 20 von mehreren Millionen Romulaner retten?? Ich gebe dir recht, das Picard hätte versuchen können, andere Organisationen zu suchen, welche die Romulaner retten, aber wen??? Wer hasst die Romulaner nicht. Scheinbar war das der Krug, der Picard gebrochen hat.
          Das Picard mit Kindern umgehen kann, sieht man am Umgang mit dem jungen Elnor, den er aber auch im Stich gelassen hat. Aber auch im Umgang mit Soji, die eigentlich eine große Jugendliche ist.
          Raffie wurde entlassen und hat ihre Familie verloren. Warum sie entlassen wurde ist doch egal, es hat sie gebrochen. Ich nehme an, weil sie ihre Klappe wegen den Romulanern nicht halten konnte und besessen von der „Verschwörung“ war.
          Was an einer Geschichte „hingeklatscht“ ist, weil sie erzählt wurde, erschließt sich mir nicht.
          Also Gruppendynamik ist das Wechselspiel einzelner Gruppenmitglieder. Die sehe ich bei der Crew der La Sirena äußerst wechselhaft und dynamisch. Für mich sind das sehr individuelle Figuren mit einer großen Charakterentwicklung. Die Gruppe ändert sich auch ständig. In dieser Gruppe hat Seven auch noch keine Rolle, aber die kommt vielleicht noch. Klar, Hugh hätte ich da auch gerne gesehen.
          Bei Kirk, Spock und Pille handelt es sich um Gruppen, die immer die gleiche Dynamik haben. Pille macht Witze über Spock, Spock spielt den Emotionslosen oder auch nicht und Kirk spricht humorvolle Schlussworte. Ich mag diese Gruppe auch. Aber diese Charaktere sind immer gleich.

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          Steve · 21. Mai 2020 um 14:03

          “Ich gebe dir recht, das Picard hätte versuchen können, andere Organisationen zu suchen, welche die Romulaner retten, aber wen??? Wer hasst die Romulaner nicht.”

          Die Romulaner sind Teil der Allianz gegen das Dominion. Das zeigt sehr klar, dass es da eine Annäherung gegeben hat. Als Dank überlässt die Föderation die Romulaner ihrem Schicksal. Top-Lösung für ne Star-Trek-Serie.

          “Wenn die Sternenflotte entscheidet, dass es keine Ressourcen mehr dafür gibt, was hätte er tun sollen? Mit einem Shuttle 20 von mehreren Millionen Romulaner retten?”

          Ich gratuliere herzlich! Du hast darüber 5 Sekunden länger nachgedacht als die Autoren. Wie wäre es, wenn man mit den Tholianern zusammengearbeitet hätte? Oder den Gorn? Oder die Bynare? Ich wette, die können ziemlich schnell etwas ziemlich Großes bauen. Die Ferengi verleihen ihre Schiffe bestimmt auch gern gegen eine kleine Gebühr. Na gut, ne große.

          Eine gute Frage in diesem Zusammenhang wäre auch, warum man nur die Rettung mit Raumschiffenerwogen hat? Wie wäre es, wenn man andere Technologien in Betracht gezogen hätte? Iconianische Portale oder Scotty hat sich im Musterpuffer “hinübergerettet”. Oder eine viel exotischere Idee.

          Und die nächste Frage: Warum mussten die überhaupt gerettet werden? Die Romulaner haben ein IMPERIUM. Hatten die gar keine Schiffe?

          “Was an einer Geschichte „hingeklatscht“ ist, weil sie erzählt wurde, erschließt sich mir nicht.”

          Kein Problem, ich erklär´s gern: Man stelle sich vor, in Star Trek II hätte man dem Zuschauer einfach erzählt, dass Kahn die Reliant gekapert hat, aber nein, man hat es GESEHEN.

          “Bei Kirk, Spock und Pille handelt es sich um Gruppen, die immer die gleiche Dynamik haben.”

          Eigentlich nicht. Man kann das damalige Geschichtenerzählen nicht mit heute vergleichen, aber selbst damals gab es schon moderne Ansätze, mit den Charakterisierungen zu spielen. In Kirk : 2 = ? ging man der Frage nach, wie sehr unsere negativen Eigenschaften uns zu dem machen, wer wir sind. Mit Charakterisierungen spielen aber auch Episoden wie das Prallel-Universum oder Weltraumfieber. Oder man denke daran, als Spock das Shuttle gestohlen hat, um Pike zu helfen.

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        Steve · 21. Mai 2020 um 14:04

        “Warum sie entlassen wurde, ist doch egal”

        Diese Aussage zeigt den Kern des Problems.

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          Alex1605 · 21. Mai 2020 um 19:00

          @Steve: Deine Beispiele über eine mögliche die Rettung der Romulaner sind okay. Ich selbst hab mir da nicht so viele Gedanken gemacht. Ich nehme das eben als gegeben hin, dass der Krug von Picard vor 14 Jahren gebrochen ist. Das ist der Ausgangspunkt von Picard. Warum sich andere nicht um die Romulaner gekümmert haben, ist für Picard eigentlich nicht wichtig.
          Zum „Hinklatschen“: Dein Beispiel mit Rios kann ich nicht nachvollziehen, das war aus meiner Sicht stimmig. Ich finde das gerade durch die Rückblenden am Anfang viel “indirekt” und spannend erzählt wurde. Sicherlich ginge mehr, aber bei 10 Folgen?
          Kirk, Pille und Sock hatten bei TOS ihre „festen“ Rollen. Das mag bei STD oder den Kinofilmen anders gewesen sein.
          „Den Kern des Problems“ versteh ich nicht.

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Kira · 18. Mai 2020 um 23:04

The Mandalorian kenne ich noch nicht, Picard finde ich total Sch…
The Orville ist großartig und wird immer besser. Aber WARUM zum Geier gibt es die Serie nicht auf Blu-ray? Auf DVD kann man doch die geilen Effekte gar nicht richtig genießen. Weiß jemand dazu eine Antwort???

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    Thomas Götz · 19. Mai 2020 um 7:16

    Hallo Kira,

    diese Frage stelle ich mir auch öfter, vor allem da es ja z.B. BluRay-Editionen in Amerika gibt.
    Allerdings, wenn man sich die BluRay-Verkäufe der letzten Jahre so anschaut, sind diese leider nie an die DVD-Verkäufe herangekommen, was vermutlich mit einer der Gründe ist, nur DVD-Editionen anzubieten – es rechnet sich für die Studios nicht.

    Der Trend geht hier gsanz klar zum Streaming – und Disney+ hat es ja vorgemacht, das bei Filmen wie Star Wars auch die BluRay-“Extras” asls Extras separat abrufbar beiliegen.

    Meine persönliche Einschätzung: Der Trend geht eher zu teuren Collectors Editionen, um die Sammler anzusprechen, ansonsten wird der BluRay-Markt eher noch kleiner werden.

    Gruß
    Tom

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      Weyoun 5 · 20. Mai 2020 um 17:26

      “The Orville” ist auch mein Favorit. Ganz tolles “Star Trek”, was “Picard” nicht ist. “The Mandalorian” hat mich im positiven Sinne mehr überrascht, als ich vermutet habe. Ganz tolles “Star Wars” im alten Stil. Disney kann es also noch, es muß nur die richtigen Leute ranlassen, was sie bei Episode VIII und IX vermasselt haben.

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BananaJoe · 20. Mai 2020 um 23:30

Meine persönliche Reihenfolge:
1. The Mandalorian
2. The Orville
3. Picard
Traurig, dass ich als langjähriger Freund von Star Trek das so reihen muss, aber eine Serie, bei der “Star Trek” bloß als Label raufgepappt worden ist, reicht mir nicht aus. “Picard” ist für mich weder Star Trek. noch finde ich die Serie unterhaltsam.

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Alex1605 · 21. Mai 2020 um 9:32

Meine persönliche Reihenfolge:
1. Picard
2. Mandalorian
3. Orville.
Picard ist ein super Neuansatz von Star Trek. Mandalorian gibt tolles klassisches Star War Feeling. Orville ist eine gute SF Serie, die ich mag. Kommt mir allerdings wie eine “Billigversion” von Star Trek vor. Aber letztendlich finde ich alle drei gut, das ist nur ein gradueller Unterschied.

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Alex Foster · 24. Mai 2020 um 7:00

In dem Vergleich fehlt für mich “The Expanse” die ich derzeit für die beste Sci Fi Serie halte.

Nun, für mich ist The Orville vom Storytelling her klar die beste Serie. Die Geschichten sind einfach intelligent geschrieben.

Star Trek Picard versucht hingegen großes Drama zu sein, endet aber als ziemlich uninspirierter Actionaufguss. Es ist nichts innovativ an der Serie, die Story ist inkonsistent, vom Canon ganz zu schweigen. Und das heißt nicht, dass die Serie ein paar gute Ideen und Momente hat, aber in Summe ist das halt zu wenig für ein Prädikat: Sehenswert.

Aber ganz generell gesprochen: New Star Trek, ob Discovery oder Picard, sind letztendlich zu belanglos. Die Hardcore Fans mögen New Trek durch die Bank nicht wirklich, weswegen die neuen Serien langfristig weder sehr lukrativ noch nachhaltig sein werden. Denn die Hardcore Fans sind es, die Star Trek über 50 Jahre lang am Leben gehalten haben, in dem sie viel Geld für Zeugs ausgegeben haben. Merchandising bringt bei den neuen Serien (und auch Filmen) so gut wie nichts ein. Die neuen Serien werden sich z.B. nur wenige als DVD oder BluRay ins Regal stellen. Da hat man bei den Verkäufen der Filme schon gesehen.

Wenn Star Trek weitere 50 Jahre ein gegenwärtiges Phänomen der Popkultur bleibt, dann weil die alten Serien weiterhin geschaut werden. New Trek wird eine Episode bleiben, bis in wenigen Jahren die Produzentenverträge wieder auslaufen und neue Leute ans Ruder kommen, und schließlich in Vergessenheit geraten. So wie “Sag niemals nie” nie wirklich zur James Bond Reihe gehörte, oder “Kampf um Endor” nie wirklich Teil des Star Wars Universums wurde, wird auch Star Trek Discovery und Star Trek Picard (samt den JJ Abrams Filmen) in 10-20 Jahren komplett vergessen sein. Darüber wird dann keiner mehr sprechen. So wie Lost wird STD und STP ein One-Viewer bleiben. Einmal gesehen, dann vergessen und begraben. Oder redet heute noch irgendwer über Lost? Ich kenn niemanden.

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    Alex1605 · 24. Mai 2020 um 19:28

    @Alex Förster. Expanse war für mich auch eine der besten SF Serien bis zur letzten Staffel. Die war fade und hat diese typische Spannung auf die nächste Folge vermissen lassen.
    Ich bin auch Hardcoretrekkie und fand STD mäßig außer Pike und Spock, bin aber von Picard begeistert. Da hier Star Trek Geschichte geschrieben wurde, werden das noch viele anschauen. Schon alleine wegen Sir Patrick!

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Kai Libal · 21. Juni 2020 um 13:38

Mir gefällt Mandalorian eher mehr als Star Trek & Co. Ob die Reise in der Zukunft mit Star Wars einen guten Lauf gibt wird Disney zeigen. Bisher bin ich begeistert.

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Cetin Sinan · 22. Juni 2020 um 17:52

Klasse. Ich habe diese Website heute erst entdeckt. Toller Artikel. Ich fahre voll auf Star Trek ab. The Orville muss ich mir noch holen. Habe ich noch nicht. Aber ich schaue hier gerne wieder vorbei.

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