In unserer Review sehen wir uns den neuesten Deep Space Nine-Roman an.

Achtung Spoiler

Inhalt (Klappentext):

Ende 2385 entsendet die Sternenflotte Captain Benjamin Sisko und die Mannschaft der U.S.S. Robinson auf eine ausgedehnte Forschungsmission in den Gamma-Quadranten.

Doch drei Monate nach Beginn der Mission greift eine fremde Spezies unprovoziert die Robinson an. 78 der 1300 Besatzungsmitglieder werden entführt – darunter Siskos Tochter Rebecca. Rebecca ist vor Jahren schon einmal von religiösen Eiferern entführt worden, einer Sekte, die daran glaubte, dass ihre Geburt die Prophezeiung der Ankunft des kindlichen Wegbereiters erfüllte. Hat ihr erneutes Verschwinden etwas mit den qualvollen Ereignissen der Vergangenheit zu tun? Und zu welchem Zweck haben diese Feinde Siskos Tochter und die übrigen Vermissten entführt?

Gamma:Ursünde (Cross Cult)

Gamma – Ursünde

Kritik

Auch die Deep Space Nine-Bücher gehen weiter und wie es der Titel schon sagt, geht es diesmal zurück in den Gamma-Quadranten (nicht zu verwechseln mit der ersten Mission Gamma-Reihe des Relaunchs). Im Zentrum stehen diesmal zwar Sisko und seine Frau, aber ein Großteil der Handlung dreht sich auch um ihre Tochter Rebecca. Dabei werden zwei Zeitebenen aufgemacht: Zum einen das Jahr 2380 und Rebeccas Entführung und dann eben das aktuelle Jahr 2386 und … nun ja, Rebeccas Entführung.

So gut die Ausgangshandlung und Teile des Buches auch sein mögen, merkt man hier schon die erste Krux an der Geschichte. So ist Rebecca als Tochter des Abgesandten etwas Besonderes, wie sich auch im Laufe der Handlung noch zeigen wird. Zwar passen Rebeccas Fähigkeiten ins Bild und es stellt eine gute Weiterentwicklung ihres Charakters dar, allerdings muss man sich die Frage gefallen lassen, ob es unbedingt sein musste, eine weitere Tochter eines Hauptdarstellers eine derartig ausufernde Rolle zuzuschustern.

“Welcher Hauptcharakter denn noch?”, werden nun viele fragen. Hierbei verweise ich an der Stelle an die Tochter von B’Elanna und Tom Paris aus der Voyager-Reihe. Hier wurde sogar quasi schon in der Serie etabliert, dass sie etwas Besonderes ist und hier wie da wurde auch Miral in ihrer Jugend von Fanatikern entführt. Und ähnlich wie bei Deep Space Nine hat man auch bei den Voyager-Romanen die Details zunächst außen vor gelassen und erst später präsentiert, was beim Leser natürlich zu dem Eindruck geführt hat, etwas verpasst zu haben.

Nun kann man sicher nicht erwarten, dass sich Voyager- und Deep Space Nine-Romanautoren absprechen, da aber auch die Buchabteilung inzwischen auf Kontinuität achtet, wundert es schon, dass diese Parallelen niemandem aufgefallen sind. Hier bekommt man nun in der Rückblende die Geschichte um Rebeccas erste Entführung zu lesen. Und hier gibt es dann auch das erste Problem: Zum einen weiß man als Leser ja schon, wie es ausgeht. Das mag noch verschmerzbar sein, da ja oftmals der Weg das Ziel ist, auf der anderen Seite muss man sich an der Stelle auch die Frage gefallen lassen, ob man nach 10 (oder mehr?) Relaunch-Romanen, in denen diese Entführung eben nicht Thema war, diese nun noch braucht. Zumal ja die andere Hauptstory noch einmal von Rebeccas Entführung handelt. Und zwei recht ähnliche Geschichten sind halt dann doch etwas zu langweilig auf Dauer.

Hinzu kommt, dass eben wie gesagt hauptsächlich Kasidy und Sisko im Vordergrund stehen. Die Nebencharaktere, bis auf vielleicht eine Ermittlerin von Bajor, bleiben etwas auf der Strecke. Dies gilt auch für die Bösewichte bzw. das feindliche Volk, auf die man trifft. Hier erfährt man nichts Näheres über ihre Gesellschaft oder ihre Beweggründe.

Auf der einen Seite ist es schön, dass man mal einen Erstkontakt hat, der sich nicht diplomatisch lösen lässt und an dessen Ende man quasi einen neuen Feind hat. Auf der anderen Seite bleiben die Bösewichte so aber auch ein Stück weit eindimensional. Lediglich Radovan bekommt etwas Hintergrund, ist am Ende aber auch nichts anderes als ein verblendeter Fanatiker.

Stellenweise droht der Roman auch, in Langeweile abzudriften. So wird die Robinson etwa von den Fremden lahmgelegt und bis man sich aus der Raumfalle befreit hat und die große Suche beginnt, sind fast 200 Seiten um. Das war fast schon zuviel des Guten, aber hier kriegt man dann noch die Kurve.

Als man die Fremden dann gefunden hat und die Kinder befreit, gelingt dies bis auf eine Gruppe nicht. Und in dieser Gruppe ist dann zufällig Rebecca. Das ist schon arg konstruiert bzw. ein so typisches Klischee, dass es nur so trieft. Klar, Rebecca muss am Ende ihre Fähigkeiten zeigen und unter dem Gesichtspunkt ist die Entwicklung verständlich. Sie kommt aber eben auch absolut nicht überraschend.

Wenig überraschend ist dann auch die Konvertierung, welche die Fremden an den Kindern vornehmen. Denn als aufmerksamer Leser hat man den Sinn und Zweck der Apparatur schon beim ersten Mal durchschaut. Es vergehen über 100 Seiten, bis Sisko und Konsorten erneut vor einer Konvertierungsmaschine stehen und erst dann begreifen, was der Sinn und Zweck ist. Sorry, aber hier muss die Frage erlaubt sein, warum sie nicht schon früher darauf gekommen sind. Immerhin sind die Helden ja auch nicht dumm und die Erklärung liegt die ganze Zeit vor der Nase…

Fazit

Insgesamt ist die Geschichte zwar in sich stimmig und wird, wann immer sie in allzu offensichtliche Schemata abzudriften droht, erfolgreich abgefangen. Viele kleinere Schnitzer, wie zwei zu ähnliche Stories, etwas wenig Charaktertiefgang sowie viel zu viele konstruierte Zufälle verhindern dann leider, dass der Roman hier über das Mittelfeld hinauskommt.

3 out of 5 stars (3 / 5)
Information: Ein Exemplar dieser Ausgabe wurde dem Autor vom Verlag zum Zwecke der Rezension kostenlos überlassen.

Quick-Infos

Autor: David R. George III
Originaltitel: Gamma – Original Sin
Jahr der Veröffentlichung (Original): 2017
Übersetzer: René Ulmer
Seitenanzahl: 447
Preis: 15.- Euro
ISBN: 978-3-96658-061-8
Verlag: Cross Cult

 


1 Kommentar

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Julian · 24. Mai 2020 um 19:23

Der DS9-Relaunch war einmal unglaublich toll – atmosphärisch, komplex und charakternah, vom World Building und politischen Bezügen ganz zu schweigen. Ich habe die achte Staffel geliebt. Danach ging es nur noch bergab. Auch die mit der Post-Destiny/Typhon Pact-Handlung verbundenen Bücher konnten mich nicht mehr überzeugen, weil kein genuines DS9-Feeling mehr aufkam. Ich glaube nicht, dass Siskos Flüge durch den Gamma-Quadranten noch große Fortsetzungen nach sich ziehen werden, insbesondere jetzt, da Star Trek auf Kurtzman-Kurs ist…

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