Wir sehen uns den ersten Comic zum “Avatar”-Film an.

Inhalt (Klappentext):

Tsu’tey ist einer der größten Krieger des Omatikaya-Stammes der Na’vi auf dem Mond Pandora. Doch Tsu’teys vorgezeichneter Pfad verliert sich in Dunkelheit und Aggression, als Menschen die Heimat der Na’vi ausbeuten und ihre Lebensweise im Einklang mit der wilden Natur bedrohen. Entsprechend groß wird Tsu’teys Hass auf den menschlichen Soldaten Jake Sully, der dank eines Avatars unter den Na’vi wandelt und das Herz der schönen Neytiri gewinnt …

Kritik

Avatar – Tsu’teys Pfad

Das Erscheinen von “Avatar” ist nun schon über 10 Jahre her, aber immerhin steht angeblich der nächste Teil (genauer: die nächsten Teile, denn es wurden ja alle drei oder vier Fortsetzungen am Stück gedreht) in den Startlöchern. Der Film brachte uns damals einen neuen 3D-Boom, auch auf dem Heimkinomarkt, der inzwischen aber wieder rückläufig ist. Ob die neuen Filme ihn wieder beleben, ist an dieser Stelle natürlich nicht Thema, sondern der erste Comic zum Film. Eigentlich verwunderlich, dass es so lange gedauert hat, bis hier tatsächlich etwas erschienen ist.

Zeichnungstechnisch gibt es nichts zu meckern und hier fühlt man sich sogar wirklich in den Film versetzt, so farbenfroh und detailreich ist die Welt umgesetzt. Die Gesichter der Charaktere erinnern dabei an ihre Schauspielpendants und auch sonst stehen die Panels anderen Publikationen, allen voran Superheldencomics, die ich immer wieder als Vergleich anführen muss, in nichts nach, Das ist auch kein Wunder, stammt der Band doch aus der Feder von Jan Duursema, die sich bereits zu “Star Wars Legends”-Zeiten einen Namen gemacht hat, waren ihre Zeichnungen doch immer schon sehr plastisch.

Wie es der Titel verrät, wird hier die Handlung des Kinofilms noch einmal aus Tsu’teys Sicht erzählt. Leider ergibt das insgesamt nur wenig Neues, wobei man als Leser zunächst einmal wieder mit den Begriffen des Planeten warm werden muss. Oder weiß einer, der den Film vielleicht die letzten Jahre nicht nochmal gesehen hat, noch, was Eywa oder die Omatikaya sind? So vergeht auch einige Zeit, bis man sich mit den Charakteren und den Gegebenheiten wieder “warm gelesen” hat. Elf Jahre sind eben doch eine lange Zeit in der heutigen schnelllebigen Streamingwelt.

Was folgt ist eine Nacherzählung des Filmes, eben aus Sicht des Anführers des fremden Stammes. Immerhin bieten sich vor allem am Anfang, noch bevor Jake eintrifft, ein paar (wenige) neue Erkenntnisse über das Volk und die Geister, zu denen sie sprechen können. Danach folgt man aber dem bekannten Pfad, der letztlich zu Tsu’teys Tod führt. Leider bleibt der titelgebende Charakter bis dahin etwas eindimensional.

Nun war der Film, was die Story angeht, genau genommen auch keine Innovation und hat vor allem durch seine Schauwerte gepunktet. Und auch wenn der Comic ebenso gut gezeichnet ist, fällt der Mangel an Tiefgang hier halt doch ein Stück schneller auf. Tsu’tey ist der typische eifersüchtige Mann, dem ein Fremder die Frau ausspannt und der ihm nicht traut, der dann aber später doch lernen muss, über seinen Schatten zu springen und zum Wohle des Volkes mit dem Fremden zusammenarbeiten. Am Ende darf er sich im Heldentod opfern und ein weiteres Klischee erfüllen – und tja, das war’s.

Damit bleibt die Charakterisierung dem Film treu, denn auch dort war es am Ende ein klischeehafter Tod. Eigentlich ist damit heutzutage nicht unbedingt mehr Kohle zu machen, aber wir werden sehen, wie dies die Fortsetzungen des Films meistern.

Fazit

Wer große neue Einblicke erwartet, wird von diesem Comic etwas enttäuscht sein. Wer, zur Vorbereitung auf die neuen Filme, nochmal die Handlung des ersten Teils erleben will, der kann hier einen Blick riskieren (oder natürlich einfach den Film nochmal anschauen). Nicht mehr und nicht weniger bietet dieser Band.

3 out of 5 stars (3 / 5)

Information: Ein Exemplar dieser Ausgabe wurde dem Autor vom Verlag zum Zwecke der Rezension kostenlos überlassen.

Quick-Infos

Autor: Sherri L. Smith
Zeichner: Jan Duursema
Originaltitel: Avatar – Tsu’tey’s Path 1-6, Brothers
Jahr der Veröffentlichung (Original): 2019
Übersetzer: Josef Rother
Seitenanzahl: 144
Preis: 18.- Euro
ISBN: 978-3-7416-1432-3
Verlag: Panini

 


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Thomas Götz

Seitdem er 1985 zum Ersten Mal Episode IV sah und ausrief "Aber das heisst doch, Vader ist Lukes Vater" ist Tom der Science Fiction verfallen. Star Trek Fan wurde er, wie viele seiner Kollegen, 1990 mit "The Next Generation" in Deutschland. Seine ersten Buchrezensionen zu Star Trek Büchern erschienen schon 1995 im Alter von 16 Jahren im Star Trek Fanclub. Seit 2006 schreibt er auch Online Rezensionen (ab 2009 Trekzone-Exklusiv) und hat kürzlich seine 2000.Rezension veröffentlicht.

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