Wir sehen uns den Auftakt der 12.Staffel von “New Who” an. Doch Achtung, Spoiler!

Mit einiger Verzögerung ist die 12. Staffel von “New Who” letzten Donnerstag auf Sky auch auf Deutsch gestartet. Ursprünglich hätte dies ja bereits im April passieren sollen, aber bekanntlich kam die Corona-Pandemie dazwischen.

Die zwölfte Staffel

Doch zurück zum eigentlichen Thema. Die 12. Staffel ist die zweite, in der Jodie Whittaker als Doctor zu sehen ist. In der ersten mit ihr (Staffel 11) hatte man einiges anders gemacht. Vom Offensichtlichen (weiblicher Doctor) mal abgesehen, wollte man auch alle Altlasten über Bord werfen. Es gab neue Gegner und Sachen wie UNIT oder Torchwood wurden aufgelöst (was auch in dieser Folge nochmal erwähnt wird). Kurzum: Man wollte einfach generell eine neue Frische hineinbringen.

Wer unsere Reviews, aber auch die Reaktionen der Fans verfolgt hat, der weiß: So richtig geklappt hat das nicht. Zwar gab es die ein oder andere gute Folge in der letzten Staffel, die meisten Fans waren von den neuen Wegen aber eher enttäuscht, was auch daran lag, dass der neue Staffel-Bösewicht nur ein blasses Abziehbild alter Gegner war und nie die Faszination der klassischen Feinde erreichen konnte. Bereits im letzten Weihnachtsspecial brachte man deswegen die Daleks zurück, wenn auch nicht ganz so furchterregend wie früher und auch eher etwas zurückhaltend.

Trotzdem hatte Chris Chibnall versprochen, in der 12.Staffel alles anders machen zu wollen. Man hatte die Wünsche der Fans erhört und wollte alles nochmal umkrempeln. Und zumindest für den Staffelauftakt ist das auch gelungen.

James Who is back!

Der Titel der Folge verrät es schon: Man wandelt diesmal auf den Spuren von James Bond! Zu Anfang werden nämlich ein paar Agenten ausgeschaltet, was den MI6 dazu veranlasst, den Doctor und seine Leute einzusammeln. Das ist nicht nur recht witzig, sondern man hat die Chance auch genutzt um aufzuzeigen, wie der Alltag der Companions so aussieht.

Ryan etwa hat immer seltsame Unfälle oder geht auf Reisen, während Yaz bei ihrem Chef angibt, dass sie auf Undercovermission ist. Das klappt sogar ziemlich gut und erklärt auch endlich, wie die Abwesenheiten der Companions in deren echten Leben zu Buche schlagen. Dies mag vielleicht nur ein kleines Detail am Rande sein, ist vor allem für die Hardcore-Fans aber durchaus ein nettes Zubrot.

Gestatten? Who, James Who! (Bild: “Doctor Who” 12×01, BBC)

Sobald man wieder mit dem Doctor vereint ist, merkt man sofort, dass die alte Chemie wieder da ist und das Team agiert wie gewohnt. Einen Mordanschlag später ist man dann im MI6, wobei man hier die Frage stellen muss: So innovativ ein tödliches Navi auch ist, hätte man das nicht auch einfacher haben können? Aber sei es drum. Beim britischen Geheimdienst angekommen, stellt sich heraus, dass dort auch wirklich alle C oder O heißen – auch das ein Gag auf das “James Bond 007”-Franchise. Wie die lieben Agenten es aber geschafft haben, die TARDIS so schnell wieder zusammenzustöpseln (immerhin hat der Doctor gerade daran herumgeschraubt), bleibt wohl deren Geheimnis.

Man muss aber sagen, dass das MI6 als Helfer des Doctors besser passt als etwa noch UNIT (von denen ich, ehrlich gesagt, nie ein Fan war), vermutlich weil das eben etwas Bodenständigeres bzw. Greifbareres ist. So oder so hält auch hier der Frieden nicht lange und man ist gezwungen zu fliehen.

Weitere Agentenklischees

In der Folge teilt sich die Gruppe auf. Die eine Hälfte sucht Agent O auf, um von ihm Hilfe zu bekommen. Die andere Hälfte nimmt den Hauptverdächtigen Daniel Barton unter die Lupe. Dabei werden wieder einmal ein paar Agentenklischees zu Tode gewalzt, was auch die Szenen sind, die in der ganzen Folge dann das Schlechteste darstellen.

So werden die beiden Agenten, die O bewachen, schnell abserviert, indem sie (natürlich!) in den Wald voranstürmen. Ein klassischer “Red Shirt”. Und Yaz und Ryan schleichen sich zwar in das Büro des Bösewichts, übersehen dann aber genau die eine Kamera, die aufzeigt, dass sie da waren. Ein Patzer, der einem Polizisten eigentlich nicht passieren sollte. Und dass der Bösewicht beim Download der Computerdaten genau dann wieder hereinkommt, wenn man gerade mal bei 90 Prozent ist, ist derart breit gewalzt und ausgelutscht, dass man hier eher etwas genervt ist.

Immerhin war der Riecher richtig und man sieht, wie der Bösewicht mit den neuen Außerirdischen im Bunde steht. Die sind in ihrer Lichtgestalt mal was anderes, auch wenn man sich fragen kann, wie denn der “Austausch” von Yaz genau funktioniert und wo sie eigentlich war. Aber hier liefert Teil 2 hoffentlich noch eine schlüssige Erklärung.

Die seltsamen Lichtaliens sind der neue Gegner (Bild: “Doctor Who” 12×01, BBC)

Auf jeden Fall ist der Plan mal wieder die Weltherrschaft und der Doctor hat keine Probleme damit, den lieben Barton am Ende damit zu konfrontieren, was zu einer weiteren schönen Szene führt.

Verfolgungsjagden und das große Geheimnis

Es folgt eine Verfolgungsjagd, die durchaus auch nett gemacht ist und den Doctor und Begleiter auf Motorrädern zeigt. Am Ende gibt es am Flughafen noch einen kleinen Kniff und eine große Enthüllung.

Nun hatte ich ja versucht, Spoiler möglichst zu vermeiden, was mir bei der neuen “Who”-Staffel auch größtenteils gelungen ist. Die Enthüllung des wahren Bösewichts war aber auch bis zu mir durchgesickert.

Dabei hatte ich noch gehofft, dass man vielleicht einen anderen Kniff findet, das alles zu erklären, anstatt am Ende einfach den Master aus dem Hut zu ziehen. Immerhin sollten sich Time Lords, spätestens wenn sie im selben Raum sind, eigentlich spüren. Aber vom Doctor ging nichts dergleichen aus. Und der Master hat sich offensichtlich nicht durch eine FOB-Watch getarnt. Darüber hinaus, so beliebt der Kerl als Bösewicht auch ist, war seine Story eigentlich mit der letzten Inkarnation von Missy abgeschlossen gewesen. Diese hatte ja am Ende auf den Pfad des Guten gefunden und war wieder Freundin des Doctors geworden. Das wollte die frühere Inkarnation wiederum nicht akzeptieren und hat sich dann quasi selbst umgebracht, was eigentlich zur Missy-Inkarnation geführt hatte.

Das war eigentlich ein sehr starkes Ende für den Charakter und manchmal sollte man es eben auch einfach mal gut sein lassen. Aber der Master hat wohl immer noch genug Zugkraft. Wie er überlebt hat und herausgekommen ist, werden wir vermutlich sowieso nie erfahren. Bereits in “Classic Who” war der Master auch einfach ohne Erklärung wieder dagewesen, obwohl er zuvor in ausweglosen Lagen festgesessen hatte. Schon dort nervte es nach einiger Zeit und heute tut es das umso mehr – vor allem, da es eigentlich nicht mysteriös, sondern einfach nur noch unstimmig ist. Aber vielleicht tue ich den Serienmachern hier auch Unrecht und im zweiten Teil folgt dann womöglich eine wirklich gute Erklärung.

Gestatten: Master! (“Doctor Who” 12×01, BBC)

Wie wäre es, wenn wir die Inkarnationen des Masters rückwärts erleben würden? Wir kennen ihn ja erst seit seiner zwölften bzw. dreizehnten Inkarnation, also wäre an dieser Stelle doch ein “Rückwärtsgehen” interessant, oder etwa nicht? Okay, eine kleine Gedankenspielerei meinerseits, aber irgendetwas sagt mir, dass die Serienmacher trotzdem soweit nicht denken werden…

Als kleines Fan-Schmankerl darf der Master dann aber einen geschrumpften Menschen zeigen, nämlich den echten O. So hatte er früher bereits Gegner getötet, auch wenn dies nur den Hardcorefans etwas sagen dürfte. Am Ende bleibt ein Cliffhanger, bei dem man sich fragt, wie er aufgelöst werden wird. Hoffentlich nicht wie einst der Start der 11. Staffel: Der Doctor fällt ohne Erklärung kilometerweit vom Himmel und überlebt…

Fazit

Die Folge ist nicht nur der Auftakt der 12. Staffel, sondern soll vor allem eines sein: Eine spaßige Hommage an die “James Bond”-Filme. Und unter dieser Prämisse gelingt der Einstieg auch relativ gut.

Bewertung

4.5 out of 6 stars (4,5 / 6)

Episoden-Infos

Episodennummer 287 (Staffel 12, Episode 1)
Originaltitel Spyfall 1
Deutscher Titel Spyfall Teil 1
Erstausstrahlung UK 1. Januar 2020, BBC One
Erstausstrahlung Deutschland Donnerstag, 23. Juli 2020, FOX-Channel
Drehbuch Chris Chibnall
Regie Jamie Magnus Stone
Laufzeit 60 Minuten
Einschaltquoten (England) 4, 88 Millionen

 


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Thomas Götz

Seitdem er 1985 zum Ersten Mal Episode IV sah und ausrief "Aber das heisst doch, Vader ist Lukes Vater" ist Tom der Science Fiction verfallen. Star Trek Fan wurde er, wie viele seiner Kollegen, 1990 mit "The Next Generation" in Deutschland. Seine ersten Buchrezensionen zu Star Trek Büchern erschienen schon 1995 im Alter von 16 Jahren im Star Trek Fanclub. Seit 2006 schreibt er auch Online Rezensionen (ab 2009 Trekzone-Exklusiv) und hat kürzlich seine 2000.Rezension veröffentlicht.

1 Kommentar

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Ich · 11. September 2020 um 23:27

Wenn die Staffeln so gut sind??? Warum brechen die Einschaltquoten weg?

Ich fand die 11 Staffel schon lahm, aber die 12/8 ist nicht besser.

Seitdem Moffat weg ist, sind die Geschichten nur noch schwer zu ertragen.

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