Wir sehen uns Folge 4 der neuen Staffel im Detail an und klären, wer hier unter Spannung steht. Aber wie immer gilt: Spoiler-Alarm!

Betrachtet man sich die Kritiken zur letzten Folge, so wird diese von vielen Fans als eine der schlechtesten “Doctor Who”-Folgen aller Zeiten angesehen. Einer Einschätzung, der wir uns in unserem Review leider anschließen mussten.

Nach diesem Desaster konnte es ja nur bergauf gehen und tatsächlich ist diese Folge besser als die davor. Dennoch macht “Unter Strom” in weiten Teilen nur ‘Dienst nach Vorschrift’.

Zum Auftakt alles wie gehabt

Wie es die ersten Sekunden der Episode und auch der Originaltitel schon verraten, geht es dieses Mal um Nikola Tesla. Wir befinden uns also im Jahr 1903. Damit reiht sich diese Folge in eine Gruppe von Episoden ein, in denen der Doctor auf bekannte historische Persönlichkeiten trifft. Im Vergleich zum vorjährigen “Rosa” zündet die Folge aber nicht so ganz. Doch der Reihe nach.

Ungewöhnlichen Energiespuren folgend, platzen auch der Doctor und seine Kameraden in Teslas Einrichtung hinein – und das genau in dem Moment, als dieser von Aliens angegriffen wird. Was die Aliens wollen, wird auch eine der Hauptfragen in der Folge sein. Aber zunächst gibt es eine kleine Verfolgungsjagd via Zug.

Historisch akkurat ist zumindest, dass man zu jener Zeit Zugwaggons noch per Hand abkoppeln konnte. Ein Unding seit der letzten Staffel von “Doctor Who” ist, dass man bei den Actionszenen zu schnellen Schnitten gewechselt ist, meist gepaart mit Großaufnahmen der Charaktere. So auch hier. Dadurch geht leider auch viel vom eigentlichen Drumherum verloren. Etwa wenn die Charaktere schon im nächsten Raum sind und man das wegen der Großaufnahmen gar nicht so mitbekommen hat.

Wird von den Aliens gejagt: Tesla (Goran Visnjic) (Bild: “Doctor Who” 12×04 / BBC)

Überhaupt zielt der Bösewicht an der Stelle auf die Hand des Doctors, der den Zugwaggon abkoppelt. Hätte es da nicht mehr Sinn gemacht, auf den Doctor direkt zu schießen? Das ist an der Stelle umso fragwürdiger, als wir später sehen, dass die Aliens auch einfach so einen ganzen Raum auslöschen können. Aber mit dem Ballern haben die es eh nicht so. Doch dazu kommen wir noch.

Historische Persönlichkeiten

Der Streit zwischen (Thomas Alva) Edison und Tesla, der sich hier vor dem Hintergrund der Alien-Bedrohung entwickelt, nimmt dann auch einen guten Teil der Folge ein. Wie am Ende der Folge vom Doctor schön dargelegt, wird Tesla Zeit seines Lebens verkannt, da er kein Geschäftsmann wie Edison ist und deswegen bis zum Ende mittellos bleibt.

Dieser Konflikt wird auch gut dargestellt, wobei natürlich vor allem Goran Visnjic als Tesla (kennt man u.a. auch aus “Timeless”) eine sehr gute Figur macht und das Letzte aus seinem Charakter herausholt. Alle Drehbuchschwächen kann er natürlich nicht ausbügeln. Die auf den Erfinder stehende Assistentin ist nämlich auch ein wenig klischeebehaftet.

Trotzdem will sich Tesla am Ende opfern und zeigt Charakterentwicklung. Das gilt zumindest auch im Kleinen für Edison, auch wenn es schlussendlich offensichtlich bleibt, dass er eigentlich ein knallharter Geschäftsmann ist und sich nur wenig um andere Menschen schert.

Und auch ein kleiner Rassismus-Seitenhieb darf nicht fehlen, nämlich als Yaz alle zum Reingehen auffordert und feststellen muss, dass es anno 1903 nicht wirklich jemanden interessiert, wenn eine schwarze Frau etwas sagt. Niemand hört hier auf sie, sodass schließlich Edison eingreifen muss. Ausgehend vom Konzept der Szene bezweifle ich allerdings, dass in diesem Fall eine größere Intention dahintersteckt.

Die restlichen Companions bleiben in dieser Folge charakterlich etwas auf der Strecke und sind  eher Stichwortgeber. Sie stehen an dieser Stelle stellvertretend für den Zuschauer, der Edison kennt, aber von Tesla noch nie (oder kaum) gehört haben dürfte, obwohl er für die Entwicklung des Stroms eigentlich entscheidend gewesen ist.

Etwas Horror-Feeling kommt bei den Skithra-Verwandlungen ja schon auf. (Bild: “Doctor Who” 12×04 / BBC)

Die Aliens

Was die Aliens angeht, so handelt es sich in diesem Fall um die Skithra, also ein neues Volk. Seines Zeichens sind sie quasi die Scavenger von “Dcotor Who”. Die Piraten, die sich alle Teile zusammenklauen und sich dann wundern, warum nichts funktioniert.

Auch optisch weiß das durchaus zu gefallen, was sich nicht nur im guten Kostüm der Königin widerspiegelt. Die formwandelnden Skorpione sehen durch die Bank gut aus und nicht ganz so künstlich wie manch andere CGI-Aliens. Ein paar Mankos gibt es aber auch bei ihnen.

Was man noch akzeptieren kann, ist, dass sie auf Tesla aufmerksam wurden wegen der Nachrichten zum Mars. Da kommt ihnen ein Ingenieur zur Reparatur gerade recht, auch wenn sie nicht wissen können, wie primitiv die Erde wirklich ist.

Die Gestaltwandlung ist am Anfang noch in Ordnung, macht aber vor allem gegen Ende, als die Skithra schon offen durch die Straßen rennen, wenig Sinn. Immerhin schießen sie in ihrer Skorpion-Form auch schneller. Aber dies diente wohl nur dem Zweck, beim Budget einzusparen. Wobei sie es aber auch einfacher hätten haben können. Sie hätten z.B. auch die Form des Doctors annehmen können. Aber worin ihre Fähigkeit zum Formwandeln genau besteht bzw. wie das im Detail funktioniert, bleibt man uns hier leider schuldig. Offenbar müssen die imitierten Opfer tot sein. Warum auch immer.

Und natürlich ist die böse Königin eine Schwarmkönigin. Das heißt, wenn man sie ausschaltet, dann schaltet man alle Skithra aus. Selbst bei Bienen stirbt aber nicht gleich der ganze Schwarm, wenn die Königin stirbt, was auch dadurch angezeigt wird, dass einer der Skithra seiner Königin sogar mal widerspricht. Aber sei es drum, solche Unzulänglichkeiten konnte man auch in der achten Staffel “Game of Thrones“ schon diskutieren. Im Kontext der Folge sollte man diese Kröten dann einfach mal schlucken.

Überdies ist der Doctor diesmal allzu schnell bereit, die Aliens zu töten. Klar, er gibt der Königin die Chance, über sich hinauszuwachsen und friedlich abzuziehen. Und sicherlich, der Doctor hat auch schon früher mal drauf gehauen, aber hier wirkt es dann doch ein wenig zu schnell für einen so friedliebenden Charakter. Okay, man mag jetzt argumentieren, dass man nicht sieht, wie die Königin stirbt und wie den Aliens letztlich die Fluch gelingt. Das ändert aber nichts an der Absicht.

Sieht trotz Auftritte in zumeist dunklen Szenen durchaus gut gemacht aus: die Skithra Queen (Bild: “Doctor Who” 12×04 / BBC)

Und warum zum Teufel muss der Doctor umständlich einen Teleporter basteln, mit dem er an Bord des fremden Schiffes beamt, um die Gefangenen zu retten, wenn die TARDIS das ebenso gut erledigen kann? Klar, er muss mit der bösen Königin ein Gespräch führen und ihre Absichten in Erfahrung bringen (bzw. auch für den Zuschauer). Und natürlich, am Ende dient das als Vorbereitung, um die Skithra-Königin zu überlisten und wieder wegzubeamen. Es ist hier aber viel zu offensichtlich ein Plot Device, das ins Drehbuch gequetscht wurde.

Logiklöcher

Am Ende stolpert das Drehbuch dann aber auch noch über die eigene Inkonsistenz. In der zweiten Folge war man im Jahr 1875 gewesen, also nur rund 25 Jahre vor dieser Folge. Dort hatte der Doctor ebenfalls große Erfinder ihrer Zeit getroffen, aber dort war es noch für nötig erachtet worden, die Gedächtnisse der Beteiligten zu löschen.

Hier nun lässt man allen Beteiligten die Erinnerungen, obwohl es dafür keinen wirklichen logischen Grund gibt. Okay, den hat es für die Löschung zwei Folgen vorher auch nicht gegeben, aber hier wird offensichtlich, dass man sich anscheinend auch intern zu wenig abgestimmt hat. Mag man die Löschung noch akzeptieren, dann sollte man die in Folge auch konsequent weiterführen. Das hat doch bei “Classic Who” auch schon geklappt.

Klar, es hätte seinen Reiz gehabt, wenn man z.B. herausgefunden hätte, dass man durch eben diese Zeitreise erst den Strom erfunden hat (“Voyager” hat’s vorgemacht). Andererseits wäre das dann auch wieder irgendwie ein Klischee gewesen. Trotzdem haben Tesla und Edison eine Menge von der Zukunft gesehen, das wohl in ihre Forschungen einfließen wird. Und dass Yaz und der Doctor 1903 mit ihren Handys telefonieren können, schreiben wir jetzt mal einer Manipulation eben jener Geräte zu. Das hat der 9. Doctor ja immerhin schon in der zweiten Folge mit Rose‘ Handy ebenso gemacht.

Schade ist zudem, dass es bislang keine weitere Spur vom Zeitverlorenen Kind gibt. Die Hälfte der Staffel ist fast vorbei und der neue Staffel-Arc hat nahezu keinerlei weitere Beachtung erfahren. Es bleibt zu hoffen, dass alles nicht erst am Ende, also in der letzten Folge, aufgelöst werden wird. Aber gut, andererseits ist es auch erst die vierte Folge gewesen. Also mal abwarten…

Fazit

Auch wenn “Unter Strom” besser geraten ist als die Folge davor, liefert die Episode am Ende doch eher Standardkost nach dem ‘Schema F’ ab. Die vierte Folge der neuen Staffel hat gewiss ihre guten Momente, aber eben auch ganz offensichtliche Schwächen. Daher kommt dieses Abenteuer des Doctors unter dem Strich nicht über das Mittelmaß hinaus. Füller-Episoden muss es verständlicherweise auch mal geben, aber hoffentlich zieht man in den nächsten Episoden wieder etwas stärker an.

Bewertung

2.5 out of 6 stars (2,5 / 6)

Episoden-Infos

Episodennummer 290 (Staffel 12, Episode 4)
Originaltitel Nikola Tesla’s Night of Terror
Deutscher Titel Unter Strom
Erstausstrahlung UK 19. Januar 2020, BBC One
Erstausstrahlung Deutschland Donnerstag, 13. August 2020, FOX-Channel
Drehbuch Nida Manzoor
Regie Nina Métivier
Laufzeit 50 Minuten
Einschaltquoten (England) 5, 2 Millionen


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