Heute sehen wir uns an, was die sechste Folge der neuen “Doctor Who”-Staffel unter der Haube hat. Achtung, Spoiler!

Am Anfang der neuen “Doctor Who”-Folge werden zunächst neue Protagonisten eingeführt. Da ist der Ex-Cop, der Astronaut und ein Frauenpärchen, das an einem idyllischen See zelten will und dort nur eine Müllhalde vorfindet. “Eine weitere Umwelt-Folge also…” wird man sich nach den ersten Minuten denken. Und ja, das ist sie auch, allerdings wird nicht derart mit dem Holzhammer agiert wie in der unsäglichen Folge Nummer 3.

Plastik ist Gift

Auch hier gibt es eine Botschaft, nämlich über die Gefährlichkeit von Plastik und wie es uns täglich vergiftet. Diese schwingt hier aber eher am Rande mit, als dass darauf – trotz Doctor-Monolog – allzu offen hingewiesen wird. Immerhin geht es am Ende aber zu einer der großen Plastikansammlungen im Ozean – oder genauer gesagt darunter. Doch zum Finale der Story kommen wir später noch.

Zunächst einmal sind wir zurück bei den neu eingeführten Personen, die an dieser Stelle leider wieder ein paar Klischees zuviel bedienen. So sind der Polizist und der Astronaut ein schwules Pärchen, das sich kürzlich getrennt hat, aber nach dieser Story wieder zusammenfindet. Wie oft haben wir das nun schon gesehen in den letzten Jahren?!

Und dann darf eine der Damen beim Zelten natürlich nachts hinausgehen und prompt Opfer von bösen Vögeln werden. Und natürlich darf es zwischen Gabriela und Ryan auch ein wenig knistern, was aber im ersten Moment auch etwas plump wirkt. Auch das ist einfach so klischeehaft, dass man sich fragen muss, ob die Folge noch besser wird. Denn auch die obligatorischen Aliens sind an dieser Stelle mit von der Partie.

Die Companions und die neu eingeführten Charaktere am Madagascar-Labor (“Doctor Who” 12×06, BBC)

Companions und Aliens

Immerhin traut der Doctor seinen Companions – aufgrund der Entwicklungen in den letzten Folgen vermute ich mal – einiges mehr zu und schickt sie auf Einzelmissionen. Und man hat nun auch endlich Subkutankommunikatoren. Okay, ich glaube die hatte man schon früher, aber da die Folge bislang nicht gerade überragend ist, fällt es hier halt deutlicher auf.

Die hier auftauchenden Aliens wollen übrigens nicht zwingend die Erde erobern, sondern nutzen sie nur für Experimente gegen den titelgebenden Virus (Praxeus), den wir hier der Einfachheit halber mal “Plastikvirus” nennen wollen. Immerhin hat die Erde genug davon – okay, zwischendrin schlägt dann schon immer mal wieder die Umwelt-Botschaft durch. Aber wir greifen schon wieder vor, denn das sind alles Themen aus dem Finale.

Im Augenblick findet der Doctor vom Plastikvirus infizierte Menschen, die daran sterben. Und Yaz und Graham treffen den jüngst eingeführten Ex-Cop Jake. Gemeinsam geht es daran, seinen Mann, zufällig der eingangs eingeführte Astronaut, zu befreien. Denn der ist gerade einigen Alien-Experimenten ausgesetzt, um das Virus zu bekämpfen. Und es kommt, wie es kommen muss: Bei der Befreiungsaktion tauchen die besagten Aliens auf!

Allerdings sind diese kein Problem, denn sie schießen schlechter als Strumtruppler im Weltall. Ja wirklich! Da ist ein gefesselter Astronaut in der Mitte des Raumes und Yaz und Co. machen diesen unter dem Dauerfeuer der Aliens, die nur drei Meter entfernt stehen, einfach so los. Wie schlecht muss man schießen, um da nicht zu treffen?! (Und nein, Yaz‘ Drohung, die Forschungsdaten zu vernichten, damit die das Feuer einstellen, kommt erst später). Und selbstverständlich sitzt auch jeder Schuss, als 30 Sekunden später die Helden an eine Waffe kommen. Zweimal schnell geballert und die Bösen liegen im Staub. So geht das – NICHT! Hab ich schon erwähnt, dass das an dieser Stelle einfach wieder mal zuviel Klischee war?

Und der auftauchende Doctor kann dann die Maske des Aliens auch gar nicht abziehen. Wie wir später sehen werden, schauen die aber wie Menschen aus (sofern sie nicht gerade vom Plastikvirus aufgefressen und zersetzt werden, wie die infizierten Menschen). Also was sollte diese Szene? Und ein Screwdriver-Scan müsste doch auch durch den Anzug funktionieren, oder?

Aber sei es drum. Während der Doc und seine Freunde zurück nach Madagaskar in ein Forschungslabor springen, gehen Yaz und Gabriela, die Frau vom Beginn, zurück ins Labor. Immerhin thematisieren die beiden, wie bescheuert es ist, den Aliens durch ihren Teleporter zu folgen, immerhin könnte man auch im All landen. Ein kleiner Pluspunkt der Folge, dass man wirklich nicht einfach blind hinterhergejagt ist.

Die Praxeus-Infektion befällt Menschen und Aliens (“Doctor Who” 12×06, BBC)

Ein kurzer Zwischenstopp vor dem Finale

Die durch das Plastikvirus ebenfalls infizierten Vögel bieten dann die Lösung für ein Gegenmittel. Allerdings nicht ohne vorher nochmal eine aggressive Schiene zu fahren. Hitchcocks “Die Vögel” lässt grüßen! Und mal ehrlich, der Laborassistent, der dann heldenhaft anbietet, auf die Vögel draußen aufzupassen, riecht so sehr nach Red Shirt, dass es keinen mehr wundert, als er wenig später das Zeitliche segnet. Und mal ehrlich: Wenn ich weiß, dass die Vögel durch das Plastikvirus gerade aggressiv sind, dann gehe ich natürlich auch auf diese zu. So macht man das, weil die einen dann auch sicher nicht töten werden…

Aber eigentlich ist das auch egal, denn dass der Kerl tot ist, interessiert wenige Sekunden später ohnehin keinen mehr. Ja, es wird wirklich kein Gedanke mehr an den Burschen verschwendet und auch beim Rausrennen der Helden denkt absolut keiner mehr an ihn. Sein Name? Ach so… ja, der Kerl hatte auch einen Namen… Aber der ist doch egal, denn bei der wenigen Screentime hätte man den nicht unbedingt gebraucht. Eigentlich ist der Charakter für die Story auch ziemlich überflüssig gewesen und auch der Red Shirt-Tod trug nichts Wesentliches zur Handlung bei, was man vom Beginn der Episode (Vogel-Angriff) nicht auch schon gewusst hätte. Wie der Name des armen Opfers nun ist? Hab ich leider ebenso wie die Helden vergessen…

Achja, und die Vögel sind auch nur derart schnell im Töten der Opfer, wenn es sich dabei um Nebencharaktere handelt. Das Labor mit den Helden greifen sie zwar an, aber trotz “Vogelsturm“ (oder besser: Vogelschwarm) kommen die alle ungeschoren davon. Gähn! Wieder mal ein Klischee bedient.

In der Zwischenzeit ist Yaz im Schiff der Aliens angekommen und dieses ist augenscheinlich mit Alufolie ausgekleidet. Ja wirklich, sieht man sich den silbernen Hintergrund an, kommt man sofort auf den Gedanken, dass man wohl ordentlich am Budget hat sparen müssen. Das hat man in den vorherigen Folgen auch schon (ihr glaubt es nicht? Geht mal zur Review von Folge 2 und seht euch das Bild des Doctors in den Hirnwindungen an. Das sind eindeutig schwarz angemalte Papiertunnel, die man in jedem Katzenhaushalt findet). Generell habe ich ja Verständnis, wenn’s mit dem Budget mal wieder nicht so klappt. Auch “Classic Who” hatte hier seinen Retro-Charme. Aber wie bezeichnend für die Qualität der Folge ist es, dass man an der Stelle an sowas denkt und solche Vergleiche zieht?

Ist es Alufolie im Hintergrund oder gibt es Budgetprobleme? Das Alienschiff (“Doctor Who” 12×06, BBC)

Noch etwas Explosion zum Ende

Ach ja, die Aliens sind bis auf die Anführerin alle tot, dahingerafft vom Plastikvirus. Und auch die Anführerin lässt nicht mehr lange auf sich warten. Also…beim Sterben! Denn sie hat sich das Gegengift injiziert. Aber da dieses nur für Menschen geeignet ist, war’s das eben für sie. Nicht ohne sich vorher noch einen Monolog des Doctors anzuhören, versteht sich. Und ja, zumindest in einer Sache hat er schon recht: Wann gibt es endlich mal eine Serie oder Folge, in der Aliens einfach mal um Hilfe bitten, statt zunächst erstmal draufzuhauen? Da haben selbst Serien wie “Star Trek” noch Nachholbedarf.

Aber gut, bleibt am Ende nur noch, das Gegengift in der Atmosphäre zu verteilen, wozu man das Schiff der Aliens nehmen kann. Hier kommt dann das obligatorische Opfer ins Spiel, denn Jake steuert das Schiff, um die Verteilung zu ermöglichen – und ist bereit, dabei zu sterben. Der folgende Dialog – “Doctor, kannst du ihn retten?” – “Nein!“ – unterstreicht denn auch die Tragik der Situation. Auch wenn es wieder mal voll das Klischee des “Bury your Gay” ist, das hier zum Tragen kommt. Aber dann kommt es doch anders als erwartet, denn der Doctor kann Jake doch noch retten, indem er die TARDIS um ihn herum materialisiert. Das wurde schon zu Zeiten des zehnten Doctors erstmals gezeigt. Und sicher, es ist schön, dass daran gedacht wurde und man eben nicht das “Bury your Gay”-Klischee bedient. Dafür bedient man aber gleich das nächste Klischee: Denn wie eingangs erwähnt, versöhnen sich die beiden Liebenden nach der Aktion wieder und gemeinsam segelt man in den Sonnenuntergang (bzw. dematerialisiert).

Hach ja, es kann doch alles so schön sein….

Fazit

Die Folge ist kein Totalabsturz wie “Waise 55“, aber auch kein Überflieger wie der direkte Vorgänger. Es ist schade, dass man den Season-Arc auch in dieser sechsten Folge nicht weiterverfolgt und wieder mal eine Einzelgeschichte eingeschoben hat. Hinzu kommt wieder mal die Umwelt-Thematik – dieses Mal immerhin zuschauerfreundlich und nicht mit dem Holzhammer umgesetzt – sowie das Bedienen unzähliger Klischees.

Ja, die Folge hat ihre guten Momente und stellenweise ist sie auch ganz solide beim Anschauen. Sehr viel besser als “Unter Strom“ ist sie trotzdem nicht und es bleibt am Ende nur Mittelmaß. Das ist schade, denn drei tollen Folgen dieser Staffel stehen drei total vermurkste Episoden gegenüber. Das macht nicht gerade Hoffnung für den Rest.

Bewertung

3 out of 6 stars (3 / 6)

Episoden-Infos

Episodennummer 292 (Staffel 12, Episode 6)
Originaltitel Praxeus
Deutscher Titel Praxeus
Erstausstrahlung UK 02. Februar 2020, BBC One
Erstausstrahlung Deutschland Donnerstag, 27. August 2020, FOX-Channel
Drehbuch Pete McTighe
Regie Jamie Magnus Stone
Laufzeit 50 Minuten
Einschaltquoten (England) 5, 2 Millionen

 


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