Mit “Das gemiedene Haus” erschien kürzlich wieder einmal eine Adaption einer Kurzgeschichte aus der Feder von H.P. Lovecraft. Ob sich die Hörspielfassung lohnt, erfahrt ihr hier.

Inhalt:

Im Haus der Familie Harris wohnt das Böse. Kinder werden tot geboren, die Eltern verzweifeln und siechen elendig dahin, das Personal flieht oder fällt ebenfalls dem tödlichen Fluch des Hauses zum Opfer. Doch was treibt in Providence sein Unwesen? Im Jahr 1919 wollen Dr. Elihu Whipple und sein Neffe das Geheimnis um den bösen Geist des Anwesens lüften. Sie beschließen, mit allerlei hilfreichen Gerätschaften als Verstärkung, eine Nacht im Gruselhaus zu verbringen. Eine äußerst gefährliche Idee, wie sich herausstellt. Was immer sich auch in dem Haus befindet, es hat 200 Jahre Vorsprung, da es bereits seit dem 17. Jahrhundert sein Unwesen in dem Haus treibt. 

Kritik

Dr. Elihu Whipples Neffe, Howard, kehrt nach Jahren wieder in seinen Heimatort zurück. Er erinnert sich, das gruselige Haus das letzte Mal als Jugendlicher fluchtartig verlassen zu haben, nachdem die Neugier eine Gruppe Teenager zur Erforschung angestiftet hatte. Eine Gestalt, die sich plötzlich im schwammartigen Bewuchs des Kellers abzeichnete, war der Auslöser für Howards Flucht. Dr. Whipple erläutert Howard, was den ehemaligen Besitzern des Anwesens zustieß. Nach einer ganzen Reihe von Namen, bin ich dann allerdings ausgestiegen. Es ist jedoch nicht zwingend notwendig für das Verständnis der Handlung, sich alle Verwandtschaftsgrade der Dynastie der Harris’ zu merken. Lovecraft befleißigte sich der Gewohnheit, die Beziehungen der Menschen in seinen Geschichten untereinander, akribisch zu schildern. Das ist für das Flair der Geschichte hilfreich, denn es wird nochmals verdeutlicht, wie viele Menschen dem Haus zum Opfer fielen. Howards Ehrgeiz, seine Queste aus Jugendzeiten erfolgreich zu Ende zu bringen, ist geweckt. Whipple stimmt dem Plan seines Neffen zu, da das Schwelgen in Erinnerungen seinen wissenschaftlichen Ehrgeiz geweckt hat.

Umgesetzt wurde für „Das gemiedene Haus“ die Vorlage Lovecrafts, die 1924 verfasst, jedoch erst 1937 in der Publikation „Weird Tales“ unter dem Originaltitel „The Shunned House“ veröffentlicht wurde. Die Hörspieladaption bewegt sich sehr nah an der Vorlage. Lovecraft ließ sich übrigens beim Schreiben seiner Geschichte von einem real existierenden Haus inspirieren, das er 1924 sah. Es machte ihm Angst. Außerdem gab es ein Haus in Providence, in dem schreckliche Taten verübt worden waren, das jedoch, im Gegensatz zu seinem fiktiven Haus, niemals unbewohnt war. Einige weitere Elemente seiner Geschichte basieren ebenfalls auf wahren Begebenheiten. Zum Beispiel die erwähnte Überflutung und die Straßenbegradigung. 

Die Schockmomente im Hörspiel werden gezielt und sparsam eingesetzt. Die Unheil verheißende Stille wirkt so viel stärker als jede Gruselmusik es könnte. Die beiden Hauptakteure tun auch ihr Bestes, die Nacht im Horrorhaus zu einem Angst einflößenden Erlebnis zu machen. Bene Gutjan als Howard gelingt es, einen mitzunehmen ins Haus des Wahnsinns. Er ist für den Charakter die perfekte Besetzung, gerne mehr mit ihm als Sprecher. Als sprachlicher Kontrapunkt wirkt Jürgen Thormanns knarrende Stimme, mit der er Howards Onkel Leben einflößte. Mit dabei sind unter anderem Dirk Petrick, Patrick Bach, David Nathan und Horst Naumann. Auch Marc Gruppe übernimmt wieder einen kleinen Sprecherpart. 

Fazit

Eine spannende Folge, die Wege abseits der eingetretenen Pfade geht. Lovecraft ist und bleibt ein Original. Titania Medien hat es geschafft, eine überzeugende Hörspieladaption zu produzieren, was bei der schwierigen Vorlage kein leichtes Unterfangen ist. Volle Punktzahl für “Das gemiedene Haus”.

5 out of 5 stars (5 / 5)

Information: Ein Exemplar des Hörspiels wurde dem Autor vom Label zum Zwecke der Rezension kostenlos überlassen.

Quick-Infos

Autor: H.P. Lovecraft / Marc Gruppe
Originaltitel: The Shunned House
Jahr der Veröffentlichung (Original): 1937
Label: Titania Medien
VÖ: August 2020
Preis: 7,49 EUR
ISBN: 978-3-7857-8187-6
Hörspiellänge: über 70 Minuten

 


0 Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.