Wir sehen uns an, ob die siebte Folge der neuen “Doctor Who”-Staffel wieder etwas auf Kurs zurückfindet. Achtung, Spoiler!

Das Monster der Woche

Nimmt die siebte Folge nun wieder Fahrt auf? Nun, Monster greifen an und der Doctor muss sie abwehren – zumindest könnte man das nach den ersten Minuten dieser Folge, die im Aleppo des Jahres 1380 spielen, so denken. Zum Glück erhält man hier dann aber noch ein wenig mehr Tiefgang. Das Monster ist übrigens nur kurz zu sehen, auch im weiteren Verlauf der Folge. In den Nahaufnahmen sieht es großartig aus, sieht man es komplett, merkt man aber schon, das es sich hier um ein CGI-Monster handelt.

Am Ende wird es sogar nochmal prominent benutzt, um den titelgebenden Göttern Angst einzujagen, was in dem Kontext aber schon ein wenig unnötig erscheint. Zumindest wirken die Raumschiff-Kulissen dieser Folge nicht so billig, wie in einigen der Vorgängerfolgen, man ist also wieder auf einem guten Weg. Oder hat wieder Geld gefunden, denn die Folge stammt vom neuen Showrunner Chris Chibnall persönlich.

Doch nach diesem ‚Monstereinstieg‘ begeben wir uns zu den Companions, welche ihren Jahrestag mit der Familie begehen, was zu einem etwas anderem Setting der Folge führt.

Die Traummonster (Doctor Who 12×07, BBC)

Charakterliches für die Companions

Denn grundsätzlich ist die Idee, den Companions Raum zu geben, um ihre Familien zu besuchen, ganz nett. So können sie sich entwickeln. Gut, außer Yaz hat keiner mehr eine Familie (Graham und Ryan SIND ja selber eine), aber die beiden Herren besuchen dann eben ihre Freunde. Und dass man auch dort gute Szenen einbauen kann, spricht ja eigentlich für diese Episode.

Klar, im weiteren Verlauf werden wir uns auch noch mit den Ängsten der Helden beschäftigen, dazu kommen wir gleich, die Companions machen an dieser Stelle aber eine Entwicklung durch. Vor allem bei Yaz ist hier zu nennen, das sie am Ende eben doch jemandem zu danken hat, dass sie nun Polizistin ist. Und wer schon etwas älter ist, wird die Rede ihrer Mentorin, dass man mit zunehmendem Alter seine Erfahrung teilen will aber die junge Generation nicht zuhören will, sicher vollumfänglich bestätigen können. Überhaupt ist es schön zu sehen, wie Yaz überhaupt Polizistin geworden ist.

Ryan darf einem Freund helfen und diesen am Ende dazu bringen, dass er sich seinen Freunden anvertraut. Graham bekommt Gedanken bezüglich seiner besiegten Krebserkrankung spendiert und will mit dem Doctor darüber reden. Der sagt dann aber, dass er sozial überhaupt keine Ahnung hat und geht zur Konsole. Das ist alles einfach mehr als passend und gut umgesetzt. Schön auch, dass der Judoon-Angriff aus Folge 5 erwähnt wird, auch wenn mal wieder niemand mitbekommen hat, dass es Aliens waren („Die Russen!“).

Am Ende reden Yaz und Ryan darüber, wie es wohl ist, wenn sie den Doctor verlassen. In der Vorwoche hatte ich noch darüber spekuliert, wie das wohl umgesetzt wird, wenn die neue Companion-Riege kommt, hier geht man darauf ein und bereitet es schon mal vor – super! Dabei ist es egal, ob es nun in einer der nächsten Staffeln oder schon in einer der nächsten Folgen passiert. Solche Charakterszenen wünscht man sich einfach öfter.

Und diese Szenen sind es dann auch, die die Folge vor dem Totalabsturz bewahren. Denn der Rest ist leider wieder eher so lala.

Das Flüstern dunkler Götter

Dabei sind die eingeführten Gegner gar nicht mal so schlecht, zumindest auf den ersten Blick. Ein mysteriöser alter Mann, der sich in die TARDIS beamen kann und dann auch die Träume unserer Helden heimsucht. In einer sehr grusligen Szene splittet er sogar seine Finger auf, die unsere Helden angreifen. Diese Folge ist also gar nicht so familienfreundlich!

Wir sind die Dark Gods… aber keine Sorge, nicht lange. (Doctor Who 12×07, BBC)

Zusätzlich konfrontiert er unsere Helden mit ihren Ängsten. Bei den Companions habe ich diese ja schon erwähnt, beim Doctor ist es eine Szene aus der zweiten Folge, in der es um das Zeitlose Kind (wie es in der deutschen Übersetzung heißt) geht. Das ist dann auch der einzige Hinweis auf den Season-Arc, denn sonst hat diese Folge mit dem leider – wieder einmal – nichts zu tun.

Unser lieber alter Mann, Zellin, manipuliert Doctor and Friends dann auch zum Besuch auf seiner Raumstation, was letztlich in der Befreiung seiner Partnerin mündet. Generell ist das ja auch eine gute Idee, denn, dass man einen Time Lord braucht, um den zweiten Gott zu befreien, ist auf der einen Seite ein netter Twist. Auf der anderen fragt man sich aber schon, wenn der Gott so mächtig ist, dass er in die TARDIS beamen kann, ob er das nicht hätte einfacher haben können?

Es folgt eine kleine Zeichentricksequenz, in der die Vergangenheit der Götter beschrieben wird und wie sie einst von Planetenbewohnern gefangen wurden. Und natürlich wird der Doctor am Ende wieder genauso handeln, doch dazu kommen wir gleich. Für unsere Götter geht es ab auf die Erde (wohin sonst? Man muss den Doctor ja wütend genug für eine Verfolgung machen). Dort wollen sie die Alpträume der Menschen abziehen, um sich davon zu ernähren. Eigentlich ist das doch eine gute Idee, denn dann hätte keiner von uns mehr Alpträume, oder?

Okay, es sieht ganz danach aus, dass die Menschen die Alpträume dann auch durchleben, wie uns in kurzen Sequenzen gezeigt wird. Also doch nicht so toll.

Das Finale

Am Ende werden die Götter im Jahre 1380 gestellt, vom Monster kurz in Schach gehalten und wie zuvor wieder eingesperrt. Sehr kurz und sehr schnell – und man fragt sich unwillkürlich, wo denn die Macht dieser Götter eigentlich ist? Sie können sich in die TARDIS beamen. Sie können durch die Zeit reisen und unsere Träume nicht nur beeinflussen, sondern auch Teile davon (das Monster) manifestieren. Und dann ist es einfach so vorbei? Vermutlich hat man an dieser Stelle selbst nicht so recht gewusst, wie man diese übermächtigen Wesen wieder in die Flasche bekommt. So verpufft eine generell spannende Idee ein klein wenig in der Bedeutungslosigkeit.

Irgendwie überflüssig: Tahira (Doctor Who 12×07, BBC)

Und überhaupt, was sollte der Ausflug nach 1380? Tahira ist dermaßen überflüssig … außer, dass sie ihr „Monster“ zur Handlung beiträgt (das man sicher auch aus den Träumen von Ryan oder seinen Freunden hätte extrahieren können) hat sie nicht viel in der Folge zu tun. Hier wollte man vermutlich Kulissentechnisch etwas Abwechslung haben, aber auch hier ist es eigentlich bedeutungslos.

Achja, und es gibt natürlich, bevor man die Bösewichte ausschaltet, noch einen Doctor-Monolog darüber, wie tapfer die Menschen sind, da sie sich ihren Ängsten stellen. Hätte man auch nicht unbedingt gebraucht an der Stelle, vor allem, da solche Monologe in den letzten Folgen überhand nahmen.

Fazit

Die Charakterszenen retten diese Folge, die ansonsten wieder „Dienst nach Vorschrift“ abliefert, obwohl sie eigentlich einige interessante Grundgedanken hat. Allerdings werden einige der Charaktere dann irgendwie zu schnell abgefrühstückt, um groß im Gedächtnis zu bleiben. Und auch der Season-Arc lässt weiter auf sich warten.

Bewertung

3 out of 6 stars (3 / 6)

Episoden-Infos

Episodennummer 293 (Staffel 12, Episode 7)
Originaltitel Can you hear me?
Deutscher Titel Die Götter der Finsternis
Erstausstrahlung UK 09. Februar 2020, BBC One
Erstausstrahlung Deutschland Donnerstag, 03. September 2020, FOX-Channel
Drehbuch Charlene James, Chris Chibnall
Regie Emma Sullivan
Laufzeit 50 Minuten
Einschaltquoten (England) 4, 9 Millionen

 


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