Ich erinnere mich noch sehr gut daran, wie ich mit Flugzetteln durch die Stadt zog und Anzeigen schaltete, um all die “Star Trek”-Fans unserer Stadt zusammenzubringen. Viel hatte ich nicht erwartet, hoffte aber auf wenigstens fünf Interessierte. Denn als gebürtiger Hildesheimer ahnte ich, die Stadt könnte vielleicht zu konservativ für “Star Trek” – früher bekannt als “Raumschiff Enterprise“ – sein, stand diese Serie doch schon in einer Zeit für Weltoffenheit und Diversität, als diese Begriffe in den Medien nur extrem selten vorkamen. Wie ich mich doch täuschen sollte!

Die Anfänge

Überrascht wurde ich zunächst mit etwa zehn Männern und Frauen: John, Eva, Stefan, Sven, Claudia und wie sie alle hießen, die sich im September vor zehn Jahren im Deseo einfanden. Mittlerweile sind wir über 20 Mitglieder.

Viele waren mit Captain James T. Kirk aufgewachsen, als die Serie in den 1970ern im ZDF gezeigt wurde. Damals versammelten sich noch Familien vor dem Fernseher und es gab auch noch keine Werbeunterbrechungen. Doch das ZDF zeigte nur 36 von insgesamt 79 Folgen der von Gene Roddenberry (1921 – 1991) erfundenen Space Opera. Das ZDF kürzte nicht nur, sondern synchronisierte auch äußerst locker. Später übernahm Sat.1 die Serie und zeigte auch alle übrigen, noch nie in Deutschland gesendeten Folgen.

Bild: Trekdinner Hildesheim

Viele von uns lernten auf diese Weise die Serie lieben und folgten allem, was den Namen “Star Trek” trug: den diversen Kinofilmen, der zuerst umstrittenen und dann geliebten Nachfolgeserie “Das nächste Jahrhundert” mit Captain Picard und auch allen weiteren Serien, die nach Roddenberrys Tod entstanden waren. Hinzukommen nun auch die neueste Serien: “Disvovery” (Netflix) und “Picard” (Amazon Prime) sowie die jüngste Serie “Lower Decks”, die wohl erste allein auf “Witz” ausgelegte Animationsserie im “Star Trek”-Universum.

Gleichnisse unserer Zeit

Man kann diese Serie als pure, seichte Unterhaltung begreifen. Man kann darin aber auch – was beabsichtigt ist – eine umfassende Geisteshaltung erkennen: Frauen in wichtigen beruflichen Positionen, körperlich Behinderte, die mit in der Chefetage sitzen, sowie eine große Wertschätzung für die Unterschiedlichkeit aller Humanoiden und die Achtung gegenüber der Natur, die es zu bewahren gilt. Das sind alles einige der großen Säulen, auf denen “Star Trek” gebaut worden ist.

Dabei arbeitet die Serie oft mit Gleichnissen auf unsere Zeiten und Umstände. Roddenberry meinte, die Menschheit sei noch im “Kindergarten”-Modus, würde aber einmal erwachsen werden und sich dann um alles kümmern, was wirklich wichtig ist. So abwegig dieser heroische Gedanke ist, wenn man in die Welt unserer Tage blickt: Wünschenswerter als heute war es nie, dass die Menschheit so einen Schritt (endlich) einmal wagt.

“Trekdinner Hildesheim” – Sternenbasis für Fans

Die Vielfalt der Aktivitäten des “Trekdinner Hildesheim” kann sich sehen lassen: Besuche des Planetariums in Wolfsburg, einer “Star Trek”-Ausstellung in Babelsberg, der Sternwarte Hildesheim oder auch ein organisierter Vortrag zum Thema “50 Jahre Mondlandung” durch den Dozenten Christof Plicht zählen bereits dazu. Der “Row your boat”-Abend ist ein jährlich wiederkehrendes Ritual, bei dem eine Theaterlesung einer bewegenden Szene aus “Star Trek V: Am Rande des Universums” zum Besten gegeben wird.

2011 wurde das “Trekdinner Hildesheim”  ein Jahr alt. Jetzt wurde es stolze 10 Jahre. Ein Grund zum Feiern! (Bild: “Trekdinner Hildesheim”, Stephan Kuhn und Boris Beste).

Und dann wird gesungen. Am Lagerfeuer. Im Zweifelsfall treffen wir uns im Clubraum, den uns ein Mitglied, der Boris, zur Verfügung gestellt hat. Der Kellerraum, der inzwischen aussieht wie ein kleines “Star Trek”-Museum, ist für uns Fans wie eine Sternbasis, zu der wir immer zurückkehren können – gerade in der kalten Jahreszeit.

Das stimmungsvolle “Wichteldinner” in der Vorweihnachtszeit, das seit einigen Jahren im Bäckeramtshaus direkt neben dem Weihnachtsmarkt, stattfindet, beendet jedes “Trekdinner-Jahr” äußerst feierlich.

Unsere regelmäßigen Treffen, die jeden drittem Samstag im Monat um 19 Uhr stattfinden, mussten wir in diesem Jubiläumsjahr aufgrund der brisanten Situation mit dem neuartigen Corona-Virus entsprechend anpassen. Nun wird viel geskypt, während die Planungen vorsichtig der veränderten Lage angepasst werden – zumindest solange, bis wieder alles normal läuft.

Neue Mitglieder sind willkommen

Ob Gene Roddenberrys Visionen einer “erwachsenen Menschheit” je wahr werden wird? Wer kann das schon sagen? Sicher ist, dass es das “Trekdinner Hildesheim” gibt und seit zehn Jahren allen Fans der außergewöhnlichen Serie offensteht.

Neue Mitglieder sind herzlich willkommen! Zu erreichen sind wir unter der E-Mail-Adresse info@trekdinner-hildesheim.de.


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