In unserer Review zum (vorläufigen) Staffelfinale sehen wir uns an, warum die Auflösung des Zeitlosen Kindes-Arcs einige Kontroversen ausgelöst hat. Achtung, Spoiler!

Finale auf Gallifrey

Und hier ist es nun also, das vorläufige Staffelfinale! Zu Neujahr wird das diesjährige Neujahrsspecial (hoffentlich nicht wieder mit künstlichem Neujahrsbezug) die Staffel abschließen, bis dahin ist diese Folge das Highlight. Und “Die zeitlosen Kinder” hat sogar schon einige Fankontroversen ausgelöst. Doch der Reihe nach.

Nach der letzten Folge zwingt der Master den Doctor, ihn mit nach Gallifrey zu begleiten, um ihm die Wahrheit zu sagen. Dabei hat Sacha Dhawan es drauf, den Wahnsinn des Masters gut rüberzubringen. In den Szenen der beiden kommt sehr gut heraus, dass der Master auf den Doctor eifersüchtig ist. Und es wird auch erwähnt, dass sie zusammen auf der Akademie waren. Man hält sich hier also an etablierten Kanon und erschafft so eine Dynamik, die man beim Doctor und dem Master schon länger nicht mehr gesehen hat. Das erinnert an die alten Master-Folgen und ist deshalb durchaus gelungen.

Allerdings wie gesagt: die ALTEN Master-Folgen! Den Fortschritt jüngerer Episoden – vor allem jenen, den Missy gemacht hat, die sich bekanntlich vor ihrem Tod dem Doctor wieder angenähert hatte – hat man leider immer noch ad acta gelegt. Und ich hatte es auch schon in der letzten Review erwähnt: Natürlich erfährt man wieder einmal nicht, wie der Master eigentlich entkommen konnte oder wie er sogar Gallifrey ausgelöscht hat. Dass uns weltverändernde Ereignisse einfach so dahingeklatscht werden, ist ein Unding von “New Who”, wobei man fairerweise zugeben muss, dass auch “Classic Who” da teilweise nicht besser gewesen ist. Deswegen muss es andererseits aber auch nicht gut sein, was hier gemacht worden ist.

Für die Fanherzen kommt hier natürlich die Matrix und das Panopticum vor und man findet sich im zerstörten Ratssaal ein. Das ist dann wiederum gut gelungen. Und genau in Ersteres (die Matrix) steckt der Master dann den Doctor zum Aufdecken der Wahrheit. Doch eben diese Wahrheit ist dann auch der Knackpunkt der Folge.

Cybermen und Companions

Bevor wir uns dieser Wahrheit widmen, sehen wir uns zunächst den Rest der Folge an. Die Companions rund um Ko Sharmus müssen nämlich immer noch die Cybermen abwehren. Das gelingt mit schönen Referenzen auf frühere Folgen, etwa wenn Ryan eine “Basketball-Bombe” wirft. Aber auch die anderen dürfen glänzen und sich in Cybermen-Kostüme zwängen. Da wird dann auch ganz stilecht noch alles Organische “aus der Rüstung gekratzt”, wobei man hier natürlich wieder familienfreundlich geblieben ist und das nicht zu sehen bekommt.

Unheilvolle Allianz: Der Master und Ashad (Bild: BBC).

Trotzdem ist die Szene, in der sich die Companions die Cyberhelme abnehmen, eines der Highlights der Folge. Und selbstredend geht es dann dem Doctor hinterher. In der Zwischenzeit hat der Master eine Allianz mit Ashad geschmiedet. Er übergibt den Cybermen Gallifrey, was diese gerne annehmen und sogleich durch das Portal zum Planeten fliegen. Natürlich hat der Master aber mal wieder andere Pläne und Ashad wird per Knopfdruck getötet. Das ist insofern etwas schade, da der Kerl über die letzten beiden Folgen noch als Bösewicht aufgebaut worden ist – und nun ist wieder alles flugs vorbei. Auf der anderen Seite ist das natürlich an dieser Stelle durchaus auch eine kleine Überraschung.

Immerhin erfährt man, was die beiden mit dem Cyberium wollen. Ashad hat damit das Todespartikel erschaffen, das alles Organische auslöscht. Und der Master, der es nach Ashads Tod an sich nimmt, erschafft damit eine neue Cybermen-Rasse, in dem er Time Lords und Cybermen verbindet. Die neuen Cybermen sehen dabei gar nicht mal so schlecht aus (ein Schelm wer daran denkt, dass man nun neue Actionfiguren verkaufen kann). Mit der Fähigkeit zur Regeneration sind sie dann auch eigentlich unbesiegbar. Wobei, müssten die Cybermen dann nicht höchstens zwölfmal regenerieren können, bevor sie wieder aufgeladen werden müssten? Immerhin sind sie nicht das Zeitlose Kind. Aber gut, selbst wenn man sie wieder auflädt, ist die neue Armee durchaus noch eine Hausnummer für sich. Und dass er die Time Lords bei der Auslöschung am Regenerieren gehindert hat, spricht für eine sehr mächtige Waffe.. .vielleicht doch “The Moment” irgendwer?

Aber lassen wir diese Spitzfindigkeiten an der Stelle. Die Companions dürfen ob der aussichtslosen Situation noch flink sagen, wie sehr sie einander schätzen und lieben. Das passt in dem Kontext und funktioniert auch ganz gut, sogar auch noch später bei der Verabschiedung des Doctors. Hier hat man also wieder gute Charakterszenen eingeflochten – und für den Retro-Style auch wieder eine alte Classic-TARDIS. Wie viele von denen fliegen jetzt eigentlich rum? Da ist die von Mich/Me aus der Ära des 12. Doctors, dann die beiden Classic-TARDISse aus dieser Folge. Und die des Doctors sowie die des Masters müssen ja auch noch irgendwo stehen. Das sind zumindest alldiejenigen, die mir gerade spontan einfallen. Wobei der Baum auf offenem Feld, in den sich die TARDIS verwandelt, die den Doctor zurückbringt, schon ein bisschen künstlich aussieht.

Und auch die Cybermen werden am Ende einen Ticken zu schnell ausgeschaltet. Rein ins Schiff, Sprengladung dran… Und keine 30 Sekunden später geht’s hoch?! Was ist mit den Armeen von Cybermen passiert, die an Bord waren? Sind die gerade alle beim Master zur Umwandlung oder was? Am Ende sieht das Setting aber dergestalt aus, dass man in der nächsten Staffel wohl neue Companions haben wird.

Das Finale und die Kontroverse

Der Doctor will sich dann opfern, um den Master mit dem Todespartikel zu töten, kann es aber nicht. Hier greift Ko ein, der diese Aufgabe übernimmt und zum Doctor schön sagt, dass er fliehen soll. Das macht der dann auch, was zwar charakterlich stimmig ist (der Doc ist halt kein Mörder). Aber wenn der Master jetzt an der Stelle nicht 30 Sekunden mit Nichtstun verschwendet, sondern gleich den Feuerbefehl gegeben hätte, wären sie alle hops gegangen. So aber kann der Doctor entkommen. Und was ist mit dem Master? Tja, das ist eine gute Frage. Er wird wahrscheinlich irgendwann und irgendwo in neuer Form und ohne Erklärung wieder auftauchen…

Time Lord Cybermen, ab morgen auch inihrem Actionfiguren-Laden (Bild: BBC).

Und was war eigentlich mit Jacks Warnung, Ashad das Cyberium nicht zu geben? Hätte das einen Unterschied gemacht? Dann hätte der Doctor am Ende das Todespartikel nicht gehabt, um den Master zu stoppen, und der Master hätte keine Cybermen-Time Lords erschaffen können. Okay, die Folge hätte ein böses Ende genommen. Genau genommen hat aber die Tatsache, dass man Ashad das Cyberium eben doch gegeben hat, zu einem guten Ausgang dieser Folge geführt. Hier hat anscheinend jemand im Writer’s Room gepennt (was umso bedauerlicher ist, da die Folgen von Chris Chibnall himself geschrieben worden sind).

Doch kommen wir nun zur Wahrheit, die dem Doctor präsentiert wird und um die es in der ganzen Staffel geht. Wir gehen zurück an den Anfang der Time Lord-Geschichte. Eine der ersten im All reisenden Time Lords findet auf einem Planeten ein Kind aus einer anderen Welt bzw. aus einem Paralleluniversum: das “Zeitlose Kind”. Und das kann sich halt (vermutlich unendlich oft?) regenerieren. Diese Fähigkeit wird von den Time Lords dann in ihren genetischen Code eingebaut, damit sie selbst das auch können, allerdings hier eben auf einen zwölfmaligen Vorgang beschränkt. Soweit, so gut. Als Erklärung für die Regenerationsfähigkeit der Time Lords kann man das sicherlich noch akzeptieren, dann aber heißt es auch noch, dass dieses Kind der Doctor sei.

Jap, der Doctor hatte also schon x-fache Leben vor dem des ERSTEN Doctor gehabt. Muss man jetzt – wie weiland zu Zeiten des War Doctors – die ganze Zählweise wieder umschreiben? Ist Jodie Whittaker gar “Doctor 500”?

Natürlich könnte man jetzt argumentieren, dass der War Doctor auch nicht als Doctor gezählt werden wollte, da er bekanntlich nicht friedlich war, sodass diese Zählweise erhalten bleibt. In Folge 5 haben wir aber gesehen, dass sich auch die vergangenen Inkarnationen des Doctors (aka. Kindes) “Doctor” genannt haben. Es bleibt also spannend, wie es an dieser Stelle weitergehen wird

Wer oder was ist das “Zeitlose Kind”? Das wird hier aufgeklärt… (Bild: BBC)

So oder so ist das aber ein Umschreiben von fast 60 Jahren Kanon, was vielen Fans eben nicht gefallen hat. Ich persönlich könnte damit leben, WENN denn da noch ein paar gute Erklärungen kommen. Klar, das Wissen wurde aus den Time Lord-Gedächtnissen gelöscht, aber zumindest Rassilon, der mächtigste Time Lord, hätte da was wissen können. Zudem sind die Irland-Flashbacks Hinweise auf ein größeres Geheimnis – das in dieser Folge aber nicht mehr gelöst wird. Hier werden wir wohl die nächste Folge abwarten müssen, obwohl ich irgendwie nicht glaube, dass dort eine Erklärung erfolgen wird.

Denn am Ende beamen sich Judoon in die TARDIS und teleportieren den Doctor wegen galaktischer Verbrechen in eine Zelle. Wie oft kann man in dieser Staffel eigentlich noch in die TARDIS beamen? Das ist zuvor nie möglich gewesen und ist an der Stelle einfach wieder ein weiteres Versäumnis des Autors. Es hätte nichts dagegen gesprochen, den Doctor vor Betreten der TARDIS abzufangen. Und welche Verbrechen das sind und wo der Doctor ist? Nun, das erfahren wir dann wohl zum Jahreswechsel.

Fazit

“Die zeitlosen Kinder” hat einige gröbere Patzer, die durchaus ins Gewicht fallen und auch das Umschreiben der Herkunftsgeschichte von Time Lords und des Doctors stößt vielen sauer auf. Dennoch kann die Folge insgesamt durchaus auf dem Niveau der Vorwoche mithalten. Aber wer hat sich eigentlich diesen Titel ausgedacht? Es ist EIN zeitloses Kind, nicht mehrere. Oder ist dies hier etwa ein versteckter Hinweis?

Bewertung

5 out of 6 stars (5 / 6)

Episoden-Infos

Episodennummer 296 (Staffel 12, Episode 10)
Originaltitel The Timeless Children
Deutscher Titel Die zeitlosen Kinder
Erstausstrahlung UK 01. März 2020, BBC One
Erstausstrahlung Deutschland Donnerstag, 24. September 2020, FOX-Channel
Drehbuch Chris Chibnall
Regie Jamie Magnus Stone
Laufzeit 65 Minuten
Einschaltquoten (England) 4,7 Millionen

 


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