Die Discovery ist zurück! Nicht nur die Serie, sondern das Raumschiff. Was die zweite Episode der dritten Staffel taugt, diskutieren wir in dieser spoilerfreien Rezension.

Story

Wie schon Michael Burnham vor ihr spuckt das Wurmloch nun auch die Discovery samt ihrer Crew im 32. Jahrhundert aus. Und auch wie Micheal Burnham muss das Schiff eine holprige Notlandung überstehen. Captain Saru und Crew müssen sich um ihre Verwundeten kümmern und das Schiff wieder instand setzen, wenn sie eine Chance haben möchten, Michael wiederzufinden.

Dialoge und Besetzung

“Far From Home” spielt die größte Stärke von “Discovery” souverän aus: den fantastischen Cast. Die Serie hatte schon in der zweiten Staffel langsam aber sicher den Nebenfiguren mehr Raum gegeben und ist nun offenbar endgültig bereit, sich als Ensemble-Show neu zu erfinden. Bravo! Denn seit den Abenteuern der Serenity in “Firefly” hat es auf der Mattscheibe keine so liebenswürdige Gruppe von Figuren ins Weltall geschafft.

Detmer und Owosekun in "Far From Home" (Bild: ViacomCBS)

Detmer und Owosekun in “Far From Home” (Bild: ViacomCBS)

Den Rezensenten freut es vor allen Dingen ungemein, dass es Tig Notaros Commander Reno ebenfalls ins 32. Jahrhundert verschlagen hat, kann sie sich nun doch in epischer Breite mit Anthony Rapps Lieutenant Stamets einen trockenen Schlagabtausch nach dem anderen liefern.

Aber auch viele andere Figuren haben tolle Momente und One-Liner in Petto. Zuweilen kommt trotz der finsteren Ausgangslage eine sehr heitere Stimmung auf, die eher an “Lower Decks” oder “Star Trek IV” erinnert. Tatsächlich kommt diese Folge “Discovery” aber stimmungsmäßig “Firefly” am Nächsten. Denn die mit spitzer Feder geschriebenen Dialoge werden im letzten Drittel von ausgemachter Brutalität kontrastiert, die man eher in Joss Whedons Weltraumwestern erwartet hätte.

Culber und Stamets in "Far From Home" (Bild: ViacomCBS)

Culber und Stamets in “Far From Home” (Bild: ViacomCBS)

Die Gewaltdarstellung werden einige Fans sicher kritisieren, fällt aber glücklicherweise weit hinter die erste Staffel von “Picard” und insbesondere Ichebs Tod in “Stardust City Rag” zurück. Und auch wenn man die Form der Gewaltdarstellung kritisch hinterfragen sollte, ist der dramaturgische Grund in dieser Folge ein nachvollziehbarer. Die Auflösung des zentralen Konflikts dieser Episode stimmt jedenfalls hoffnungsvoll.

Kanon und Rahmenhandlung

In der neuen Episode lernen wir wenig bis nichts Neues über das 32. Jahrhundert. Das müssen wir auch nicht. Stattdessen geht es darum, alle Figuren, die nicht Michael Burnham heißen, da abzuholen, wo wir sie zuletzt gesehen haben.

So schließt die Episode nahtlos an “Such Sweet Sorrow, Part 2” an. Während Rachael Ancheril als Nhan nun zur Hauptbesetzung zählt, haben Michelle Yeoh als Spiegel-Georgiou und Tig Notaro als Jett Reno umfangreiche Gastrollen. Aber auch Sara Mitich (Lt. Nilsson), Raven Dauda (Dr. Pollard) und David Tomlinson (Linus) haben kurze Auftritte, sodass auch durch die Figuren eine perfekte Kontinuität zwischen der zweiten und dritten Staffel besteht.

Jett Reno in "Far From Home" (Bild: ViacomCBS)

Jett Reno in “Far From Home” (Bild: ViacomCBS)

Auf der Tonspur gibt es wieder viele Referenzen zu vergangenen Produktionen, aber auch zu den eigenen Abenteuern der “Discovery”, derer es stetig mehr werden. Sehr unerwartet und willkommen ist das Auftauchen von Coridaniten, einer Spezies aus der ersten Staffel von “Enterprise”. Es ist immer wieder toll, wenn aus “Aliens der Woche” wiederkehrende Bewohner des “Star Trek”-Universums werden.

Inszenierung

Olatunde Osunsanmi setzt diese Episode genauso gekonnt in Szene wie den Staffelpiloten. Zu Gute kommt ihm neben dem Drehbuch von Paradise, Lumet und Kurtzman auch wieder die spektakuläre Kulisse von Island und fantastische visuelle Effekte.

Den Absturz der Discovery konnte man zwar schon im Trailer bewundern, aber er packt dennoch. Auch wenn Bruchlandungen dieser Art nicht mehr so selten und damit originell wie in den späten 90ern anzusehen sind (die vorletzte Folge von “Lower Decks” brachte vor wenigen Wochen erst eine holographische Cerritos zu Boden), ist die Sequenz doch dramatisch und spektakulär zu gleich. Da hilft es in “That Hope Is You” gelernt zu haben, dass die Galaxie für das Sternenflottenschiff vielleicht nicht der freundlichste Ort sein könnte und das Beschaffen von Ersatzteilen eine Herausforderung darstellen wird.

Absturz der Discovery in "Far From Home" (Bild: ViacomCBS)

Absturz der Discovery in “Far From Home” (Bild: ViacomCBS)

Osunsanmi gelingt es aber nicht nur, die außergewöhnlichen Schauwerte große Wirkung entfalten zu lassen, auch der recht hohe Anteil von Szenen auf Bestandssets, die die Reparaturbemühungen der Crew zeigen, sind mit großer Intensität in Szene gesetzt.

Nur einen Aussetzer leistet sich die Produktion, und der beinhaltet das Bühnenbild in einem Schauplatz außerhalb der Discovery. Hier landete man bei einer sehr uninspirierten Sci-Fi-Interpretation eines Western-Saloons. Aber das sei der ansonsten hervorragend ausgestatteten Folge nachgesehen.

Beobachtungen

  • Der Serientitel im Vorspann wurde noch einmal überarbeitet. Während die Schriftart für “Discovery” schon letzte Woche aktualisiert wurde, ist nun der Schriftzug “Star Trek” deutlich verkleinert worden.
  • Sehr schön, dass die Hülle der Discovery mit Schmauchspuren aus der Schlacht gegen Control überzogen ist. Ich hoffe, die Autoren finden keinen bequemen Weg, das Schiff in Nullkommanichts wieder blank zu polieren.
  • Die Bruchlandung der Discovery erinnert sehr an den Crash der Voyager in “Timeless”.
  • Auch wenn erneut in Island gedreht wurde, wird nicht explizit erwähnt, ob es sich bei dem Planeten abermals um Hima handelt.
  • Wir lernen, was es mit den “V’Draysh” auf sich hat, die im Short-Treks “Calypso” erwähnt werden. Das Wort ist neugalaktischer Slang für “Föderation”.
Saru und Tilly in "Far From Home" (Bild: ViacomCBS)

Saru und Tilly in “Far From Home” (Bild: ViacomCBS)

Fazit

Der zweite Wurf glückt. “Discovery” kennt und liebt ihre Haupt- und Nebenfiguren. Binnen Sekunden lachen, leiden und fiebern wir wieder mit dieser Crew, auch wenn der reine Plot nicht preisverdächtig ist. Das ist aber auch nicht nötig, weil er mit großer Intensität zwei wirklich gute “Star Trek”-Stränge erzählt. Die hektische Reparatur der Discovery nach den Kampf- und Absturzschäden lassen Crew und Schiff so nahbar wir selten werden und entwickelt sich zu einem packenden Kampf gegen die Zeit. Gleichzeitig zeigt die Serie mit dem zweiten Strang ungewöhnlich klassische Qualitäten, trotz der durchaus kritisierbaren Gewaltdarstellung. “Discovery” schlägt ungewohnt vorbehaltlos sehr optimistische und versöhnliche Töne an. Im Detail ist die Dramaturgie sicherlich noch zu kalibrieren und der Anspruch dürfte gerne größer sein, aber nach dem ethisch und logisch fragwürdigen Unfug der letzten Staffel ist “Far From Home” ein echter Quantensprung.

Bewertung

Handlung der Einzelepisode 4 out of 6 stars (4 / 6)
Stringenz des staffel- und serienübergreifenden Handlungsstrangs 5 out of 6 stars (5 / 6)
Stringenz des bekannten Kanons 4 out of 6 stars (4 / 6)
Charakterentwicklung 5 out of 6 stars (5 / 6)
Spannung 4 out of 6 stars (4 / 6)
Action & Effekte 5 out of 6 stars (5 / 6)
Humor 5 out of 6 stars (5 / 6)
Intellektueller Anspruch 4 out of 6 stars (4 / 6)
Gesamt          5 out of 6 stars (5 / 6)

Episoden-Infos

Episodennummer 31 (Staffel 3, Episode 2)
Originaltitel Far From Home
Deutscher Titel Fern der Heimat
Erstausstrahlung USA Donnerstag, 22. Oktober 2020
Erstausstrahlung Deutschland Freitag, 23. Oktober 2020
Drehbuch Michelle Paradise, Jenny Lumet, Alex Kurtzman
Regie Olatunde Osunsanmi
Laufzeit 53 Minuten

Mit Rücksicht auf andere Leser, die die Folge noch nicht gesehen haben, bitten wir, in den Kommentaren zu diesem Artikel auf Spoiler zu verzichten. Danke!


Christopher Kurtz

Christopher Kurtz

Seit den frühen 2000ern ist Christopher Redakteur im TrekZone Network. Wenn er nicht in den unendlichen Weiten nach kritisch rationalem Humanismus Ausschau hält oder sich über die Plausibilität fiktiver Technologien und Gesellschaftsformen den Kopf zermartert, findet man ihn meistens in der Nähe von Spielen der geselligen Art, egal ob analog oder digital, ob als Mitspieler oder Gelegenheitsautor.

3 Kommentare

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Torim2010 · 23. Oktober 2020 um 14:51

Far From Home” spielt die größte Stärke von “Discovery” souverän aus: den fantastischen Cast. Die Serie hatte schon in der zweiten Staffel langsam aber sicher den Nebenfiguren mehr Raum gegeben und ist nun offenbar endgültig bereit, sich als Ensemble-Show neu zu erfinden.
Ist das Humor? Für Fans von Der Bachelor oder Zwei bei Kallwass mag das stimmen. Der Cast ist eine Katastrophe von albern zu übertrieben empfindsam zu extrem aggressiv ist alles dabei. So stellt sich aber keine gute Crew zusammen.
Zu der Folge alles wichtige.
https://youtu.be/9_8aMxrt40s
https://youtu.be/g4fodQvi9fo

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Alex Foster · 23. Oktober 2020 um 20:34

ich weiß, über Geschmack kann man nicht streiten. Leider muss ich mir eingestehen, ich werd mit der Serie nicht mehr warm. Einzig Saru finde ich als Figur interessant. Ich hab den Eindruck, dass er der einzige sich entwickelnde Charakter ist. Alle anderen bleiben zweidimensional.

Eines finde ich ja wirklich bemerkenswert: In Staffel 1 und 2, die ja vor TOS spielten, wirkte die Discovery immer viel zu modern für ihre Zeit, was meiner Meinung nach viel Atmosphäre vermissen ließ. Jetzt im 32. Jahrhundert spürt man den Technologieunterschied erst wieder nicht, weswegen ebenfalls keine Atmosphäre aufkommt. Weder hat man das Gefühl, dass das 32. Jahrhundert besonders weiterentwickelt wäre, noch dass die Discovery besonders aus der Zeit fällt. Die Serie vom Prequel zum Sequel zu machen wird sich als kreativer Schuss ins Knie erweisen.

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Cumberland · 24. Oktober 2020 um 16:35

Ich fand die Folge ziemlich gut, bis Michael Burnham erschien, um die Discovery zu retten.
Hier hätte man eine unheimlichere, spannende Situation erschaffen können.
Stattdessen sie und die Frage: Wird sie jetzt schon wieder heulen?
Ich sehe diese Rolle nach wie vor als Hauptproblem für mich, die Seite zu mögen.
Und das liegt nicht daran, dass sie eine Frau ist.
Kate Mulgew als Janeway fand ich z.B. klasse.
Es ist mehr dass ständige Overacting, das mir auf die Nerven geht.

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