In “Fern der Heimat” startet nun auch die restliche Crew der USS Discovery in ihr Abenteuer im 32. Jahrhundert. Die zweite Episode der dritten Staffel punktet mit starken Charaktermomenten, einem Trek-typischen Gemeinschaftssinn und wunderschönen Kulissen und Effekten. Kritikwürdig sind hingegen die erneut recht eindimensionale Handlung sowie die in “Discovery” leider zum Trek-Alltag gewordene Gewaltdarstellung. Achtung Spoiler!

“Star Trek: Discovery” © CBS/Netflix

Bruchlandung im Gletscher

“Far From Home“ knüpft direkt an das Season 2- Staffelfinale “Such Sweet Sorrow, Part 2” an. Die Discovery ist Burnham in das temporale Wurmloch gefolgt. Doch die Reise ins 32. Jahrhundert war ein wilder Ritt, die Energieversorgung sowie die Kommunikations- und Navigationssysteme versagen beim Austritt. Das Schiff stürzt auf einen scheinbar namenlosen und unwirtlichen Planeten ab. Wie gefährlich diese Umgebung für Schiff und Crew tatsächlich ist, wird sich allerdings erst etwas später herausstellen.

Die Bruchlandung der Discovery beginnt (“Star Trek: Discovery 3×02 “Far From Home” © CBS All Access / Netflix)

Unter dem Kommando von Commander Saru versucht sich die physisch und psychisch sehr mitgenommene Crew neu zu sortieren: Das Schiff ist zunächst einmal nicht flug- und operationsfähig und auch innerhalb der Crew gibt es Verletzte und Todesopfer zu beklagen.

“Aber unsere oberste Priorität liegt augenblicklich hier – in der Integrität dieses Schiffes und seiner Crew.”

– Commander Saru

Schnell wird man sich einig, dass die Wiederherstellung der Kommunikations- und Antriebssysteme Priorität genießt. Doch dies wird nicht ohne die Hilfe der auf dem Planeten entdeckten Lebewesen gelingen. Folglich machen sich Saru und Ensign Tilly auf den Weg, den Erstkontakt mit dieser neuen und unbekannten Welt des 32. Jahrhunderts herzustellen.

Während Stamets, Reno und Nhan auf dem Schiff verbleiben, um die Reparaturen voranzutreiben, stoßen Saru und Tilly auf der Oberfläche auf eine inaktive Dilithium-Mine. In einer Art Saloon treffen sie auf drei ehemalige Minenarbeiter, die ursprünglich vom Planeten Coridan, einer ehemaligen Föderationswelt, stammen. Saru und Tilly können das Vertrauen der Coridaniten gewinnen, wobei sich einer von ihnen, ein Mann namens Kal (Jonathan Koensgen), als wahrer “Believer” herausstellt. Er hat auch in diesen dunklen Zeiten nie aufgehört, an das helfende Eingreifen der Föderation zu glauben.

“Kal hat immer daran geglaubt, dass Sie irgendwo da draußen sind. Und dass wir trotz allem ein Teil der Föderation sind. Jetzt verstehe ich, warum er nie aufgehört hat von Ihnen zu sprechen.”

– Os’ir

Die Discovery-Crew  findet neue Freunde (“Star Trek: Discovery 3×02 “Far From Home” © CBS All Access / Netflix)

Dank Kals technischer Hilfe beziehungsweise seiner programmierbaren Materie gelingt es binnen kürzester Zeit, den beschädigten Transtator der Discovery durch einen funktionstüchtigen zu ersetzen. Doch noch bevor Saru und Tilly zurück zur Discovery aufbrechen können, taucht der Warlord Zareh (Jake Weber) mit seinem schwerbewaffneten Gefolge im Saloon auf.

“Es ist nur so, dass Sie hier keine Befugnisse haben. Wobei der ‘Brand’ das Beste war, was mir jemals passiert ist. (…) Wir treiben alle gemeinsam durchs All und alles, was jetzt noch zählt, ist … Dilithium!”

– Zareh

Sein teuflischer Plan: Er will sich die Dilithiumkristalle der Discovery einverleiben, hinter deren Geheimnis er bereits gekommen ist.

Derweil drängt auf der Discovery die Zeit. Denn der Gletscher, in den das Schiff gekracht ist, besteht nicht aus gewöhnlichem Eis. Vielmehr handelt es sich dabei um ‘parasitäres Eis’, das sich nachts ausdehnt und seine Umgebung befällt und zerstört. Und nun steht die Außenhülle des Schiffs zunehmend unter dem Druck des Eises. Gelingt nicht bald die Flucht, droht dem gesamten Schiff die Vernichtung.

Parasitäres Eis umgibt die Discovery (“Star Trek: Discovery 3×02 “Far From Home” © CBS All Access / Netflix)

Am Ende ist es schließlich Georgiou, die ohne Genehmigung Sarus interveniert und die Angreifer mit ihrer kompromisslosen Art außer Gefecht setzt. Als sie auch noch Zareh töten will, greift Saru beherzt ein und verhindert ein noch schlimmeres Blutbad. Auch der neue Verbündete Os’ir schwört der Rache ab und schenkt Zareh das Leben.

Dank der neuen Freunde gelingt es der Crew, die Discovery wieder startklar zu machen. Doch das parasitäre Eis wird immer bedrohlicher und hält das Schiff zunächst am Boden. Plötzlich kommt ein unbekanntes Schiff und zieht die Discovery mittels Traktorstrahl aus den Fängen des übergriffigen Gletschers. Saru lässt einen Kommunikationskanal öffnen und auf dem Sichtschirm erscheint … Burnham!

“Ja, ich bin’s. Ich habe euch gefunden, nachdem ich so lange nach euch gesucht habe. (…) Ich bin vor einem Jahr hier gelandet.”

– Burnham

Ein Jahr ist sei “That Hope Is You” mittlerweile vergangen. Seither ist Michael auf der Suche nach ihren Kameraden von der Discovery gewesen. Nun sind sie und die Crew wieder vereint..

Burnham und die Discovery sind wieder vereint. (“Star Trek: Discovery 3×02 “Far From Home” © CBS All Access / Netflix)

Osunsanmi-Style

Das Drehbuch von “Far From Home” stammt erneut aus der Feder des Trios Michelle Paradise, Jenny Lumet und Alex Kurtzman. Im Regiestuhl nahm – wie schon in der ersten Episode  – abermals Olatunde Osunsanmi Platz.

Stilistisch folgt diese Episode über weite Strecken ihrem direkten Vorgänger, setzt darüber hinaus aber auch eigene Akzente. Zwar bleibt die Story auch hier inhaltlich überschaubar, gliedert sich dieses Mal allerdings in eine A-Handlung auf der Discovery und eine B-Handlung auf der Planetenoberfläche. Beide Haupthandlungsstränge werden von entsprechenden Paar-Konstellationen getragen: Saru und Tilly auf der Außenmission sowie Reno und Stamets auf dem Schiff. Hinzu kommen weitere, etwas weniger zentrale Paar-Konstellationen, wie etwa die Kombinationen Georgiou-Saru, Georgiou-Nhan und Culber-Stamets. Ein dynamisches ‘Pairing’ ist folglich das Grundkonzept dieser Episode und man darf festhalten: Es funktioniert ausgezeichnet!

Ganz Osunsanmi-like setzt die Episode auf sehr dynamische Kamerafahrten, einen stetigen Wechsel von Totalen und Nahaufnahmen, ein kontrastreiches Farbenspiel (bunte Discovery vs. karge Planetenoberfläche) – sowie auf wiederkehrende Rhythmuswechsel zwischen ruhigen  Dialogszenen und temporeichen Actionszenen.

Effekttechnisch stechen neben dem Minen-Setting vor allem der Flug durch das Asteroidenfeld, die Bruchlandung (Hommage an “Voyager” und “Generations”!) und das “parasitäre Eis” hervor. Hier bewegt sich “Discovery” wieder einmal in der obersten Kategorie.

Gefährliche Umgebung

Wie schon “That Hope Is You” in der vergangenen Woche imponiert auch diese Episode wieder mit ihren epischen Außenszenen, die bekanntlich auf Island gedreht worden sind. So eindrucksvoll waren Außenmissionen in “Star Trek” bisher nur sehr selten gewesen. “Discovery” setzt hier gewiss die Messlatte für weitere “Star Trek”-Außenmissionen enorm hoch. Ein besonderer Eye-Catcher ist mit Sicherheit der Himmel des namenlosen Planeten, in welchem gigantische Felsformationen schweben. Das gesamte Setting erinnert an stillgelegte Braunkohle-Tagebaue, die zumeist riesige ‘Mondlandschaften’ zurücklassen.

Mit dem parasitären Eis haben die Autoren endlich mal wieder ein neues und für “Star Trek” so typisches Science-Fiction-Phänomen erfunden, welches allerdings fast schon in den Fantasy-Bereich hineinragt. Dennoch hat mir der Planet insgesamt gut gefallen, zumal Außenmissionen auf seltsamen Planeten in “Discovery” bisher viel zu selten stattgefunden haben.

Saru und Tilly besuchen eine inaktive Dilithium-Mine (“Star Trek: Discovery 3×02 “Far From Home” © CBS All Access / Netflix)

Die stillgelegte Mine steht dabei symbolisch für die Lage im 32. Jahrhundert: Ohne Dilithium und ohne die Hilfe und Ordnungsfunktion der Föderation können skrupellose Warlords in der Galaxis schalten und walten, wie es ihnen beliebt. Grenzen setzt diesen nur die raue Natur des postapokalyptischen Universums, nicht aber die interstellare Gemeinschaft.

Das Setting, welches die Autoren hier konzipiert haben, ist sehr treffend gewählt, denn es verdeutlicht uns – ähnlich wie das ‘Merkantil’ letzte Woche –  sehr eindrucksvoll, wie das anarchische Treiben dieser Zeit das Leben des Einzelnen determiniert. Kal und seine Freunde sind dem Warlord Zareh schutzlos ausgeliefert. Hier gibt es weder Sternenflotte noch Fenris Ranger, die sich den Schwachen, Ausgebeuteten und Unterdrückten annehmen. Parasitär verhält sich demnach nicht nur das Eis, das die Discovery umschließt, sondern vor allem auch Zareh und seine Handlanger. Gleichwohl sind die Parallelen zur ehemaligen Neutralen Zone in “Picard” (Fenris Ranger) unübersehbar.

Leider bleibt die gesamte Story im Verlauf der Episode dann auch recht eindimensional und intellektuell wenig anspruchsvoll. Das liegt vor allem am Bösewicht der Episode, dessen Charakterisierung als zynischer und sadistischer Warlord nicht ansatzweise über die eines “handelsüblichen” (Weltraum-)Schurken hinauskommt. Wenn “Discovery” bisher etwas gefehlt hat, dann ganz sicher ein Gegenspieler, der den Vergleich mit Gul Dukat oder Kai Winn nicht scheuen muss.

Zareh ist ein Warlord des 32. Jahrhunderts (“Star Trek: Discovery 3×02 “Far From Home” © CBS All Access / Netflix)

Die Pseudo-Western-Atmosphäre, die hier aufgebaut wird, tut dann leider ihr Übriges, um dieser wenig inspirierten Geschichte auch noch eine Portion Klischee mitzugeben. “Far From Home” macht hier also leider ähnliche Fehler wie “That Hope Is You”.

Folglich entspinnt sich eine recht oberflächliche Geiselnahme-Story, die – ganz “Discovery”-typisch – mal wieder mittels Gewaltanwendung aufgelöst wird.

Zahme Kätzchen und skrupellose Killer

Es ist leider ein mittlerweile sehr offensichtliches Erzählmotiv von “Discovery”, einerseits Anstand, Moral und Friedfertigkeit zu predigen, unsere Helden aber andererseits über tödliche Gewaltanwendung zum Ziel kommen zu lassen. Das ist ein Aspekt, den ich schon in meiner letzten Rezension kritisiert habe. Und nun sehe ich mich leider darin bestätigt.

“Georgiou, Sie werden ihn nicht weiter verletzen. Das ist ein Befehl! (…) Nein, so sind wir nicht.”

– Saru zu Georgiou

Denn was nützt es, wenn Saru Georgiou eine moralisierende Standpauke hält und hierbei die Werte der Föderation beschwört, wenn die Episodenhandlung aber ganz klar suggeriert, dass es solch skrupelloser Killer wie Georgiou bedarf, um “zahmen Kätzchen” wie Saru und Tilly den Hintern zu retten? Das ist ähnlich widersprüchlich wie Burnhams Gehabe in der letzten Woche, als sie sich erst den Weg frei schoss, um wenig später die Föderationsflagge und all das, für was diese steht, zu huldigen.

Spiegel-Georgiou macht Ärger (“Star Trek: Discovery 3×02 “Far From Home” © CBS All Access / Netflix)

Ja, ich gebe es zu: Ich mag Georgiou nicht! Diese Figur hat in “Discovery” nur eine einzige Funktion: Sie erlaubt es den Autoren, Gewaltexzesse zu schreiben – und Töten als vielleicht nicht legitime, aber doch als zielführende Handlungsoption zu deklarieren. Dieses Muster ist wiederkehrend und muss daher auch in aller Deutlichkeit angesprochen werden. Georgiou macht – ganz im Stil von Sektion 31 – die Drecksarbeit, damit Burnham, Saru und Co. einen auf anständig machen können. Und als Legitimation schreiben die Autoren stets Notwehr-Situationen ins Drehbuch. Ein sich auffällig oft wiederholender wie durchschaubarer Kniff.

“Ich steh’ auf meine Waffe.”

– Georgiou

Und genau das ist eben ein wesentlicher Unterschied zwischen ‘Old Trek’ und ‘New Trek’: Für Kirk, Picard und Co. ist Gewalt stets nur Ultima ratio gewesen. Die meisten Konflikte wurden diplomatisch oder technisch gelöst, Gewaltanwendung galt als moralische Niederlage und wurde, wenn sie denn doch einmal vorkam, auch nicht derart bildgewaltig zelebriert wie in “Discovery” und “Picard”.

In “Discovery” gehört heftige Gewalt hingegen zum narrativen Standard. Die Serie transportiert eigentlich keine humanistischen Werte, sie redet nur davon. Tatsächlich zeigt “Discovery” in nahezu jeder Episode genau das Gegenteil: Gewalt sieht cool aus. Gewalt klingt krass (z.B. brechende Genicke). Gewalt führt zum Erfolg. Gewalt muss halt sein. Böse Personen haben es nicht anders verdient. Dies kann auch die Tatsache, dass man am Ende Zarehs Leben verschont, nicht mehr überdecken. Und um den schönen Schein der humanistischen Attitüde zu wahren, bekommt Georgiou immer mal wieder eine obligatorische Moralpredigt gehalten. Und in der nächsten Episode geht das Spiel dann wieder von vorn los. Wetten?!

Kal wird von Zareh getötet (“Star Trek: Discovery 3×02 “Far From Home” © CBS All Access / Netflix)

Natürlich kann man jetzt als Gegenargument anführen, dass das heutige Publikum so etwas eben zwingend sehen will. Und dass “Star Trek” nur modern ist und Erfolg haben kann, wenn es in diesem Punkt auch zu Kompromissen bereit ist. Die Frage ist nur: Wollen wir wirklich einen solch faulen Kompromiss? Reicht es uns, wenn ab und an eine pathetische Rede gehalten oder die Föderation neu aufgebaut wird, während in jeder Episode Gewalt gezeigt und wenigstens latent legitimiert wird? Mir ist das zu billig. Mir ist das zu wenig von dem “Star Trek”, das mir gefällt. Und gerade in unserer Zeit, in der Gewalt in Film, Fernsehen und Realität viel zu oft gegenwärtig ist, bräuchten wir in “Star Trek” eigentlich einen mutigen Gegenentwurf. Mutig ist “Discovery” diesbezüglich aber nicht.

Fern von Burnham

Absolut positiv zu bewerten ist wiederum die in “Far From Home” vorangetriebene Charakterentwicklung. Man hat “fern von Burnham” nun endlich die seltene Möglichkeit, auch mal die zahlreichen Nebencharaktere zu beleuchten – mehr oder minder. So nimmt sich die Episode sehr viel Zeit für sehr persönliche und emotionale Dialoge, wobei sich die abwechselnden Paar-Konstellationen als wahrer Segen erweisen. Das Fehlen von Michael Burnham – wenn man mal von der Schlussszene absieht – tut dem restlichen Ensemble sichtlich gut. Hoffentlich bleibt “Far From Home” diesbezüglich keine Eintagsfliege. Die erzählerische Fixierung auf Burnham hat den übrigen Charakteren in den ersten beiden Staffeln nämlich viel zu oft den Raum zur Entfaltung genommen. In “Far From Home” wird nun endlich aus der Ein-Frau-Show “Star Trek: Burnham” die langersehnte Ensembleshow “Star Trek: Discovery”.

Die Brückencrew der Discovery (“Star Trek: Discovery 3×02 “Far From Home” © CBS All Access / Netflix)

Die Szenen zwischen Dr. Culber und Paul Stamets sind erneut sehr liebevoll geschrieben und auch gewohnt gut gespielt, fördern aber nicht unbedingt neue Details über diese Romanze zutage. Deutlich interessanter sind hingegen die Dialoge zwischen Saru und Tilly, Saru und Georgiou sowie das Geplänkel zwischen Stamets und Reno.

Saru brilliert in seiner neuen und nun wohl dauerhaften Rolle als Captain der Discovery. Was Burnham fehlt, das hat der Kelpianer: Er strahlt Ruhe und Zuversicht aus. Auch in der schwierigsten, deprimierendsten, gefährlichsten und aussichtslosesten Situation hat er seine Emotionen im Griff. Saru analysiert, antizipiert, agiert, delegiert und motiviert. Er tritt so auf, wie man es von einem Sternenflottenoffizier seines Ranges auch erwarten darf.

“Wir stellen uns jetzt der Zukunft vor. Und Sie, Ensign Tilly, sind ein wunderbarer ‘erster Eindruck’.”

– Saru zu Tilly

Sarus Führungsqualitäten zeigen sich in gleich mehreren Szenen, wobei vor allem seine Motivationsrede für Tilly heraussticht. Das hätte auch Captain Picard nicht besser machen können! Herzerwärmend.

Natürlich bringt auch sein Konflikt mit Georgiou ordentlich Dynamik in die Episode, wobei man fast davon ausgehen kann, dass Georgiou dem Kelpianer im Verlauf der Staffel noch viel mehr Ärger bereiten wird. Ob die Ex-Imperatorin vielleicht sogar eine Meuterei plant?

Commander Saru und Ensign Tilly auf Außenmission (“Star Trek: Discovery 3×02 “Far From Home” © CBS All Access / Netflix)

Erfreulicherweise bekommen auch Detmer, Owosekun, Bryce, Rhys, Linus, Pollard, Nilsson und Nhan dieses Mal etwas mehr Screen Time spendiert. Zwar erfährt man weiterhin kaum Neues über diese Charaktere, aber dafür transportiert die Episode nun endlich wesentlich glaubwürdiger, dass wir es hier mit einer Crew zu tun haben und nicht nur mit irgendwelchen No-Name-Offizieren, die Michael Burnham maximal den roten Teppich ausrollen dürfen.

Detmer scheint mir allerdings auf den Spuren von Airiam und Tyler zu wandeln. Hinter deren kognitiven Aussetzern verbirgt sich gewiss mehr als die Nachwirkungen einer Platzwunde. Mal sehen, was da noch so kommen mag.

Für das wohl größte Entertainment sorgt gewiss das “Odd Couple” Stamets und Reno. Auch wenn mir Renos Sprüche stellenweise etwas zu aufgesetzt erscheinen, macht diese Figurenkonstellation in der Summe doch großen Spaß. Deren ‘Hassliebe’ steht in einer Tradition mit der von Spock-McCoy, Pulaski-Data, Quark-Odo und Tuvok-Neelix, wobei beide in Sachen Zynismus und Spitzfindigkeit mit Sicherheit noch gewaltig eins draufsetzen.

Stamets und Reno im Disput (“Star Trek: Discovery 3×02 “Far From Home” © CBS All Access / Netflix)

Interessant dürfte auch sein, wie sich Commander Nhan in die Crew einfügen wird. “Far From Home” deutet zumindest ansatzweise an, dass sich zwischen ihr und Georgiou ein besonderes Verhältnis entwickeln könnte. Ob sich beide anfreunden werden oder Nhan vielleicht sogar als “Aufpasserin” der rebellischen Georgiou fungieren wird, vermag ich an dieser Stelle noch nicht zu sagen. “Far From Home” könnte hier aber gewiss den Beginn einer wunderbaren Freund- oder Feindschaft markieren.

Programmierbare Materie

Interessante Einsichten bietet die Episode auch hinsichtlich der sogenannten “programmierbaren Materie”, die wohl wichtigste Technologie dieser Zeit. Scheinbar kann man damit fast alles reparieren und herstellen, was man im Alltag braucht. Worin nun genau der große Unterschied zur Replikator-Technik besteht, ist für mich allerdings noch nicht ersichtlich geworden. Das Funktionsprinzip ist schließlich ähnlich.

Programmierbare Materie (“Star Trek: Discovery 3×02 “Far From Home” © CBS All Access / Netflix )

Auch hier stellt sich die Frage, wie knapp das Gut ‘programmierbare Materie’ in dieser Zeit wirklich ist und wo die Grenzen dieser Technologie liegen. Dilithium kann es wohl nicht erzeugen.

Fazit

“Far From Home” ist die perfekte Fortsetzung von “That Hope Is You”, weil sich die Episode den Luxus gönnt, die Serienprotagonistin Michael Burnham auf eine rund einminütige Statistenrolle zu beschränken und den Fokus stattdessen auf die übrigen Charaktere zu legen. Dass man sich in der ersten Episode auf Burnham und in der zweiten Episode vollständig auf die Discovery konzentriert hat, war gewiss ein kluger Schachzug der Autoren.

Die Folge hat sehr eindrücklich gezeigt: Diese Crew birgt deutlich mehr gruppendynamisches Potential, als ihr die ersten beiden Staffeln zugebilligt haben. Das Durchbrechen des Burnham-Zentrismus tut der Serie gut und sollte im weiteren Verlauf der Staffel zumindest partiell beibehalten werden.

Gleichwohl bleiben Story und Gegenspieler wie schon in Episode 3×01 eine kleine Enttäuschung. Der Bösewicht Zareh kommt über die Schablonenhaftigkeit eines kriminellen Zynikers mit Hang zum Sadismus nicht hinaus. Weder dessen simple Motivation – Macht- und Geldgier – noch das ganze Bar-/Saloon-Setting haben den Autoren die Möglichkeit gegeben, eine tiefgründige Geschichte inklusive moralischem Dilemma und verschiedenen Auswegmöglichkeiten zu schreiben. Dementsprechend endet die Handlung auch so, wie dies viel zu oft in “Discovery” der Fall ist: Keine kluge Diplomatie, kein wissenschaftlicher Kniff, keine findige List rettet unsere Helden aus den Fängen der Geiselnehmer, sondern einzig und allein tödliche Gewaltanwendung. Da kann der gute Saru noch so viel über die Werte der Föderation schwadronieren. Seinen kelpianischen Hintern hat mal wieder die gewaltaffine und empathielose Georgiou gerettet.

Wer mit diesem (in meinen Augen fragwürdigen) Subtext leben kann, darf sich ansonsten über eine kurzweilige “Star Trek”-Episode mit tollen Bildern, schönen Charaktermomenten, vielen Emotionen und einem echten “Wir-Gefühl” freuen. Für alldiejenigen, die mit der in nahezu jeder “Discovery”-Episode zur Schau getragenen Gewaltaffinität ein großes Problem haben, stellt sich die Frage: Ist das wirklich das “Star Trek”, das ich sehen möchte?

Bewertung

Handlung der Einzelepisode 3 out of 6 stars (3 / 6)
Stringenz des staffel- und serienübergreifenden Handlungsstrangs 5 out of 6 stars (5 / 6)
Stringenz des bekannten Kanons 4 out of 6 stars (4 / 6)
Charakterentwicklung 4 out of 6 stars (4 / 6)
Spannung 3 out of 6 stars (3 / 6)
Action & Effekte 6 out of 6 stars (6 / 6)
Humor 4 out of 6 stars (4 / 6)
Intellektueller Anspruch 2 out of 6 stars (2 / 6)
Gesamt          4 out of 6 stars (4 / 6)

Episoden-Infos

Episodennummer 31 (Staffel 3, Episode 2)
Originaltitel Far From Home
Deutscher Titel Fern der Heimat
Erstausstrahlung USA Donnerstag, 22. Oktober 2020
Erstausstrahlung Deutschland Freitag, 23. Oktober 2020
Drehbuch Michelle Paradise, Jenny Lumet, Alex Kurtzman
Regie Olatunde Osunsanmi
Laufzeit 53 Minuten

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Matthias Suzan

Matthias Suzan

Matthiasˈ Leidenschaft für "Star Trek" begann im zarten Alter von neun Jahren mit "The Next Generation". Anfänglich waren es noch die Raumschiffe und die Technik, die ihn faszinierten. Später weckten vor allem die anthropologischen, gesellschaftlichen und politischen Themen des Trek-Universums sein Interesse, sodass er sich seither für Politik- und Geisteswissenschaften interessiert. Nach knapp zwei Jahrzehnten als treuer TrekZone-Leser stieß er Ende 2017 mit dem Start von "Discovery" zur TZN-Redaktion.

8 Kommentare

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Alex1605 · 24. Oktober 2020 um 12:17

Danke für die Rezension, trifft es gut.
Wenn das so weitergeht, gilt die alter Star Trek Regel: Die ersten zwei Staffeln eher mau und dann wird die Serie besser. Insgesamt eine, auch mit tollen (Landschafts-) Bildern, gute Folge, actionreich und in vielen Bereichen typischer Star Trek.
Was wie immer auffällt sind die vielen Frauenrollen. Aber scheinbar ist STD eben einen „Frauen“ Trek mit matriarchalischen Zügen. Der arme Saru 😀😀.
Genau der Knaller: Saru. Mächtig gewachsen. Bleibt ruhig und gibt der Crew in der Katastrophenstimmung klarer Ziele. Setzt sich gegenüber Georgiou (Sehe ich auch so: ein überflüssiger Charakter) durch und vertritt, ohne Wenn und Aber, die Ziele der Sternenflotte. Ein Knaller!! Nur schade, dass aufgrund seiner Maske das „Charakterspiel“ etwas hinten runter fällt. Dass er das „kleine Mädchen“ Tilly (wann wird die erwachsen???) mittnimmt, zeugt von Führungsqualität. Das er „dumm genug war“ nur mit ihr zur „Siedlung“ zu gehen, zeugt eher von Führungsschwäche. Und dann muss sich Tilly noch „verstecken“ als es zum Nahkampf kommt?? Auch eine, die bei den Ausbildungen der Sternenflotte gefehlt hat. Aber auch in dieser „Kneipe“ ist Saru beherrscht und setzt sich durch.
Und endlich hat die Crew mal als Crew gearbeitet. Teamwork war angesagt, hat mir gut gefallen. Problemlöser eben. Gute „Pärchenbildung“. Das kennen wir von Star Trek.
Anschnallgurte gab es doch bei Picard, trotzdem schnallt sich keiner an beim Crash der Discovery an?? Warum Stamets, eigentlich schwer verletzte, in der Röhre rumkriecht (100te Besatzungsmitglieder??) und das wichtigste Bauteil ersetzt?…na ja…Und die Sprüche von Reno, na ja…
Und der Charakter Georgiou. Etwas überzogen gespielt und auf den hätte man verzichten sollen. Passt irgendwie nicht, eigentlich eine Schlächterin und jetzt bei den „Guten“?? Nahkampffähigkeiten, zur Rettung von Saru und Tilly, haben sicherlich auch andere in der Crew der Discovery.
Überflüssig die viele Gewalt in dieser „Kneipe“. Georgiou tötet auch viele der Gegner.
Highlight ist hier wieder Saru, der für die Ideale der Sternenflotte eintritt.
Aber insgesamt gutes Star Trek Bild. Dieser Folge hat gut getan, das Weinen im Weltall Burnham nicht mitgespielt hat!
Aber sei´s drum. Die Folge hat mir gefallen. Ob ich deshalb STD-Fan werde, mal sehen, was noch kommt. Also 4 von 5! (Und das bei STD 😀😀)

    Matthias Suzan

    Matthias Suzan · 24. Oktober 2020 um 13:42

    Hallo Alex1605!
    „Nur schade, dass aufgrund seiner Maske das „Charakterspiel“ etwas hinten runterfällt.“
    Dafür weiß Doug Jones aber sehr gekonnt andere Mittel einzusetzen. Seine ganze Bewegung (die Arme!) und sein Stimmeneinsatz gleichen da wieder sehr viel aus. Toller Schauspieler, tolle Rolle! Für mich ist er der eigentliche Star der Serie.

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      Alex1605 · 24. Oktober 2020 um 13:54

      @ Matthias: Bin voll bei dir. Für mich ist Saru zurzeit der Charakter schlechthin bei STD und Jones macht das auch gut.
      Charakterdarstellung lebt aber auch von Mimik. Das ist eben mit dieser Maske schwer. Zum Vergleich hatte Worf auch eine Maske, aber das Charakterspiel war bei ihm besonders über die Mimik möglich.😀😀

        Matthias Suzan

        Matthias Suzan · 24. Oktober 2020 um 13:58

        Vielleicht haben Kelpianer auch gar keine Mimik. 🤔🤷‍♂️😉

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MrAnderson · 24. Oktober 2020 um 19:45

Zarehs Leben wurde eigentlich nicht wirklich verschont. Zareh wollte Tilly zur Discovery schicken um das Dilithium zu holen. Er hat sie eindringlich gewarnt vor Einbruch der Dunkelheit zurück zu sein, weil das Eis dann aktiv wird und er schon mal gesehen hat, wie es einem Menschen in die Kehle gewachsen ist. Dann greift Space-Hitler ein und ein paar Minuten später ist es schon dunkel. Tilly hätte sicher nicht mal die Discovery bei Tageslicht erreicht. Zareh hat sie in den Tod geschickt. Saru hätte er wahrscheinlich als Geisel benutzt um Zutritt zur Discovery zu bekommen. Jetzt hat man Zareh in der Dunkelheit ins Eis geschickt. Hat man wirklich sein Leben verschont, oder hat man die schmutzige Arbeit nur weitergeben?

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MrAnderson · 24. Oktober 2020 um 19:52

Schade, dass man seine posts nicht bearbeiten kann. Daher leider doppelpost:

@Alex

Es sind nicht hunderte Crewmitglieder an Bord, sondern exakt 88. Abzüglich der Verletzten sind 72 einsatzfähig. Wieviele davon sind in der Lage den Job von Stamets zu übernehmen? Keine Ahnung! Was Stamets genau für eine Position an Bord hat ist mir immer noch nicht klar? Pilzexperte oder Chefingenieur, oder was eigentlich?

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    Alex1605 · 24. Oktober 2020 um 20:13

    @ MrAnderson
    Danke für die Info bezgl. der Stärke Disco. Jeder hätte die Tätigkeit von Stamets übernehmen können. Wurde ja von der “schnoddrigen” Reno ganau angewiesen was er tun sollte.
    Ich glaubte eigentlich er wäre Techniker oder Ing. Deshalb hat es mich auch gewundert, das Reno ihn “dirigiert” hat.

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Harro · 25. Oktober 2020 um 13:32

Völliger Müll und eine Wiederholung der Story der ersten Folge. Schiff stürzt irgendwo ab, Insassen überleben wie durch ein Wunder, und wie durch ein Wunder gibt es nebenan Lebensformen, die einem vielleicht weiter helfen können.

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