Wir sehen uns an, was im neuen TNG-Band drinsteckt.

Inhalt (Klappentext):

In diesem brandneuen Thriller aus dem Star-Trek-Universum wird Captain Picard unerbittlich von den Schatten der Vergangenheit eingeholt … Sektion 31 – jene Geheimorganisation, die länger als zwei Jahrhunderte unkontrolliert aus dem Verborgenen heraus agiert hat – ist aufgeflogen, und das Ausmaß der Verbrechen ihrer Mitglieder kommt ans Licht. Im ganzen Föderationsraum werden Agenten und Anführer der abtrünnigen Gruppierung festgenommen. Jetzt ist das Sternenflottenkommando gezwungen zu entscheiden, was aus den Offizieren werden soll, die in den Skandal verwickelt sind, darunter die Admirals William Ross, Edward Jellico und Alynna Nechayev sowie Captain Jean-Luc Picard. Gemeinsam mit anderen sollen sie an der gewaltsamen Amtsenthebung eines Föderationspräsidenten beteiligt gewesen sein. Unterdessen ist die Enterprise in einer weit entfernten, unerforschten Region des Weltraums unterwegs, die als der Odysseeische Pass bekannt ist. Picard und seine Crew müssen ihre persönlichen Gefühle und Sorgen um das politische Geschehen hintanstellen, als sie ein gewaltiges, mysteriöses Raumschiff entdecken, das seit Jahrhunderten durch die stille Leere des Alls treibt. Es ist die letzte Rettung einer bedrohten Zivilisation, die seit Generationen auf der Suche nach einem Zufluchtsort ist. Doch eine Bande von Plünderern hat es ebenfalls auf das uralte Schiff abgesehen, und die Enterprise stellt das einzige Hindernis auf ihrem Weg zum Ziel dar …

Vorhandenes Licht (Cross Cult)

Vorhandenes Licht

Kritik

Der TNG-Relaunch geht mit “Vorhandenes Licht” in die nächste Runde. Wir erinnern uns noch an den Ausgang des direkten Vorgängers: Sektion 31 ist aufgeflogen und Picard ein Stück weit in Ungnade gefallen. Der Roman setzt dabei genau dort ein, wo der Vorgänger “Herz und Verstand” aufgehört hat und übernimmt, leicht abgewandelt, sogar dessen Endsequenz. Akaar teilt Picard mit, dass er nie Admiral werden wird – und ja, “Picard” (die Serie) hat das inzwischen widerlegt, aber die Bücher spielen ja noch in der alten Timeline, die wohl erst demnächst geretcont werden wird. Meckern wir also nicht an irgendwelchen Unstimmigkeiten herum, sondern sehen uns an, was der Roman so zu bieten hat.

Und hier muss man leider festhalten, dass ihm ziemlich schnell die Luft ausgeht. Zwei Handlungsebenen gibt es dabei, die im Roman umgesetzt sind. Zum einen ist da die Aufarbeitung auf der Erde, in der die letzten Getreuen von Sektion 31 gejagt und verhaftet werden, ja teils sogar umgebracht. Überdies müssen sich Oberkommandant und Präsidentin der Frage stellen, wie weit die lückenlose Aufklärung wirklich zu gehen hat. Das allein ist spannend, gut geschrieben und macht Lust auf mehr – indes: es ist nur leider viel zu wenig an solchen Szenen im Buch vorhanden.

Die Sektion 31-Handlung wird immer mal wieder lose eingestreut und obwohl es durchaus die erwähnten spannenden Stellen gibt, bleibt am Ende die Erkenntnis, dass man für die Aufarbeitung Zeit braucht, man sich aber bemüht. Und genau genommen war man an dieser Stelle schon zu Beginn des Bandes. Hier wären Reaktionen aus weiteren Schichten der Gesellschaft durchaus interessant gewesen, dieses Potential verschenkt das Buch aber und widmet sich stattdessen der Handlung um die Enterprise.

Zwar gibt es dort auch einen grübelnden Picard zu sehen, der vor allem am Anfang noch in seine Verwicklung in Sektion 31-Geschäfte sinnieren darf. Nachdem ihm aber Beverly den Kopf zurechtgerückt hat, ist das erstmal wieder vergessen. Auch hier verpufft eine angehende Charakterentwicklung also sofort, wobei man aber auch erwähnen muss, dass Picard gefestigt genug ist, um das wirklich so schnell abzuschütteln. Im Vergleich zu anderen Charakteren nehme ich es diesem großen Mann also durchaus ab. Vor allem ist eben auch das Ende an dieser Stelle Picard-typisch.

Doch auch das ist nur ein kleiner Tropfen, denn die eigentliche Handlung dreht sich um ein Schiffswrack, das die Crew findet. Schnell stellt sich heraus, dass dort Lebewesen an Bord sind, die Hilfe brauchen. Erschwerend kommt hinzu, dass eine Gruppe Plünderer auftaucht und auch das Schiff haben will. Klingt vertraut? Nun, das ist es auch, denn so oder so ähnlich hat man das doch schon öfter gesehen (oder gelesen).

Zwar ist es schön, dass es mal nicht allzu feindselig wird, auch wenn es die Action natürlich noch gibt, es zeigt aber auch ein großes Manko auf. Wenn man einer in Not geratenen Crew hilft, ist das halt nicht gerade spannend. Man redet miteinander, repariert miteinander und im Grunde hat es sich damit halt schon. Klar, das ist im Sinne von Star Trek, schreibt aber eben, vor allem wenn es schon in diversen Variationen da war, keine innovative oder gar spannende Geschichte. Da hilft es auch nicht, dass die Fremden quasi à la Tron Leute digitalisieren können. Hier hätte man sicher noch einiges mehr herausholen können, so bleibt leider auch das hinter den Möglichkeiten zurück.

Selbst Charakterentwicklung wird klein geschrieben, denn Chen und die anderen helfen zwar, dürfen über die Digitus-Erfahrung mal jauchzen, liefern sonst aber nur Dienst nach Vorschrift ab. Auftritt der Torrekmaten, der eingangs erwähnten Plünderspezies. Die erweist sich anfangs als aggressiv und wird vom Schiffswrack auch prompt abgeschossen – wer hätte es geahnt. Und natürlich glauben die dem ersten Schiff nachfolgenden Schiffe nicht daran und sehen die Enterprise als Wurzel allen Übels an. Wobei, so ganz korrekt ist das nicht, denn die erste Welle an Schiffen, die eintrifft, lernt mit der Enterprise zusammenzuarbeiten. Die Bösewichte sind also eher die Nachfolger der Nachfolger.

Auch das ist eigentlich ein (versuchter) Ausbruch aus dem Klischee, der aber fast sofort durch eben jene Nachfolgungs-Nachfolger zunichte gemacht wird. Und dass Fremde, die der Enterprise und dem anderen Schiff gleich helfen, zwar irgendwie zu dieser Story, in der eben alle miteinander anpacken, passt, ist positiv, trägt aber auch zur erweiterten Langeweile bei. Leider kehrt besagtes Klischee aber mit den Nachfolgern der Nachfolger sofort wieder zurück, denn die sind unbelehrbar, kämpfen und müssen erst eins auf die Nase bekommen, bis sie einsehen, dass ihr Weg falsch ist. Dass sich die zweite Welle an Torrekmaten um Brinamar dann der Enterprise anschließen, war leider ebenso vorhersehbar, wie der ganze Rest. Die einzige Frage an dieser Stelle ist wohl, warum zum Teufel man sich so lange Zeit gelassen hat, das doch wohl Offensichtliche zu tun.

Und nein, natürlich erfährt man am Ende nicht, welche irgendwie gearteten Folgen es für Brinamar hat – andererseits hat man als Leser an der Stelle eh schon längst das Interesse verloren, von daher fällt dies auch nicht länger ins Gewicht.

Fazit

Die Sektion 31-Story fängt zumindest noch interessant an, versandet dann aber zusehends ebenso wie die teils klischeebehaftete Hauptstory. Dass man einfach mal nur zwei Crews zeigt, die einander helfen, ist zwar mal eine nette Abwechslung, gibt aber halt leider nicht genug her, um die Story spannend und interessant zu halten. Keine Charakterentwicklung, keine Diskussionen, um an dieser Stelle noch etwas Star Trek-Geist herauszukitzeln … daher ist dieser Roman leider keine Sternstunde.

2 out of 5 stars (2 / 5)
Information: Ein Exemplar dieser Ausgabe wurde dem Autor vom Verlag zum Zwecke der Rezension kostenlos überlassen.

Quick-Infos

Autor: Dayton Ward
Originaltitel: Available Light
Jahr der Veröffentlichung (Original): 2019
Übersetzer: Aimèe de Bruyn Oboter
Seitenanzahl: 440
Preis: 15.- Euro
ISBN: 978-3-96658-073-1
Verlag: Cross Cult

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Thomas Götz

Seitdem er 1985 zum Ersten Mal Episode IV sah und ausrief "Aber das heisst doch, Vader ist Lukes Vater" ist Tom der Science Fiction verfallen. Star Trek Fan wurde er, wie viele seiner Kollegen, 1990 mit "The Next Generation" in Deutschland. Seine ersten Buchrezensionen zu Star Trek Büchern erschienen schon 1995 im Alter von 16 Jahren im Star Trek Fanclub. Seit 2006 schreibt er auch Online Rezensionen (ab 2009 Trekzone-Exklusiv) und hat kürzlich seine 2000.Rezension veröffentlicht.

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