Eine Zugfahrt, die ist lustig – oder auch nicht. Sherlock Holmes, sein Assistent Dr. Watson und Inspektor Lestrade wollen zusammen verreisen. Ob das gutgeht, erfahrt ihr in dieser Rezension. Achtung Minispoiler.

Inhalt

Sherlock Holmes wagt in dieser Folge einen Schulterschluss mit Inspektor Lestrade, was Dr. Watson so ganz und gar nicht behagt. Als der Meisterdetektiv gar einen gemeinsamen Ausflug mit der Eisenbahn vorschlägt, kriegt Watson erst einmal Schnappatmung. Fast erleichtert vernimmt Holmes’ Assistent die Nachricht, dass eine Leiche in einem Zugabteil gefunden wurde. Der Ausflug ist erst einmal abgeblasen, die Ermittlungsarbeit hat Vorrang. Und es dauert nicht lange, da hat Lestrade auch den Täter, samt Motiv im Visier, obwohl, außer der Leiche, lediglich ein zermatschtes, rohes Ei im Abteil gefunden wurde.

Umsetzung

Diese Folge bietet ein hervorragendes Zusammenspiel von Watson, Holmes und Lestrade. Verbale Seitenhiebe, Schadenfreude und Konkurrenzkämpfchen bringen stetig frischen Wind in die Folge. Wobei Lestrade dieses Mal nicht so schlecht abschneidet wie in den Folgen zuvor. Er kontert eine Beleidigung Watsons, indem er ihm durch die Blume Arschkriecherei bei Holmes unterstellt. Da musste ich ganz breit grinsen. 

Die zweite Handlungsebene spielt sich im Fall selbst ab. Da ist etwas geschehen, das jeglicher Logik widerspricht. Es versteht sich von selbst, dass Holmes sofort begeistert ist. Größtenteils spielt die Folge in eben jenem Zug, in dem der Tote gefunden wurde. Ich fieberte der Auflösung gespannt entgegen. Das hat nicht nur den Grund, dass der Fall gut konstruiert ist, sondern weil mir der Verdächtige total sympathisch ist und ich ihn nur ungern am Galgen gesehen hätte. 

Positiv hervorheben möchte ich, dass die Erzählperspektive sehr gut gewählt ist. Da gibt es keinen auktorialen Erzähler, sondern man befindet sich als Hörer mittendrin, da man quasi den Akteuren über die Schulter blickt. Gerne mehr Geschichten in dieser Erzählweise. 

Charaktere

Die Sprecherriege liefert super ab. Das eingespielte Duo Bierstedt/Tennstedt bietet abermals seine unterhaltsame Frotzelei. Als Lestrade darf Lutz Reichert glänzen, auch er ein stimmliches Highlight. Mit dabei sind ferner Regina Lemnitz, Patrick Stanke, David Nathan, Patrick Bach, Horst Naumann und Jürgen Thormann, der als Major die Rolle des schnittigen Mannes bedient. Was in der Folge für reichlich Konfliktpotenzial sorgt, was wiederum Wasser auf Watsons Mühlen ist. 

Sound/ Musik

Die Hektik eines Bahnhofs wird klanglich gut eingefangen. So, wie ich es im echten Leben auch wäre, war ich erleichtert, mit Watson und Holmes in den Waggon zu steigen. Dort ging es wesentlich ruhiger zu. Die Begleitmusik ist dezent und an keiner Stelle der Folge ist ein Geräusch zu dominant oder gar unpassend. 

Cover

Das Cover stammt von Ertugrul Edirne und zeigt den Bahnhof. Die Szenerie wirkt sehr aktiv, denn Dr. Watson beugt sich zur Seite, scheint gerade loslaufen zu wollen. Holmes hält seinen Gehstock umklammert, die andere Hand angewinkelt, als würde auch er loseilen wollen. Im Hintergrund nähert sich ein Waggon, auf dessen Außenbord ein Mann steht, der mit einem Winken auf sich aufmerksam macht. 

Fazit

Eine der kurzweiligsten, besten Folgen der Reihe. Hier stimmt einfach alles. 

5 out of 5 stars (5 / 5)

Information: Ein Exemplar des Hörspiels wurde dem Autor vom Label zum Zwecke der Rezension kostenlos überlassen.

Quick-Infos

Autor: Arthur Conan Doyle/ Herman Cyril McNeile
Originaltitel: Der Tote im Extra-Waggon
Label Titania Medien
VÖ: Oktober 2020
Preis: 7,99 EUR
ISBN: 978-3785782002
Hörspiellänge: ca. 70 Minuten

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