In der fünften Folge der dritten “Discovery”-Staffel finden Saru & Burnham den Weg zur Föderation zurück. In unserer spoilerfreien Rezension sprechen wir über das neueste Abenteuer im 32. Jahrhundert.

Story

Mittels Senna Tals Koordinaten findet die Discovery Ihren Weg zum Sternenflottenhauptquartier und wird mit der Problematik konfrontiert, dass sämtliche Aufzeichnungen über den Sporenantrieb und ihren Sprung in die Zukunft vernichtet wurden. Während Admiral Vance die Crew rigiden Befragungen unterzieht, möchte Burnham einer Gruppe von Kili-Flüchtlingen helfen, die an einer tödlichen Krankheit leiden.

In “Die Trying” erzählen James Duff und Sean Cochran ehrlicherweise zwei relativ separate Geschichten. Die erste dreht sich um die Rückkehr der Discovery in die Sternenflotte des 32. Jahrhunderts, die zweite nutzt die Kili als Vorwand, um ein unerwartet persönliches Thema zu beleuchten. Trek-untypisch finden die beiden Plots weitgehend nacheinander statt.

Während der Sternenflotten-Plot gut, teilweise brillant konstruiert ist, ist das nachfolgende Weltraumabenteuer plotseitig leider nur vorhersehbares Mittelmaß, und hat offenbar den Zweck, den Fokus auf eine Nebenfigur legen zu können.

Dialoge und Besetzung

So, wie man die Story in zwei Teile zerlegen kann, lassen sich auch die Dialoge in zwei Schubladen sortieren. Entgegen meiner Erwartung sind die Konflikte durch die Ankunft der Discovery im Sternenflottenhauptquartier ehrlich motiviert, durchdacht, clever geschrieben und nachvollziehbar. Besonders faszinierend sind mehrere von Georgious Szenen, die mit einer neuen Figur (toll gespielt von Regisseur David Cronenberg) eine unerwartete Intensität entwickelt. Einfach Klasse!

Georgiou und ihr namenloser Gesprächspartner in "Die Tying" (Szenenbild: ViacomCBS)

Georgiou und ihr namenloser Gesprächspartner in “Die Tying” (Szenenbild: ViacomCBS)

Das Abenteuer, auf das sich Burnham begibt, bietet dagegen nur durchschnittliche Sci-Fi-Kost was die Charakterisierung angeht. Erfreulich ist, dass “Discovery” sich ehrlich Zeit nimmt, mehr Aufmerksamkeit auf eine seiner zahlreichen Nebenfiguren zu verwenden, die in Staffel 2 eingeführt wurden. Leider geht das Interesse an der Figur für mein Empfinden nicht weit genug. Als Zuschauer gewinnen wir kein wirklich besseres Verständnis. Andererseits scheint es am Ende der Folge so, als sei die Rolle auch schon wieder auserzählt.

So vielversprechend “Die Tying” als Auftakt einer längeren Entwicklung taugen könnte, so enttäuschend ist die wiederholte Erkenntnis, dass die Autoren hier selten über die Dramaturgie der Einzelfolge hinaus denken. Das ist ein wiederkehrendes Problem. In “Project Daedalus” lernten wir Ariam auch besser kennen, nur damit sie sich noch in der gleichen Episode tränenreich für Control opfern kann. So drastisch spielt “Die Trying” glücklicherweise nicht mit unseren Gefühlen, aber es wäre erfrischend, wenn solche Charakterbögen über mehrere Episoden vorbereitet werden könnten. Dennoch fließen die obligatorischen “Discovery-Tränchen”, wie es meine Frau trocken attestierte.

Tilly, Reno und Stamets in "Die Tying" (Szenenbild: ViacomCBS)

Tilly, Reno und Stamets in “Die Tying” (Szenenbild: ViacomCBS)

Ansonsten dürfen wir uns wieder einmal über den breit aufgestellten Ensemble-Cast freuen, der bis auf Raven Daudas Dr. Pollard und Ian Alexanders Grey Tal vollständig vertreten ist. Auch Tig Notaro taucht als Jett Reno auf, hat aber neben zwei One-Linern erstaunlich wenig in dieser Episode zu tun.

Bemerkenswert ist, dass die Episode sich ebenfalls für das Verhältnis zwischen Captain Saru und Nummer Eins Burnham interessiert. Diese Zeit ist gut investiert und zeigt eine Dynamik, die mich ein wenig an Picard und Riker in der frühen “Next Generation” erinnert. Das resultiert in mehreren schönen Szenen. Unter anderem sehen wir erstmals Burnham als amtierende Captain auf der Brücke der Discovery. Irgendwie seltsam, dass es dafür über 30 Episoden gebraucht hat, aber dafür war der Payoff in dieser Folge verdient und effektvoll.

Kanon und Rahmenhandlung

“Die Trying” spielt geschickt sowohl mit der eigenen Mythologie von “Discovery” als auch mit dem “Star Trek”-Kanon insgesamt. In vielen Dialogen wird deutlich, dass die Charaktere vergangene Ereignisse reflektieren und dies ihre Entwicklung formt. Andererseits ist insbesondere in der ersten Hälfte das Misstrauen der Sternenflotte argumentativ sehr gut nachvollziehbar. Klasse ist auch der Verweis auf temporale Konflikte und deren Konsequenzen für die Politik der Gegenwart.

Die Rahmenhandlung der Staffel verliert mit dem Auffinden der Reste der Sternenflotte und Föderation indes ihre wichtigste Triebfeder. Das ist insofern erfreulich, weil die “Suche nach Spock” in der zweiten Staffel zu sehr in die Länge gestreckt worden war. “Die Trying” belohnt insofern das Interesse der Zuschauer  an der übergreifenden Handlung auf eine durchaus befriedigende Art und Weise.

Burnham, Saru und Tal in "Die Tying" (Szenenbild: ViacomCBS)

Burnham, Saru und Tal in “Die Tying” (Szenenbild: ViacomCBS)

Nun ist jedoch die Frage, wie sehr die Suche nach der Ursache für den “Brand” den Rest der Staffel tragen kann. Zumindest in “Die Trying” wird dieser Faden unglaubwürdig hart unterbrochen. Hier wollen die Autoren offensichtlich Spannung aufbauen, indem sie so viele Informationen wie möglich zurückhalten. Ein denkbar unglückliches Manöver. Trotz mehrerer Dialoge zum Thema sind wir nach der Episode quasi so schlau wie vorher.

Spannend ist auch, welche Storystränge nicht unmittelbar fortgeführt werden. Die Wandlung des Schiffscomputers zu Zora, die letzte Woche begonnen hat wird ebensowenig aufgegriffen wie Tals Vision von Gray.

Inszenierung

Bereits “People of Earth” hatte uns kurz Schiffe der Sternenflotte aus dem 32. Jahrhundert gezeigt. In “Die Trying” dürfen wir sie ein wenig näher betrachten. Es fällt auf, dass das Design im Vergleich zu dem psychedelischen Erscheinungsbild der Enterprise-J (26. Jh., “Azati Prime”, “Enterprise”) und der kaum als Sternenflottenschiff erkennbaren Relativity (29. Jh. “Relativity”, “Voyager”) sehr konservativ wirkt. Auch wenn das alles von David Cronenberg tadellos in Szene gesetzt ist, fehlt es der Produktionscrew an glaubhaften Visionen für einen Zukunft die tausend Jahre weiter in der Zukunft liegt.

Das wird in dieser Episode mehr als einmal deutlich. So werden die Kili-Patienten von holographischen, medizinischen Displays überwacht, die direkt um ihre Körper projiziert werden. Das Ergebnis dieser visuellen Effekte ist, dass die durchaus interessante Maske der neuen Aliens kaum zu erkennen ist. Ebenfalls ist es noch schwierig eine visuelle Kontinuität innerhalb der Sternenflotte des 32. Jahrhunderts zu erkennen. Zwar finden wie ähnlich wie in “That Hope Is You” schwebende Möbel, aber statt “programmierbarer Materie” aus kleinen Würfeln scheint es im Hauptquartier eine morphende Flüssigkeit zu geben, die bei Bedarf den Innenraum neu konfiguriert.

Burnham hat die Brücke in "Die Tying" (Szenenbild: ViacomCBS)

Burnham hat die Brücke in “Die Tying” (Szenenbild: ViacomCBS)

Andere Probleme hat der zweite Teil der Handlung, in dem Burnham und Crew ein Raumschiff besuchen, dass für einen sehr spezifischen Zweck gebaut wurde, dessen Design aber dafür fürchterlich unpraktisch erscheint. Stattdessen erinnert das virtuell erweiterte Set auf dem dramatischen Höhepunkt der Episode wie ein gigantischer einarmiger Bandit inkl. Licht- und Toneffekte.

Und so gelingt es den “Discovery”-Machern ist trotz handwerklichen Talents nicht, eine wirklich glaubwürdige Version des 32. Jahrhunderts zu entwerfen.

Ein großes Kompliment geht indes an Gersha Phillips für das Design der neuen Sternenflottenuniformen, die gleichermaßen futuristisch und schlicht sind. Gleiches gilt für das VFX-Team, dass in dieser Episode unter anderem einen tollen Ionensturm auf die Mattscheibe zaubert.

Beobachtungen

  • Kurz huscht die Ur-ur-ur-ur-ur-ur-ur-urnachfolgerin eines anderen berühmten Sternenflottenschiffs mit Suffix -J über die Mattscheibe. Damit ist dies neben NCC-1701 (Enterprise) erst die zweite NCC-Raumschiffregistrierung, die durch ein Buchstabensuffix von der Sternenflotte wiederverwendet wird. (Die U.S.S. Yamato NCC-1305-E in “Where Silence Has Lease” zählt nicht, weil sie eine Illusion von Nagilum war und in “Contagion” abweichend NCC-71807 bzw. NCC-24383 zu sehen ist.)
  • U.S.S. Nog NCC-325070 – RIP Aron Eisenberg!

    U.S.S. Nog in "Die Tying" (Szenenbild: ViacomCBS)

    U.S.S. Nog in “Die Tying” (Szenenbild: ViacomCBS)

  • Die Kazon scheinen Frieden geschlossen zu haben. Auf der Sternenkarte ist ein “Kazon Clan Forum” eingezeichnet.
  • Zu ihrer Blütezeit hatte die Föderation über 350 Mitglieder. Im 24. Jahrhundert waren es laut Jean-Luc Picard noch 150.
  • Hologramme haben auch nach einem Jahrtausend seltsame Umgangsformen.
  • Gertrudes Spezies fleischfressender Pflanzen aus “The Man Trap” (Originalserie) ist zurück!
  • Jemand sollte einmal mit den Barzahn ein ernstes Gespräch über Passwortsicherheit führen.

Fazit

Diese sehr solide Episode markiert für die dritte Staffel von “Discovery” eine erste wichtige Zwischenstation. Der erste Kontakt mit der Sternenflotte des 32. Jahrhunderts ist erfrischend unpathetisch und clever konstruiert. Indes macht die Episode in der zweiten Hälfte streckenweise nur eine durchschnittliche Figur. Der Abenteuerplot ist wenig inspiriert, und die visuelle Gestaltung der Episode wirkt nicht letztlich durchdacht. Das 32. Jahrhundert hat noch Luft nach oben.

Georgiou in "Die Tying" (Szenenbild: ViacomCBS)

Georgiou in “Die Tying” (Szenenbild: ViacomCBS)

Dennoch gilt, dass die positiven Seiten überwiegen. Die Dynamik zwischen Saru und Burnham bleibt spannend, während die Serie sich weiter stark in Richtung Ensemble-Show entwickelt. Eigentliches Highlight dieser Folge sind jedoch David Cronenberg und Michelle Yeoh, die völlig unerwartet ein kleines aber intensives Kammerspiel innerhalb der Folge aufführen. Davon gerne bitte jederzeit mehr!

Bewertung

Handlung der Einzelepisode 5 out of 6 stars (5 / 6)
Stringenz des staffel- und serienübergreifenden Handlungsstrangs 4 out of 6 stars (4 / 6)
Stringenz des bekannten Kanons 5 out of 6 stars (5 / 6)
Charakterentwicklung 5 out of 6 stars (5 / 6)
Spannung 4 out of 6 stars (4 / 6)
Action & Effekte 4 out of 6 stars (4 / 6)
Humor 3 out of 6 stars (3 / 6)
Intellektueller Anspruch 4 out of 6 stars (4 / 6)
Gesamt          4.5 out of 6 stars (4,5 / 6)

Episoden-Infos

Episodennummer 34 (Staffel 3, Episode 5)
Originaltitel Die Trying
Deutscher Titel Die Bewährungsprobe
Erstausstrahlung USA Donnerstag, 12. November 2020
Erstausstrahlung Deutschland Freitag, 13. Oktober 2020
Drehbuch James Duff, Sean Cochrane
Regie David Cronenberg
Laufzeit 55 Minuten

Mit Rücksicht auf andere Leser, die die Folge noch nicht gesehen haben, bitten wir, in den Kommentaren zu diesem Artikel auf Spoiler zu verzichten. Danke!


Christopher Kurtz

Christopher Kurtz

Seit den frühen 2000ern ist Christopher Redakteur im TrekZone Network. Wenn er nicht in den unendlichen Weiten nach kritisch rationalem Humanismus Ausschau hält oder sich über die Plausibilität fiktiver Technologien und Gesellschaftsformen den Kopf zermartert, findet man ihn meistens in der Nähe von Spielen der geselligen Art, egal ob analog oder digital, ob als Mitspieler oder Gelegenheitsautor.

18 Kommentare

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Piero · 13. November 2020 um 11:15

OK jetzt wird es unheimlich: Ich stimme der Rezension im hohen Anteil zu.

Abgesehen von den Kritiken darüber, ob das 32. Jahrhundert nun glaubwürdig dargestellt wird oder nicht, wurde meiner Meinung nach eine Komponente weggelassen: Die Discovery an sich. Wenn ich mir vorstelle, dass auf einmal ein Segelschiff des 11. Jahrhunderts, welches mit ein paar damals normaler “Waffen” bestückt ist, auftaucht und gerne bei der römischen (oder heute italienischen) Flotte Dienst tun möchte…
Aus Sicht des 32. Jahrhunderts gehört das Schiff in ein Flottenmuseum. Einzig der Sporenantrieb würde ich auseinander nehmen lassen.

Mein persönlicher Tiefstpunkt dieser Folge, wenn nicht gar der Saison: Das Blinzeln von Georgiou.
Grösste Angst und Befürchtung, die hoffentlich nicht eintritt: Standby Georgiou
Wer mich seit Mitte der Staffel 1 dieser Serie nervt: Georgiou
Die Figur, die ich nie vermissen werde, wäre sie endlich weg: Georgiou
Die Serie, die ich mir wohl nicht anschauen werde: Georgiou

Mit dem Rest kann ich mich abfinden bzw. akzeptieren. Ab und zu finde ich was schlecht(er), ab und zu besser. Ab und zu deckt es sich mit anderen Meinungen (wie z.B. heute mit dieser Kurzrezension), ab und zu auch nicht.

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    Alex1605 · 13. November 2020 um 18:49

    @ Piero. Mit der Disco hast du recht. Aber das ist die Krux mit diesem Zeitsprung.
    Georgiou ist die Person, die nicht zur Crew und in diese Geschichte passt. Auserdem ist sie ein unsympathischer Charakter der schlecht gespielt wird. Wer mnn auf die Idee kommen kann, mit ihr eine Serie zu drehen, versteh ich nicht.

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Alex1605 · 13. November 2020 um 17:32

Danke für die Rezension. In Teilen treffend.
Für mich eine der besseren Folgen, bis auf das grundsätzliche Manko dieses „Frauen-Treks“: Die „Frauen in Uniform“ überzeigen nicht als Sternflottenoffiziere und wo sind denn die Männer geblieben bei STD???
Die Folge hat es verstanden, eine gewohnte Star Trek Umgebung zu schaffen. Einführung mit LogBuch, Gespräch Captain mit Nummer 1. Der Vergleich Picard/ Riker ist natürlich vollkommen daneben. Saru ist nicht schlecht, wird aber von Burnham „nach hinten“ gedrängt, weil sie ja (leider) die Hauptrolle hat. Burnham fast respektlos, vorlaut und die Autorität des Captains untergrabend.
Zwei Handlungsstränge, wie wir es gewohnt sind. Eine Problemstellung eines Aussenteams und die Besatzung arbeitet, mehr recht als schlecht, im Team. Eine eher in sich geschlossene Handlung mit positivem Ausgang. Ob eher besser oder schlechter aber okay. Selbst Burnham (oh Gott) als Captain auf der Brücke war ausnahmsweise mal überzeugend.
Der Oberbefehlshaber (ein Mann??) überzeugend, so sind Sternenflottenoffiziere. Klares Prozedere. Natürlich eine Frau dahinter, die dann auf die Disco wechselt,, klar..
Und der Doktor der Disco, gewohnt cool, der gefällt mir inzwischen.
Wie immer überflüssig die Handlung um Georgiou. Blinzeln, was soll das?? Überzogen geschauspielert, was soll diese Rolle??? Seh ich wie Piero.
Natürlich Herz-Schmerz mit Umarmung und Tränchen….Zum Schluss noch ein Gespräch Saru/ Burnham wo er sie „ein bisschen“ maßregelt. Na ja abgesehen vom Verhalten stimmig für die Star Trek Umgebung.
Ein Fan wird ich aber nicht mehr von diesem „Frauen-Tek“.
Aber insgesamt ein gute Folge gemessen an eher „heimeligen“ Star-Trek Momenten.
Also 4 von 5

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    TrekZone Network · 13. November 2020 um 23:19

    Hi Alex,
    danke für deinen ausführlichen Kommentar.

    Weil ich es zum wiederholten Mal lese, habe ich eine Nachfrage zu einer mir seltsamen Begrifflichkeit: Was soll ein “Frauen-Trek” sein und warum wäre er zu thematisieren/kritisieren?

    TOS, TNG und Enterprise sind mir in Kommentarspalten noch nie als “Männer-Treks” untergekommen, obwohl sie beim Bechdel-Test teilweise dramatisch patzen. D.h. es gibt in der Mehrzahl der Episoden nicht einmal eine einzige Szene, in der sich zwei namentlich bekannte Frauen (über etwas anderes als einen Mann) unterhalten. D.h. diese Serien haben Probleme auch nur ein Minimum an Gleichberechtigung bei Screentime und Drehbuchrelevanz vorzuweisen. Dagegen fällt mir ehrlicherweise in dieser Episode keine wichtige Szene ohne männlichem Darsteller ein. Sternenflottenkommando: Admiral Vance; Verhöre: Mr. X (Cronenberg); Außenteam: Dr. Culber & Dr. Attis; Forschungslabor: Stamets; Zwischendrin immer wieder Captain Saru.

    “Discoverys” Figurenkonstellation macht es möglich, wenn nicht gar wahrscheinlich, dass wir eines nicht allzu fernen Tages zufällig oder by design eine Folge sehen werden, in der tatsächlich kein weißer heterosexueller Mann zu Wort kommt. Für mich zwangsläufige Konsequenz von IDIC.

    Wenn’s hier ein Problem gibt, verstehe ich es nicht.

    Weiterhin viel Spaß im TrekZone Network,
    Christopher

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      Alex1605 · 13. November 2020 um 23:46

      Hallo Christopher.
      Zuerst einmal es gibt kein „Problem“. Es gibt nur eine „künstliche“ Überrepräsentanz von Frauen und deren Rollen auf der Disco.
      Es geht mir nicht darum, wer mit wem spricht, das ist ja der wesentliche Inhalt des Bechtel Tests. Da geht es ja eher um sterotype Frauenrollen.
      Aber gerade was das anbelangt war Star Trek immer vorne weg. Die erste „Coloured“, die erste Frau als Cap. usw. Es waren immer gute Rollen da, weg vom Stereotyp.
      Das trifft aber jetzt nicht mehr auf STD zu. Gutes Beispiel ist die Brücke. Da machen die Mädels doch in dieser Folge ein Kaffekränzchen auf und Tilly: „Das ist ein fliegender Regenwald“, die zwei „Staffagenmänner“ sagen nichts und lächeln nur. Oder die Brückencrew beim Flug um Saatschiff. Tasche Saru gegen den (weiblichen) Vertreter der Sternenflotte.
      Es geht mir darum, dass man sich solchen Serien, unabhängig vom Geschlecht, wiederfinden kann. Das hat nichts mit Gesprächen unter den Geschlechtern tun.
      Ob es The Expanse, Agents of Shield oder andere Serien, es gibt gute, starke (Haupt-) Rollen für Frauen und Männer, in denen man sich wiederfinden kann. Das gilt nicht für diese Staffel von STD.
      Und das eben in einem Umfeld, das eher männlich geprägt ist und immer sein wird.
      Für mich ist das kein Problem. STD ist eben ein Trek für Frauen und Diversiät der Geschlechter und der Durchschnitts-Mann fällt hinten runter. Das wird einem schon klar, wenn man dieses Bild mit der Flagge sieht und welche Personen darauf abgebildet sind.
      Wie gesagt, ich habe nichts gegen Diversität aber weniger wäre hier eben mehr.

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      MrAnderson · 14. November 2020 um 15:29

      Ich glaube ich verstehe das Problem. Minderheiten beschweren sich über fehlende Repräsentation in Filmen und Serien. Man passt also an, was ja auch kein Problem ist. In Staffel 1 und 2 habe ich die Bezeichnung Frauen-Trek nur sehr selten gelesen. Erst seit Staffel 3 wurde es deutlich mehr. Woran kann es liegen? Vielleicht daran, dass man bei aller Diversität vergessen hat wenigstens einen Hetero-Mann, egal welche Hautfarbe, im Hauptcast zu belassen? In Staffel 1 gab es noch Lorca und Tyler. In Staffel 2 Pike und Tyler. Ich mag die Serie und ich habe sicher kein Problem mit dem Frauenüberschuss, aber eine einzige Person im Hauptcast mit dem ich mich identifizieren kann wäre schon gut. Vielleicht bin ich deshalb auf Booker auch sofort positiv angesprungen. Keine Ahnung. Saru zählt übrigens nicht. Ich bin kein Kelpianer.

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        Alex1605 · 14. November 2020 um 16:55

        @ MrAnderson:
        Genau erfasst. Auch ich habe kein Problem mit “Frauenüberschuss” oder Diversität. Aber die Identifikation fehlt. Warum haben Pike und Spock wohl so einen Hype ausgelöst?
        Was noch dazu kommt ist, dass die meisten Frauen bei STD keine authentischen Sternenflottenoffizier spielen. Sie sind eben “Frauen in Uniform”. Da wird mal wieder ein Tränchen oder Tränen rausgedrückt, emotional und gefühlvoll “geschmachtet”, Tillly redet wieder irgendeinen Unsinn bzw. versteckt sich unter dem Tisch usw.. Dadurch entstehen sonderbar soapähnliche Stimmungen und Bilder, die ich auf einem Raumschiff mit Offizieren und Soldaten sicherlich nicht erwarte.
        Drei weibliche Hauptfiguren von STD: Giorgiou, Tilly und Burnham mal vergleichen mit Guinan (oder Tasha), Troi und Dr. Crusher von TNG oder Cpt. Janeway, Seven und Belana von VOY. Was ein Unterschied!

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Alex Foster · 13. November 2020 um 18:00

Meine Beurteilung der Episode ist leider 180 Grad konträr zur Rezension.
Ich fad sie sogar einen absoluten Tiefpunkt bisher in dieser Staffel.

1.) Wie die Rezension schon richtig erwähnt, schaffen die Autoren und auch das Production Design nicht, ein glaubhaftes 32. Jahrhundert zu schaffen. Die Darstellung der Sternenflotte ist absolut unglaubwürdig. Einerseits will man uns demonstrativ von der Modernität des 32. Jarhhundersts beeindrucken, was in einer ziemlich schlechten Ankunftssequenz, wo alle über die anderen Sternenflottenraumschiffe ausflippen, sichtbar wird. Kein einziges Schiff sieht interessant aus und wirkt entwickelter als die Discovery. Der 900 Jahre Technologieunterschied ist sowas von nicht sichtbar und spürbar. Die Referenz an die Voyager ist sogar ein Logikfehler. Warum sollte der Crew gerade die Voyager J ins Auge stechen? Die Fanreferenz funktioniert leider überhaupt nicht.
2.) Die Reaktionen der Figuren sind allesamt unlogisch. Burnham offenbart, wie schon in der Pilotfolge, eine unterdrückte kriminelle Ader. Warum vertraut Saru ihr eigentlich? Ist Burnham überhaupt als Führungsperson tauglich?
3.) Auch die Sternenflotte des 32. Jahrhunderts agiert ziemlich aus dem Rahmen fallend. Es ist einfach nicht glaubhaft, dass man trotz “The Burn” keine Technologie für Interstellarreisen hat. Wie kann dann diese “Sternenflotte” überhaupt operieren? Bei dem Fortschritt möchte man meinen, dass man in 120 Jahren – so lange ist nämlich The Burn her – eine alternative Technik gefunden hat. Schließlich gab es ja zuvor in den Serien schon Alternativen zu sehen.
4.) Cronenburg spielt eine interessante Figur, aber die Szene mit Georgiou fand ich eher zum Blinzeln, ähm, zum Schmunzeln. Der Dialog hat Lost-Momente. Man Impliziert großartige Mysterien und weiß eh nicht, wie man sie am Ende auflösen soll.
5.) Die Handlung um das Saatgutschiff ist sowieso auch komplett unlogisch. Wie kann Burnham von dem Saatgutschiff wissen? Und warum sollte man so ein kleines Schiff irgendwo in der Galaxie herumfliegen lassen? Wohl nicht das sicherste Konzept oder?
6.) überhaupt ergießt sich die Episode in pathetischer Inszenierung, die irgendwie einfach deplatziert wirkt.

In Summe offenbart die Episode, wie wenig die Autoren Star Trek tatsächlich kennen. Bei Discovery ist weder irgendwas neu, noch innovativ und nichts passt irgendwas zusammen. Die Serie hat keine Richtung, keine Prämisse und auch kein Flair. Die Autoren schaffen das Außergewöhnliche, sogar 900 Jahre in der Zukunft Canon Plot-Holes am Faden zu generieren. Warum man zuerst 10 Jahre vor Kirk angesetzt hat und jetzt 900 Jahre in die Zukunft springt und weder dort noch da eine glaubhafte Atmosphäre erzeugt, ist mir schleierhaft. Wo will man mit der Serie überhaupt hin?

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    Torim2010 · 14. November 2020 um 7:38

    Wo will man mit der Serie hin? Will man überhaupt irgendwohin? Ich bezweifle das es hier einen Plan gibt. Ich behaupte man hangelt sich von Staffel zu Staffel.
    Ansonsten sehr schön geschrieben.

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    MrAnderson · 14. November 2020 um 15:19

    Die Voyager J ist ihnen nicht wegen “Voyager” ins Auge gesprungen, sondern wegen dem “J”. Sie kommen aus einer Zeit aus den Anfangszeiten der Sternenflotte. Zu der Zeit gibt es wohl noch kein Schiff, dessen Name an eine neue Generation weitergegeben wurde. Irgendwer sagt ja auch, das müsste dann die elfte Generation sein. Zudem scheint es mir, als werde nur Schiffen, deren Crews besonderes geleistet haben diese Ehre zuteil. Wenn das so ist, stünden sie hier also vor dem Ur-UrUr-usw-Ur-Enkel eines echten Heldenschiffs.

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Alex Foster · 13. November 2020 um 18:11

Unfortunately, my assessment of the episode is 180 degrees contrary to the review.
I even fade it to an all-time low so far this season.

1.) the authors and also the production design fail to create a credible 32nd century. The portrayal of Starfleet is absolutely unbelievable. On the one hand, they want to impressively demonstrate the modernity of the 32nd century, which becomes visible in a rather bad arrival sequence, where everyone is freaking out about the other Starfleet spaceships. Not a single ship looks interesting or more sophisticated than the Discovery. The 900 year difference in technology is so invisible and not noticeable. The reference to the Voyager is even a logic error. Why should the crew catch the eye of the Voyager J? Unfortunately, the fan reference doesn’t work at all.
2.) The reactions of the characters are all illogical. Burnham reveals, as in the pilot, a suppressed criminal vein. Why does Saru trust her anyway? Is Burnham even suitable as a leader?
3.) Starfleet of the 32nd century is also acting pretty out of the ordinary. It’s just not believable that despite “The Burn” there is no technology for interstellar travel. How can this “Starfleet” operate at all? With the progress you would think that in 120 years – that is how long ago The Burn is – an alternative technique would have been found. After all, there were alternatives to be seen in the series before.
4.) Cronenburg plays an interesting character, but I found the scene with Georgiou more to blink. The dialogue has a Lost moment. The Authors implicate great mysteries and don’t know how to resolve them in the end anyway.
5.) The plot about the seed ship is completely illogical anyway. How did Burnham know about the seed ship? And why should such a small ship fly around somewhere in the galaxy? Probably not the safest concept, right?
6.) In general, the episode is poured out in a pathetic staging that somehow just seems out of place.

All in all, the episode reveals how little the writers actually know about Star Trek. At Discovery nothing is new or innovative and nothing fits together. The series has no direction, no premise and no flair. The authors manage the extraordinary, even 900 years in the future, to generate Canon plot holes on a line. Why the show first started 10 years before Kirk and now jumps 900 years into the future and create a credible atmosphere neither there nor there is a mystery to me. Where the showrunners want to go with the series?

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Florian · 13. November 2020 um 22:19

Nur eine kurze Frage:
Im Text steht, die Voyager sei erst das zweite Schiff, dass die Ehre erhalte, mit einem Buchstabensuffix ausgezeichnet zu werden.
Wird nicht auch neben der Enterprise auch der Defiant in der DS9-Episode: „In den Wirren des Krieges“ diese Ehre zuteil?

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    MrAnderson · 14. November 2020 um 15:12

    Nein. Das dachte ich auch, darum habe ich mich schon darüber informiert. Die Defiant war der Prototyp der Schiffsklasse und trug somit die Registrierung NX-74205. Die USS Sao Paulo wurde in Defiant umbenannt und hatte von da an die Registrierung NCC-74205.

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Captain.K · 13. November 2020 um 23:03

Ich will gänzlich nicht spoilern aber ich habe da eine Theorie und bin gespannt ob sie Eintrifft.

Ich finde das diese Folge sehr viel Herz besitzt und der Fanservice super funktioniert. Ich bin Ende 30 und liebe alle alten Serien. Doch Fakt ist wir leben in einer gänzlich anderen Zeit und es wird Zeit auch jüngere für Star Trek zubegeistern.

Lange musste ich warm werden seis mit Star Trek Picard oder Discovery. Aber mit dem guten alten im Herzen kann ich dem neuen viel Liebes abgewinnen und bin dankbar dafür.

Ergo freut euch das es Star Trek noch gibt und weniger anti sein, mehr Offenheit und Toleranz bitte.

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Tomalak · 14. November 2020 um 0:28

Kann es sein das es hier “Männer” (Hüstel…) gibt die mit “Frauen” nicht klarkommen und des Weiteren auch noch welche “Befehlsstrukturen” bevorzugen?

Staffel 3 überzeugt mich bisher über alle Maßen.

Ich wuchs mit TOS auf, war sowas von skeptisch als ich die ersten Folgen TNG im ZDF sah… heute, wie damals… fand ich meinen Zugang (zum jeweiligen “NewTREK” [mit DS9 stand ich 4 Staffeln auf Kriegsfuß] und im Nachhinein fand ich jede einzelne Serie genial.
Bei Disco gelingt mir das seit Staffel 2 bei jeder Folge schneller.

Lasst Eurer Fantasie mehr Lauf, lehnt Euch zurück, genießt die Show als wärd ihr zum ersten Mal im STUniverse und lasst Eurer inneres Kind raus…

Bis nächsten Freitag,

Tomalak

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Torim2010 · 14. November 2020 um 7:27

Während der Sternenflotten-Plot gut, teilweise brillant konstruiert ist.
Den Humor verstehe ich nicht. Was genau ist hier brillant konstruiert?
Die komplette Rezension kann ich nicht mal im Ansatz nachvollziehen. Ich hab die Rezension von Zukunftia gelesen und gedacht das ist bestimmt etwas übertrieben. Dann hab ich da mal rein geschaut und fest gestellt das es noch schlimmer ist.
Ich hab ne Brille auf weil ich dann Intelligenter wirke.
Ich blinzle jetzt ganz schnell dann stürzt dein Programm ab.
Man merkt das Kurzi und Co keine Ahnung von nix haben.
In einer Organisation ist eine gewisse Fluktuation der Mannschaft nichts ungewöhnliches.
In Disco würde jede Versetzung in einem Trauma enden.
Das die Crew auch ständig das Universum retten muss ist einfach nur noch Lächerlich.

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