Mit Episode 5 macht “Discovery” wieder einen kleinen Sprung nach vorne. Wir sehen uns an, was drinsteckt. Aber wie immer gilt: Achtung: Spoiler!

Zurück zur Föderation

Das Ende der letzten Folge hatte es schon angedeutet: Diesmal geht es zu den Überresten der Föderation. Die haben sich in einem Verzerrungsfeld versteckt aber die Discovery ist ja angekündigt. Hier hat Adira scheinbar wieder im Off einen Ruf losgelassen, wobei auch hier gilt: Das hätte ich gerne gesehen oder zumindest in einem Nebensatz gewürdigt gewusst. Zum Glück sind die sprunghaften Entwicklungen aber noch nicht ganz so stark wie in den ersten beiden Staffeln.

Und kaum ist man bei der Föderation angekommen gibt es auch gleich wieder die nächsten Raumschiffe zu bestaunen. Wie die “drei schwebende Warpgondeln“ aber als Modell umsetzen werden sollen, ist sicher eine Frage für sich. Als kleinen Fanservice gibt es hier nicht nur die U.S.S. Nog, sondern auch die Voyager-J zu sehen. Klar, der Discovery-Crew sagt das wenig. Das ist wirklich nur was für die Fans, als kleines Easter Egg kann man aber sicher mit leben.

Die Discovery fliegt an der U.S.S. Voyager NCC-74656-J vorbei (Szenenbild: ViacomCBS).

Admiral Vance ist der derzeitige Oberkommandierende und wird von Oded Fehr gespielt (von dem bin ich ja schon seit “Die Mumie” Fan). Er macht einen guten Job und gibt auch gleich die Gangart vor. Die Discovery hat nämlich keine Forderungen zu stellen, sondern muss erstmal Untersuchungen über sich ergehen lassen. Hier ist zumindest etwas Kontinuität vorhanden, denn sämtliche Unterlagen über das Schiff wurden ja vernichtet bzw. als geheim eingestuft. Es könnte also alles ein Riesenschwindel sein. Die Discovery muss sich also erstmal beweisen.

Burnham wird’s schon richten

Und da sind wir auch schon beim ersten Schwachpunkt der Episode angelangt. Denn als die Kili-Aliens krank darniederliegen und Burnham fragt, was denn da Sache ist, war zumindest mir schon klar: Burnham wird’s am Ende wieder richten. Und ja, so kommt es dann natürlich auch. Das Ganze ist diesmal zwar etwas besser in den Gesamtkontext eingebaut und Burnham wirkt nicht so übermächtig; spätestens hier wird aber auch dem letzten Auffallen, dass diese Überstilisierung der Figur vielleicht doch etwas zu viel ist.

Immerhin gibt es zunächst mal ein paar Rüffel zu kassieren. Nicht nur Vance fährt Burnham über den Mund, sondern auch Saru macht ihr klar, dass man nicht mit einem Diebstahl beginnen wird und Burnham es eigentlich besser wissen sollte! Recht so und endlich eine logische Weiterentwicklung. Dass Burnham dann einfach Villa um Hilfe fragt, ist ebenso positiv anzurechnen. Hier dachte ich wirklich, sie macht es wieder auf eigene Faust. So geht Vertrauen aufbauen und zum Glück hat man dran gedacht und nicht wieder eine ad hoc-Lösung gesucht.

Burnham hat die Brücke in "Die Tying" (Szenenbild: ViacomCBS)

Burnham hat die Brücke in “Die Trying” und macht sogar eine gute Figur (Szenenbild: ViacomCBS)

Wobei man natürlich sagen muss, dass manches dann schon wieder etwas fragwürdig ist. Dass die Discovery auf diese Mission geschickt wird, mag ja noch einleuchten, auch wenn man sie erst noch auseinanderreißen wollte. Dass sie dann später das neue Fanal der Hoffnung für die Föderation wird, ist dann schon schwerer zu schlucken. In 120 Jahren hat niemand herausgefunden, was es mit dem Brand auf sich hat? Und alternative Weltraumreisen (Wurmlöcher, Slipstream) gibt es auch nicht? Und dann ist es die Discovery mit ihrem Wissen aus dem 23.Jahrhundert, die auf der Mission natürlich allen zeigt, was sie so draufhat. Selbst Villa muss da etwas schauen. Und ja, die Szenen zwischen Reno, Stamets und Tilly sind witzig anzusehen. Trotzdem hätte die Föderation das Problem auch selber lösen können.

Allerdings ist diese Kritik an der Stelle auch nicht ganz fair. Denn auch die Enterprise hat ja immer die Erde gerettet und auch dort könnte man fragen, warum es immer die Enterprise ist, die das Universum retten muss. Die Antwort ist natürlich, weil wir als Zuschauer eben den Abenteuern dieses Schiffes folgen. So auch hier und damit muss man an der Stelle eben klarkommen.

Weitere Zukunftsaussichten

Gleiches gilt auch für die Technologie der Zukunft. Hier bekommen wir etwa einen sich selbst entfaltenden Boden präsentiert, was optisch durchaus gut aussieht. Im Gegensatz zu meinen Kollegen bin ich von programmierbarer Materie durchaus angetan. Ein Auto oder Haus, das man immer in der Hosentasche mit sich führt, finde ich durchaus praktisch. Aber gut, ich kenne ja auch die Bücher, in denen das Prinzip schon länger bekannt ist. Ob man nach fünf Folgen sich nun immer noch über den Technologie-Unterschied (bzw. die kaum vorhandene Weiterentwicklung) aufregen muss, sei mal dahingestellt. Wie gesagt, “Dune” spielt über 10.000 Jahre in der Zukunft und dort gibt es auch noch Tasten. Also kann man sich jetzt jede Folge neu aufregen oder es einfach mal gut sein lassen und schauen, wohin der Weg noch geht.

Georgiou und ihr namenloser Gesprächspartner in "Die Tying" (Szenenbild: ViacomCBS)

Die Verhörszenen machen durchaus Spaß (Quelle: Netflix)

Denn die Discovery bekommt (wenn auch noch nicht in dieser Folge) endlich ihr 32. Jahrhundert-Upgrade. Das wird zwar vermutlich auch in der nächsten Folge nicht gezeigt werden, muss es für mich aber auch nicht, da es sicher eher langweilig wäre. Auch hier würde mir eine Erwähnung reichen. Nicht weiter erwähnt wird zum Glück auch Gray. Nachdem der am Ende der letzten Folge nochmal aufgetaucht war, habe ich schon das Schlimmste befürchtet. Hoffentlich bleibt es dabei. Was hingegen positiv ist, ist Detmers Probleme. Diese gehen weiter und selbst Vance muss erwähnen, dass die Frau psychische Probleme hat. So löblich es an der Stelle ist, dass die Crew hinter Detmer steht, muss man sich auch fragen, ob es verantwortungsvoll ist, sie im Dienst zu lassen. Und ich komme auch nicht umhin, mich zu fragen, woher ihre offensichtlichen Ängste, etwas nicht zu packen, kommen. Ja, sie ist bei der Landung über die Konsole geflogen, wurde dann aber dienstfähig geschrieben. Sie kann also keinen körperlichen Schaden davongetragen haben. Und sorry, aber früher sind die Offiziere auch schonmal von ihrer Konsole geflogen, allein deswegen nach dem 50. Mal einen Knatsch zu haben, erscheint mir nicht logisch. Aber schauen wir mal, wohin uns dieser Handlungsstrang noch mitnimmt.

Als kleines Highlight der Folge ist zweifellos das Holo-Verhör zu nennen, denn hier zeigt sich die Crew, obwohl ehrlich, auch etwas komödiantisch. Selbst Reno bekommt ihre Snacks und die Szenen stimmen einfach von vorne bis hinten. Sogar Georgiou darf in einem Wortduell mit Kovich zeigen, was sie so drauf hat. Das ist gut gespielt und klärt an dieser Stelle essentielle Kanon-Fragen, nämlich warum Leute im 32. Jahrhundert immer noch Brillen tragen. Dass Georgiou aber die Hologramme mit der Blinzel-Attacke überrumpeln kann bzw. diese Schwachstelle nicht ausgemerzt wurde, ist da schon schwerer zu glauben, zumal es Hologramme in der Konstellation erst ab dem 24. Jahrhundert gibt, sie das also gar nicht wissen kann. Immerhin bringt der gute Kerl sie zum Nachdenken. Sachen, wie der Untergang ihres Imperiums, scheinen sie dann doch zu treffen. Und entweder hat man ihr am Ende eine Gehirnwäsche verpasst oder sie steht vor dem Wandel zu einem guten Charakter. Mal sehen, was die Zukunft hier noch bringt.

Zum Brand selbst erfährt man nichts wesentlich Neues. Aber scheinbar steht ein altes Kinderlied damit in Verbindung. Auch hier muss man sehen, wohin die Reise geht. Es bleibt in jedem Fall auch nach dem Finden der Föderation interessant. Übrigens sind von dieser noch 38 Mitgliedswelten übrig (von 350), wobei es ja fast schon irgendwie witzig wäre, wenn man die am Ende alle wiederfindet und die doch noch in der Föderation sind. Fehlender Kontaktmöglichkeit sei Dank. Übrigens gibt es bislang noch keine Spuren von berühmten Völkern wie Klingonen oder Romulanern. Absicht? Auch das wird spannend sein in Zukunft zu sehen (ich sehe schon die Shitstorms ob ausgelöschter Klingonen vor mir).

Abschied von Nhan

Zu guter Letzt müssen wir uns noch die Mission zur Rettung der Kili anschauen. Hier muss Saatgut vom Saattresor der Föderation geholt werden. Bereits mit Memory Alpha gab es im 23. Jahrhundert ja einen zentralen Wissensspeicher. Hier quasi ein Pflanzenbackup zu haben, ist also unter der Perspektive sinnvoll, auch wenn die Tikhov so ganz allein unterwegs ist, was dann wieder fragwürdig ist. Auch dass das Schiff es so schwer hat, aus eigener Kraft aus dem Sturm zu kommen, ist weniger glaubwürdig. Muss da echt die Discovery mit ihrer 900 Jahre alten Technologie kommen, um das zu bewerkstelligen? Aber gut, darüber kann man ja noch hinwegsehen.

Kann weg? Nhan (Quelle: Netflix)

Dafür wird man auf der Außenmission endlich mal Culber und Nhan in Aktion erleben. Beide Darsteller gehen hier richtig auf und genießen sichtlich die größere Rolle. Vor allem Wilson Cruz hat ja in den letzten Folgen mehr Anteile an der Handlung gehabt, aber auch Rachael Ancheril zeigt hier, was sie so drauf hat. Umso unverständlicher ist daher die Entscheidung am Ende, Nhan aus der Crew zu nehmen. Doch dazu kommen wir gleich. Was dabei ebenfalls auffällt: Irre ich mich oder hat Culber eine neue Synchronstimme? Kommt mir zumindest so vor. Wenigstens werden sich die Darsteller freuen, dass Raumanzüge in der Zukunft nun quasi virtuell sind – nie wieder in die klaustrophobischen Dinger.

Da die Crew der Tikhov aus Barzanern besteht, bekommt man hier weitere Einblicke in diese Kultur. Der Handlungsstrang mag insgesamt jetzt nicht überragend sein, hat aber durchaus seine Momente. Allerdings ist es schon etwas fragwürdig, wieso die Discovery mit ihrem 23. Jahrhundert-Wissen so schnell die Lösung der Phasenverschiebung eruieren kann. Vor allem wenn man sich “TOS” und “TNG” ansieht, die ja genau genommen erste Erfahrungen mit dieser Sache gemacht haben. Aber ein Scheitern der Mission wäre auch nicht zweckdienlich gewesen (wenn auch eine durchaus denkwürdige Überraschung).

An der Stelle muss man immerhin auch lobend erwähnen, dass Burnham auch als Captain eine gute Figur macht. Ob allerdings ein Sprung direkt aus dem Verzerrungsfeld heraus so sinnig ist bzw. sicher, sei an der Stelle mal dahingestellt. Die Bedrohung ist diesmal auch kein Monster, sondern ein verzweifelter Doktor, den man dann aber schnell überzeugen kann, das Richtige zu tun. Das geht auch “Star Trek”-seitig in Ordnung. Hier kann man aber die Frage stellen, warum es ausgerechnet Burnham ist, die ihm wieder gut zureden muss, und Nhan das nicht auch gekonnt hätte?

Am Ende bleibt Nhan, wie erwähnt, auf der Tikhov zurück – und die große Frage nach dem Warum bleibt bestehen. Warum hat man die Darstellerin nach der zweiten Staffel in den Hauptcast befördert (sie taucht sogar in den Credits auf!), nur um sie nach fünf Folgen wieder rauszuwerfen? Lief hier etwas hinter den Kulissen, von dem wir nichts mitbekommen haben? Selbst In-Universe ist die Begründung fragwürdig. Das einzige, was man hier gelten lassen kann ist, dass sie wieder näher bei ihrem Volk sein will. Die andere Hälfte der Erklärung – nach allem, was sie mit Airiam durchgemacht hat – kann ich so nicht stehen lassen. Die zwei waren wohl keine Freunde, Nhan hat sie sogar misstrauisch beobachtet und dann wurde die Gute ja eh schon wieder abserviert. Wieder eine aus dem Hut gezauberte Erklärung, die man als Zuschauer nie gesehen hat? Das muss inzwischen besser gehen! Wenigstens hat man bei der Synchro aufgepasst und wechselt bei der Cryham-Szene ins “Du”.

Am Ende darf man dann gespannt sein, auf welche neuen Missionen die Discovery geschickt werden wird.

Fazit

Ein paar Mankos trüben die Folge zwar etwas, insgesamt geht es nach dem Knick der Vorwoche aber wieder aufwärts. Vor allem bleibt es spannend, wohin die weitere Entwicklung von Crew und Serie gehen wird.

Bewertung

Handlung der Einzelepisode 4.5 out of 6 stars (4,5 / 6)
Stringenz des staffel- und serienübergreifenden Handlungsstrangs 4 out of 6 stars (4 / 6)
Stringenz des bekannten Kanons 4.5 out of 6 stars (4,5 / 6)
Charakterentwicklung 5 out of 6 stars (5 / 6)
Spannung 4 out of 6 stars (4 / 6)
Action & Effekte 4 out of 6 stars (4 / 6)
Humor 3 out of 6 stars (3 / 6)
Gesamt 4.5 out of 6 stars (4,5 / 6)

Episoden-Infos

Episodennummer 34 (Staffel 3, Episode 5)
Originaltitel Die Trying
Deutscher Titel Die Bewährungsprobe
Erstausstrahlung USA Donnerstag, 12. November 2020
Erstausstrahlung Deutschland Freitag, 13. Oktober 2020
Drehbuch James Duff, Sean Cochrane
Regie Maja Vrvillo
Laufzeit 55 Minuten

Trekbaromter 3×05 “Die Bewährungsprobe”

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Thomas Götz

Seitdem er 1985 zum Ersten Mal Episode IV sah und ausrief "Aber das heisst doch, Vader ist Lukes Vater" ist Tom der Science Fiction verfallen. Star Trek Fan wurde er, wie viele seiner Kollegen, 1990 mit "The Next Generation" in Deutschland. Seine ersten Buchrezensionen zu Star Trek Büchern erschienen schon 1995 im Alter von 16 Jahren im Star Trek Fanclub. Seit 2006 schreibt er auch Online Rezensionen (ab 2009 Trekzone-Exklusiv) und hat kürzlich seine 2000.Rezension veröffentlicht.

4 Kommentare

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Captain.K · 14. November 2020 um 17:32

Ich komme nicht umhin zuerwähnen das sich immer noch ziemliche parallelen finden lassen zu Andromeda.

Ferner sind all die Offiziere etwas befremdlich, ich glaube die Autoren haben sich da etwas beeindruckendes einfallen lassen ich bin gespannt und habe da schon eine krasse Vermutung.

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Detlef Gerschke · 14. November 2020 um 17:38

An Thomas Götz: Nein, der Synchronsprecher von Culber wurde nicht gewechselt. Es ist immer noch Benjamin Stöwe

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Kira · 15. November 2020 um 2:52

Kann mir mal bitte jemand dieses Saatschiff erklären? Für mich sieht es im Traktorstrahl wie ein kleines Shuttle aus, wirkt innen aber größer (als außen)? Tardis? Oder Holoschiff?

Geht es nur mir so, daß der TV-Bildschirm so derart überladen ist, daß ich kein Sternenflottenschiff richtig erkennen kann? Und das bei 55 Zoll. Weniger wäre mir lieber.

Ansonsten hat mir die Folge recht gut gefallen.

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Torim2010 · 15. November 2020 um 22:48

Ich habe einfach das Gefühl das viele krampfhaft versuchen irgendwas gutes in New Trek reinzuinterpretieren. Ich halte das für Selbsttäuschung. Ich verstehe auch nicht das niemand der New Trek für toll hält das mit Argumenten untermauern kann. Eine gute Story irgendeine. Es würde meine Meinung über New Trek nicht komplett ändern aber ich würde zumindest zugeben das sie zu guten Star Trek in der Lage sind.

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