Darf die Crew der Discovery endlich einen Erfolg bei der Suche nach der Föderation verbuchen? Ob und was sie findet, könnt ihr hier nachlesen.

Achtung, diese Rezension enthält Spoiler!

Inhalt

Endlich, endlich hat die Crew der Discovery die Koordinaten der Sternflotte anno 3189 von Senna Tal in Erfahrung gebracht und sich kurzerhand vor Ort eingefunden. Der erste Blick auf das potentielle neue Zuhause fällt indes recht unergiebig aus. Eine Verschleierung tarnt die Station, was wiederum Rückschlüsse auf das Miteinander im neuen Zeitalter zulässt. Überhaupt scheint Vorsicht das Gebot der Stunde zu sein. Darauf komme ich später noch zurück.

Der erste Blick der Discovery-Crew auf das Sternenflottenhauptquartier (Quelle: Netflix)

Was sich den erstaunten Crewmitgliedern offenbart, ist unter anderem die Tatsache, dass die Verschleierung von sämtlichen Raumschiffen, die rund um die Station angedockt sind, kollektiv erzeugt wird. Neutroniumenergie zu nutzen war bislang Utopie, hier ist sie zu sehen. Organische Schiffshüllen – das erschien mir persönlich angesichts der Borg-Technologie jedoch nicht neu. Viele “Ahs” gab es seitens der Crew für die neue Constitution Class mit Platz für 2000 Besatzungsmitglieder. Freischwebende Gondeln, die schnell die Frage aufwarfen, wo sich denn der Warpkern befände. Und dann schwebte die Discovery auf die “Voyager J-Klasse” zu, 11. Generation. Die Crew bekam noch länger die Möglichkeit, all die Neuerungen zu bewundern, doch Captain Saru, Commander Burnham sowie Adira (Senna Tal) werden auf die Station gebeamt, die sich als leuchtende Erscheinung im Zentrum der – ich nenne es mal Raumschiffhemisphäre – befindet. Ein absolutes Novum ist, dass erstmals Föderation und Sternenflotte unter einem Dach sind. 

Dort wird das Trio bereits von Charles Vance (Oded Fehr), dem Sternenflottenadmiral erwartet. Ihm zur Seite steht seine Sicherheitsoffizierin Lt. Willa (Vanessa Jackson). Vance nimmt die Nachricht der eingetroffenen Zeitreisenden erst einmal mit Skepsis zur Kenntnis. Burnham prescht gleich wieder vor und bietet ihre Hilfe an – natürlich, ohne sich zuvor mit dem Captain Saru abzustimmen. Vance lehnt Burnhams Hilfe ab und weist sie in die Schranken. Zumindest kommt später im Gespräch der Grund zum Tragen, warum das Erscheinen der Crew die Sternenflotte in die Bredouille bringt. Es gibt ein temporales Abkommen, das die Föderation zu schützen geschworen hat. Dieses beinhaltet die Klausel, dass Zeitreisen verboten sind, dass die Anwesenheit der Discovery Crew ergo ein Straftatbestand sei. 

Admiral Charles Vance (Quelle: Netflix)

Der Admiral beschlagnahmt kurzerhand die Discovery und teilt die Crew nach ihrer Funktion auf. Zuvor werden alle einer Befragung unterzogen. Zwar fragt Burnham den Admiral nach dem Brand, erhält jedoch keine Antwort. Zu groß ist das Misstrauen der Sternenflotte, dass sich temporale Agenten in die Sternenflotte einschleusen wollen. 

Die Befragung ist mein persönliches Highlight der Folge. Denn jeder Charakter agiert nach seinen Eigenschaften. Als Zuschauer hatte ich das Gefühl, sie zu kennen, musste grinsen, weil sie eben nicht mit dem Strich gebürstet sind, sondern sich gegen die Verhör-Hologramme auflehnen. Georgiou schafft es, dank ihrer Unverfrorenheit, als Einzige letztlich einem Menschen gegenüberzusitzen. Und diesen Schlagabtausch, der sich daraufhin entspinnt, habe ich all die Folgen vorher vermisst. Endlich scheint sie einen Gegner gefunden zu haben, kein Opfer. Auch Reno darf übrigens punkten, sie verlangt nach Essen, das sie auch prompt bekommt  und gibt sich insgesamt kernig, wie wir sie kennen. 

Sie übersteht das Verhör, daran besteht kein Zweifel (Quelle: Netflix)

Soviel zum Hauptplot. Dann steigt ein Nebenplot, dessen Sinnhaftigkeit sich mir nicht so richtig erschließt. Es musste halt eine Bewährungsprobe her, damit die Discovery-Crew nicht im Sternenflottenknast verschimmelt, sondern weiterhin das All erkunden darf. Auf der Basis befinden sich Kili, die unter einer schweren Prionenerkrankung leiden. Erhalten sie keine Hilfe, sterben sie. Nach etlichem Nachfragen seitens Burnham erhält die Discovery die Erlaubnis, sich dieses Problems anzunehmen und zu einem Raumschiff zu fliegen, das Saaten zahlreicher Planeten an Bord hat. Dort gilt es, eine bestimmte Pflanzenart zu suchen und zur Basis zurückzubringen. Saru bietet an, als Faustpfand auf der Basis zu verbleiben und Burnham das Kommando über die Discovery für diesen Auftrag zu übergeben. 

Lange Rede, kurzer Sinn: Die Crew begibt sich zum Raumschiff. Dort stellen sie fest, dass eine Barzan-Familie auf dem Raumschiff die Saaten bewacht. Allerdings lebt nur noch einer, der Vater. Seine Frau und die beiden Töchter liegen in einem Kryobehälter ohne Lebenszeichen. Da der Vater es nicht wahrhaben will, verteidigt er das Raumschiff mit seinen Saaten. Ausgerechnet Burnham überredet den verzweifelten Vater, die Saaten für die Kili herauszurücken. Warum nicht Culber, der ebenfalls vor Ort ist? Und warum zur Hölle nicht Nhan, die doch die Beweggründe ihres Volkes am besten nachvollziehen kann? Eines gelingt Burnham jedoch nicht: Ihn zu überreden, auf die Discovery zu beamen und sich heilen zu lassen. Denn die Familie fiel einer Sonneneruption, Tilly nennt es “wenn die Sonne ein Bäuerchen macht”, zum Opfer und wurde durch die hohe Strahlenkonzentration krank. 

Hier kommt Nhan (Rachael Ancheril) ins Spiel, die leider immer nur die Antworten-Marionette für Burnham sein darf. Sie überzeugt Burnham davon, es gut sein zu lassen. Und dann kommt der Knaller: Nhan seilt sich ab! Sie möchte zu ihrem Volk. Plötzlicher Anfall von Heimweh. Man kann das nun unter “Traumatisierung durch den Zeitsprung” abtun, dennoch wirkt die Entscheidung an der Stelle stark konstruiert. Burnham darf wieder ein paar Tränchen verdrücken. Nhan ist raus, nachdem schon Airiam das Zeitliche gesegnet hatte. Schade, wirklich! Hier geht eine von den Guten. 

Hoffentlich kommt Nhan (Rachael Ancheril) irgendwann zurück (Quelle: Netflix)

Zum Abschluss werden die Kili geheilt und die Crew der Discovery ist in den Augen des Admirals rehabilitiert. Die Bewährungsprobe ist gelungen. Ich bin gespannt, wie es weitergeht. Einen kleinen Einblick liefert die Schlussszene, in der Burnham und Saru am Fenster stehen, ins All blicken und Burnham direkt einmal einen Anschiss ihres Captains kassieren muss. Zu Recht, da sie dem Admiral gegenüber eine ziemlich dicke Lippe riskiert. Heimisch fühlen sich beide auf der Station auch noch nicht, wie sie sich gegenüber einstehen. 

Dialoge und Plot

Die Dialoge waren größtenteils sinnhaft und zielführend. Ein paar schöne Momente lieferte, wie bereits erwähnt, die Befragung. Ferner gab das Trio Stamets, Reno und Tilly wieder einmal seine  Frotzeleien zum Besten. Hieraus stammt auch das Zitat von Tilly mit dem Sonnenbäuerchen. Nervdialoge waren leider wieder einmal Burnham mit Culber bzw. Nhan auf dem Saatenschiff. Zum Glück währten diese nur kurz und fallen nicht weiter ins Gewicht. 

Der Plot gliedert sich auch in dieser Folge wieder in einen Haupt- und einen Nebenplot. Der Hauptplot ist sehr gut umgesetzt, das Charakterspiel hervorragend. Beruhigend, dass die Sternenflotte ängstlicher, aber nichtsdestotrotz noch an Werten orientiert ist. So stimmt der Admiral ja letztlich zu, die Kili-Flüchtlinge nicht einfach sterben zu lassen, sondern über seinen Schatten zu springen und der Discovery eine Chance zu geben. Die Stringenz im Kanon ist ebenfalls gegeben. 

Umsetzung des Jahres 3189

Das Innere der Station spiegelt meiner Meinung nach nicht den immensen Zeitsprung wider. Es könnte genauso das Jahr 2258 sein. Optisch gibt es nur geringe Unterschiede. Auf der medizinischen Station, wo die Kili behandelt werden, wird holografisch gearbeitet. Die Wesen sind von einem Diagnoseschirm umgeben. Auch das Arzt-Hologramm, das zu Beginn das Trio: Saru, Burnham und Adira unter die Lupe nimmt, kommt nicht wirklich überzeugend rüber. 

Burnham, Saru und Adira im neuen Hauptquartier der Sternenflotte (Quelle: Netflix).

Möbel und Gegenstände aus amorphen Substanzen sind leider nicht genug, um die Zukunft zu verdeutlichen. 

Fazit

Ich fand diese Folge bisher die beste der dritten Staffel.

Bewertung

Handlung der Einzelepisode 4.5 out of 6 stars (4,5 / 6)
Stringenz des staffel- und serienübergreifenden Handlungsstrangs 4 out of 6 stars (4 / 6)
Stringenz des bekannten Kanons 5 out of 6 stars (5 / 6)
Charakterentwicklung 4.5 out of 6 stars (4,5 / 6)
Spannung 4.5 out of 6 stars (4,5 / 6)
Action & Effekte 4 out of 6 stars (4 / 6)
Humor 3.5 out of 6 stars (3,5 / 6)
Intellektueller Anspruch 3.5 out of 6 stars (3,5 / 6)
Gesamt          4 out of 6 stars (4 / 6)

Episoden-Infos

Episodennummer 34 (Staffel 3, Episode 5)
Originaltitel Die Trying
Deutscher Titel Die Bewährungsprobe
Erstausstrahlung USA Donnerstag, 12. November 2020
Erstausstrahlung Deutschland Freitag, 13. Oktober 2020
Drehbuch James Duff, Sean Cochrane
Regie David Cronenberg
Laufzeit 55 Minuten

Trekbaromter 3×05 “Die Bewährungsprobe”

Auch im Trekbaromter zu Episode 3×05 “Die Bewährungsprobe” ist eure Meinung wieder gefragt. Stimmt ab!


8 Kommentare

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Sam · 15. November 2020 um 11:13

Das Burnham-Bashing des Autors nervt mittlerweile nur noch. Es ist offensichtlich das die Figur es dem Autor überhaupt nicht mehr recht machen kann, egal was sie macht und nimmt den Spaß am lesen.
Das war die letzte Zweitrezension für mich !

    Matthias Suzan

    Matthias Suzan · 15. November 2020 um 11:26

    Hallo Sam, vielleicht hast du es nicht bemerkt, aber diese Zweitrezension stammt diesmal nicht von mir, sondern von Christiane. 😉 Gruß Matthias

    Avatar

    Alex1605 · 15. November 2020 um 13:22

    @ Sam: Burnham Bashing?? Also diese Rezension war ja weniger wertend, sondern erzählend. Wenig wertende Bemerkungen, allerdings bei Burnham stimmig.
    Burnham Bashing ist immer gerechtfertigt!
    Erstens ist Sonequa Martin-Green eine schlechte Schauspielerin…immerhin mit viel „Tränenflüssigkeit“. Als Sternenflottenoffizier eine Katastrophe. Egomanisch meutert sie, ist schlechter No.1 weil sie nicht loyal zu ihrem Captain ist. Schwere Entscheidungen kann sie auch nicht treffen. In der 2 . Staffel katapultiert sie ihre Kameradin nicht ins All, die einzige Lösung dieses Problems. Dann jammert sie rum, weil die Besatzung vielleicht getrennt wird. Ja, die Besatzung wird den Rest ihres Lebens nicht auf diesem einen Raumschiff verbringen.
    Dann Vollkommen emotional und unbeherrscht. Hat, wie Tilly, bei vielen Ausbildungen an der Akademie sicherlich gefehlt.
    Also das ist jetzt (gerechtfertigtes) Bashing.

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Detlef Gerschke · 15. November 2020 um 17:56

An Christiane Gref: organische Hüllen mögen für Sie nicht neu sein, weil Sie von den Borg aus den anderen Serien her kennen. Aber die Discovery-Crew kommt aber aus dem 23. Jahrhundert, hat noch nie von den Borg gehört. Und dann ist das aus Sicht der Discovery-Crew natürlich völlig neu !..

Langsam finde ich es auch etwas nervig, immer wieder zu lesen, dass das nicht nach 32. Jahrhundert aussieht. Wie soll denn Ihrer Meinung nach das 32. Jahrhundert aussehen ? Ist das wirklich so relevant ? Ich teile die Meinung Eures Thomas Götze: Dune spielt 10000 Jahren in der Zukunft und man sieht immer noch Tasten…natürlich könnte das eine oder andere Innovative dabei sein, so wie es bei Star Trek-TNG der Fall war. Aber vielleicht ist es für den Moment einfach mal wichtiger, dass Discovery mal eine gute und schlüssige Geschichte erzählt, denn das war in den ersten zwei Staffeln nur sehr eingeschränkt der Fall. Warten wir doch einfach mal ab, wie der Plot sich weiterentwickelt. Ob das 32. Jahrhundert an sich schlüssig dargestellt wird, können wir dann immer noch am Ende der Staffel ausreichend analysieren !

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Piero · 15. November 2020 um 18:04

Die Discovery tut gut daran, sich nicht mit dem galaktischen Internet zu verbinden. Stellt euch mal vor, die müssten ihren Computer nach Windows-art updaten – 900 Jahre Update’s 😀 😀
Da nützen auch die Sphären-Daten nichts mehr, da ist doch das ganze System zum Absturz verdonnert.

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Soldberg · 15. November 2020 um 18:44

Abgesehen davon, dass mir Nhans Abgang bzw. Verbleib auf dem Saatgut-Tresor-Schiff etwas zu schnell und spontan ging… Ich meine, man hat ihr ja nicht einmal ihre persönlichen Dinge “nachgeschickt”, aber okay… Ich glaube, ma wird sie noch einmal irgendwann sehen… Zumindest hat man sich diese Möglichkeit ja offen gelassen.

Immer wieder wird der Unmut kund getan, dass man bei der Darstellung des 32. Jh nicht mutig genug sei. Der Vergleich mag vielleicht etwas in dieser Hinsicht hinken, dass es in den letzten 50 Jahren (in unserem Heute) mehr Entwicklungen gab, als in den letzten 500 Jahren. Dass also die Entwicklungs-Entwicklung einem expotenziellem Wachstum unterliegt, das nur recht langsam Fahrt aufgenommen hat, um dann immer schneller zu werden… Ich denke genau diese Sache stört viele, dass das im 32. Jh eben nicht nach diesem Schema gelaufen zu sein scheint.

Aber vielleicht hilft auch hier wieder die Vergangenheit… Denkt man an die Antike… griechisches Wissen, römisches Know-How, der wissenschaftliche Stand im arabischen Raum in der Post-Antike… Im Mittelalter, gut 500-1000 Jahre später ist von all dem Wissen der Antike kaum etwas bis garnichts mehr bekannt. Wieso, weshalb, warum das eine solche Entwicklung nahm, lag sicher am Zerfall der Reiche…

Überträgt man das nun auf Discovery mit dem Brand – vielleicht als apokalyptischen Auslöser – halte ich den eingangs erwähnten, nicht ganz reinen expotenziellem Verlauf der technischen Entwicklung, für durchaus plausibel. Auch wäre es denkbar, dass irgendwann ein Punkt erreicht ist, an dem man an entwicklungstechnischen Grenzen steht, über die der Mensch nicht mehr hinaus gehen kann, vielleicht auch nicht will…

Als aktuelles Beispiel fällt mir hier der Bereich der Musikwiedergabe ein. Das Medium wechselt vielleicht einige Male… Schallplatte, CD, Cloud-Streaming… Aber qualitativ, an der Klangentwicklung, scheint sich subjektiv betrachtet kaum noch etwas zu bewegen…

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Nadja · 16. November 2020 um 6:30

Das ständige Technologie- und Burnham Gebashe nimmt mir ebenfalls die Lust am lesen. Es reicht einfach. Was hätten sie den Technologie mässig machen sollen? Eine Beam-Möglichkeit durch den ganzen Quadranten, damit es die Raumschiffe nicht mehr braucht? Sowas in der Art?

Und Martin-Green ist eine tolle Schauspielerin, die manchmal das Problem hat, dass das Script nichts hergibt. Cranston konnte auch erst mit Breaking Bad zeigen was er drauf hat.

Kritik schön und gut, aber ihr kommt mir inzwischen so vor, als würdet ihr bei TNG mit jeder Folge die Teppiche auf der Enterprise kritisieren, weil die es damals in TOS nicht gab.

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    Alex1605 · 16. November 2020 um 10:09

    @ Nadja:
    Was du schreibst kann ich nachvollziehen, auch wenn ich anderer Meinung bin, was Burnham anbelangt. Nur was tun wir hier? Unsere Meinung wiedergeben. Da spreche ich an was, was mir gefällt und was nicht. Deiner Logik folgend, würde ich Dinge nicht mehr ansprechen wenn sie mehrfach schlecht oder auch sicherlich auch gut waren. Und dann??? Ende der Meinung oder Kritik?
    Ich sage nein! Natürlich spreche ich bei einzelnen Folgen an, was gut oder schlecht war. Und das können tatsächlich dieselben Dinge sein.

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